Wehrmaterial

Tags: #<Tag:0x00007f34656c5b10>

Unsere Soldaten werden mit untauglichen Geräte in Einsätze geschickt. Das ist schon so, seitdem die Bundeswehr sich wieder an internationalen Einsätzen beteiligt. Auch eine Erhöhung des Wehretats auf x% von irgendwas wird das Problem nicht lösen.

Problem: Es muss ein Europäisches Produkt beschafft werden - die Quasimonopolisten lassen sich die Entwicklung bezahlen und liefern dann Schrott zu Wucherpreisen.

Ich bin viele Jahre Heeresflieger gewesen und habe 1991 die fliegerische Grundausbildung auf einer Alouette II von 1957 durchlaufen. Ich habe erlebt, wie wir den Apache nicht gekauft haben um den Tiger zu entwickeln und den Blackhawk nicht gekauft haben damit wir den NH90 bekommen. Zwischendurch haben wir mit der NVA fusioniert und 42 russische Kampfhubschrauber “Hind” übernommen - um sie dann zu verschrotten.

Ich habe damals von einer Karriere als Berufsoffizier abgesehen, u.a. weil die Materialkatastrophe sich damals schon rapide verschlechterte.

Falls wir nach der nächsten Bundestagswahl den Verteidigungsminister stellen, sollten wir vorbereitet sein.

Sind wir. Wir haben die Tooldiskussion inzwischen bis zur Perfektion entwickelt und eine Bundeswehr ist da so was von geeignet dafür … hust

Mal ganz ab davon, auf was willst Du hinaus?

1 Like

Ich denke, wir sollten eine Position zu diesen Thema haben. (Ich habe da nichts gefunden, überhaupt recht wenig zur Sicherheitspolitik).

Frag da mal nach, da sind die Akteure zu finden, die sich mit dem Thema unter anderem beschäftigen. Die kennen auch die Ansprechpartner.

https://twitter.com/PirateSecon

1 Like

Danke, folge ich jetzt.

1 Like

Wir hatten/haben auch die https://twitter.com/UG_Verteidigung (Wiki: https://wiki.piratenpartei.de/AG_Außenpolitik/UG_Verteidigung), leider ist die momentan etwas inaktiv, aber wir versuchen gerade zu reaktivieren. Die Piraten haben inzwischen zu fast allen Themen was zu sagen, nur mit der Verteidigungspolitik hapert es. Die Meinungen dazu dürften innerhalb der Piratenpartei allerdings auch erheblich differieren. Es gibt einige, die sagen, dass man die Bundeswehr komplett abschaffen sollte. Meines Erachtens wäre das aber komplett falsch in der aktuellen Lage. Wir sind leider nicht Island. Und in Kerneuropa halte ich eine einsatzbereite Armee noch immer für notwendig. Über Umfang und Ausstattung kann man sich noch streiten.

Die UG Verteidigung hatte 2013 mal einige Puntke ausgearbeitet und als Antrag eingebracht, der allerdings aus Zeitgründen damals nicht mehr behandelt wurde: https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2013.1/Antragsportal/WP022

Einige Punkte des Antrags sind vollkommen überholt, andere kann man 1:1 wieder weiterverwenden.

Was das Material angeht, so stand in der Reservistenzeitschrift “loyal” vor einiger Zeit mal die Zahl von rund 30 Mrd. bis ca. 2025 als Mindestbetrag, um die Einsatzbereitschaft beim Material wieder herzustellen. Die 2% vom BIP aus der NATO-Forderung ist bullshit und steht da nur, damit die Amis weiter Waffen verkaufen können. Aber mehr als bisher ist leider aktuell erforderlich, auch wenn es in Bildung und Gesundheit besser investiert wäre.

Die Bundeswehr wurde kaputt gespart, die Ersatzteilvorhaltung auf die Industrie verlagert. Beides hat nicht funktioniert. Inzwischen ist die Hälfte des fahrenden und fliegenden Materials nur noch Ersatzteillager, um die andere Hälfte halbwegs am Laufen zu halten. Das kann so nicht sein. Auch was die Ausrüstung angeht, machen wir uns lächerlich. Das an sich sehr gute GTK Boxer musste schon mit Besenstielen statt Maschinenkanone zur Übung der NATO-Speerspitze, weil die Teile noch nicht verfügbar waren. Der von dir angesprochene Tiger-Kampfhubschrauber ist eine totale Fehlbeschaffung, da während seiner Entwicklung Deutschland noch keine Bugkanone an Kampfhubschraubern haben durfte (dürfen wir inzwischen), das Teil aber ohne selbige aber reichlich sinnfrei ist (aktuell wird MK an Stummelflügeln befestigt, so dass Helicopter sich jedes Mal ins Ziel drehen muss). Der NH90 mag nicht schlecht sein, der Blackhawk ist aber deutlich besser geeignet. Zumindest beim Ersatz des MTH CH53 hat man sich endlich eines besseren besonnen und zieht nur am Markt verfügbare Modelle in Betracht, statt auch hier auf eine europäische Neuentwicklung zu setzen.

Nicht falsch verstehen, mir wär es auch lieber, Eurocopter & Co könnten in Europa entwickelte und gebaute Systeme liefern. Dann ist wenigstens keine US-Killswitch drin. Aber trotzdem sollte man Aufwand und Nutzen in Betracht ziehen. Und bei einigen Sachen kommt da einfach nix an vorhandene Marktführer ran. Im Gegensatz ist die deutsche Panzertechnik aber führend, wie man (immer noch) am Leo 2 oder eben auch am Boxer sieht. Was die Entwicklung des MGCS bringt, wird sich zeigen. Angesichts des T-14 Armata wird die Entwicklung aber wohl mal wieder viel zu spät kommen. Da hat man viel zu viel Zeit verschlafen, als die UdSSR am Boden lag und der Westen die russischen Truppen als nicht mehr ebenbürtig ansah. Inzwischen hat Russland massiv entwickelt und aufgerüstet. Allerdings dürfte Russland wohl auch nicht der nächste Gegner bzw. Kriegsauslöser sein. Eher entsteht ein Konflikt zwischen Russland und China oder China und USA.

Aber zurück: Ja, wir benötigen dringend eine Überholung der gesamten Armee. Allerdings nicht zwingend schon wieder eine Reform, sondern eben neues Material, mit dem man noch was tun kann. Dazu gehört übrigens definitiv nicht der von vdL unbedingt gewünschte Austausch des G36. Das Teil ist immer noch klasse und wird selbst von Spezialeinheiten gelobt. Das Geld kann man sich also sparen und lieber in Bodensysteme und Luftfahrzeuge investieren. Die Marine hat 6 tolle Brennstoffzellen-U-Boote die - wenn mal Ersatzteile verfügbar sind, alles repariert ist und auch Mannschaften verfügbar sind - absolut ausreichen. Auch die F-125 Klasse ist ausreichend (wenn auch veraltet geplant).

Ergo: Wir brauchen ein Konzept für eine sinnvolle Ausstattung der Armee und eine Neuregelung der Einsatzparameter. Die Bundeswehr ist weder für Mali geeignet ausgestattet, noch muss man dort unsere Freiheit verteidigen. Klar sind dort Terroristen am Werk, aber die Afrikanische Union soll ihren Scheiß mal selbst klären, statt sich gegenseitig zu bekriegen. Und am Hindukusch müssen wir unsere Freiheit auch nicht zwingend verteidigen, das würde an den Bündnisgrenzen wohl ausreichen. Gegen Terrorismus hilft so oder so keine stehende Armee.

Die Piratenpartei sollte sich also bis zum nächsten Parteitag dringend Gedanken dazu machen, wie sie zur Bundeswehr und Verteidigungspolitik steht. Gern auch unter Berücksichtigung der Abschaffung nationaler Armeen zu Gunsten einer europäischen Armee, ggf. unter Beibehaltung einer Art “Nationalgarde”.

3 Likes

Das wäre doch eine schöne Utopie. Und würde als Programmpunkt gut bei uns rein passen, denke ich.
Ich sehe das Wehr-Thema zwar nicht als Kernthema der Piraten an, aber uns den Schutz unserer Mitbürger in Uniform durch adäquates Material auf die Fahne zu schreiben, wäre wiederum schon ein Thema.
Insbesondere da viele Probleme bei der Ausrüstung ja auch wieder der Intransparenz der Beschaffung geschuldet sind.
Und die Abschaffung der Intransparenz beim Staat IST ein Kernthema der Piraten.

Gruß
Andi

1 Like

„Europäische Lösung“ könnte ein Schlagwort sein.

Übriges ist das amerikanische fliegende Material möglicherweise nur deshalb besser, weil mehrere Unternehmen im Wettbewerb stehen und die Regierung bei den besten kauft.

Ich hab nicht gesagt, dass es besser ist. Aber ausgereifter. Die wissen halt, was sie brauchen und wofür es gut sein muss. Bei uns will jeder was anderes in einem einheitlichen System, wobei eben jedes Land darauf bedacht ist, der eigenen Industrie die meisten Aufträge zuzuschustern. Das kann so nicht funktionieren. Vor allem dann nicht, wenn Bauteile in Werken zusammengesetzt werden, die jeweils besser für die Arbeit geeignet wären, die aus politischen Gründen das jeweils andere Werk ausführen muss.

Ansonsten gibt es aber auch in Europa ausreichend Anbieter, auch für fliegende Systeme. Aber man will halt, dass alles von EADS geliefert wird, statt von Saab, Dassault, BAE und wer sonst aktuell alles noch was macht. (gibt es die genannten Firmen denn überhaupt noch?).

Was die Transparenz bei Wehraufträgen angeht, so geht das natürlich nur, wenn die technischen Details der Systeme geheim bleiben. Aber den kaufmännischen Kram kann man sicher teilweise offenlegen.

1 Like

Der Kohl-Mitterand-Trick war ja, die Unternehmen zu fusionieren. Wie haben mit der Münchner Bastel Bude (MBB) die einzige Hubschrauberfertigung (und damit das Wissen) in Deutschland aufgegeben - obwohl unsere „Mühlen“ klar besser waren. (Darf ich wohl sagen - ich habe sowohl die BO105 als auch die Gazelle (die nur von linken Sitz am WS und nur wenige Stunden) beflogen.

Ich würd nichtmal soweit gehen, dass Eurocopter nur Müll baut. Das Grundwissen von MBB ging ja nicht verloren. Das Problem ist aber, dass wie beim Tiger die Entwicklung solange dauert, dass sich die politische Welt inzwischen ändert, wir aber trotzdem keine Bugkanone haben, weil das nicht mehr einzubauen war. Und die Avionik-Systeme dann auch noch unterschiedlich sind, weil Frankreich und Deutschland jeweils die eigene Wirtschaft einbinden wollte. Hier muss man wegkommen vom Kirchturmdenken. Die Politik sollte nicht vorschreiben, wo die Komponenten gefertigt werden. Dass muss der Anbieter selbst entscheiden.

Ich präferiere aber klar, dass wir vorrangig Waffensysteme einsetzen, die auch in Europa entwickelt und gebaut werden. Da weiß man dann, was man drin hat. Aber eben im Sinne “Auftrag geht an Rheinmetall/Eurocopter/KMW” und nicht “Eurocopter bekommt Auftrag, die Zelle muss aber in Toulouse gebaut werden, die Radarsysteme für Frankreich kommen aus Marseille, die für Deutschland aus München und die linken Außenblinker müssen in Italien gekauft werden”.

Und wo es einfach Sinn macht, ist auch einem Produkt eines NATO-Partners Vorrang zu gewähren. Es wäre sinnfrei, einen neuen MTH selbst zu entwickeln, wenn Chinook und CH53 schon verfügbar sind und soweit taugen. Gleiches hätte beim NH90 passieren müssen. Da hätte man auf den Blackhawk setzen können. Der funktioniert und ist praktikabel.

Rüstung sollte unter eigener Regie laufen, aber eben trotzdem wirtschaftlich sinnvoll laufen. Wenn dann noch das EU-Parlament ähnliche Rechte wie der Bundestag bekommt, dann können wir auch endlich eine Europäische Armee aufbauen und die Länder unterhalten nur noch kleine Nationalgarden.

3 Likes

Hallo,

Ich bin ja froh diesen Thread gefunden zu haben, falls Unterstützung gebraucht wird u.U. Anträge auf ihre Verständlichkeit durchzulesen, kommt gerne auf mich zu.

Der Zustand der Bundeswehr macht mir schon sehr lange Sorgen. Die unten verlinkte Reportage hat dies bei mir nur noch verstärkt.

Als die Sau “G36” durchs Dorf getrieben wurde, habe ich erst durch Recherche nach der Schlappe von vdL vor Gericht kapiert, was da für einen Bock geschossen wurde. Den größten Käse haben wir uns allerdings endgültig mit Outsourcing eingebrockt: endgültige Abbau der Ersatzteil Bevorratung bei der Truppe, Auslagerung des Fuhrparks.

Des Weiteren stellen sich mir die Frage, inwiefern auch eine gemeinsame Beschaffung von Bundeswehr und den anderen Sicherheitskräften von Bund und Land möglich wäre.

Ergänzend zur Bundeswehr ist mir auch aufgefallen, dass wir nichts zum Zivilschutz haben.

Hier müsste auch geklärt werden, wo es da Verbesserungsmöglichkeiten und Vernetzungsmöglichkeiten im Rahmen eines sicheren Kommunikationsnetzes für den Katastrophenfall gibt.

Bzgl. 2% Ziel.

Halte ich dieses Ziel für Mist, jein. Im Bezug auf unseren Bundeshalts wäre das praktisch eine Verdoppelung der Ausgaben auf 72 - 80 Milliarden €. Wenn ein nennenswerter Teil des zusätzlichen Geldes in den Infrastrukturausbau geht um im Zweifelsfall auf jeden Fall, Material und Menschen durch die Republik zu verschicken, soll es mir soweit recht sein, wenn dadurch insbesondere die Schieneninfrastruktur saniert und ausgebaut wird. Gleiches Potenzial sehe im übrigen auch im Bereich des IT-Infrastruktur, warum nicht Ausbau von Bürgernetzen und des Zivilschutzes parallel fördern, natürlich möglichst dezentral.