Warum ist Evolutionstheorie eine Theorie?

Überall wird die Evolution als “Theorie” bezeichnet, steckt ja auch im Wort EvolutionsTHEORIE, so wird das dann überall bezeichnet. Ja in den Medien, Politik und ganz wichtig Schulen und so.

Eine Theorie ist ja aber nun mal so etwas das nicht bewiesen ist, bzw. nicht wissenschaftlich abschließend bewiesen werden kann. Das ist aber bei der Evolution nicht der Fall. Denn diese ist eindeutig durch Genetik und Fossilienfunde beweisbar und somit als wissenschaftlicher Fakt anzusehen.

Also, wieso dann nicht umbenennen von “Evolutionstheorie” zu “Evolutionsfakt” ?

Ganz einfach, weil Theorien keine Dogmen sind bzw. selbst nur eine Perspektive auf die Wirklichkeit. Es lässt sich nur ein bestimmter Teil der Wirklichkeit mit der Evolutionstheorie erklären, aber nicht alles. Theorie bedeutet das sich nicht alles auf die Evolution zuruckführen lässt. Das wäre dogmatisch und nicht theoretisch. Ein Fakt ist so etwas wie ein Datum oder eine Uhrzeit. Wissenschaftliche Theorien bauen auf Fakten auf. Aber Theorien sind selbst keine Fakten. Die Evolution ist definitiv kein Fakt, da sie passiert und kein Standbild ist.

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Beweise gibt es nur in der Mathematik und in unpräzisem Sprachgebrauch.

Die Wissenschaftliche Methode beruht drauf, dass Konzepte falsifizierbar sein müssen, es muss also Wege geben, über die ihre Inkorrektheit gezeigt werden kann. Ein Konzept, das zuverlässig Vorhersagen erlaubt und nicht falsifiziert wird, nennt man “Theorie”. Das ist der höchste Status, den ein wissenschaftliches Konzept erreichen kann.

Die sogenannten “Gesetze” sind eine falsche Bezeichnung, nimmt man beispielsweise Newtons Gesetze, dann sind diese eigentlich falsifiziert, weil sie nur für kleine Massen, Geschwindigkeiten und Genauigkeit zutreffend sind, für alles andere benötigt man die Relativitätstheorie.

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Nein, nur bei Politikwisschenschaftlern wird etwas als “Theorie” bezeichnet, was Naturwissenschaftler “Hypothese” nennen würden, z.B. “Regimetheorie”. Und “Beweise” gibt es nur in der Mathematik. Hypothesen können aber so lange durch Experimente und weitere Überlegungen erhärtet werden, dass man sie als gesichert empfindet. In der Physik z.B. Thermodynamik oder Quantenmechanik, die als “Theorien” bezeichnet werden und nicht als Hypothesen. String"theorie" ist dagegen eine Hypothese, denn es gibt andere Überlegungen, die ihr widersprechen, und die ebenfalls noch nicht als gesichert gelten. Evolutionstheorie kann man dagegen zu Recht als Theorie bezeichnen. Aber bewiesen ist sie nicht, das geht prinzipiell nicht.

In den Gesellschaftswissenschaften gibt es mehere sich widersprechende “Theorien”, die ihre Anhänger haben. Das stört keinen. Es können aber auch nicht so einfach “Experimente” durchgeführt werden, die sie falsifizieren oder bekräftigen. Sie sind also nur Hypothesen.

Die Funktionentheorie in der Mathematik ist dagegen bewiesen und nicht nur gesichert.

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Das sind Paradigmen… d.h. “Problemlösungstrategien, die die Fachwelt akzpetiert hat”. Es gibt aber auch immer ein Paradigma das vorherrschend ist. In den Gesellschaftswissenschaften ist es derzeit Kapitalismus und der Liberalismus, was zusammen so etwas wie den Neoliberalismus ergibt.

Man könnte es vielleicht so zusammenfassen: Religion ist ein Dogma, Wissenschaft ist ein Vielzahl von Paradigmen, wo jedoch meist ein Paradigma vorherrscht, wissenschaftliche Theorie ist Hypothese, die auf Fakten basiert und nicht falsifiziert ist, Fakten sind gemessene bzw. erfasste Daten.

Genau das ist Dein Problem.
Wir können heute immer tiefer in das Eis der Pole bohren und immer weiter in das Tiefenwasser vordringen und entdecken stets Neues aus der Gegenwart und der Zukunft.

Weite Teile der Biodiversität sind unbekannt und unerforscht.
Wir verstehen langsam was passiert, wenn man mehr Totholz im Wald liegen und stehen lässt.
Auch Covid zeigt, dass wir relativ wenig verstehen, was passiert, wenn wir Druck auf Rückzugsgebiete von Pflanzen und Tieren ausüben, wir können in weiten Teilen die Massentierhaltung und deren Folgen nicht abschätzen.
Wir wußten wenig, welche Folgen es hat, wenn Bäume in der Stadt stehen, die Wurzeln sich nicht ausbreiten können oder schwere Fahrzeuge Druck auf die Wurzel ausüben.

Insofern ist nur ein ganz kleiner Teil der Evolution erforscht, der Großteil ist es nicht.

Dass man die Evolutionshypothese nicht beweisen kann, halte ich für eine kühne Aussage, denn über Fossilien und Genanalysen kann man sehr wohl nachvollziehen, dass es eine kontinuierliche Entwicklung von Arten (mit gewaltsamen Diskontinuitäten dazwischen) gegeben hat.
Im Fall eines Schmetterlings hat man in Großbritannien eine Anpassung an die wachsende Umweltverschmutzung durch die Industrialisierung festgestellt - die Biester waren irgendwann viel dunkler und passten damit zu dunkleren Baumstämmen. Die Biologen waren begeistert.
Man kann sicher nicht die Evolution jedes Fadenwurms nachvollziehen, aber das Evolution existiert und zur Veränderung von Arten führt, dürfte bewiesen sein. Die “Theorie” ist vermutlich ein historisches Erbe und wird aus Rücksicht auf religiöse Überzeugungen immer noch herumgeschleppt.

“Beweise” gibt es vor Gericht und in der Mathematik, aber nicht in den Naturwissenschaften. Man kann Hypothesen belegen oder widerlegen. Gibt es viele Belege und keine Widersprüche und eignet sich das Modell dafür Vorhersagen zu machen, dann bekommt es den Status einer “Theorie”. Das ist der höchste Rang, den ein wissenschaftliches Konzept erreichen kann.

Die “Naturgesetze” sind eine alte Bezeichnung und die meisten Dinge, die so bezeichnet werden, haben sich mittlerweile als ungenaue Modelle erwiesen. Beispielsweise ist Newton halt nicht falsch, aber nicht präzise. Für ganz viele Anwendungen reichen die einfachen Formeln aus. Benötigt man mehr Präzision, oder sind große Massen und/oder Geschwindigkeiten im Spiel, dann muss man die Relativitätstheorie mit hinzu ziehen.

Die Evolutionstheorie ist eines der am besten belegten Theorien, die wir haben. Wäre sie “bewiesen”, dann müsste sie z.B. dazu geeignet sein den präzisen Entwicklungsweg jedes einzelnen Individuums nachzuvollziehen. Das ist aber nach unserer Kenntnis in diesem Universum nicht möglich.

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ich verstehe dein Argument nicht. Ich schreibe doch, dass die Evolutionstheorie gesichert ist. Und was Du anführst, erhärtet die Theorie doch. Habe doch überhaupt nichts anderes behauptet. Aber ein “Beweis” ist das nicht. Dieser Begriff geht für emprirische Wissenschaft prinzipiell nicht.

Es gibt doch verschiedene sich im Detail unterscheidende Evolutionstheorien. Beispielsweise in der Annahme ob veränderung Zielgerichtet ggf. durch Training (Lamarck) oder zufällig (Darwin) entsteht und sich die vorteilhafte Eigenschaft erst Langfristig durchsetzen.

Nein. Es gibt nur die “Evolutionstheorie”.

Was nicht klar ist, sind allenfalls die Details in einzelnen Evolutionszweigen, z.B.
wann genau sich der Denisova-Mensch aus dem Homo-Erectus entwickelt hat.

Nein. Der Lamarckismus war im 19.ten Jahrhundert lange Zeit eine Annahme, die sich
dann aber als falsch herausstellte. An Stelle des Lamarckismus tritt die Evolutionstheorie,
d.h. die Selektion und Mutation der DNA.

Anm.: Bevor hier noch Oberschlaumeier auftreten: Man hat kürzlich in der Epigenetik
Einflüsse gefunden, die ein bißchen ähnlich wirken wie der früher angenommene
Lamarckismus. Das ist aber kein Lamarckismus, sondern das sind ganz einfach
Einflussfaktoren, die aktuell erworbene Eigenschaften eines Individuums auf die
nächste Generation - in sehr schwacher Form - übertragen können.

Oooops, da es hier doch etwas durcheinandergeht, hier 3 Fakten
dazu:

  1. Richtige Beweise gibt es nur in der Mathematik.

    Anm.: In den Naturwissenschaften kann nur
    falsifiziert werden (siehe “Karl Popper”).

  2. Trotzem spricht man in den Naturwissenschaften gerne
    von “Beweisen”, wenn eine Theorie oder ein Zusammenhang
    hinreichend gut erforscht ist und somit als “gesichert”
    betrachtet werden kann.

    Man sagt beispielsweise, man habe den Beweis
    für Gravitationswellen oder für das Higgs-Teilchen
    führen können.

  3. Die Evolutionstheorie ist in der Tat ein “gesichertes”
    Faktum. Trotzem wird in unserem Umgang mit Sprache das
    Wort “Theorie” benutzt, weil man

    a. damit komplexere Zusammenhänge generell
    bezeichnet
    b. dieses Wort gerne für jegliche komplexe
    Zusammenhänge heranzieht. Es hat sich so
    eingebürgert! Man benutzt es weiterhin, auch
    wenn der zugrunde liegende Zusammenhang
    keine reine Hypothese mehr ist, sondern längst
    bewiesen ist. “Bewiesen” im Sinne von
    “hinreichend gesichert”.

Unsinn in Fettdruck bleibt Unsinn.
Natürlich gibt es mehrere Evolutionstheorien.

Das ist eine valide Ansicht, aber kein unumstößlicher Fakt - selbst Karl Popper (von dem du anscheinend nur anderthalb Aufsätze gelesen hast) hat dazu später Einschränkendes geschrieben.

Na, das ist dann wohl ein Mißverständnis. Vielleicht solltest
Du auch die Frage ganz oben lesen: Es geht hier nur um
die wissenschaftlich bestätigte Theorie, also jene, die
wir heute als Faktum sehen.

Und da gibt es eben nur diese eine Evolutionstheorie.

Warum so unfreundlich?

In so einem Thread können wir nur die wichtigsten Gedanken skizzieren,
so dass der gröbste Unsinn halt nicht stehen bleibt. Für eine Ausführliche
Erörterung der Erkenntnistheorie ist hier aber nicht der richtige Ort.

Und natürlich ist ein wichtiges Merkmal in der naturwissenschaftlichen
Erkenntnis, dass sie letztlich, wenn wir komplexe Theorien ansehen, auf
dem Falsifizierungsprinzip beruhen.

Das heißt natürlich nicht, dass die heutigen anerkannten - und im oben
bereits skizzierten Sinne “bewiesenenen” - Theorien weniger sichere
Wahrheiten sind. Genauso sicher, wie die Sonne am nächsten Tag
wieder aufgeht, kann überall im Universum der Lamb-shift gemessen
werden, und hat immer den gleichen Wert.

Lass es mich so ausdrücken: Wenn man schon Intellektuellenbingo ausgerechnet in diesem Forum spielen will, dann sollte man nicht Uno rufen…

Das mag aus Deinem, ähem … Blickwinkel vielleicht so
erscheinen. Mir geht es darum, dass wir nach der
“Trump & Schwachsinns-zeit” der letzten Jahre wieder -
bei allen Aussagen hier im Forum auf naturwissenschaftlicher
Basis argumentieren. Nur dann kommen wir inhaltlich voran.

Deswegen die drei Punkte (siehe oben).

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Die Welt besteht aber nicht nur aus Naturwissenschaft, sondern auch aus ganz vielen anderen Wissenschaften.

Und die Naturwissenschaft an sich bewegt sich auch in immer größeren Teilen in Wahrscheinlichkeiten.
Damit man dort nicht ständig unterlaufen wird, da es eben in 0,005% anders ist, muss man diese Wahrscheinlichkeiten auch anerkennen und diese so bezeichnen, was sie sind, Ausnahmen.
Ein Absolutismus lässt diese Ausnahmen nicht zu und wird deshalb regelmäßig widerlegt. Dies ist der eigentlichen Entscheidungsfindung aber abträglich.
Ausnahmen sind möglich, aber nicht relevant und beweisen eben gar nichts jenseits der Feststellung, dass es zufällig auch andere Ergebnisse geben kann.
Viel zu wissen beinhaltet eben auch, viel nicht zu wissen, damit wenig wissen nicht behaupten kann, viel zu wissen.

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Es ist ja auch immer interessant zu erfahren, in welchem Kontext diese Frage gestellt wird, bevor gleich mit ‘Gegenthesen’ und Verteidigungen bis hin zu persönlichen Angriffen parriert wird. Ich lese gerade von Slavoj Zizek: Sex und das verfehlte Absolute. Jeden Tag von 11-12 ist das meine ‘Corona-Philosophie-Stunde’ zur Durchblutung des Gehirns bestens zu empfehlen! Was mir immer klarer wird: es gibt mehr als nur These-Antithese und Marx war kein Marxist, so wenig wie Christus ein Christ war.