Sexwork in Deutschland (Programmarbeit)

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Moin Leute,

da die Groko wohl gerade über ein Sexkaufverbot nach dem “nordischen Modell” nachdenkt, welches seit vielen Jahren von den entsprechenden Verbänden kritisiert wird, ist das denke ich ein guter Zeitpunkt um über unsere Positionen zu dem Thema zu sprechen und unser Programm auszubauen. Auch um einfach ein Gegenpol zur versuchten Kriminalisierung zu sein.

Im letzten Bundestagswahlprogramm findet sich dazu folgender Absatz:

Stärkung der Rechte Prostituierter:

Die Entscheidung zur Ausübung der Prostitution fällt

• unter das Recht auf freie Berufswahl sowie

• unter das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Die Entscheidung zur Ausübung der Prostitution ist daher von Staat und Gesellschaft zu akzeptieren Eine Diskriminierung und Kriminalisierung von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern und ihren Kunden lehnen wir PIRATEN ab.

Selbstbestimmt tätige Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sind keine Opfer. Vielmehr üben sie ihren Beruf eigenverantwortlich auf der Grundlage einer freien Entscheidung aus. Ihre Tätigkeit bedarf besonderer Fähigkeiten und Kenntnisse und verdient gesellschaftliche Anerkennung. Deshalb werden wir alle Sonderregelungen zur Reglementierung von Prostitution dahingehend prüfen, ob sie geeignet, erforderlich und angemessen sind, die Anerkennung und die Rechte von Sexarbeitern sicherzustellen.

Die Stärkung der Rechte selbstbestimmt tätiger Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ist das beste Mittel gegen jedwede Fremdbestimmung. Sie dient der rechtlichen Gleichbehandlung sowie der freien und ungehinderten Berufsausübung.

Dieser Absatz bildet eine gute Basis und zeigt unsere Grundlegende Einstellung, ist aber sowohl inhaltlich als auch textlich ausbaufähig. Da würde ich gerne bis zum BPT 19.2 einen Antrag haben, da das Thema gerade ein bisschen am köcheln ist.

Ich selbst habe ein wenig Ahnung und auch Erfahrung in dem Bereich, aber das ganze hält sich doch stark in Grenzen, deshalb würde ich mich natürlich über jede Unterstützung freuen.

  • Welche Punkte fehlen euch?
  • Was können konkrete Maßnahmen sein?

PS: Ich tippe das gerade genervt und kurz nach dem Aufstehen. Es werden noch Edits kommen, Quellen zum Thema werde ich die Tage nachreichen, wenn ich dazu komme. Vielleicht auch schon einen ersten Entwurf zum neuen Text.

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Das Sexkaufsverbot ist doch der neue heiße Scheiss in ganz Europa und alle inklusive Franzosen fahren darauf ab und schwören wie toll das ist. Wie sind denn die Erfahrungen so? Können wir nicht dieses pöhse Gewerbe nach Tausenden Jahren loswerden?

Irgendwie haben wir derzeit ein Zeitalter indem ein neuer Moralismus in Stellung gebracht wird um u.a Freiheiten letztendlich massiv einzuschränken.

Gerade bei dem Thema wäre es doch sinnvoll wenn hier mal Sexarbeiter/Arbeiterinnen selbst zu wort kommen würden. Dies ist jedoch nicht der Fall, gerade die Moralisten die hier Verbote fordern und angeben im Namen dieser Menschen zu sprechen dürften wohl kaum Kontakt zu ihnen haben oder mit ihnen gesprochen haben.

Wäre cool wenn wir hier leute finden könnten welche selbst in der Branche tätig sind, habe leider selbst keine entsprechenden Kontakte.

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Wie wäre es mal im Auftrag der Piratenpartei in ein solches Geschäft zu gehen und mit den Menschen vor Ort zu sprechen (nicht speziell an dich gerichtet)? Vorher hier im Forum ein paar Fragen ausarbeiten, sich damit vorbereiten und auf gehts. Das ist natürlich wieder Arbeit, aber ich bezweifel fast, dass sich hier jetzt jemand melden wird.

Ich stimme deinen Post aber grundlegend zu. Am Ende steht nur die nächste Illegalisierung am Start und die nächsten Leute werden kriminalisiert (viele Leute werden es zurecht weiterhin betreiben).

In Frankfurt wurde in diesem Zusammenhang Kontakt mit dem Verein DonnaCarmen aufgenommen Er befasst sich mit den politischen Interessen und Anliegen von Prostituierten.
https://www.donacarmen.de/
Inwieweit solche Vereine in anderen größeren Städten gibt, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, aber vielleicht findet sich ja auch dort etwas.
@Zoey.Matthies Frag am Besten in Frankfurt a.M. im Vorstand nach, vielleicht können sie dir ja einen Kontakt herstellen.

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Vielen Dank, den einen oder anderen Kontakt hab ich auch schon, aber mehr ist definitiv besser :slight_smile:

Mal meine grundsätzlichen Gedanken dazu:
Das nordische Modell illegalisiert ja nicht die Prostitution sondern den “Kunden bzw. die Kundin”

Problematisch daran ist vor allem dass es die Gründe warum Menschen sich prostituieren überhaupt nicht angeht vollkommen egal wie diese aussehen

Die logische Folge ist dass die Prostituierten ihrem Gewerbe auch in diesem Modell nachgehen, nur dass sie ihre Kunden eben nicht in nem entsprechendem Etablissement dass den Behörden bekannt und entsprechend überprüft werden kann auf Themen wie Zwangsprostituion, Menschenhandel und ähnlichem Übel sondern dass das Ganze verschwiegener, abgelegener dann stattfindet

Sprich man zwingt Menschen die einen onehin gefährlichen Beruf ausüben sich in noch gefährlichere Situationen zu begeben

Von der damit erheblichen Gefährdung der Sexarbeiter selbst abgesehen stärkt das natürlich auch die Notwendigkeit für Schutz der Sexarbeiter und damit logischerweise eine Abhängigkeit von Zuhältern und mafiösen Strukturen die einen solchen Schutz “gewähren” würden

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Du hast die Probleme perfekt zusammengefasst :slight_smile: Genau deshalb ist das nordische Modell so gefährlich.

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Ich denke die Gefahr geht auch davon aus das es so attraktiv scheint, da es ja die Prostituierten nicht kriminalisiert aber Gleichzeitig die Freier, welche eh schon einen schlechten Ruf haben kriminalisiert. Somit kann man die “dreckige” Arbeit kriminalisieren und sich als Beschützer von armen wehrlosen Frauen darstellen.

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Richtig! Und dabei wird immer verschwiegen, daß wir hier in Deutschland den § 26 StGB haben:
https://dejure.org/gesetze/StGB/26.html
“Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidrig begangener Tat bestimmt hat”.

Für Sexworker bedeutet das: Ist der KAUF von Sex eine Straftat, dann ist der ANBIETER von sexuellen Handlungen gegen Geld automatisch Anstifter einer Straftat. Die Behauptung, ein solches Gesetz (Verbot des Kaufs) würde die Sexworker nicht betreffen, ist damit Heuchelei.

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Ohhh guter Einwand, das hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm. Danke!

Gerne!

Vor allem: Mit diesem Hinweis kann man die Befürworter des skandinavischen Modells als a) inkompetent (kennen unsere Gesetze nicht!) oder b) Heuchler entlarven.

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  • Welche Punkte fehlen euch?

In einem Wahlprogrammtext nichts. Es handelt sich um ein Nischenthema, das haben wir aus guten Grund damals kurz und prägnant formuliert, und bei dieser Linie würde ich bleiben.

Möglicherweise kann man in einem Positionspapier ausführlicher werden. Dort könnte man unter anderem ausführen:

  • keine vorgeblicher “Schutz” von diesen Personen gegen deren ausdrücklichen Wunsch.
  • Beschränkung des ProstSchG auf die Regulierung von Prostitutionsbetrieben, alle Punkte, die Sexarbeiter/Sexarbeiterinnen betreffen, werden gestrichen.
  • Beschränkung der Sperrgebietswirkung auf sichbare Formen der Prostitution, da bei nicht sichtbarer Prostitution (z.B. in Hotelzimmern) kein vernünftiger Zweck verfolgt wird. Generelle Gestattung zur Errichtung von Prostitutionsbetrieben in Gewerbegebieten.
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Genau das wird heute in der AG-Sitzung auch Thema sein. Was wollen wir am Programm direkt überarbeiten und was ergänzen wir als PP.

Unser altes BTW Wahlprogramm ist da tatsächlich etwas Dick bei manchen Themen ^^ wobei wir dann auch einen Weg finden müssen, wie jedem der das Programm liest, klar wird, das es eben auch die Positionspapiere gibt und das Programm nicht alles ist.

Hier die Überarbeitung: https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2019.2/Antragsportal/WP008

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Keine Programmarbeit aber passend zum Thema eine PM: https://piratenpartei-bw.de/2019/10/14/sexarbeit-in-der-illegalitaet-die-folgen-des-nordischen-modells/

Falls es jemand direkt vertwittern will gerne hier teilen: https://twitter.com/PiratenBW/status/1183750652763226112

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