Was ist das Problem an "linker" Politik?

Ich lasse den Tweet von Gratwhel hier mal so unkommentiert stehen.

Weil das Thema kürzlich (mal wieder) aufkam..
Ich hätte da eine Frage an einen bestimmten Teil der (Ex)#Piraten(-Sympathisanten).

Welche politischen Themen sind eigentlich "zu links" und "zu grün", und warum, bzw. was genau ist das Problem an "linker"/progressiver Politik?

— Impf dich, du S (@Gratwhel) January 22, 2022
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Was ist denn die Definition von Links ?

1.) Arbeiterrechte, hoher Mindestlohn, Arbeitszeitverkürzung, Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Kostenfreie Bildung, Krankenversicherung für alle, mehr materielle Gleichheit, Menschenrechte usw…

oder:

2.) Gendern, Political Corectness, Cancel Culture, Elitärer Moralismus der Akademiker Schichten und von den Bildungsbürgern etc…

Mit Punkt 1 bin ich voll einverstanden. Punkt 2 halte ich für völlig unwälbar (Deswegen bin ich ja auch kein Parteimitglied und im übrigen mittlerweile sogar NICHTWÄHLER) weil sich die Progressiven/Linken Parteien von ihren Ursprungstehmen immer mehr dahin entwickelt haben die Leute Moralisch umerziehen zu wollen anstatt dafür zu kämpfen das ihr Leben besser wird.

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Du musst da vermutlich ein bisschen stärker die Geschichte Linker Bewegungen studieren, und ins besondere Gamsci lesen, er hat sich damit Beschäftigt warum gerade Gender und so sehr wichtig für Linke Praxis ist. Denn gerade aus den nicht dominierenden Schichten wird Sprache redefiniert um Veränderungen gegen den Willen dominierender Schichten zu erzwingen. Denn nur wenn der Common Sense der herrschenden in Frage gestellt wird und sich einer neuer Common Sense aus der Praktischen Erfahrung der anderen bilden kann gibt es wirklich Veränderungen in der Sozialen Struktur der Gesellschaft. Und genau diese forderst du in Punkt 1.

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Ich war bei der Linkspartei, bis da die ganzen über privilegierten gender Tussis aus der Akademischen Bildungsbürgerschicht gekommen sind… Solche wo Pappi das Studium und die Wohnung bezahlt… Und dann voll auf Linke Revolluzzer machen und gegen die “Alten weißen Männer” (Also solche wie mich pöpeln)…

Jeder Großkonzern gendert Heute, macht einen auf Politisch Korrekt denn das Kostet ja nix. Im Gegensatz zu höherem Lohn und Arbeiterrechten. Selbst Killary Clinton hat ja auf Woke und Genderismus gemacht (Und gleichzeitig millionen von die Banken kassiert)… Ja, das ist mehr Fake als echtes Links sein kommt nicht gut an beim Wähler hat Trump millionen an Stimmen gebracht. Just Saying.

Ne, die Leute die uns zum Gendern zwingen wollen sind die Dominierende Elite… und die sind bestimmt net Kapitalismus kritisch das sind die Kapitalisten und ihre gekauften Akademiker.

Ja, ich wähle nix mehr. Vielleicht wieder wenn Sahra Wagenknecht endlich ihre eigene Partei gründet also mal wieder jemand aufrechtes Linkes diesem Wahnsinn mutig entgegen tritt.

Political Correctness und Gendern kommt aus den USA die nur 2 relevante Parteien besitzen rechts und weiter rechts. Auch der Moralismus kommt eher von dort. Ich kann daher nicht nachvollziehen warum du das links einordnen willst.
Cancel Culture gibt es schon immer, aber “früher” konnte das nur von “Massenmedien” erreicht werden. Seit das Internet praktisch von allen Menschen benutzt wird, klappt das mit der Cancel Culture auch ohne Hilfe der Presse. Es wird von allen politischen Richtungen eingesetzt.
Auch hier sehe ich nicht, was das mit “links” zu tun hat.

Verteilungsgerechtigkeit ist einer der Punkte an denen die unregulierte kapitalistische Gesellschaft sich selbst zerstört. Das Problem wird zunehmend auch von den angelsächsischen Ökonomen und sogar einigen Milliardären erkannt und angesprochen.

Grüne Politik also Politik zur Erhaltung der Umwelt ist per Definition erhalten ~ konservieren konservativ.

Da gibt es eigentlich gar kein Problem.

Was es gibt ist ein Wahrnehmungsproblem. “links” ist als ideologisches Feindbild bei vielen tief verankert. Aber die klassische Arbeiterklasse gibt es in Deutschland nicht mehr. Der Wirtschaftwunderindustriearbeiter ist schon lange in der “Mittelschicht” angekommen und hat sich entsolidarisiert. Statt dessen gibt es jetzt die Prekären die sich von SPD und Grünen verraten fühlen und die, die den Wert von Menschen nach ihrem Vermögen bemessen und damit mit einem Bein tief im braunen Sumpf stehen.

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Mein Problem ist das es zu viele Linke gibt welche sich zu wenig mit Ökonomie/Wirtschaft befassen. Zum Beispiel wenn gefordert wird Immobilienkonzerne zu enteignen was hunderte Milliarden kosten würde ohne das eine zusätzliche Wohnung entsteht. Anstatt diese hunderten Milliarden gleich besser in den Wohnungsbau zu investieren. Das ist nur ein Beispiel.

Vielen Linken geht es mehr darum die Kapitalisten zu bekämpfen als wirklich die Lebensqualität der Leute zu verbessern. Pauschaler Klassenkampf funktioniert eben relativ schlecht in einer Wohlstands Demokratie in der die Leute eher an Lösungen für Einzelthemen interessiert sind als an ideologischen Gesamtpaketen.

Natürlich gibt es die Arbeiterklasse noch, Krankenpfleger, MC Donalds Arbeiter, Gig Worker, Paket Boten, Erntehelfer, Brumi Fahrer etc… Nur aus Mangel an wirklichen Arbeitskämpfen und kämpferischen Gewerkschaften sieht man die halt nicht mehr. Die werden unsichtbar gemacht da die Presse meist nur über Mittelstands und Eliten Themen berichtet, auf Social Media die reichen und schönen Influencer alle Aufmerksamkeit bekommen und so weiter.

Das mag für einige Aufsteiger zutreffen, gibt aber sicherlich auch in der Zulieferer Industrie mehr als genug prekär beschäftigte. Nur die sind eben kaum Organisiert/Solidarisch da spätestens nach 1989 das Klassenbewustsein abhanden gekommen ist. Auch weil man den Leuten durch die Massenmedien erfolgreich eingehämmert hat das es keine Klassen mehr geben würde… Doch die gibt es, ist ja ein Unterschied ob man von Kapitaleinkommen leben kann oder dafür Arbeiten gehen muss.

Den Wert des Menschen zu bemessen ist viel älter… Früher war es Abstammung (Feudalismus)… Dann im Kolonialismus/Nationalismus zunehmend die Hautfarbe oder auch Sozialdarwinismus. Heute im globalen Kapitalismus ist es das Vermögen… In Zukunft wird es vielleicht etwas ganz anderes sein.

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Kannst du sowas im Programm der Piratenpartei belegen oder selbst in angelehnten Anträgen an Parteitage?

Der Staat hat Wohnraum privatisiert, weil ja angeblich die Wirtschaft kostengünstiger und besser ist als staatliche Wohnungsverwaltungen. Wir sehen heute, dass das nicht funktioniert hat. Um in in Deutschland in Großstädten neuen Wohnraum zu bauen, muss man 5-10 Jahre für Planung und Bau veranschlagen. Wenn man Pech hat, kann man vorher noch Jahrzehnte vor Verwaltungsgerichten mit Bürgerprotesten gegen die Bebauung der letzten Grünflächen der Stadt verbringen.
Seit es praktisch keine Zinsen mehr auf Staatsanleihen und andere Geldanlagen gibt versuchen viele ihr Geld in Betongold anzulegen und mit Mieten höhere Renditen zu erzielen. Das belastet zusätzlich den Wohnungsmarkt.
Wohnungen zu bauen lässt die aktuelle Regierung schlecht dastehen weil ja erst mal nur Kosten anfallen und die nächste oder übernächste Regierung profitiert vom entstandenen Wohnraum. Sowas wird vom Wähler nicht belohnt.
Da kann es für eine Partei schon politisch interessant sein so eine Forderung zu erheben. Ich bin mir aber nicht sicher ob das Piraten wären.

Richtig, 5-10 Jahre und wie lange dauert eine Enteignung wenn die Enteigneten dagegen durch alle Instanzen bis vor den EUgH ziehen und danach noch evtl internationale Handelsgerichte anrufen. Das kann schnell mal Jahrzehnte dauern und hunderte millionen für die dann richtig teuren Anwälte kosten. Und selbst wenn das erfolgreich ist, am Ende dann noch mal Klagen usw. im Streit um die Höhe der Entschädigung (Welche dann an Kapitalisten und Aktionäre fließt und diese noch reicher macht)…

Also wäre mehr Bauen die Lösung, am besten mehr Hochhäuser. Wenn genug Angebot da ist sinken die Preise wieder.

Wäre ja letztendlich aber auch viel mehr Sache der Kommunalpolitik, also das kommunale Wohnbaugesellschaften wieder mehr gefördert werden. ggfs auch von Bund und Ländern.

Außerhalb von Berlin würde solcher Populismus eher wenig Zuspruch finden.

Je mehr Homeoffice es gibt desto mehr würde es sich auch für den freien Markt lohnen Bürro Gebäude in Wohnungen umzuwandeln anstatt diese leer stehen zu lassen. Wenn die Politik also Homeoffice mehr und mehr durchsetzt ließe sich das so schon etwas steuern. Zumal, weniger Anfahrtswege auch CO2 spart.

Dann müsstest du enteignen, die Besitzer fürstlich entschädigen und endlose Prozesse finanzieren. und wer zahlt das am Ende? Die arbeitenden Steuerzahler und die Reichen sind dann sogar noch reicher. Also ist da am Ende nix mit Umverteilung…

Nebeneffekt wäre das dann kein Investor mehr irgendwo was baut… Wozu auch investieren wenn man es dann am Ende vom Staat gestohlen wird. Also bedeutet das dann sogar noch Stillstand alla DDR.

Weniger Mieteinnahmen bedeutet weniger Steuereinnahmen für den Staat und das müsste der Staat sich dann wieder woanders von den Leuten holen.

Jep, genau so es muss mehr gebaut werden. Am besten durch diverse Anbieter im Kommunalen bzw. Landesbesitz die miteinander konkurrieren. D.h Unternehmen die der Allgemeinheit gehören aber dennoch am Markt gegeneinander antreten müssen um die Effizienz zu gewährleisten.

Diese These ist natürlich völlig abgedreht und der Kommunismus scheitert regelmäßig an dieser Theorie, die dann linke Politik zu dem macht, was sie nicht sein sollte, weltfremd.

Das Problem der Linke ist es, sich regelmäßig in theoretischen Modellen zu verlieren, auf die ständig neue theoretische Modelle aufgesetzt werden.
Mit der Realität hat das am Ende wenig zu tun und ist dann auch nicht erfolgreich.
Aber auf der rechten Seite ist dies genauso.
Das polarisiert, verändert aber in der Mitte so gut gar nichts.

Das kommt daher da Linke ganz in der Tradition von Karl Marx davon ausgehen das das “Sein das Bewustsein bestimmt” und man eben durch die Änderung der Umstände auch den Mensch/Kultur grundlegend ändern kann. Das ist natürlich grundsätzlich nicht falsch, aber eben dennoch nicht alles.

Die Linken betrachten das eben oft aus einem Ökonomischen (Marxismus) oder Kulturellen (Kritische Theorie, Gender Studies) Blickwinkel lassen dabei aber die durch die Evoltuion bedingte Entwicklungspsychologie komplett außen vor.

Beispiel:
Ein Chefarzt der mit der Attraktiven Krankenschwester im Bett landet kommt sehr viel häufiger vor als der Hilfpfleger der die Chef Ärztin heiratet. Da gibt es also eine ganz klare Hirarchie. Bei Dates wird der nette schüchterne Nerd auch WESENTLICH schlechtere Chancen haben als der draufgängerische sportlich dominant auftretende Männertyp. (Ausnahmen gibt es natürlich immer). So und das ist halt biologisch in den Genen angelegt… Jahrmillionen Evolution lassen sich eben nicht mal so mit ein wenig Gendersprache weg theoretisieren.

Den natürlichen Drang nach Dominanz und Aufstieg in Hierarchien das bekommt man durch eine neue Sprache oder andere gesellschaftliche Umstände nicht weg. Im Sozialismus gibt es dann vielleicht keine Konzernbosse mehr, dafür aber Generäle, Geheimdienstführer oder Generalsekretäre die dann machtgeil sind.

(Ich empfehle dazu mal die Youtube Videos von Jordan Peterson, der da viele Grundlagen der Evolutionspsychologie sehr gut erklärt.)

Eine liberalere und Sozialere Gesellschaft wird eben nur dann möglich sein wenn man gewisse Realitäten akzeptiert und in den eigenen Theorien als Faktor für das menschliche Handeln berücksichtigt. Menschen sind eben keine Automaten die sich einfach umprogrammieren lassen sondern eben immer noch tiefenpsychologisch gesehen Tiere. Eine Theorie die an der Natur des Menschen vorbei geht scheitert dann an irgendeiner Stelle und das gibt dann am Ende erhebliche Probleme…

Nein, in den Genen findet man da gar nichts.
Alles anerzogen.
XX + XY ergibt was?
Das X ist auch noch größer.

Die Realitäten werden ja gerade nicht akzeptiert, sonst bräuchte es das Imponiergehabe und die Übertreibungen in der Natur nicht.
Das ist alles Push Up, dem die Realität folgt.

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Nuja, dieses Imponiergehabe findet man bei sehr vielen Spezies. Auch z.B. bei Fischen die das so gar nicht erlernt haben können da diese keine Kultur besitzen die das vermitteln könne.

Siehe dieses Youtube Video über Pufferfische, sehr spektakulär übrigens:

: Puffer Fish Constructs A Masterpiece of Love - BBC Earth - YouTube

Also muss da schon was in den Genen mit drin stecken, sonst wäre das nicht über alle Spezies hinweg so ausgeprägt. Bei den Menschen ist da halt ein viel größerer Zivilisatorischer Überbau mit drüber, aber der wird das darunter liegende nicht unterdrücken können ohne das es zu Problemen kommt.

Ich lasse mal diesen Beitrag von Inge Hannemann hier, der das Problem sehr schön erläutert:

Mit diesem Schreiben möchte ich ein wenig meinen Austritt aus der Partei DIE LINKE. begründen. (…) Ich stelle fest, dass die Empathie gegenüber Menschen, die aus der Gesellschaft „draußen“ sind auch bei den Linken zunehmend verloren geht. Ja, sie sind nicht immer einfach (aber wer ist das schon). Es sind für mich inakzeptable Verhaltensweisen und Haltungen, wenn Forderungen in einem Klassismus enden[.]

Das Problem ist nicht die linke Politik, das Problem ist, dass diese selbst von der Partei, die “links” schon im Namen trägt, längst einer Klientelpolitik für Gutverdiener untergeordnet worden ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der alleinstehende Schichtarbeiter in irgendeiner Zuliefererfirma für einen chinesischen Heuschreckenkonzern sich nicht vorrangig fragt, wann sein Auto endlich umweltschonend ist und wie man endlich Transsexuelle sprachlich sichtbar machen kann.

Leider gibt es aber derzeit neben DKP (eieiei) und MLPD (eieieieiei…) keine mir bekannten Parteien, die sich nicht bloß selbst als Partei der Arbeiter bezeichnen, sondern auch entsprechende Realpolitik im Angebot haben. Die Lehrerkinderpartei “Die Grünen” nicht, die “Linke” (wie dargelegt) nicht und die SPD… naja, wäre sie ein Pferd, hätte man sie längst erschossen.

Wohlgemerkt: Das bedeutet nicht, dass es eine besonders bezaubernde Idee wäre, dass ausgerechnet die Piratenpartei Deutschland diese Nische füllen könnte. Der alleinstehende Schichtarbeiter hat auch, man mag es kaum glauben, andere Sorgen als den Staatstrojaner und die Vorratsdatenspeicherung. (Dass sich jeder darum scheren sollte, bleibt davon unberührt.) Dennoch sollte sich jeder hier, wenn er einen Programmvorschlag macht, fragen, wem er nützt - und wem nicht.

Und vielleicht erkennt er ja ein Muster.

Kapitalismus z.B.?
Der geht ja an der kompletten Natur, nicht nur der des Menschen vorbei :wink:

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Ich stimme mit dir überein, dass die Partei “Die Linke” nicht auf der Höhe der Zeit ist und sehr schwer mit Ideologien und Ideen aus der Vergangenheit belastet ist.

Die Klimapolitik hat gerade im Bereich der CO2 Reduktion viel mit Verteilungsgerechtigkeit zwischen Industriestaaten, Schwellenländern und Entwicklungsländern zu tun. Die Verteilung der Ressourcen für eine nachhaltige Wirtschaft ist ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit.
Auch die finanzielle Verteilungsgerechtigkeit innerhalb von Ländern ist ein aktuelles Problem, dass auch die Wirtschaft betrifft.
Selbst die anhaltende Coronakrise verdanken wir der “ungerechten” Verteilung der Impfstoffe, so dass in Ländern mit niedriger Impfquote Mutationen entstehen.

Ich stelle daher mal ganz klar fest, dass die Lösungen der drängendsten Probleme der nächsten Jahrzehnte aus einer modernen Politik kommen müssen, die wohl als “links” eingeordnet werden muss.

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Warum muss sie?

Frag die Politologen warum sie Verteilungsgerechtigkeit, also die Verteilung von denen die sehr sehr viel zu viel haben, zu denen die fast gar nichts haben, links nennen.

Jetzt kommen wir dann doch zu einem Problem an “linker” Politik, nämlich der Definitionsfrage: Ab wie viel Geld hat jemand “zu viel”? Von welchen Faktoren hängt das ab - von deinem Lebensstandard oder von seinem?

Könnte man festlegen. 10…50 Mio. Haben wir doch schon erfolglos diskutiert.