Solarstrom aus Afrika?

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England soll bald mit ökologischem Solarstrom aus Afrika, genauer Marroko versorgt werden. Per Unterseekabel. Da wird richtig ran geklotzt. 3800 Kilometer Hochspannungskabel werden die Insel mit Strom versorgen der zudem noch deutlich günstiger ist als Atomkraft.

Und was macht Deutschland so in Sachen Energiewende ?

Wäre Strom aus Afrika auch eine sinnvolle Forderung für das Piraten Wahlprogramm ?

Wenn es so oder so ähnlich gemacht wird, wie in dem Artikel beschrieben - JA.
Kernaussage 1:

Cable losses along the entire transmission line are estimated between 10 and 12%, but these are justified, according to the CEO, by a very low LCOE for the solar and wind power plants in Morocco, which he expects ultimately to be very close to the world record low price of $0.0104 reported for the second round of Saudi Arabia’s renewable energy program. “We are currently calculating an LCOE of $0.013/kWh, but we are being very conservative on this, given the size of our project,” he stated.

Kabelverluste über die ganze Strecke 10 bis 12% - da müsste man wirklich noch mal nachstochern, was das für Kabel sind. Das erscheint mir sehr optimistisch. Die Stromgestehungskosten von etwas über einem $-Cent sollten hingegen einigermaßen real sein.

Kernaussage 2:

Xlinks is planning to inject power into the UK for a CfD price of around £0.048 ($0.67)/kWh, which would be a bit more than around £0.040/kWh for current off-shore wind tenders and much less than the £0.0925/kWh for the controversial Hinkley Point C nuclear power plant currently under construction. “

Verkaufspreis 4,8 Pennies pro KWh, etwas teurer als offshore Windkraft und - für die Fans der Kernenergie - VIEL billiger als neue Atomkraftwerke, deren Bau so ähnlich abläuft wie seinerzeit der des BER. Wer hätte das gedacht.

Kernaussage 3:
Overall, Xlinks expects to invest about £18 billion in the project.

Aha - 18 Mrd. Pfund kostet das Teil. Dafür müsste man [18*10^11/(4.8-1,0)] rund 474 Mrd. kWh Strom verkaufen. Das sind 474 Mio. MWh oder 474.000 GWh oder 474 TWh. Bei Lieferung von 26 TWh jährlich hätte sich das Projekt nach spätestens, da konservativ gerechnet, 18 Jahren rein geldwerttechnisch amortisiert. Insofern ist das Ganze durchaus sogar ökonomisch realistisch. Mit Erneuerbaren Energien lässt sich vortrefflich Geld verdienen. Das hat inzwischen auch Donalds Nachfolger erkannt.

Dass Projekte wie dieses gesellschaftlich und global NOTWENDIG sind, steht auf einem anderen Blatt. Im Grundsatz kommt es aber auf deren detailliertes Design an. Wenn dieses wieder nur darauf hinausläuft, neuen Kolonialismus zu etablieren oder die Umwelt an anderer Stelle massiv zu schädigen, müssen die Intensionen der “Geldgeber” (die hin und wieder auch ein wenig Geld zurück nehmen, um es dann weiterhin zwecks Vermehrung geben zu können) hinterfragt werden.

Auf den ersten Blick sieht mir das hier nicht so aus. Es stellt sich damit die Frage, warum es keine ähnlichen Projekte zwischen europäischen und nordafrikanischen Staaten gibt, die näher beieinander liegen als GB und Marokko. Da gibt’s noch viel Optimierungspotenzial.

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Im Kriegsfall könnte der Gegner das Kabel mit einem U-Boot kappen und die Stromversorgung wäre unterbrochen. Es setzt also eine friedliche Weltordnung als Grundlage voraus. Wenn das gegeben ist (woran ich derzeit etwas zweifele) dann wäre es eine sehr gute Idee.

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Im weitesten Sinne Investorensicherheit - genau. Deshalb ist das weiter entfernte Marokko derzeit auch erste Wahl.
Und wie schaffen wir diese friedliche Weltordnung? Anderes Thema…

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Sollte das Internet nicht dazu führen das die Menschheit langsam zusammenwächst ? (Vorrausgesetzt es wird nicht durch staatliche Zensur wieder segmentiert)

…was man sowohl in die eine als auch die andere Richtung tun kann. Das kommt immer auf den konkreten Satz der Eingangsparameter an.

Kann sein, muss nicht sein; u.a. weil die Kosten auch in Marokko fallen würden, was sich positiv auf die Gesamtbilanz der o.g. Rechnung auswirken würde. Die ökonomische Bewertung solcher Projekte halte ich ohnehin für sekundär. Wichtiger ist die geopolitische.

Richtig - das sieht man z.B. in Norwegen. Dort gibt es schon sehr viele energieintensive Unternehmen, die vom billigen Strom profitieren. Weniger dagegen in Marokko, weil m.E VOR ALLEM vorhandene Ressentiments der “ersten Welt” gegenüber den Afrikanern entsprechende Investitionen behindern. Die Chinesen haben Afrika inzwischen längst für sich entdeckt und fangen an, dort ein neues Kolonialsystem zu installieren, das ich persönlich nicht so prall finde.

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Nuja, verschiedentliche Islamische Länder hatten in der letzten Zeit eben so gewisse Tendenzen zu Religionskriegen, da ist man halt beim Investieren vorsichtiger.

Jep, die müssen sich bei ihren Investments ja auch nicht um so Sachen wie Menschenrechte oder Pressefreiheit jucken. Das gefällt so manchem korrupten Afrikanischen Staatsführern natürlich sehr sehr gut.

Keine Frage, die EU muss da auch endlich mehr investieren anstatt weiter (Vor allem auf Druck von Deutschland(CDU)) eine Menschen und Zukunftsfeindliche Sparpolitik zu fahren die uns unsere Zukunft kosten kann.

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Das Problem wird noch größer je mehr einfache Arbeitsplätze in diesen Ländern weg automatisiert werden. Wer z.B. in Guatemala Arbeitslos ist geht eben zu einer Drogengang und wer das in Somalia ist zu Al Shabab oder dem IS…

Da werden in Zukunft ganz andere Lösungen gefragt sein als nur kooperation bei Wirtschaft und Infrastruktur.

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Da gibt es eine ganze Menge Dinge, die dagegen sprechen. Etliche wurden hier ja schon angeführt.

Ob eine derart lange Stromtrasse für die gewünschten Kosten zu betreiben ist, steht auch noch zu beweisen. Gegenüber eine lokalen und dezentralen Versorgung hat so eine Struktur immer das Problem ein neuralgischer Punkt zu sein.

Ausfälle durch technische Gründe sind da schon schlimm genug, Terroranschläge sind auch eine echte Gefahr.

Momentan wird ganz viel dafür getan davon abzulenken, dass für eine Energiewende solche Strukturen nicht benötigt werden. Aber die Energiekonzerne hätten dann halt kein Geschäftsmodell mehr. Also denkt man sich solche Megastrukturen aus.

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Vielleicht wäre es ja einfacher die Solaranlagen in Marrokko zu verwenden um mit der Energie synthetischen Kraftstoff oder Wasserstoff zu produzieren. Dann gäbe es nicht diese eine stark verwundbare Leitung.

Das ist faktisch richtig. Aber ist eine rein deutsche Energiewende nicht auch ein Stück gelebter Nationalismus? Nur mal so als Frage.

Auch das ist korrekt. Die Frage ist: Will (muss) man die Konzerne nicht in den Prozess Energiewende mit einbinden? Können solche Projekte nicht Teil der Energiewende sein? Produziert wird in Marokko aus Sonne und Wind - insofern dient das Projekt aus meiner Sicht klar der Dekarbonisierung und ist daher begrüßenswert. Alles andere muss man sich genau anschauen. Die Bedenken der (potenziellen) Investoren hinsichtlich der durch politische Instabilitäten bedrohten Renditen interessieren mich dabei relativ wenig. Vielmehr dürfen im Rahmen solcher Mammutvorhaben weder die Menschenrechte noch die Umwelt weiteren Schaden nehmen. Andererseits sollten wir die Chancen einer fairen internationalen Zusammenarbeit, die sich z.B. durch den Bau dieser Leitung ergeben könnten, nicht von vorherein als Phantasieprodukt abtun. Vielleicht bin ich da zu optimistisch.

Diesen Ansatz hätte ich bis heute präferiert. Die Behauptung, dass eine Stromleitung über 3.800 km nur 10 bis 12% Schwund haben soll (ich glaub’ das noch nicht) verunsichert mich allerdings. Klar - das Sabotagerisiko wäre geringer, wenn man in fernen Landen erzeugte Kraftstoffe per Schiff anlanden würde. Wenn die dann direkt als Kraftstoff verbraucht und nicht der Rückverstromung dienen würden, wäre auch der Wirkungsgrad nicht SOO schlecht, aber immer noch schlecht genug, um wieder die Stromleitung zu bevorzugen.

Warum nicht beides. Warum nicht auch eine Leitung mal ausprobieren. Wenn da jemand in Vorleistung geht, warum nicht.
Immer nur sagen “Das funktioniert doch eh nicht…” ist auf alle Fälle immer der falsche Ansatz.

Gruß
Andi

Wenn andere Firmen da mit aufspringen würde es in Zukunft auch mehrere Leitungen geben und somit im Idealfall Ausweichkapazitäten wenn eine mal nicht funktioniert. Das müsste halt so reguliert werden das da mit der Zeit ein Grid draus entsteht das entsprechend vernetzt ist. 10-12% Verlust erscheint mir auch gut verkraftbar zu sein.

Nordafrika könnte durch solche Investitionen auch eher politisch stabilisiert werden da so Zukunftsperspektiven und Infrastruktur aufgebaut wird. Der Wirtschaftliche Einfluss der EU könnte steigen und somit auch den Einfluss Chinas mit eingrenzt werden.

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Viele Länder sind auf unser Geld angewiesen, hier Öl.

Es stellt sich somit die Frage, wie diese Länder stabilisiert werden können,
sei es Afrika, Südamerika, Asien oder der Nahe Osten.

Also die NATO versucht es auf die falsche Weise.

Könntest du einmal den Zusammenhang zum “Solarstrom aus Afrika” näher erläutern?

Gruß
Andi

Logisch.
Für wie viele Länder ist denn der Energieexport eine bedeutende Einnahmequelle?
Wenn Europa Solarstrom aus Afrika bezieht, hat das welche Auswirkungen, positiv und negativ?
Welchen Einfluß nimmt man auf diese Länder?
Welche Machtstrukturen installiert man in diesen Ländern?
Welchen Einfluß hat es auf die dortigen Bewohner?

Ist das hier schon alles erläutert?

Schon mal als Moderator gemerkt, dass da ein neues Mitglied, das nie in der AG war, den Tag “AG-Umwelt” verwendet?
Jetzt kannst Du Dich gerne beschweren, ich mich als Mitglied der AG Umwelt aber auch, wenn Du meinst, Du müsstest thematisch eingreifen.

Bist du der Meinung, man sollte keinen Solarstrom aus Afrika beziehen, weil die Länder dadurch Geld verdienen könnten?

Ok, man sollte sicher überlegen, welche Geschäfte, welche Regime stützen. Und wenn es um die Position der Piraten dazu geht, dieses auch mit in die Überlegungen aufnehmen.

Gruß
Andi

Wenn europäische Experten ein wartungsarmes Kraftwerk in Marokko betreiben und den Gewinn einstreichen, was bleibt dabei für Marokko?

Das ist denke ich fast noch ein größeres Problem. Wir müssen einerseits nicht die Probleme der Ölexportländer reproduzieren, aber das ganze Geld wiederum nach Europa zurückzuführen ist dann auch wieder viel zu nah am Kolonialismus.

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