Wieso berücksichtigt der Wahl-O-Mat nicht, dass es Erst- und Zweitstimme gibt bzw. dass es bei der BTW Dirketmandate gibt und die BTW nicht nur eine Parteienwahl ist?

Beim Wahl-O-Maten werden nur die Parteien befragt, jedoch nicht die Direktkandidaten der Wahlkreise, Die kummulierte Meinung bzw. das Wahlprogramm einer Partei kann sich doch aber von der einzelnen Meinung eines Direktkandidaten unterscheiden und es gbt auch parteilose Direktkandidaten.

Als Wähler hat man doch irgendwie das Recht zu Wissen, wie ein Direktkandidat dann wohl tendeziell im Bundestag abstimmt UND man will ja auch, dass der Dirketkandidat im Bundestag einzig und allein seinem Gewissen verpflichtet ist (ich meine so steht es im GG) und nicht in erster Linie dem Parteiprogramm oder Fraktionszwang.

Wieso kann ich also nur checken in wie weit meine politische Einstellung mit dem Programm von Parteien übereinstimmt, jedoch nicht inwieweit mit der Einstellung des Direktkanidaten meines Wahlkreises?

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Das ist das mit dem “dezentral”.

Es kann schon erwartet werden, dass sich jeder ein persönliches Bild macht, über seinen Direktkandidaten.
Da bei uns z.B. für Laschet nicht geworben wird hängt tausendfach monoton der
“Ihr Abgeordneter” herum.

Komplexer wird es dann aber wie bei uns, wenn über Bande gespielt wird, wenn also ein Kandidat gewählt wird, der gar keine Chance gehabt hätte, einzig, um dessen Partei und den nicht direkt kandidierenden Listenersten aus dem gleichen Wahlkreis zusätzlich ins Parlament zu bringen.

Die strikte Fokusierung auf die Parteiprogramme produzieren eben so “Scholz-O-maten”-Spitzenkandidaten, die in der Öffentlichkeit immer nur das sagen, was Parteilinie ist, aber nicht, dass was sie denken.

oder was sie hinterher dann tun…

Gruß
Andi

Wobei dies vorallem für die Abgeordneten in wirklichen Spitzenpositionen gilt, die sich aufgrund ihrer Machtpositionen in besonderer Weise bei ihren Wahlkreisen beliebt machen können. Ich glaube z.B. Nordstream 2 wäre von einem anderen Kanzler weniger stringend verfolgt worden, als von einer Kanzlerin in deren Wahlkreis zufällig die Pipeline endet. Oder auch die Bildungsministerin Karliczek, die zufällig dieses Batterieforschungszentrum in ihrem Wahlrkreis in Münster bauen lässt und dabei einfach mal das Standortverfahren übergeht.

Das alles ändert nichts daran, dass die Abgeordneten, welche nicht über Machtpositionen wie Ministerposten verfügen, dem Fraktionszwang unterbunden sind und dadurch die Regierung und die Parteien zu viel Macht haben und die Abgeordneten zu wenig.

Durch die Parteien bekommen die einzelnen Kandidaten aufoktroyiert was sie zu sagen haben, sonst werden sie gerügt.

Durch die Fraktion bekommen die einzelnen Abgeordneten aufoktroyiert, wie sie abzustimmen haben, sonst werden sie nicht mehr aufgestellt.

Wenn man etwas daran ändern will muss man kleine Schritte gehen, Einen habe ich mit diesem Thread aufgezeigt.

Der Wahl-O-Mat für die BTW 2021 ist draußen. Es wird nur das Parteienprogramm berüchksichtigt und nicht die Direktkandidaten der Wahlkreise oder die Spizenkandidaten der Parteien. Allein dadurch entsteht schon ein verzerrtes Bild, da Olaf Scholz wohl kaum ein Kandidat der SPD ist, der vollkommen hinter deren Wahlprogramm steht.

https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/app/main_app.html

Ich finde es auf jedenfall schon etwas bescheiden, dass der Wahl-O-Mat seit seiner Einführung kaum weiterentwickelt und ausgebaut wurde. Ja, Kleinigkeiten schon, wie z.B. dass jetzt alle Parteien ausgewählt werden können, aber naja, da geht noch mehr.

Gibt doch auch deinen Check der Direktkandidaten: Bundestag 2021 | Kandidierenden-Check

Gibt auch einen Check der Handlungen der Politiker und Parteien, genannt Wahl-O-Meter von Democrcy Deutschland: DEMOCRACY App