Über die Positionierung der Partei

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Im Dicken Engel hatten wir über die Bundesvorstands-Klausur berichtet. Eines der Themen war, uns darüber klar zu werden, wo wir als Partei im Spektrum verortet sind und in wieweit sich dadurch die Wahlergebnisse erklären. Die dazugehörige Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die ich zitierte, wollte ich gerne nachreichen und hab das in einem Blogpost auf der Vorstandsseite etwas ausführlicher auch getan.

https://vorstand.piratenpartei.de/2019/12/10/ergaenzende-unterlagen-zum-bericht-von-der-vorstands-klausur/

Da ich mir vorstellen kann, dass nach Lektüre des Beitrags Redebedarf besteht, möchte ich diesen Thread dafür anbieten.

Habt eine gute Zeit beim Diskutieren, benehmt euch gut, respektiert andere Meinungen. :slight_smile:
Vergesst nicht, dass es so gut wie nie einen einzigen Grund gibt, warum Dinge so sind wie sie sind. Die Bedingungen für Erfolg sind meistens so, dass alles eintreten muss, und selten eine Eigenschaft eine andere kompensieren kann. Damit meine ich, dass die beste Positionierung uns nichts bringt, wenn es dort keine Wähler gibt, oder wir uns gleichzeitig benehmen wie Sau, und wir damit Menschen abstoßen.

Bitte argumentiert logisch schlüssig und begründet. Rationales und empirisches ist im Zweifel mehr wert als Anekdoten und Gefühle - hier geht es um empirische Wahlforschung.

Und um positiv zu schließen: Mir gibt es immer Kraft, wenn ich verstehe, warum wir dort sind wo wir sind. Denn das ermöglicht uns gleichermaßen, bewusst zu entscheiden was wir wollen und uns klar zu machen, dass wir auch anders können, wenn wir das wollen würden.

Love - Sebastian

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Interesting :+1:

Danke für die Infos,
schade dass es für das europäische Wahlprogramm ist.

Das deutsche Wahlprogramm ist ja doch in vielen Punkten zumindest mal ausführlicher und detaillierter.
Wenn die “Sozialpolitik und das Gesundheitswesen” wesentlich kürzer als das “Weltraumprogramm” oder “Transport und Verkehr” ist, ist es natürlich schwierig hier für uns relevante Positionierungen zu erkennen.

Ein wenig schwer tue ich mich auch mit der vorgegebenen Themenmatrix.
“soziale Gerechtigkeit” z.B. links einzuordnen statt in der Mitte ist schon eine interessante Interpretation.

Es könnte jetzt natürlich gesagt werden, es tummeln sich viel zu viele Parteien auf einem Fleck, und frei ist der ganze untere linke Bereich.
Nur was gehört nach deren Matrix dorthin?

Das Problem ist doch nicht die Positionierung, sondern die Glaubwürdigkeit der Position. Vermutlich sind viele bei den Piraten, weil sie sehen, daß die von ihnen angestrebten Ziele von anderen Parteien nicht vertreten werden, selbst wenn diese sich oft entsprechend positionieren (Grüne, FDP). Bei den Wählern gilt das gleiche: Auch hier zählt die Glaubwürdigkeit, die diese den Parteien zugestehen, und die beispielsweise die SPD mittlerweile gründlich verspielt hat. Bei den Piraten sieht es da vermutlich ähnlich aus, wobei hier die Erwartungshaltung sehr indifferent sein dürfte. Vermutlich sind zahlreiche frühere Piratenwähler inzwischen bei den “Alternativen” gelandet; einfach, weil sie die Ziele der Piratenparte gar nicht kannten, und bei deren Wahl etwas ganz anderes (“Protest”) hineininterpretiert hatten.

Zudem dürfte die erweiterte “Grünenwolke” des Spektrums auch die Mehrheit der Wähler beinhalten; von daher ist das durchaus die richtige zur Positionierung. Von Vertretern der anderen Ecken möchten wohl die meisten hier lieber nicht regiert werden.

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Genauso wie SPD könnte die Piratenpartei dafür eintreten den deutschsprachigen Diskurs vielfältiger zu machen und zu Entmonotisieren. Die Grünen Monotisieren alles mit ihrem Green Labeling, das ödet mich sehr an.

Der Klima-Frame erscheint in den Medien fast schon monolithisch und hat irgendwann einen gegenteiligen Effekt von der ursprünglichen Intention, nämlich das sich die Menschen abwenden.

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Es ist doch vollkommen egal, ob etwas links oder rechts ist, man könnte das Diagramm einfach spiegeln, schon ist es rechts. Und auch von der Mitte könnte man annehmen, dass es eine recht willkürlich gezogene Linie ist. Denn letzten Endes sind auch die Antwortmöglichkeiten im Ausgangsfragebogen ja nicht zwangsläufig äquidistant. Im Zweifel empfehle ich, den Test ruhig einmal selbst zu machen, oder zweimal. Einmal mit der eigenen Position und einmal mit dem, was man als Piratenpositionen annimmt. :slight_smile:

Hier ist die Studie für das BTW-Programm 2017, die Achsen sind allerdings etwas anders
https://www.fes.de/internationale-politikanalyse/monitor-soziale-demokratie/strategiedebatten-global/strategiedebatten-deutschland-november-2017

Würdest du uns da deutlich anders verorten?
Für Grüne und Linke sieht das entsprechend so aus:


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Das die Grünen als libertär eingestuft werden, kann ich nicht nachvollziehen. So sehen sie sich vielleicht selbst, sind sie aber nicht.

Es ist keine willkürliche Einordnung, und was als libertär verstanden wird, ist ja beschrieben. Die Sympathisanten und Wähler geben Scores entsprechend vorheriger Fragen, das ist für alle Parteien gleich. Dann werden die Items aggregiert, auch dafür gibt es ja valide Verfahren.
Die Botschaft in den Diagrammen ist denke ich immer gleichermaßen aussagekräftig.

Ja, eben. Das ist eine Selbstzuschreibung. Eine Gruppe kann sich nicht selbst einordnen, sondern sie wird durch ihre Handlungen eingeordnet und das meist nicht von sich selbst, sondern von der Gegenseite.

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Bei der Positionierung stellt sich doch stets die Frage, ist das Premix oder Postmix.

Natürlich kann man Marktlücken erkunden, auf denen sich niemand oder wenige tummeln und dann versuchen, mit einem entsprechenden Programm die nötigen Wähler und Mitglieder zu bekommen.

Man kann aber auch Postmix sagen, wir sind da, wo die Mitglieder sein wollen.
Die Frage ist somit, gibt jemand das Ziel vor oder ist es ein natürlicher Prozeß, wohin die Reise geht.

Das setzt aber vorraus, dass die Einordnung überhaupt stimmt.

Interessant ist doch eigentlich, dass VOLT genau auf unserem Spektrum liegt und ebenfalls 0,7 % bei der Europawahl ad hoc erringen konnten.
Insoweit haben wir meines Erachtens aufgrund des nicht stringenten Vertretens unserer Positionen wohl so einiges an Stimmen liegen lassen.
In Mainz arbeiten wir mit VOLT ja zusammen und halte ihre Postionen in sehr vielen Dingen ähnlich wie die unsrigen, aber dabei ganz ohne den Fokus auf das Thema Datenschutz zu legen, sondern eher den Fokus auf Digitalisierung, App Entwicklung, Online Voting usw.

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Ich glaube du möchtest den Sinn empirischer Wahlforschung als ganzes hinterfragen, kann das sein? Das kann man natürlich machen, so wie Piraten ja ohnehin recht häufig denken, alle anderen machen alles mögliche falsch. Das wäre dann aber glaube ich einen eigenen Thread wert.

Ich würde empfehlen, einfach mal den Methoden zu folgen, die allgemein üblich verwandt werden, und Parteien dabei helfen, erfolgreich zu sein :slight_smile: In dem Bereich wird sehr viel geforscht und letzten Endes glauben wir ja auch daran, dass es möglich ist, sich mit der Beschäftigung mit einem Thema näher dorthin zu bewegen, wo man die Wahrheit finden kann, oder zumindest etwas, das einem hilft, erfolgreich und zielbezogen einen Weg zu beschreiten.

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Jup, wird ja durch die Digitalisierung offensichtlich. Allerdings nicht die komplette empirische Wahlforschung, sondern nur bestimmte Methoden.

Wie gesagt, da würde ich vorschlagen in einem anderen Thread das auszuarbeiten und dann ein besseres oder passenderes Konzept vorzustellen. Derzeit ist das hier vorgeschlagene imho die beste Methode, die es gibt.

Um für uns selbst die Positionierung auch einfacher zu machen, und nicht in den vielen unterschiedlichen „Bubblen“ steckenzubleiben, denke ich, dass es sinnvoll sein kann, auch daran zu denken, wer uns zukünftig wählen könnte/will, und wie diese auf uns aufmerksam werden könnten.

Dazu bräuchten wir, so denke ich, einen knackigen Slogan, damit bei zukünftigen Wahlkämpfen schnell und prägnant vermittelt werden kann, was wir wollen, und wofür wir stehen, und wie wir da hinkommen wollen. Dann fällt auch die Einsortierung einfacher.

Als Beispiel: Volksbanken/Raiffeisenbanken: „Wir machen den Weg frei.“ (Mission-Statement)

Dafür habe ich im Hessenteil zwei Threads aufgemacht, einen zu einem Vision-Statement (wo wollen wir hin) und zu einem Mission-Statement (wie kommen wir da hin).

Beispiele aus unserer Partei: Vision: Teilhabe für alle! Mission: BGE als Mittel dafür.

Ihr dürft da gerne alle mitdiskutieren…

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Vorweg, ich habe noch keinen Beitrag hierzu im Forum gelesen. Das kommt gleich.

Schockschwerenot, dieser Geburtsvorgang hat ja ewig gedauert. Vom Grundsatz her warten Piraten ja seit dem aBPT 2014 auf solche Positionierung eines Bundesvorstandes. Das wurde endlich mal Zeit, dass sich ein Bundesvorstand mal offen zur Thematik “Wer wir sind” äußert.

Danke

Grundsätzlich ist diese “Einordnung” die logische Konsequenz aus Deinem vor einiger Zeit veröffentlichten Strategiepapier.

Ich hielte das zwar für besser darüber zu diskutieren, aber ich weiß auch das die meisten mit Grafiken und Bildchen mehr anfangen können. Wie es scheint hat der gesamte Bundesvorstand wohl auf Grundlage Deines Papiers gehandelt oder handeln müssen.

Jetzt ist diese Diskussion nicht ganz so neu. Erst heute hat @Enavigo mal wieder die Frage gestellt, Wähler wählen uns nicht weil …, wie es scheint wohl auch aufgrund Eurer Aussage nach der Klausur.

Ich sage jetzt mal mit einem zwinkern, jetzt wissen Piraten endlich - da ganz Piratengleich durch einen Computer und ganz viel Software errechnet - wo die Piraten stehen. Es gibt nun keine Möglichkeit sich davor zu drücken, jetzt geht es ans “machen”. Nur eines möchte ich einfügen, es gibt auch Schnittmengen die etwas außerhalb der Zentralen Menge stehen werden. So lange sie das Feld der Piraten immer noch schneiden, sind es Piraten. Jeder darf auch divergierende Meinungen besitzen und offen vertreten. Außer Funktionsaccounts, von denen ich mir wünsche etwas mehr in die Breite zu gehen, sind alles andere Privatleute mit Parteikärtchen.

Und nun lese ich mir den Rest durch. :innocent:

… und bin maßlos enttäuscht. Ey Leute, wirklich?

Wirklich Leute? Das ist alles was Ihr zu sagen habt? Warum geht keiner auf den Text im Vorstandsportal ein? Warum zieht keiner der hier schreibenden auch nur im Ansatz Rückschlüsse oder Querverbindungen zu schon mal gestellten Fragen? Warum nimmt man nicht einfach mal etwas als gegeben hin und versucht von da aus eine gemeinsame Linie zu entwickeln?

Ich meine, Ihr alle wundert Euch wenn nirgends Kompromisse erreicht werden? Inzwischen muss ich mich selbst fragen, ob das Wort Kompromiss überhaupt noch im Wortschatz vorhanden ist? Die bisher hier antwortenden erkennen es jedenfalls nicht. Nicht mal wenn sie vom Kompromiss gebissen werden.

Schade.

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Ich äußere mich stetig und eindeutig, dass es mir um die politischen Inhalte geht.
Während Du bereit bist, den verheerenden und falschen Weg einzuschlagen um Stimmen und Mitglieder am rechten Rand abzufischen, vertrete ich sachgerechte Politik.
Die Piraten passen einfach nicht in das von Dir gewünschte Spektrum.

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