Verteidigung und insbesondere Bundeswehr

Tags: #<Tag:0x00007f3459c85958>

Wir beackern so ziemlich alle Felder der Politik, nur die Verteidigung und hier insbesondere die Bundeswehr fristet ein Schattendasein unterhalb von “Außen- und Sicherheitspolitik”. Gerade hier sollten wir uns aber auch mal zumindest grundsätzlich positionieren, damit man unsere Haltung erkennen kann.

Klar ist, dass die meisten hier die Bundeswehr wohl generell als unnötig ablehnen. Ich bitte aber dennoch darum, die Diskussion hier sachlich und ideologiefreu zu führen. Auf Basis der geopolitischen Situation mit diversen Krisen auf der Welt, sollte klar sein, dass zumindest zur Landes- bzw. Bündnisverteidigung eine Armee benötigt wird. Ob dies nationale Streitkräfte oder eine EU-Truppe sein sollte, ist wieder ein anderes Thema. Es wäre daher schön, wenn sich die hier hoffentlich entstehende Diskussion nicht darum dreht, dass das Militär weg muss. Personen, die diese Position vertreten, werden sich nicht durch dieses Forum überzeugen lassen. Daher möchte ich darum bitten, dass solche Fundamentalkritiker zwar sagen können, dass sie die Bundeswehr scheiße finden, sich dabei aber auf einen (1) Beitrag beschränken und ansonsten den anderen Platz lassen, das Thema sauber zu behandeln. Das wär lieb von euch.

Zum Anfang ein paar Basics zum Thema:

Unsere Aussagen:

Europaprogramm

Streitkräfte

PIRATEN unterstützen gemeinsame Anstrengungen zum Schutz der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Alle europäischen Streitkräfte (bestehende oder neu geschaffene) müssen mithilfe eines Parlamentsvorbehalts durch das Europäische Parlament beaufsichtigt und / oder kontrolliert werden. Es muss sichergestellt sein, dass sie nicht gegen den Willen des Parlaments eingesetzt werden können.

Grundsatzprogramm

Außen- und Sicherheitspolitik

… Zwischenstaatliche wie auch asymmetrische Konflikte wollen wir mit friedlichen Mitteln lösen und den Einsatz von militärischer Gewalt vermeiden, da die Probleme damit nicht langfristig gelöst werden können. … Die schädliche N utzung von Technologien und ziviler Infrastruktur durch Digitalen Waffen (D-Waffen) möchten wir effektiv bekämpfen. Durch Aufklärung und der Einrichtung einer kompetenten, gut ausgestatteten Cyberabwehr soll eine gute Verteidigung gegen Angriffe von außen und innen geschaffen werden. Im Zuge des Ausbaus eines gemeinsamen Europas sollte diese in einem europäischen Gesamtkonzept aufgehen.Die Existenz, Herstellung, Verbreitung und den Einsatz von Kernwaffen lehnen die Piratenpartei Deutschland grundsätzlich ab und unterstützen die Ziele des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV).

Wahlprogramm 2017

Außen- und sicherheitspolitisches Programm

… Die Voraussetzung für eine verantwortungsvolle Außen- und Sicherheitspolitik im Rahmen des Piratenkodexes ist eine Betrachtung sozialer, politischer, wirtschaftlicher, ökologischer und militärischer Faktoren. Wir sind dabei erfinderisch, nachhaltige und effektive Lösungen in den internationalen Diskurs einzubringen.

… Wir bleiben einer Kultur der politischen Zurückhaltung mit militärischen Mitteln verpflichtet. Das Primat der Politik bedingt, dass der Einsatz militärischer Mittel immer nur eine letzte Option sein kann.

Die momentanen Maßnahmen gegen terroristische Bedrohungen entsprechen einer Reaktionspolitik, welche pauschal die Rechte unbescholtener Bürgerinnen und Bürger beschneidet. Freiheit und Bürgerrechte geben wir aber nicht zugunsten einer unbewiesenen Verbesserung der Sicherheitslage auf. Aus Sicht der PIRATEN bedarf es stattdessen einer Präventionspolitik. Es ist eine Analyse der Ursachen, aufgrund derer sich Menschen radikalisieren, nötig. Ein langfristiger außensicherheitspolitischer Ansatz ist hierzu erforderlich, welcher auch eine Gesamtbetrachtung politischer, rechtlicher, sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und militärischer Faktoren einschließt.

PIRATEN gegen Cyberwar

Offene und verdeckte Aktionen von staatlichen, privaten und öffentlichen Organisationen, die den Cyberspace als Konfliktdomäne nutzen und die Zivilbevölkerung gefährden, lehnen wir dezidiert ab. Schadsoftware, die in der Lage ist Menschenleben durch Angriffe auf gesellschaftliche Versorgungsnetzwerke (Stichwort: KRITIS) zu gefährden, betrachten wir als inakzeptables Sicherheitsrisiko und fordern ein Bekenntnis von Regierungen, im speziellen der deutschen Regierung, zu friedenserhaltenden Maßnahmen, gemäß den internationalen Konventionen zur Verbesserung des friedlichen menschlichen Zusammenlebens durch Technik auf der Welt. Wir PIRATEN Deutschland fordern alle Regierungen dieser Erde auf, die globalen Informations- und Kommunikationsnetze gemeinsam zu schützen und als ein hohes gemeinschaftliches Gut aller Menschen anzuerkennen.

Truppenstärke

Aktuelle Truppenstärke Stand 2018:

Militärisches Personal: 179.710

  • Streitkräftebasis 27.410
  • Sanitätsdienst 19.970
  • CIR 12.680
  • Marine 16.180
  • Luftwaffe 27.580
  • Heer 61.720

Zivile Mitarbeiter ca. 70.000

Verteidigungshaushalt:
Im Jahr 2019 liegt der Verteidigungsetat bei rund 43,2 Milliarden Euro. Der Anteil des Verteidigungsetats am Bundeshaushalt beläuft sich im Jahr 2019 auf 12,1 Prozent. Für investive Maßnahmen sind rund 9,9 Milliarden Euro vorgesehen.

Für 2020 sind 44,9 Milliarden Euro vorgesehen.

Laufende Auslandseinsätze:
Aktuell befinden sich deutsche Truppen in insgesamt 17 Auslandseinsätzen bzw. -missionen.
Bei den als “Einsatz” kategorisierten Kontingenten sind aktuell ca. 3.100 Soldatinnen und Soldaten im Ausland. Zu den darin nicht enthaltenen “Missionen” gehören solche Sachen wie das Air Policing im Baltikum.

Das soll mal als kleine Faktensammlung zum Thema reichen. Ab jetzt können wir diskutieren.

1 Like

So sehr ich Militär (speziell auch unsere Bundeswehr) kritisch sehe, ist es in meinen Augen naiv zu sagen wir brauchen nichts dergleichen. Gerade in Zeiten von Trump, Putin und Bolsonaro, aber auch China und den zahlreichen Problemen innerhalb der EU ist es fraglich, wie lange die Welt (bzw. unser Europa) noch friedlich bleibt.

Mir persönlich gefällt die Idee einer europäischen Armee sehr gut, allerdings müssten wir davor erstmal zu einer tatsächlichen Union werden, die nicht nur auf dem Euro, sondern auch auf gemeinsamen Werten basiert. Die Vorstellung sich eine Armee mit Ungarn oder Polen zu teilen finde ich gruselig.

Fürs erste muss es damit wohl bei der Bundeswehr bleiben. Dort gibt es einiges an Problemen anzugehen, aus meiner “Laienperspektive” sehe ich sicher nicht alles, aber was mir einfällt:

  • Kaputte / Schlechte Ausrüstung
  • Probleme mit rechtem Gedankengut
  • Mangel an Nachwuchs (Auch bedingt durch die ersten beiden)
  • Zu viel Geld für “Berater”, dass anderswo gebraucht wird :wink:

Edit/PS: Generell bin ich aber wenig im Thema drin. Ich kann die Perspektive des absoluten Strategiespiel-Nerds reinbringen, aber das bringt vermutlich nicht so viel ^^ Waren mal meine “Two cents”, aber ich werde die Diskussion auf jeden Fall gespannt verfolgen.

2 Likes

Wie schon gesagt, halte ich es in Anbetracht der aktuellen geopolitischen Situation für unerlässlich, Streitkräfte zu unterhalten. Solange wir keine europäische Armee haben, müssen wir also mit der Bundeswehr auskommen.

In den letzten Jahren lief dabei einiges total schief. Das betrifft sowohl Materialbeschaffung, als auch sonstige Verwaltung. Die Aufgabe der eigenen Ersatzteilvorhaltung hat u.a. dazu geführt, dass unsere 6 verbliebenen U-Boote zeitweilig alle nicht einsatzfähig waren. Fliegendes Material kann nur durch Kanibalismus an anderen Systemen in der Luft gehalten werden, was unsere einsatzbereiten Einheiten erheblich reduziert… falls nicht mal wieder was anderes ist, wie aktuell bei den Kampfhubschraubern. Zum Wehrmaterial im generellen haben wir ja schon einen anderen Thread im Forum gehabt. Die gesamte Beschaffung muss so oder so überdacht werden. Grundsätzlich besteht bei der Bundeswehr ein Invesitionsstau von ca. 30 Mrd. Euro, um wieder halbwegs einsatzfähig zu werden.

Wenn wir unsere Männer und Frauen in Einsätze schicken, sollte aber auch das Material einwandfrei sein, um die Gefahr so gering wie nur irgendwie möglich zu halten. Und hier rede ich nicht vom G36. Das ist eine sehr gute Waffe und die hitzige Debatte vor ein paar Jahren ist Bullshit. Das Gewehr schießt so, wie es zu erwarten ist. Für längere Feuergefechte und Dauerfeuer ist das Teil einfach nicht gebaut. Andererseits sind die Teile jetzt auch schon wieder 30 Jahre alt. Eine Ersatzbeschaffung würde in absehbarer Zeit so oder so anstehen. Aber auch die Kasernen sollten generalüberholt werden, genau so wie einiges Uralt-Material. Da ist einfach Nachholbedarf. Und der kostet Geld, wenn wir uns die Truppe leisten wollen, was wir meiner Meinung nach eben momentan müssen.

Ich hab mir mal folgende Ideen gemacht, wie man das alles regeln könnte:

Truppenstärke:
150.000 + 60.000 Zivilpersonal
-> sinnvolle Truppenstärke, da so oder so nicht mehr als das in einer Freiwilligenarmee aufrechterhalten werden kann, da die Nachwuchskräfte fehlen. Entsprechend der Truppengröße kann man die Zivilkräfte reduzieren.

Cyber-Kommando
“Cyber-Kommando” zur “Verteidigung Deutschlands” vor Hacker-Angriffen raus aus der Bundeswehr und zum BSI verlagern. Ansonsten droht Gefahr des Einsatzes im Inneren, wenn Hacker übers Ausland routen, aber von Ober-Unterhammersbach aus operieren.

Wehretat
15 Mrd. für Personelles, dass macht im Schnitt 5,952 € im Monat pro Soldat/ZM. Sollte für Sold, Zulagen, Verpflegung, persönliche Ausrüstung und Nebenkosten ausreichen. Im Schnitt bekommt ein Mannschaftsdienstgrad unter 2.000 brutto Grundsold ohne Zulagen.

5 Mrd. für den laufenden Betrieb. Wieder umgelegt auf die Truppenstärke sind das 33.333 € pro Jahr und Soldat. 4 Soldaten im Panzer wären dann 120 k um den Tank in Betrieb zu halten. 100 Leute auf einer F-125 sind 3,3 Mio, damit der Pott schwimmt.

Evtl. muss der Posten um weitere 5 Mrd. aufgestockt werden, da die laufenden Betriebskosten nicht bekannt sind.

10 Mrd. für Investitionen, Renovierung und Beschaffung von Material, Gerät und Kasernen, bis die Truppe wieder technisch auf einem angemessenen Niveau ist - Investitionsstau liegt bei ca. 30-40 Mrd., also sollte in spätestens 5 Jahren das Material erneuert sein und der Posten kann abgeschmolzen werden.

Damit jährlicher Verteidigungsetat von 30 Mrd. statt. aktuell 47 Mrd.

Weitere 5 Mrd. gibt es pauschal für diverse Auslandsmissionen (nicht -einsätze!), die immer in der einen oder anderen Form laufen, insbesondere Humanitäres.

Beschließt der Bundestag, die Truppe sonst noch irgendwo hinzuschicken, dann sollen die auch gucken, wo das Geld herkommt. Entweder legen die ein Sonderkonto an, auf den die Differenz der 35 Mrd. zu den 47 Mrd. einbezahlt wird und aus Mehrkosten für Einsätze bezahlt werden, oder die müssen halt woanders sparen. Es kann nicht sein, dass wir auf 13 größeren Auslandseinsätzen sind und alles aus dem Verteidigungshaushalt bezahlt werden muss. Würden die Leute daheim bleiben, wäre das Geld für vernünftiges Material da.

Nutzung von Bundeswehr-Dienstleistungen
Nutzung von Flugbereitschaft und ggf. Personenschützern müssen die Ministerien und Abgeordnete - via Bundestagsverwaltung - zukünftig der Bundeswehr zu Selbstkosten erstatten. Dann hörts auch auf, dass Einzelpersonen durch Deutschland helikoptert werden, weil die gern schneller daheim wären. Oder das Budget des Ministeriums schrumpft halt zusammen. Selbst schuld.

Heimatschutz und Landesverteidigung
Neben dem stehenden Heer von 150.000 Soldaten werden die bestehenden RSU Kr wie aktuell schon vorgesehen zu Landesregimentern ausgebaut mit einer Sollstärke von ca. 1.500 Reservisten je Bundesland. Einsatzkonzept Infanteristischer Objektschutz, Katastrophenhilfe und Unterstützungsleistungen für die Truppe. Freiwillige Reservisten und Quereinsteiger nach Art der US Nationalgarden-Reserve, 1 Wochenende im Monat, 2 Wochen im Jahr, dafür gibts dann auch gern 1.000 - 1.500 € steuerfreie Ehrenamtspauschale im Jahr.

Für die Landesregimenter kommt das Geld zu gleichen Teilen von BMVg und Innenministerium - Katastrophenschutztopf.

Das wär mal ein erster Ansatz von meiner Seite.

Bei der Wehrbeschaffung gibt es wie gesagt schon diesen anderen Thread. Das Thema Beschaffungsablauf kann also erstmal außen vor gelassen werden.

So wie es wohl aussieht, geht ein Großteil dieser “Beratungskosten” wohl für IT-Dienstleistungen eines bundeseigenen Dienstleisters drauf. Somit relativiert sich das ganze natürlich. Diese McKinsey-Typen, die vdL angeschleift hat, können aber gehen. Die haben noch nie irgendwo was sinnvolles gebracht. Übrigens, schaut euch mal die Beratungskosten des Verkehrsministeriums an :slight_smile:

1 Like

Über Andi brauchen wir nicht reden :wink: Die CSU konnte noch nie mit Geld umgehen.

Das mit der IT ist interessant, müsste man rausfinden worum genau es geht und ob man die kosten sinnvoll reduzieren kann.

Das erscheint mir recht hoch zu sein. :thinking: Wie steht es in Korrelation zum 2% Ziel der Nato, beziehen sich da die 2% auf den GDP?

Die mMn bei weitem wichtigsten Zahlen fehlen, und zwar die Zahl der einsatzfaehigen Kampfflugzeuge, Helikopter, Panzer etc. in Relation zu deren Gesamtbestand. Kannst du dazu etwas sagen?

Persoenlich bin ich kein Freund der vehementen nuklearen Abruestung, es erscheint mir ein Relikt aus der alten BRD zu sein. Aber so lange die Franzosen und Briten ihre Atomwaffen behalten, koennen wir es ja ruhig fordern. :smirk:

Also ich finde es gruseliger, eine separate ungarische Armee voll mit Orbánpropaganda zu haben.

Zur Einsatzbereitschaft hier ein guter Artikel auf Augen-geradeaus:
https://augengeradeaus.net/2019/03/zahlen-zur-einsatzbereitschaft-von-bundeswehr-waffensystemen-bisher-offen-jetzt-geheim/

Im Schnitt kannst du von einer maximalen Verfügbarkeit von höchstens 50% bei den Hauptwaffensystemen ausgehen, offiziell werden wohl 70% genannt. Davon sind einige Systeme einfach so in geplanter Wartung/Reparatur, andere hingegen total ausgefallen oder sie wurden ausgeschlachtet, um zumindest den Rest in Betrieb halten zu können. Wie erwähnt wurde vor einiger Zeit die Ersatzteilbevorratung weitgehend ausgelagert. Und zwar in dem Sinn, dass man gemeint hat, wenn was gebraucht wird, kann man ja schnell den Hersteller anrufen und der liefert dann. Macht er aber nicht, weil die Wirtschaft halt brummt und maches Kugellager schon Lieferzeiten von 6-12 Monaten hat.

Bei der Beratung waren es im 1. Halbjahr 2019 wohl 155 Mio. €, wovon 109 Mio auf die BWI entfielen, einer 100%igen Bundesgesellschaft, welche die nichtmilitärische IT-Systeme betreut. Da geht es also vor allem um so Sachen wie SAP, Office usw. Kann man vielleicht billiger auf dem Markt einkaufen, muss man aber nicht, wenn das Geld wieder in Bundestaschen fließt. Dafür hat man auch die Oberhand über alles, was gemacht wird und muss nicht auch noch auf externe Dienstleister aufpassen.

Das 2%-Ziel der NATO bezieht sich auf GDP/BIP. Das wären aktuell so irgendwas um die 67 Mrd. Aus meiner Sicht eine völlig hahnebüchene Forderung. Wenn ein kleines Land wie Polen sich rühmt, die 2% zu schaffen, sollte man berücksichtigen, dass Militär einfach einen grundsätzlichen Kostensatz hat und das polnische BIP sicher nicht so hoch ist wie das deutsche.

Irgendjemand hat kürzlich vorgeschlagen, die Bundeswehr soll Geld in Schieneninfrastruktur investieren, um eine schnelle Verlagerung sicherzustellen. Diese Investition kann man dann auch auf den Wehretat beziehen, auch wenn es tatsächlich eigentlich dem ÖPNV zugute kommt. Wär vielleicht eine Lösung, damit die NATO nicht mehr meckert. Notfalls auch über den Erwerb der BC100 für Soldaten :slight_smile:

Das 2% Ziel wurde ja mal irgendwann festgelegt. Trump ist vor allem deswegen so dahinter her, weil er auch schon gesagt hat, dass er von Europa verlangt, dass für die Kohle vor allem auch Waffen in den USA gekauft werden sollten. Und schon weiß man, wie der Hase läuft.

Was atomare Abrüstung angeht, bin ich absolut dafür, auf die deutsche Teilhabe mit den 30 Sprengköpfen in Büchel zu verzichten. Ebenso bin ich kein Freund von taktischen Atomwaffen (z. B. Artelleriemunition). Das Zeug sollte abgeschafft werden. Reicht es nicht, dass wir die Erde übers Klima kaputt machen? Müssen wir das auch noch beschleunigen?

Von Cybereinheiten der Bundeswehr bin ich auch kein großer Freund. Aber da kommt man wohl nicht mehr drum herum. Der nächste Krieg findet im Netz statt… und läuft eigentlich schon.

Warum? Der Zustand der BW ist laut deinem verlinkten Artikel aeusserst schaendlich und beschaemend. Wenn wir schon eine Armee haben, soll sie wenigstens funktionieren koennen. Ob man dann im Zuge dessen auch Geld in Infrastruktur investiert, sei dahingestellt. Was Trump sagt, woher wir die Waffen kaufen sollen, ist auch egal. Aber ich habe seinen Aufruf anno dazumal sehr gefeiert, weil er die europaeischen Staaten wachgeruettelt hat und die Idee einer europaeischen Armee vorantrieb, die unsere Abhaengigkeit von den Amerikanern verringern wuerde.

Lt. einem Bericht im Reservisten-Magazin “loyal” von vor 2 Jahren liegt der Investitionsstau bei ca. 30-40 Mrd. Euro, damit wir alles ersetzen und reparieren können, was veraltet oder kaputt ist. Dazu noch ein paar neue Systeme, bei denen uns aktuell noch Fähigkeiten fehlen (z. B. Drohnen).

Wehrbeschaffung passiert aber nicht von heute auf morgen. Die Waffensysteme müssen erst entwickelt werden, es müssen Reparaturkapazitäten geschaffen werden usw. Klar, Ersatzteile kann man per sofort wieder selbst ins Lager legen, Kasernen können zeitnah renoviert und modernisiert werden usw.
Reden wir aber über Großgerät oder selbst über neue Sturmgewehre, dann dauert das. In Deutschland leider viel zu lange, aber das ist ein anderes Thema. Grundsätzlich kann und sollte man Wehrbeschaffung natürlich beschleunigen und auf am Markt vorhandene Systeme setzen. Statt dem NH90 hätte man sicher auch den Blackhawk nehmen können. Beim Ersatz für den CH53 wird dieser Weg ja gegangen und es soll entweder CH53K oder Chinook gekauft werden, statt wieder 20-jahrelang einen eigenen Helikopter zu entwickeln. Das spart Geld und Zeit.

Was anderes ist es bei der Entwicklung eines eigenen MBT als Nachfolger für den Leopard 2, oder dem Folgesystem für den Eurofighter. Bei sowas plädiere ich #ausGründen auf Eigenentwicklungen. Dummerweise läuft sowas dann aber im europäischen Verbund. Das macht den Stückpreis durch größere Mengen zwar günstiger, aber die Systeme werden nicht so entwickelt, dass sie am besten funktionieren, sondern so, dass die Politiker ihre Sponsoren aus der Rüstungsindustrie befriedigen. Und dann kommt sowas bei raus wie bei der A400M, bei der Komponenten auf die diversen Airbus-Werke verteilt wurden, wie die Politik es vorgab, statt so, wie die Werke dafür am besten geeignet sind. Diese Klientelpolitik bei der Vergabe muss aufhören. Wenn KMW der beste Hersteller für einen Panzer ist, dann muss ich nicht die Wanne von einem französischen Hersteller und die Ketten von Italienern kommen, nur weil die Politik das “gerecht” verteilen will. Die anderen Lieferanten können gern ein anderes System liefern, sollen aber den MBT bitte Leute bauen lassen, die das auch können.

Jedenfalls ist da eben dieser 40 Mrd. Investitionsstau. Dafür reicht es, jährlich 5-10 Mrd. extra in den Pott zu werfen, dann baut sich der nach und nach ab, vermutlich sogar in dem Takt, wie die Systeme auch verfügbar sind. Ich muss jetzt aber nicht auf Gedeih und Verderb den Wehretat um 25 Mrd. erhöhen, nur weil das in irgendeinem Papier so festgelegt wurde. Das Geld kann sinnvoller ausgegeben werden. Zum Beispiel für diesen Infrastruktur-Trick, wenn man manches über das BMVg finanziert, um den Etat den NATO-Anforderungen anzupassen, das Geld aber dann in Projekte geht, von denen allen profitieren.

Übrigens, was diese Abhängigkeit von den Amerikanern angeht… die sehe ich so oder so als nicht gegeben an. Kommt ein Atomkrieg, ist eh alles aus. Einen landgestützten Krieg, der von massiven Panzerverbänden geführt wird, wie es in den 80er-Jahren noch geplant war, seh ich nicht kommen. Und selbst wenn Putin das Baltikum angreifen würde (was er mMn absolut nicht vorhat), gibt es nichts, was die NATO dem konventionell auf die Schnelle entgegenzusetzen hätte. Auch nicht diese tolle 15.000 Mann-Truppe, die dort demonstrativ stationiert wurde. Und so schnell können die Amis auch keine Truppen anlanden, um den russischen Vorstoß abzuwehren. Da der 3. Weltkrieg im Netz geführt wird, kommt es auch nicht mehr auf die Anzahl verfügbarer Kampftruppen an. Aktuelle Kriege werden vor allem durch asymetrische Spezialeinheiten geführt, wenn man nicht gerade im Iran einmaschieren will. Und dort hat Deutschland mMn nichts zu suchen.

Militärisch halte ich China aktuell so oder so als den größeren potentiellen Gegner. Putin wollte die Krim und damit war gut. Aber lassen wir dieses Thema möglicher Szenarien bitte. Wir sollten bei Bundeswehr und deutscher/europäischer Verteidigungspolitik bleiben.

Worüber wir nachdenken können und sollen, ist, was überhaupt durch die Bundeswehr getan werden soll. Ohne klaren Auftrag wird es schwierig, einen Umfang festzulegen.

Meine SIcht:

  • Landes- und Bündnisverteidigung (NATO bzw. EU gem. Lissabonner Verträgen)
  • Humanitäre Einsätze
  • Peace-Keeping bzw. -Building ausschließlich unter UN-Mandat
  • Einsätze zur Rettung von Bundes- bzw. EU-Bürgern
  • ggf. auch Schutz von Handelsrouten, insb. gegen Piraten (also die echten, nicht gegen uns). Dazu müsste aber die Gesetzeslage angepasst werden, damit das rechtlich einwandfrei läuft.
  • Unterstützung bei Katastrophenschutz im Inland

So oder so, außerhalb Bündnisgebiet haben wir ohne UN-Auftrag eigentlich nicht viel zu suchen.

Haben wir so eine europaeische no-bullshit-Ruestungspolitik irgendwo im Programm? :thinking: Scheint notwendig zu sein.

Haben wir aktuell nicht. Auch keine Position zur Bundeswehr. Deshalb gibt es ja diesen Thread.

Die Bundeswehr hat ihre gesamte Inlands-IT an die BWI GmbH abgegeben. Dies war ursprünglich eine Privat-Öffentliche GmbH, die zu (ich glaube) 49% IBM und 51% dem Bund gehörte.
Später ist IBM dort ausgestiegen und die BWI gehört jetzt zu 100% dem Bund.
Die BWI betreibt die gesamte Inlands-IT der Bundeswehr, nur im Ausland wird diese von Soldaten oder zivielen Mitarbeitern der BW betrieben.
Im Rahmen der IT-Konsolidierung des Bundes soll die BWI auch IT-Dienstleistungen für andere Bundesbehörden insbesondere im Sicherheitsbrreich übernehmen.

1 Like

Wir reden doch von einer Show-Truppe, die extrem viel Geld verschlingt.

Wieviele Stunden möchtest Du mit dieser Armee Krieg führen?

Verteidigung funktioniert doch nicht mit Sandkastenspielen, x Panzer auf der einen Seite y Panzer auf der anderen.

Die Bundeswehr hat doch den technologischen Wandel auch nicht ansatzweise begonnen.

Dementsprechend wird auch völlig unqualifiziertes Personal eingesetzt, das nur als Kanonenfutter dienen soll.

Beim Atomschlag haben wir dann unsere ABC-Schutzplane über uns geworfen. So lächerlich, so teuer.

Fangt doch mal anders an:
Wofür wollt ihr (wenn überhaupt) eine Bundeswehr?

  • zur Verteidigung?
    – Der Auftrag der Bundeswehr ist im Grundgesetz geregelt. Nach Art. 87a Abs. 1 Grundgesetz hat der Bund den Auftrag Verteidigungsstreitkräfte aufzustellen.
  • oder als Angriffsarmee?
    – Brauchen wir den “Angriff” mittlerweile?

Ist das mit dem “Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt” eigentlich ein Dauerzustand oder ist das temporär?

Ich glaube die Frage mit dem Angriff stellt sich nicht wirklich. …

Aber auch bei der Verteidigung fehlt irgendwie die konkrete Anforderung gegen was wir uns denn verteidigen wollen.
Soll die BW das Land alleine gegen eine Atommacht verteidigen könnnen?
Soll sie nur bestimmte Fähigkeiten zur Verteidigung der NATO beisteuern?
Soll sie nur einzene Angriffe abwehren können?
Wie könnten solche Angriffe denn aussehen?
Was brauchen wir um diese Anforderungen zu erfüllen?
Wie viele Angriffe sollen über welchen Zeitraum abgewehrt werden können?

Ist die Vorstellung einer “ganz normalen deutschen Armee”, mit funktionierendem Heer, Luftwaffe und Marine, die Teil der wesentlich defensiven Natostreitkraefte ist, dessen Teil auch Atommaechte sind, eine dermassen fremde Idee? :thinking:

Wer etwas älter ist und länger beim Bund war, hat da sehr klare Vorstellungen gesagt bekommen.
Deutschland z.B. im “Fulda Gap” zu verteidigen war die Hauptaufgabe.
Dann gab es für Panzerangriffe des Warschauer Paktes eine Zeitspanne von 4 bis 7 Tage - Von Grenze zu Grenze - Also DDR/Frankreich
Unsere Bundeswehr hätte genau diese Tage den Angriff aufhalten sollen.
Intern hat die Bundeswehr aus Tagen Stunden gemacht.
Da die Angriffsszenarien sich aber bis 1990 eigentlich alle 10 Jahre änderten - und danach nur noch ein Angriff mit Mittel- und Langstreckenwaffen machbar ist, hat unsere jetzige Bundeswehr diesem Angriff mehr oder weniger gar nichts mehr entgegen zu setzen.
Also könnten wir sie auch auflösen wenn wir sie nur zu diesem Ziel der Verteidigung benötigen.

Sollte wir aber von einem der “normalen Kriege” träumen,:wink: mit erst wochenlangem Vorgeplänkel, dann ein Aufmarsch an den Grenzen zu Europa (jetzt ja nicht mehr Deutschland) wäre Europa gefragt, nicht mehr Deutschland.
Deutschland müsste laut Grundgesetz warten bis Polen und/oder Tschechien, Österreich überrollt wären um dann eingreifen zu dürfen.
Damit sollte eigentlich die Frage beantwortet sein was für eine Armee wir benötigen.

Was heißt denn ganz normal?

Ist z.B. ein Angriff mit Kampfpanzern auf Deutschland wirklich noch ein realistisches Szenario, auf das wir uns vorbereiten müssen?

Ich habe grundsätzlich kein Problem mit der Bundeswehr.
Ich bin aber der Meinung, dass wenn wir viele Milliarden in die Bundeswehr stecken auch ein klares Ziel brauchen und dieses dann auch erfüllen müssen.

Aktuell habe ich den Eindruck das wir sehr viel Geld in eine nicht wirklich funktionale Institution stecken.
Unter diesen Umständen könnte man die BW auch abschaffen, da ihr Wert für uns sehr fragwürdig ist.

Die Frage die sich für mich stellt ist, was soll die Bundeswehr können? Und was was braucht sie dafür?

Es gibt aber auch die Nato.

Wenn sich die Russen entscheiden das zu tun, dann ja. ¯\_ (ツ) _/¯ Sie haben mWn weltweit mit Abstand die meisten Panzer.