Wahlanalyse Hamburg

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Hallo, bei der Hamburg-Wahl am 23.02.2020 hat die Piratenpartei 0,5 % der Stimmen bekommen. Das war leider zu wenig um ins Parlament einziehen zu können.

  • Wie bewertet ihr das Ergebnis der Piratenpartei (allgemein)?
  • Wie bewertet ihr das Ergebnis der Piratenpartei im Vergleich zu anderen Kleinparteien (insb. Volt, Die Partei, Tierschutzpartei (Bei der Auswahl habe ich mir etwas gedacht))?
  • Welches sind die Ursachen des Ergebnis?
  • Was könnte die Piratenpartei besser machen?

Hier als Bild ein Auszug der Ergebnisse:
grafik

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Ich meine die Meinungsbildner in der Partei müssten mal aufhören sich untereinander zu beschäftigen, sondern sollten mit allen noch Willigen vernünftige Konzepte für den Bürger entwickeln und für diese und den Bürger dann kämpfen. Dann klappts auch wieder besser bei den Wahlen. Aber leider hört auf mich keiner.

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1.) Es gibt zu viele kleine Parteien mit teils ähnlichen Ansichten die sich gegenseitig Stimmen weg nehmen.

2.) Der Piratenpartei fehlt abseits der Netz/Internetpolitik derzeit ein klares Profil mit dem sie sich von anderen Parteien unterscheiden könnte.

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Sehe ich das richtig: Die PARTEI ist erstmals angetreten und Volt Hamburg kam von 0,6 auf 1,3, PIRATEN legten zu von 0,4 auf 0,5? Wahlanalyse heißt für mich, die einzelnen Bezirke genau betrachten und nachfragen, was z.B. DIE PARTEI so erfolgreich gemacht hat.

Angesichts der vielen kleinen Parteien mit ähnlichen Zielen (Volt, Die Partei, Humanisten) aber auch mit den Linken in HH haben wir viele Gemeinsamkeiten sollten wir demnächst versuchen Listen zu bilden.

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DIE PARTEI ist in Hamburg schon länger bekannt. Erfolgreicher ist sie momentan durch ihre starke mediale Darstellung und satirische Betrachtungsweise von Politik. Prädestiniert für Protestwähler.

Die PARTEI in Hamburg Europawahl 3,8% Hamburgwahl 1,3%.
Woher kommt dieser Absturz?

Davon, dass es keine Mindeshürde in Europa gab. Davon habt auch ihr Piraten profitiert. Sobald es eine Hürde gibt, sagen sich viele “meine Stimme ist eh verschwendet, wenn ich eine unter 5% Partei wähle”. Das daran noch Parteigelder etc dranhängen, bedenken und/oder wissen viele Leute nicht.

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die Ergebnistabelle oben ist sehr schlecht ausgeschnitten.
Hier das Ergebnis von 2020 im Vergleich zu 2015:

Jeder Wähler konnte 5 Kreuze machen. Also müsste man die Stimmenanzahl durch 5 teilen. Piraten haben demnach ca. 4100 Wähler.

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nein das siehst Du falsch. Die Tabelle enthält Zweit und Erststimmen bzw. Landes und Bezirksstimmen nach Hamburger Wahlrecht. Ein Vergleich zu Vorherigen Ergebnissen ist nicht abgebildet. Volt kam von 0,0

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Ich sehe in dem Ergebnis der Kleinparteien nicht viel mehr wie ein Abbild der jeweiligen organisatorischen Stärke und der Professionalität des jeweiligen Auftritts. PARTEI und VOLT drei mal so gut und präsent wie Piraten ist einfach realistisch. :innocent:

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Nachdem ich sowohl die Wahl 2015 als auch die Wahl 2019 ein wenig begleitet habe, kann ich wohl so halbwegs beurteilen, warum sich das Ergebnis in etwa gedrittelt hat:

  • 2015 wurden mehrere 1000 Plakate gehängt, die meisten zum erlaubten Plakatierungsstart, auch unter massiver Beteiligung der Piraten aus anderen Bundesländern. 2019 wurden wenige 100 Plakate bestellt und etwa eine Woche vor der Wahl gehangen.
  • 2015 wurde von anderen Landesverbänden massiv mit Geld und helfenden Händen unterstützt. Das lag auch daran, dass dies vom damaligen Bundesvorstand massiv forciert worden ist. 2019 passierte das nicht. (Da soll jetzt kein Vorwurf an den BuVo sein: Für die Kooperation mit Hamburg muss man wöchentlich nach Hamburg fahren - das war damals nur leistbar, weil ich beruflich ausgesetzt und eine BahnCard 100 hatte)
  • 2015 gab es noch zwei Themenkonferenzen (oder noch mehr?), ein großes Wahlkampfabschlussevent auf dem Spielbudenplatz. 2019 gab es dann auf die Schnelle produzierte Video-Clips, die viel zu spät online gestellt wurden (Erst wenige Wochen vor der Wahl produziert, dann gab es auch noch interne Abstimmungsschwierigkeiten) sowie den Ansatz einer Twitter-Kampagne.
  • Aktivitäten wenigstens auf den eigenen Webseiten? Auch deutlichst unterambitioniert.
  • Den größten Einfluss dürften noch externe Aktivitäten (zum Beispiel das Kandidatenportal des NDR) gebracht haben.
  • Es muss in Hamburg so etwas wie eine Stammwählerschaft geben. Alleine mit dem Wahlkampf sind die erhaltenen Stimmen bei weitem nicht erklärbar.

Alles in allem eine vergebene Chance. Hätte man im Sommer 2019 entsprechende Aktivitäten gestartet, um die Hamburger durch den Einsatz aus anderen Landesverbänden zu unterstützen, hätte man ein zumindest bescheidenes Budget zusammengeklaubt, ein wenig Aktivität bereits in der Vorwahlphase, 3000+ Plakate zum Plakatierungsstart (gehangen primär mit Unterstützung von außen), hätte man eine Online-Kampagne gefahren, die einer “Internet-Partei” zumindest so halbwegs würdig ist - ein Wahlergebnis von 1% + x wäre nach meiner Einschätzung durchaus erreichbar gewesen (siehe auch das Ergebnis in Bremen 2019). “Einmischung von außen” scheint aber zumindest bei einer Teilmenge der aktiven Hamburger wenig erwünscht zu sein.

Ergänzend: Das Hamburger Ergebnis von 2015 war schon alles andere als zufriedenstellend, siehe auch https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Michael_Ebner/Ansichten_HH

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Deutlich besser als dreimal so gut. Wir profitieren noch von so etwas wie einer kleinen Stammwählerschaft…

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Überzeugt doch Freude und Kollegen aber auch Verwandte das die Piraten-Partei gut ist. Ladet sie zu Stammtischen oder Piraten-Treffs ein. In Lübeck haben wir in den letzten Monaten wieder mehr Teilnehmer bei den Piraten-Treffs. Seitdem wir Hilfe vom Landes-Vorstand bekommen. Wir nutzen dann einfach alle Strukturen die vorhanden sind.

Ja, nein, das sollte man erst dann tun, wenn man glaubt, dass die Partei wieder demokratisch sei.
Man sollte nicht vergessen, dass die Partei über 40.000 Mitglieder mit ihrer Machtpolitik des früheren Bundesvorsitzenden vor den Kopf gestoßen hat.
Das sind bundesweit locker 100.000 bis 180.000 Stimmen.

Bei uns lokal ist nun alles tot und wir haben alle Aktivitäten eingestellt.
Viele, die aktiv waren, finden Politik nur noch schmutzig und tun lieber etwas Sinnvolleres.
Wenige warten jetzt, dass der Bundesverband liefert, mit Freunden und Kollegen geht da gar nichts mehr.
Es wurden aus persönlicher Machtpolitik demokratische Grundregeln über Bord geworfen.

Wenn da nicht mehr Neue von Außen kommen und was ändern, wird das nichts mehr.
Mit egoistischem Machtgepokere wird jede Bewegung zerstört, bei FFF kann man das jetzt auch schon erkennen.

Spielt demokratisch fair, dann könnt ihr auch was ändern.

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Danke für eure tollen Antworten :grinning: !

Ich möchte nun selbst Bezug zu meinen Antworten nehmen:
Besonders im Bezug zu den Ergebnissen der anderen Kleinparteien, empfinde ich das Ergebnis der Piratenpartei als Katastrophe :volcano: ! Neben der 5%-Hürde nehmen Volt, PARTEI und Tierschutzpartei in Relation zur Piratenpartei eine Markerrolle ein. Ich möchte das erklären.

Volt :zap:
Die Volt-Partei ist eine neue Partei, welche sich vom Spirit und Programm mit der Piratenpartei am stärksten ähnelt. Sie kann daher, Pi mal Daumen, als Substitut aufgefasst werden. Die Stimmen die Volt erhalten hat, hätte somit auch unsere Stimmen sein können, die ‘Kunden’ haben sich aber für das ‘Konkurrenzprodukt’ entschieden. ABER wenn wir es nächstes mal besser machen können wir mindestens genau so gut wie Volt abschneiden. Das Potential ist da!

Die PARTEI :clown_face:
Die PARTEI kann in die Kategorie “den Laden aufmischen” gepackt werden. Dafür waren auch mal die Piratenpartei bekannt. Offenbar haben wir auch in dieser Disziplinen verloren. Wir werden offenbar als trauriger, träger Haufen war genommen.

Tierschutzpartei :beach_umbrella:
Also in Berlin sagen wir immer, die Tierschutzpartei(en) macht keine Politik, sondern verdient nur das Geld :moneybag: für ihre Mitglieder :sunglasses:. Ein Wähler der sich nur ein bisschen informiert wird die Tierschutzpartei nicht wählen. Gewählt wird die Partei offenbar nur wegen ihres Namens. Und selbst da konnte die Piratenpartei nicht mithalten. Politische Inhalte, die sich hinter dem Namen verbergen, sind beim Wähler offenbar nicht angekommen.

Daher muss ich für mich feststellen, das Ergebnis der Piratenpartei ist unterirdisch. Im Prinzip kann man so ein Ergebnis nur erreichen, wenn man gar nichts macht (außer den Namen auf die Liste setzen).

Lösungsmotivation: Was sind nun aber die Ursachen und was könnte man besser machen?

Wenn ich mit Mitgliedern der Piratenpartei rede habe ich fast immer das Gefühl die Luft ist raus, Politik wird kaum noch betrieben. Dabei ist man doch in eine Partei eingetreten, weil man eine persönliche Motivation :weight_lifting_woman: hat, ein Thema mit Herzblut :sparkling_heart:. Zudem finde ich die Piratenpartei lebt programmatisch in der Vergangenheit und ist zum Teil bei 2013 stehen geblieben. Unsere Parteimitglieder sollten sich individuell für ein Thema stark machen, dadurch wird Programm und Vernetzung (NGOs, Stammtische) angekurbelt.

Wenn ich derzeit Jemand in der Piratenpartei frage wie die Meinung zu einem beliebigen Thema ist, so erhalte ich als Antwort “Schau ins Programm da steht es!” Programme gewinnen aber keine Wahl, sondern Piraten die sich für eine Sache stark machen.

Daher sollten wir überlegen wie wir uns von den Ketten der Vergangenheit befreien und neu Politik machen. (Aber das ist ein anderes Forum-Thema)

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Die Piratenpartei ist nicht stehen geblieben, sondern man hat sie mit Macht in die sozial-liberale Ära 50 Jahre zurückbefördert.

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Doch! Und du gibst mir ungewollt recht, denn …

… ist Vergangenheit. Was morgen ist, können alle heute beeinflussen. Und wenn sie es nicht tun, dann sind sie stehen geblieben, egal welcher BuVo ect. in der Vergangenheit gewirkt hat.

… gewollt … :heart:

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Das jahrelange Querulantentum einiger Niederbayern hat den dortigen Bezirksverband komplett getötet. Aber mit dem Hamburger Ergebnis hat das wenig zu tun.

In Hamburg wäre sicher mehr Potenzial gewesen, aber man hat das Gefühl, dass sich Hamburg bewusst von anderen LVs und der Bundesebene abschottet und in der eigenen kleinen Suppe köchelt. Oder habt ihr mal einen Hamburger in einer Diskussion in der PolGF-Runde, bei Sitzungen auf Bundesebene, im Forum, auf MLs oder ähnliches gesehen. Kennt ihr irgendwen aus dem LV Hamburg oder deren Landesvorstand oder Kandidaten? Ich auch nicht.

Das Hamburger Ergebnis ist zum guten Teil selbstgemacht.

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