Verbot von Self-Tracking in Gesundheitsapps?

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Der Bundesrat fordert mehr Gesundheitsdatenschutz.

Im Fokus der Entschließung, die an die Bundesregierung weitergeleitet wurde, liegt insbesondere das Self-Tracking für pirvat Versicherte durch Apps (z.B. Fitnessapps) um bessere Tarife im privaten Versicherungsbereich zu erlangen.

“Der Bundesrat bittet die Bundesregierung daher dafür zu sorgen, dass die laufende (automatisierte) Erhebung hochsensibler Gesundheitsdaten zu Zwecken der Tarifgestaltung in der Krankenversicherung unabhängig von der Einwilligung der versicherten Person für unzulässig erklärt wird”

Alles in allem bin ich ja persönlich der Meinung, dass man Menschen selbst überlassen müsste, welche Daten sie freiwillig an ihre private Versicherung weiterleiten um einen etwaigen Vorteil durch gesunde Lebensweise zu erlangen. Natürlich nur nach eingehender Aufklärung und dem Verbot des Veräußerung der Daten.
Derzeit besteht,zumindest im privaten Versicherungsbereich, bereits teilweise eine negative Risikoanalyse, sei es das Alter, Raucher usw. der die Tarife bestimmt. Das Self Tracking ist/ wäre hingegen ein “positiver” Ansatz, der Menschen motivieren soll, sich “gesund” zu verhalten um entsprechende Risiken für den Versicherer zu minimieren, um entsprechende günstigere Tarife zu erlangen.
Auch wenn ich die Gefahren eines solchen Self Tracking durchaus als sehr hoch ansehe in Hinblick auf Missbrauch, und ich immer einen teureren Tarif in Kauf nehmen würde, ohne etwaige Datenübermittlung, so ist es doch noch immer meine freie Entscheidung.

Der Bundesrat begründet die Entschließung damit:

“Es gilt, das Grundprinzip von Versicherungen als eine Institution zur Übernahme von Risiken des Lebens durch einen Ausgleich im Versichertenkollektiv langfristig zu sichern. Diesem Grundprinzip läuft eine laufende automatisierte Übertragung hochsensibler Gesundheitsdaten zur Tarifgestaltung, etwa durch Fitness-Tracker, zuwider. Die laufende Datenübertragung ermöglicht es, umfassende individuelle Gesundheitsprofile zu erstellen, insbesondere, wenn die Daten aufgrund einer Einwilligung mit anderen Datenmengen zusammengeführt werden. Diesem Risiko werden sich voraussichtlich lediglich diejenigen Personen aussetzen, bei denen ein geringes Krankheitsrisiko angenommen
werden kann. Es könnten sich somit Tarife etablieren, die vorwiegend Personen mit „guten“ Risiken vorbehalten sind und daneben solche Tarife, in denen sich Personen mit vermeintlich „schlechten“ Risiken versichern müssen”

Vor dem Hintergrund müsste man ja auch die teilweise bei Versicherung bestehende Praxis den Tarif von analog erhobenen Daten, ob man Raucher ist oder Risiko Sportarten ausübt, abhängig zu machen verbieten.

Keine Ahnung, ob ich gerade einem Denkfehler auferlegen bin, aber letztlich sehe ich den Unterschied nicht wirklich, außer dass die automatisierte Datenerhebung durch Self Tracking wesentlich anfälliger für Missbrauch empfinde. Und da müssen natürlich Regelungen geschaffen werden, dass diese Daten nicht verkauft werden dürfen und entsprechend gesichert sind.

Wie steht ihr zu dem Thema ?

So ein Fitnesstracker geht schon extrem viel weiter, weil die erhobenen Daten sehr detailliert sind und die Versicherung daraus Schlüsse ziehen kann, die der Versicherte selbst nicht ziehen kann und auf die er möglicherweise im Gegensatz zum Rauchen oder Risikosportarten auch keinen Einfluss hat, weil sich z.B. in den Daten der Anfang einer genetisch bedingten Krankheit zeigt.

Erstens bin ich der Auffassung, dass schon alleine die zentrale Sammlung so sensibler Gesundheitsdaten als solches brandgefährlich ist, weil die Datensicherheit nicht ausreichend gewährleistet wird.

Zweitens muss jedes Geschäft “Daten gegen Geld” verboten werden, da jeder ein Grundrecht auf Privatsphäre unabhängig von seinen finanziellen Mitteln haben sollte.

Drittens bin ich der Meinung, dass eine Versicherung keinen Sinn macht, wenn diese die Prämie zu sehr an Risikofaktoren anpassen kann, denn sonst muss jeder Versicherte sein eigenes Risiko tragen und Menschen mit vielen Risikofaktoren können sich keine Gesundheitsversorgung mehr leisten.

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Hast du da vielleicht irgendwelche Quellen die ich mir dazu durchlesen kann ? Würde mich interessieren.

Es geht hier nur um private Versicherungen. Gesetzliche Krankenversicherungen ist eine, wie oben beschriebene, Tarifgestaltung sowieso untersagt. Insoweit betrifft dies vorwiegend Menschen die über der bestehende Versicherungspflichtgrenze von derzeit 62.550 Euro im Jahr verdienen oder halt selbständig sind. Die Möglichkeit einer gesetzlichen Krankenversicherung besteht in Form einer freiwilligen Versicherung ja generell für alle Menschen ohne Risikoanalysen.

Und der Abschluss einer privaten Krankenversicherung mit einer schweren chronischen Erkrankung ist bereits heute so gut wie nicht mehr möglich. Insoweit müsste man dann auch alle analogen erhobenen Risiken oder Vorerkrankungen die ein Mensch hat für eine Tarifgestaltung bei der privaten Versicherung ausschließen.

Das ist im Moment der Fall. Aber kannst du die Zukunft vorhersagen? Ändert man gesetzliche Bedinungen, die dafür sorgen, dass weitere Änderungen überhaupt erst so richtig profitabel werden, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass entsprechende Lobby erfolgreich in den Gesetzgebungsprozess eingreifen. Je mehr geändert werden muss, desto zurückhaltender sind Lobbyisten und desto eher sagen Politiker “nein” zur Lobby.

Und meiner Meinung nach sollten auch Privatversicherte geschützt sein.

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Ich kann das alles nachvollziehen, aber ich sehe da in dem Moment auch meine freie Selbstbestimmung, da ich mich ja auf einem freien Versicherungsmarkt in dem Moment aufhalte und solche Angebote nicht annehmen muss.
Klar, auf finanzielle Anreize fallen viele Menschen rein. Aber wo fängt man an und wo hört man auf mit Regulierungen ?
Ich bin da noch immer zwiegespalten.

Und sicherlich ist jede automatisierte Datenerhebung im Gesundheitsbereich ein Risiko. Aber letztlich wird hier nur das Problem in Bezug auf die Tarifgestaltung gesehen und letztlich nicht in der Datenerhebung. Weil andererseits wurde dem Digitalen Gesundheits Vorsorge Gesetz vollumfänglich zugestimmt, welches eine verpflichtende (ohne Einwilligung) pseudonymisierte Datenübermittlung an eine zentrale Forschungsstelle vorsieht.
Insoweit verstehe ich die Vorgehensweise des Bundesrates nicht so recht, warum diese Datenerhebungen, mit Einwilligung der Versicherten, zur Tarifgestaltung im privaten Versicherungssektor verwerflich sind und die pseudoanonymisierte Datenerhebung ohne meine Einwilligung zu “Forschungszwecken” aber ok sei.

Und warum lässt man die analoge Datenerhebung zur Tarifgestaltung weiter zu? Letztlich wurde der Versicherungswirtschaft nur vor einigen Jahren unterbunden, unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen anzubieten. Aber alles andere wird noch in die Risiken einberechnet.

Mir sind diese Gefahren die diese Self-Tracking Apps bergen bewusst und würde sie daher nicht nutzen, aber ich sehe auch, dass Mensch darüber ja auch selbst entscheiden darf, nach entsprechender Aufklärung.
Ich finde die pseudoanonymisierte Übermittlerung meiner Gesundheitsdaten an eine Forschungsstelle ohne meine Einwilligung ehrlich gesagt, viel gravierender derzeit. Denn da kann ich weder entkommen noch mich entscheiden, denn ich bin im Zweifel gezwungen in der gesetzlichen KV zu sein.

Symbolpolitik. Ist doch nun nix Neues.

“Freie Selbstbestimmung” kann man nur solange wahrnehmen, wie man die nötige Bildung besitzt um zu wissen, was überhaupt alles passieren kann. Das Tarife angepasst werden ist nur die populärste, aber nicht die schlimmste Folge. Fehlanalysen können negative Konsequenzen für dich haben, Datendiebstahl (egal ob durch Hack oder als Mitarbeiter) kann sonst was bewirken. Kannst du mit Sicherheit sagen, dass der Großteil der Menschen, die solche Technologie nutzen, den Umfang der Risiken auch nur ansatzweise verstanden haben um selbstbestimmt eine Entscheidung abwägen zu können?

Für ein Verbot sprach ich mich bisher übrigens nicht aus. Ein Verbot wäre lediglich die einfachste und kostengünstigste Lösung. Man kann aber auch überlegen, wie man die Daten schützen kann. Z.B. eine Offlinesammlung und Offlineanalyse der Daten oder Tarifmanipulationsverbot auf Datenbasis (schützt aber z.B. nicht vor Datendiebstahl). Das mit Abstand Sinnvollste ist meines Erachtens eine richtige Aufklärungskampagne - mit dem nötigen Wissen über das Missbrauchspotenzial der Daten können die Menschen wirklich selbstbestimmt Entscheidungen treffen.

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