Ursachen von Imperialismus?

Was sind denn eigentlich die Ursachen warum die Menschheit sich immer wieder in völlig sinnfreien imperialistischen Kriegen aufreibt ?

Lenin erklärte sich das so:

„1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis des ‘Finanzkapitals’; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.“[4]

John Atkinson Hobson so:

Überall erscheinen übergroße Produktionskräfte, übergroße Kapitalien, die nach Investition verlangen. Sämtliche Geschäftsleute geben zu, daß der Zuwachs an Produktionsmitteln in ihrem Lande die Zunahme der Konsumption übertrifft, daß mehr Güter hervorgebracht als mit Gewinn abgesetzt werden können, daß mehr Kapital vorhanden ist, als lohnend angelegt werden kann. Diese ökonomische Sachlage bildet die Hauptwurzel des Imperialismus … . Imperialismus ist das Bestreben der großen Industriekapitäne, den Kanal für das Abfließen ihres überschüssigen Reichtums dadurch zu verbreitern, daß sie für Waren und Kapitalien, die sie zu Hause nicht absetzen oder anlegen können, Märkte und Anlagemöglichkeiten im Ausland suchen.“[

Also ökonomische Gründe die dem Kapitalismus zugrunde liegen. Hm… Da hätte ich ein paar Einwände.

1.) Kapitalismus gibt es noch nicht so lange und auch im Feudalistischen Systemen gab es ausgeprägten Imperialismus. Selbst vor der Erfindung von Geld (Münzen) gab es stark expansionistische Königreiche…

2.) Die Soqjetunion unter Lenin hat Polen angegriffen, unter Stalin dann nochmal zusammen mit Hitler und Finnland, später Niederschlagung des prager Frühlings, Einmarsch in Afghanistan… Das war ja wohl astreiner Imperialismus aber sicher nicht Ökonomisch/Kapitalistisch motiviert.

Im grunde sind alle Imperialismus Theorien extrem stark ökonomisch geprägt… Eroberung anderer Länder als Absatzmärkte z.B. Kapital Akkumulation und so weiter. Monopolkapital welches sich weiter ausdehnen will als es die limitierten nationalen Märkte erlauben.

Ok, da mag ja durchaus was dran sein aber mit greift das viel zu kurz. Archäologische Funde aus der Steinzeit belegen ja das schon damals Kriege geführt wurden…

Vielleicht ist der Machiavellismus da ja naheliegender. Imperialismus als reine Befriedigung der Herrsch und Machtsucht der Könige, Kaiser, Diktatoren… Dann wäre das viel einfacher und es bräuchte die ganzen ökonomischen Theorien nicht. Aber so einfach ist es dann ja doch nicht da es nicht erklärt warum die Bevölkerung bei diesem Unsinn immer wieder willig mit macht…

Was denkt ihr dazu ? Gibt es dazu vielleicht irgendwo einige plausible wissenschaftliche Erklärungsmodelle ?

die Dinosaurier werden immer trauriger Lonzo

(Beitrag vom Autor gelöscht)

Wer keine Entwicklung in der Geschichte des Menschen zu erkennen vermag, dem ist Geschichte so spannend und ergiebig wie die Arbeit des Sisyphus.

Oberflächlich betrachtet kann man natürlich immer
ökonomische Gründe finden. Selbst für den Angriff Putins
auf die Ukraine kann man wirtschaftliche Beweggründe
auflisten.

Aber im Kern ist es die evolutive Prägung des Menschen,
die ihn immer wieder veranlasst, kriegerisch vorzugehen.

Lange Zeit lebte der Mensch als Jäger und Sammler in
Kleingruppen, welche nomadisch durch die Landschaft zogen.
Mit der Einführung der Landwirtschaft aber änderte sich
alles: Die Menschen wurden seßhaft, Land wurde erstmals “in
Besitz” genommen, es gründeten sich größere Dorfgemeinschaften,
und das bewirtschaftete Land musste gegen Feinde verteidigt werden.

Dabei schlossen sich die Menschen eines Dorfes zusammen,
um gegen äußere Feinde vorzugehen, denn ganz alleine
hatte der Einzelne keine Chance.

Je größer nun diese militärischen Zusammenschlüsse waren,
desto besser konnten sie sich verteidigen. Solche
Zusammenschlüsse benötigten einen Anführer, der alles
koordiniert und sagt, was gemacht werden soll.

Landwirtschaft und Seßhaftigkeit brauchten also
Machtmenschen, die Spaß daran hatten, andere anzuführen
und zu befehligen. Und je besser diese Machtmenschen
das konnten, und je mehr zusätzliche Menschen sie unter
“ihre Kontrolle” brachten, desto größer war ihre “militärische
Schlagkraft” und desto länger konnte diese Einheit - also
dieser Zusammenschluss eines Dorfes, einer Polis oder
eines ganzes Gebietes - sich erwehren und bestehen.

Die Evolution hin zur Landwirtschaft und Seßhaftigkeit hat
somit gleichzeitig die Bildung starker autoritärer Gemeinschaften
gefördert: Wer sich nicht so zusammenschloss, wurde im
Kampf besiegt und unterworfen.

Und so lief die Geschichte seit ca. 7000 Jahren bis heute:
Alle Herrscher trachten immer danach, noch stärker zu
werden, noch mehr andere Menschen und deren Gebiete
zu unterwerfen und einzunehmen. Landwirtschaft und Besitz
erfordern also einen Hang zum Imperialismus.

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Die neue Erfindung in der geschichtlichen Evolution ist nun
der Gedanke, dass nicht ein einzelner diktatorischer
Herrscher alles bestimmt, sondern dass jeder Einzelne
mitbestimmen soll, wie der Staat geführt werden soll. Das
ist die Idee der Demokratie.

Und mit der Idee der Demokratie konnte man auch den
Imperialismus überwinden: Keine einzelner Herrscher steigert
sich hier noch in einen narzisstischen Machtwahn, weil er
ja nur auf Zeit gewählt ist, und auch eine “Zeit nach seiner
Herrschaft” kommen würde.

Deshalb haben wir heute auch eine klare Zweiteilung der Welt:
Wir haben 1. Die Demokratien, die überwiegend auf Kooperation
setzen. Und 2. die Diktaturen, die fast immer imperialistisch und
wahnhaft sind.

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unter welcher Diktatur leidet Julian Assange?