Ungarns «Plastikpiraten» kämpfen gegen eine beispiellose Abfallflut

Es ist ein beeindruckender Abfallteppich, der sich in den letzten Tagen an der Wasseroberfläche des Flusses Theiss angesammelt hat. Flaschen, Becher, medizinische Verpackungen, aber auch Kühlschränke und Industrieabfälle stauen sich auf einer Fläche von 17 000 Quadratmetern vor einem Damm in Ostungarn. Starkregen hat den Abfall aus der Ukraine und Rumänien nach Kisköre geschwemmt, mitten in den wichtigsten ökologischen Korridor des Landes.

Aufwendige Reinigung

8000 Tonnen lägen nun beim Staudamm und beim dazugehörigen Elektrizitätswerk, schätzt Gergely Hanko von [der Nichtregierungsorganisation Pet Kupa,was übersetzt «Plastikbecher» bedeutet. Noch einmal etwa die gleiche Menge sei jedoch flussaufwärts verstreut, auch entlang des aufgestauten Theiss-Sees, der als Naturparadies gilt.

Hankos Umweltinitiative hilft den Behörden bei den Aufräumarbeiten: Grosse Lastschiffe holen den Abfall aus dem Fluss, Arbeiter bringen ihn in Lagerräume. Dort wird er von Arbeitern und Freiwilligen der Organisation, die sich auch als «Abfallpiraten» bezeichnen, sortiert. Das Ganze soll laut Schätzungen der Regierung vier Monate dauern und umgerechnet 100 000 Franken kosten.

Der Abfallteppich stammt aus einigen der ärmsten Regionen in der Ukraine und Rumänien. Diese haben von der wirtschaftlichen Entwicklung insofern profitiert, als die moderne Konsum- und Wegwerfgesellschaft auch in entlegenen Dörfern Einzug gehalten haben. «Moderne Entsorgungssysteme gibt es aber keine», beklagt der Umweltingenieur Hanko, der bei Pet Kupa für das Abfallprogramm und das Sponsoring zuständig ist.

Dies hänge damit zusammen, dass der Lebensstandard der Menschen zu tief sei, um Gebühren für die Abfallentsorgung zu erheben. Die Säcke werden deshalb einfach deponiert – oft in den Überschwemmungsgebieten rund um die Theiss. Der Abfall stamme allerdings nicht nur von einzelnen Bewohnern, sondern auch von der Industrie, sagt Hanko. Dieser sei besonders gefährlich. Ein kleiner Teil kommt zudem aus Ungarn selbst.

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