WP006 Unterstützung der Selbständigkeit und Unterstützung von Startups (2)

da ich keine Berechtigung habe, einen Thread in der Antragsentwicklung zu öffnen, wo die SÄAs schon drin sind, mache ich das Thema hier auf.

https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2022.1/Antragsportal/WP006

Antragstext

Der Bundesparteitag möge beschließen:

Erstgründer sollen das Stammkapital für eine GmbH (25.000 EUR) zinslos finanziert bekommen und aus den Gewinnen zurückzahlen.

Begründung

Wer in Deutschland eine gute Geschäftsidee hat, um sich selbständig zu machen und dabei scheitert, kommt selten wieder auf die Beine.

Um das Haftungsrisiko zu begrenzen, ist die Gründung einer GmbH sinnvoll. Das Mindeststammkapital beträgt in Deutschland 25.000 EUR, von denen 12.500 EUR sofort eingezahlt werden müssen. Spätestens wenn dieses Kapital aufgezehrt ist, muss der Restbetrag nachgeschossen werden.

Das Stammkapital ist so hoch, um zumindest den Anlauf des Geschäftsbetriebes zu schaffen, bis die ersten nennenswerte Umsätze erzielt werden können.

Dieser Betrag ist dennoch eine große Hürde für junge Gründer. Um diese Startups in nennenswerter Anzahl zu fördern, soll bei Vorliegen eines guten Businessplans für zukunftsfähige Projekte das Stammkapital von Staat bzw. einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft gestellt werden, welches aus den Gewinnen vorrangig bedient werden muss.

Im Vergleich zu anderen Fördersummen in Millionenhöhe, die nicht rückzahlbar sind, hat ein solches Projekt durch die Streuung auf vielen Gesellschaften ein wesentlich geringeres Risiko und einen höheren, nachhaltigeren Effekt.

Die sogenannte Unternehmergesellschaft, die theoretisch mit nur 1 EUR als Stammkapital gegründet werden kann, birgt insbesondere für Erstgründer das permanente Überschuldungsrisiko und die Gefahr des Verstoßes gegen die Insolvenzordnung in sich.

Risikokapital (Venture-Capital) ist in Deutschland nach wie vor nicht im Alltag angekommen und steht selten für Erstgründer zur Verfügung.

Hier bin ich etwas verwirrt:

Gründer sollen ein Darlehen bekommen um das Stammkapital einer GmbH einzuzahlen, es soll dann aus den Gewinnen der GmbH zurückgezahlt werden.

Wenn der Gründer das Darlehen bekommt, dann muss der Gründer das auch zurückzahlen (nicht die GmbH). D.h. es kann allenfalls aus Ausschüttungen aus der GmbH zurückgezahlt werden. Auch wenn Ausschüttungen und Gewinne oft in einem Zusammenhang stehen, so wird (wenn die Gesellschafter einigermassen besonnen agieren) der erste Gewinn nicht sofort ausgeschüttet. Oder soll es ein Zwang geben, dass Gewinne sofort ausgeschüttet werden müssen, damit der Gründer Einnahmen hat und damit das Darlehen zurückzahlen kann? Das würde eine neu gegründete GmbH doch extrem belasten.

Und was ist, wenn die neue Gesellschaft schnell scheitert, der Gründer aber ansonsten erhebliche Einnahmen hat? Dann soll das Darlehen nicht zurückgezahlt werden sollen?

Für mich nicht wirklich schlüssig.

Viele Grüße

Lothar

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Wen dem so wäre würde es sich ja lohnen mal ganz viele GMBHs zu gründen die ihrem Vorstand ein üppiges Gehalt zahlen dann aber nach 1-2 Jahren halt mangels Einnahmen pleite gehen…

Investorengelder verprassen ist bei einigen StartUPs ja nicht so unüblich… Schlecht für den Steuerzahler wenn dann der Staat als Investor auftritt…

Wenn ich mir die “Kompetenz” der hiesigen Politik in Sachen Internet, Technik usw. ansehe dann wäre es ohnehin besser der Staat hält sich da komplett raus anstatt Steuerzahlergeld (Ja das muss man den Leuten ja erstmal durch Steuern Stehlen). Irgendwo zu verlochen.

Startupförderung geht für mich ganz einfach: Steuern für neu gegründete Unternehmen senken. So hat der Staat erstmal wenig Bürrokratie Aufwandt und das Risiko das der Staat abgezockt wird wäre auch nicht vorhanden.

Wie macht das bitte Sinn?

Das ist tatsächlich der aktuelle Stand. Wenn eine GmbH die Hälfte des Stammkapitals verloren hat, müssen die Geschäftsführer unverzüglich eine ausserordendliche Gesellschafterversammlung einberufen, damit das Stammkapital erhöht wird.

Damit kann man so eine “1-€-Unternehmergesellschaft” nur sinnvoll betreiben, wenn man vom ersten Tag schon Einnahmen hat.

Und was spricht gegen eine UG mit €100 oder €1000 Stammkapital?

Eine UG zu gründen ist immer ein zweischneidiges Schwert. Ja, man ist aus der persönlichen Haftung raus, da die UG ebenso wie die GmbH eine Kapitalgesellschaft und somit eine juristische Person ist, und es wird nicht so viel Gründungskapital benötigt wie bei einer GmbH…

Allerdings gibt es bei der UG einige Nachteile, die berücksichtigt werden müssen. Gründungskosten, Buchhaltung/Steuer, Geschäftsbeziehungen im B2B Bereich, etc…

Bei der Gründung der UG ist genau wie bei der GmbH eine notarielle Beurkundung sowie der Eintrag in das Handesregister notwendig. Soweit so gut, möchte man aber später die UG in eine GmbH überführen, fallen diese Kosten nochmals an.

Für das Umfirmieren in eine GmbH gibt es aber mehr als genügend Gründe. Da die UG mit noch weniger Kapital haftet als die GmbH, ist es im Bereich der Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen (Kunden, Versicherungen, Banken, Lieferanten) immer deutlich schwieriger als UG zu handeln. Meist bekommt man dadurch schlechtere Konditionen.

Wenn es um die Buchhaltung und Steuern geht, muss buchhalterisch der selbe Aufwand (und damit Kosten) aufgebracht werden, wie bei einer GmbH.

Alles in allem ist es daher meiner Meinung nach eher besser, mit den 12500€ Mindeststammkapital eine GmbH zu gründen, als mit 1€ eine UG.

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Also halten wir fest: Nachteile einer UG sind

  • Man erscheint weniger seriös als eine GmbH, weil man mit weniger Geld haftet
  • Man sollte früher oder später 1000-2000 Euro ausgeben, um eine GmbH zu werden

Warum genau führt das zur Konsequenz, dass der Staat für jede Erstgründung mit €25.000 haften soll? Warum nicht das österreichische Modell, bei der die ersten zehn Jahre nur €5000 als Bareinlage für das Stammkapital zu zahlen ist?