Was wird aus OpenSource und Linux?

Von Ubuntu und Debian redet ja keiner mehr. Davon um so mehr über Google Android und neuerdings HarmonyOS von Huawei. Beides basiert auf Linux, aber mit massiver Überwachung und bei den Chinesen ganz sicher auch Zensur.

Man liest da die Berichterstattung, wo es in der Presse immer heißt “Googles Android”, oder Hueweis neues Harmony OS. Ganz so als wäre diese Software ganz allein von den kommerziell agierenden Großkonzernen erschaffen worden. Das da millionen Arbeitsstunden zahlreicher Linux und OpenSource Entwickler mit drinnen stecken wird von der Presse mit zunehmender Ignoranz unterschlagen und nicht mit dem kleinsten Hinweis erwähnt.

Ich finde das ein interessantes Phänomen, wird doch so in der Öffentlichkeit der Eindruck verstärkt das die Konzern Software doch im Grunde das einzige und alternativlose ist was es gibt. Ist es wirklich die Aufgabe einer freien Presse die großen Digitalkonzerne derart unkritisch zu hoffieren ?

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Kein Verlust.

Und zwar fälschlicherweise, denn der Hersteller von Android ist die Open Handset Alliance und die Open-Source-Variante von Android (also “die normale Version”) enthält keine Googledienste.

Die größten Beiträge zum Linuxkernel stammen längst von großen Konzernen wie Oracle, Red Hat, IBM und Microsoft. Die NSA ist selbstverständlich auch darunter. Wäre es dir insofern lieber, die Presse spräche von “dem gemeinsam von Google, Oracle, Red Hat, IBM, Microsoft und der NSA entwickelten Android”?

Ist denn die Wahrnehmung bei anderen Linux-Derivaten anders?
Bei Ubuntu denkt man auch an Canonical oder bei Red Hat und SUSE an die gleichnahmigen Unternehmen.

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Dennoch wird Linux meist als der konzernfreie Gegenpol zu den “großen Systemen” beschrieben, dabei vereint es mehr Konzerne auf sich als die anderen Systeme zusammen. Erschwerend kommt hinzu, dass Linux - rechtlich gesehen - einer US-amerikanischen Stiftung gehört und von einem US-amerikanischen Entwickler geleitet wird.

Zum Thema Open Source (und was Piraten fordern sollten) hatte ich ja hier schon ein paar Überlegungen angestellt:

Es ist ja generell das Problem das der Mythos Linx v.s. alles andere aufgebaut wurde.
Dabei reicht ein Blick auf die Entstehungsgeschichte das Linux einfach yet another unix, but for free sein sollte und sich das ein klein wenig verselbstständigt hat.

Fakt ist auch, das wenn Software eine kritische Größe erreicht für diese Software auch entsprechende Support, Verteil und Vertriebsstrukturen benötigt werden.

Und was ist so schlimm daran das Linux in so vielen Geschmacksrichtungen daherkommt? Ist für jeden und jeden Anwendungszweck was dabei.

Und wenn mag mag sogar ohne die Anbindung an große Konzerne.

*send from Gentoo 17.1

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wie kommst du den auf diese schräge Idee?

Linux steht unter der GPL Lizenz und gehört niemand.

Geführt wird das Entwicklerteam von Linus Torvalds

Was Du meinst, ist vermutlich die Linux Foundation.

Der US-amerikanischer Staatsbürger ist und damit der US-amerikanischen Gesetzgebung unterworfen ist, was seine Arbeit (und letztendlich auch die Beiträge zum Code) angeht.

Der Code unteliegt der GPL und wird von einer weltweiten Community mit Argusaugen beobachtet.
Außerdem wird Linux in erster Linie von sogennanten Distributionen zu
verteilt, (Debian, Suse, Fedora uvm.) welche auuch noch einen Blick auf den Code werfen.
Schau dir mal die Vita von Torvalds an, der würde eher kündigen und den Linuxkernel forken, bevor er Spysoftware einbaut.

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Und fast alle von ihnen gehören US-amerikanischen Unternehmen, deren eigene Erweiterungen „eher selten“ konsequent offengelegt werden. Mithin: genau so vertrauenswürdig wie Microsoft - denn der Linux-libre-Kernel, der sich dadurch auszeichnet, keinerlei Closed Source in der Firmware auszuliefern, ist in keiner namhaften Distribution Standard. (Dass die NSA ihre Trojaner längst auch auf Chips unterbringt, ist an dieser Stelle noch gar nicht beleuchtet.)

Wer freie Software will, die nicht NSA-gefährdet ist, der sollte nach Kanada blicken.

Naja auch Kanada gehört zu den Big-Five.
Was macht dich da zuversichtlich, das es da besser ist?

Nehmen wir mal eine Standard Distribution wie Debian oder Ubuntu. Das ist ja nicht nur der Linux Kernel sondern auch die Tools dazu. Firefox, Gnome, SSH, Office Anwendungen, Gimp etc und pp. In irgendeiner dieser Anwendungen wird sich wohl immer ein bisher unbekannter Exploit finden der es Geheimdiensten erlaubt zuzugreifen. Vor allem wenn alle Dienste weltweit aktiv danach Suchen und im Darknet Sicherheitslücken aufkaufen. Ich vermute mal das der einzige Grund warum das DarkNet nicht verboten wird genau das ist. Es ist eine Möglichkeit an Informationen auf dem Schwarzmarkt zu kommen die ansonsten nicht verkäuflich wären.

Im Grunde leiden doch alle Systeme daran das Sie viel zu komplex geworden sind. Siehe WebBrowser, mit Javascript, Cookies, CSS, und so weiter und so fort. Da findet sich doch immer was was sich ausnützen lässt.

Unabhängig davon ob da nun der Rechtssitz Kanada oder USA oder sonstwo ist. Die Entwickler Communities agieren ja sowieso global.

Was es eigentlich bräuchte wären Systeme die super simpel sind, stark abgesicherter minimalistischer Browser der in einem Container läuft. Texteditor und Tools die so wenig Balast wie möglich mit sich rumschleppen. Aber heute sind ja selbst irgendwelche Mini Tools 50 MB groß weil da eine riesen Menge an Libraries und Paket Abhängigkeiten mit dran hängt. Das alles umfassend abzusichern ist defacto eigentlich unmöglich. Da geht es am Ende ja nicht nur um die 5 Eyes sondern auch die ganzen Ransomware Gruppen die Krankenhäuser und andere Infrastruktur angreifen. Je komplexer und damit unübersichtlicher die IT wird, desto mehr davon werden wir wohl erleben.

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„Garantiert gefährdet“ ist schon was anderes als „möglicherweise gefährdet“.

Wer oder was hindert dich an der Nutzung von Systemen, die supersimpel sind, eines stark abgesicherten minimalistischen Browsers sowie eines Texteditors und sonstiger Tools, die so wenig Ballast wie möglich mit sich rumschleppen?

Niemand zwingt dich, gute Software mit wenig Abhängigkeiten (zum Beispiel) durch diesen JavaScript-basierten Rotz, der ein halbes Gigabyte RAM im Leerlauf verbrät, auszutauschen. Tu’s halt nicht.

OpenSource und Linux-Distributionen haben nach wie vor Zukunft.
Sehr viele Server laufen mit Linux.
Wer nach Alternativen zu Windows Software sucht, sollte recht gut bedient werden, mit freier Software.
Da braucht man sich nicht den Kopf zu zerbrechen, so lange keines der verfügbaren Systeme eine Monopolstellung hat.
Oder ich verstehe den Thread nicht.

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Es gibt keine brauchbare freie Alternative zu den Adobe- oder Serif-Grafikwerkzeugen. Inkscape gegen Illustrator/Affinity Designer und GIMP gegen Photoshop/Affinity Photo ist ein bisschen wie Lada gegen Porsche: Nicht mal den Versuch wert.

Das könnte sicherlich auch daran liegen, dass Designer ihr Geld mit Grafik verdienen und darum auch bereit sind, überhaupt erst Geld für so was auszugeben - und deswegen arbeiten innovative Entwickler und Forscher (und auch Qualitätssicherer) halt für Serif und Adobe und nicht für irgendwelche freien Teams, die das aus Jux in ihrer Freizeit runterprogrammieren.

Ich muss korrigieren.
Wer als Privatanwender, nach Alternativen zu teurer Windows Software sucht, sollte recht gut bedient werden, mit freier Software.

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“Was wird aus OpenSource und Linux?”

Tja, was soll werden? Nachfrage ist weiterhin da, also wird es bleiben. Android (“war ja auch mal Linux”) und iOS (“walled garden”) sind inzwischen ganz eigene Ecosystems, die nach dem Microsoft-induzierten Nokia-/Symbian-Niedergang Anfang der 2010-er in die frei gewordene Position geflossen sind und sich mangels kräftiger Konkurrenz zu einem starken Duopol entwickelt haben.

Da Linux-Distributionen regelhaft kein Geld bringen, sondern eher mit Idealismus geschmiedet werden, gibt es dahin gehend nur Download- und keine Verkaufszahlen (außer bei spezifischen Businesslösungen). Zudem werden nach wie vor Systeme für den Privatanwender eher an OEM-Windows gebunden oder aber als Apple-Produkt mit iOS angeboten, Linuxbundles sind dagegen eher nischenhaft (wenngleich deutl. günstiger).

Russlands “AuroraOS” und Huaweis “HarmonyOS” sind jeweils Forks des finnischen “SailfishOS”, von dem aus ich hier auf dem Handy diese Abhandlung tippe - m.M.n. der einzige verdiente Nachfolger aus (Ex-)Nokias Schmiede, Nachteil: ohne Manipulation läuft kein Bankingprogramm, da die jeweiligen Entwickler “rooted=böse” anzunehmen scheinen. Bereits zu Beginn der Coronawarnapp zeigte sich, dass nur Android und iOS bedacht wurden, auf SFOS lief es per Design nicht - auch wenn per Kompatibilitätscontainer Android-apk regelhaft ausgeführt werden können (akt. auf Android 9).

Viele Server laufen nach wie vor auf GNU/Linux, Auto-IT, Mediaplayer (Kodi/OSMC-Systeme), Fernseh-IT (WebOS), Industrie-/Administrationssysteme in KRITIS-Strukturen - ein Aussterben von Linux/BSD fürchte ich aktuell nicht. Es ist alles da, aber es verlangt a) den Willen und die Energie, (Apple-/Google-)Werbung zu ignorieren und selbst nach der passenden Distro zu suchen, b) zu akzeptieren, dass man so viel Macht in die Hand bekommt, dass man sich besser einliest, um das volle Potenzial ausschöpfen zu können, statt für jedes kleine Detail eine eigene App zu brauchen, c) damit klarzukommen, dass für viele User Windows, iOS und Android auf Grund der per Design eingeschränkten Funktionalitäten besser handelbar sind, da es keine große Zusatzarbeit bedeutet, ein schönes, persönlich ansprechendes User Interface einzurichten, wenngleich man dies durch Geld und Herstellervertrauen erkauft.

OpenSource scheitert oft an der finanziellen Seite (“OpenSource=kostenlos” scheint eine weit verbreitete Maxime zu sein, ich selber zahle gerne ohne es zu müssen, um den Devs zumindest ansatzweise Wertschätzung zukommen zu lassen) und dort, wo es plötzlich mit einer proprietären Schnittstelle kommunizieren muss, die gern durch den Rechteinhaber mit teuren Lizenzen gehalten oder gar nicht erst für nicht erwünschte Systeme geöffnet wird (Bsp: Nvidias Nichtbereitschaft, GNU/Linux mit GeForce-Grafiktreibern arbeiten zu lassen, wobei eigene Rückentwicklung stafbar ist).

TL;DR: Win10 is a mess (die letzten Updatepirouetten amüsierten mich NICHT), alles davor wird nicht mehr supportet, Apple ist closed-as-it-gets, und Android ist… Android. Es gibt keinen Grund, warum Linux oder auch OpenSource verschwinden sollte, auch wenn die anderen Big Player von Anfang an darauf viel Energie verschwenden. Hört nicht auf die Fanboys, sondern verschafft euch ein eigenes Anforderungsprofil und schaut, wer zu welchem Preis (auch nonmonetär, denkt z.B. an Daten) das alles abdecken kann.

Cheers!

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Ich würde auch außerordentlich ungern mein Geld mittels eines Geräts verwalten müssen, das aus vermeintlich technischen Gründen ständig wissen (und bekanntgeben) muss, wo ich bin. Auch sonst halte ich Fernkontoführung (“Onlinebanking”) für hinreichend riskant, dass ich das eher als Chance denn als Nachteil versehen würde.

Und wenn man das ein paar Jahr(zehnt)e lang macht, dann wird man verstehen: Open Source mag für den Serverbetrieb fast so gut geeignet sein wie proprietäre Systeme - für den Desktopbetrieb hingegen muss man im Regelfall deutlich zu viele Kompromisse eingehen.

Welche?

Ich war lange Zeit Ubuntu Desktop User, bis ich meine Computersucht beendete. Nun nutze ich nur noch meine Androiden und das sei Gott sei Dank kein Windows.

(Nur Linux:) Stabilität und Sicherheit.
(Alle:) Kohärenz in GUI und Kommandozeilenparametern, (u.U.) Einhaltung von Standards.

Sind jetzt so die ersten, die mir einfielen.