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(Selbst-)Reflexion über die Reiz-Reaktions-Kette, welche ein Forum auslösen kann


#1

Ich möchte in diesem Thema über die das Reiz-Reaktions-Schema, welches u.a. durch ein digitales Medium, wie eine soziales Forum, ausgelöst werden kann, diskutieren. Viele Kommentare und Themen welche ich in diesem Forum geschrieben habe, waren kaum durchdacht und durch spontane Einfälle geprägt. Sie basierten überwiegend auf einer Reiz-Reaktion oder einem übersteigerten Mitteilungsbedürfnis. Im Gegensatz dazu steht der komplett durchdachte und ausgefeilte Diskussionsbeitrag oder Themenbeitrag. Wenn ich mich über jedes Thema ausführlich informieren würde, bevor ich etwas dazu hier im Forum schreibe, dann könnte ich kaum etwas schreiben und es wären lediglich eine handvoll Beiträge, welche hier stehen würden.

  • Welche Funktion erfüllt für euch dieses Forum? Geht es anderen hier im Forum auch so, dass sie sich Mitteilen möchten und oft nicht alles komplett durchdenken, bevor sie einen Beitrag verfassen?

#2

Es gibt ja nicht mehr ein einziges Kommunikationsmittel, sondern viele. Und das liegt nicht nur an der Technik sondern auch an unterschiedlichen Vorlieben. Listenkommunikation wird von vielen gemieden wegen einiger Trolle dort.

KVs und Arbeitsgruppen kommunizieren oft über Telegram oder Whatsapp. Das sind geschlossene Gruppen wo man sich kennt, und dort wächst auch Vertrauen, dass man mal ins Unreine quatschen kann und eben spontane Einfälle mal ausprobieren kann. Dort gibt es auch Humor, hier gar nicht. Und auch wenn jetzt einige hundert Mal auf Prinzipien wie Transparenz pochen, es ist eine Abstimmung mit den Füßen. Auf einem Stammtisch gibt es auch keine Webcam. Mir gefällt es nicht, dass Leute anonym schreiben, ich quatsche lieber mit Leuten, die ich kenne.

Manche Leute mögen diese Plaudergruppen genau deshalb nicht, weil dort zu viel ins Unreine gequatscht wird und sie das nicht effizient finden. Geht in Ordnung, denn die Bedürfnisse sind unterschiedlich. Manchen ist es egal, mit gesichtslosen Anonymen zu quatschen, anderen nicht. Manche sind streitlustig, die gehen halt dorthin wo sie reinkommen.

Ich staune immer, wie unterschiedlich die Kulturen in verschiedenen Gruppen oder Foren sind. Ich sehe vor allem zwei Gründe: Erstens: In netten Gruppen kennt man sich, zweitens: in netten Gruppen bemüht man sich um Nettiquette und hält sich mit aggressiven Reaktionen zurück, wenn einem mal was nicht gefällt. Also der Ton macht die Musik, und das erklärt sich mehr mit Kultur als mit Technik.


#3

Also ich fange mal vorne an.

Wenn man ein neues Thema anlegt, dann sollten die vorgestellten Thesen oder Vorschläge zumindest ein wenig durchdacht und/oder grob überprüft sein.

Natürlich kann man auch in einem neuen Thema zum Brainstorming aufrufen oder nach Expertise fragen, allerdings wirkt so ein Aufruf glaubhafter wenn man erkennen kann, dass derjenige sich bereits etwas mit dem Thema beschäftigt hat.

In einem bereits existierenden Thread sollte man sich Fragen ob man einen fundierten Beitrag leisten kann, man kann auf Unklarheiten oder Missverständlichkeiten hinweisen, Rückfragen oder einen anderen Blickwinkel eröffnen.

Natürlich kann man in einem Bereich wie Smalltalk auch mal etwas weniger ernsthaft plaudern.


#4

Eins der seit 2012 schwelenden Probleme der Piratenpartei Deutschland ist, dass viele Mitglieder wegen dieses Sprichworts nur allzu gern denen Beifall klatschen, die mit schöner Melodie grauenvolle Texte vortragen.


#5

Da bin ich auf deiner Seite. Es kommt zuvorderst weder auf Höfflichkeit, noch auf ausgewählte Ausdrucksweise an, sondern auf ehrliche Meinungsäußerung. Es sollte gesagt werden, was gedacht wird.

Mir sind Menschen, wie z.B. Wutze etc., lieber, als Menschen die nicht ehrlich ihre Meinung äußern, sondern im Gegenteil ihre Interessen mit übertriebener Höfflichkeit verschleiern wollen und hintenherum andere Leute gegeneinander ausspielen.


#6

Wie kommst du darauf, dass Höflichkeit dazu dient Meinung zu verschleiern?

Höflichkeit ist nichts anderes als der Ausdruck, die Würde des Gegenübers zu respektieren.
Viele Menschen die auf Höflichkeit verzichten tun das um ihren Mangel an Respekt auszudrücken.


#7

Höflichkeit dient nicht unbedingt dazu seine Meinung zu verschleiern, kann es aber auch.
Es werden blumige Worte gewählt, welche oft ziemlich undirekt daher kommen.

Bsp. 1 Höfliche Unterhaltung (reale Welt)

  • Mensch A: Hallo, wie geht es dir? (Denkt: Wie sieht denn der aus? 10 Tage nicht mehr gewaschen?)
  • Mensch B: Hallo, gut und dir? (Denkt: Gestriegelter Schleimscheißer!)
  • Mensch A: Auch gut…

Bsp. 2 Direkte Unterhaltung (hohe Vertrautheit, kaum im öffentliche Raum vorfindbar)

  • Mensch A: Hey, wie geht’s? Siehst aus als ob du dich 10 Tage nicht gewaschen hättest.
  • Mensch B: Kann gut sein. Aber immer noch besser, als ein gestriegelter Schleimscheißer zu sein.

#8

Ein respektvolles Miteinander darf nicht von Unaufrichtigkeit geprägt sein, sonst ist es nicht respektvoll.


#9

Besser hätte ich es nicht sagen können :sunglasses:


#10

Du hast da eine sehr Merkwürdige Situation konstruiert.

Mensch B hat aus irgendwelchen Gründen den zivilisatorischen Konsens über Hygiene verlassen.
Bsp. 1: Gibt ihm Gelegenheit sein Problem anzusprechen, falls er Mensch A für eine Vertrauensperson hält.
Da dein Mensch B nicht über sein Problem sprechen will, da Vertrauen und Nähe offenbar nicht das Verhältnis zu Mensch A bestimmen. Nimmt er die Chance über sein Problem zu sprechen nicht war.

Dein Beispiel 2 zeigt 2 Menschen die sich nicht respektieren, es ist eigentlich unklar warum sie überhaupt miteinander kommunizieren. Es wirkt mehr wie eine Pöbelei.


#11

Auf mich wirkt es wie Freundschaft. War bei den Piraten auch mal wichtig. Naja.


#12

OK, der Kulturkreis wo man seine Freunde Schleimscheißer nennt ist mir fremd.


#13

Da macht dann doch wieder der Ton die Melodie. Wenn direkte Dinge mit einem Augenzwinkern gesagt werden und die andere Partei schlagfertig ist und gegenhalten kann, dann ist Beispiel 2 in Ordnung.

Nicht in Orndung wäre es eine andere Person anzupöbeln, die man nicht kennt und welche nicht schlagfertig bzw. schüchtern ist.

Bsp. 2 Modifiziert

  • Mensch A: Hey, wie geht’s? Siehst aus als ob du dich 10 Tage nicht gewaschen hättest.
  • Mensch B: Echt? (Denkt: Ich habe mich aber erst gerade eben gewaschen…)
  • Mensch A: Ja.

#14

Du hast aber den Punkt verpasst, denn ich damit ausdrücken wollte.

Die beiden Personen wissen im Bsp. 2 was die jeweils andere über einen denkt.

Darauf aufbauend können die beiden Personen entscheiden ob sie sich mit der jeweils anderen Person abgeben möchten.

Anmerkung: Das Beispiel war bewusst provokativ und drastisch gewählt.

Hier nochmal Wiki: “While the goal of politeness is to make all of the parties relaxed and comfortable with one another, these culturally defined standards at times may be manipulated to inflict shame on a designated party.


#15

Genau wie ein Küchenmesser oder ein Werkzeug wie ein Hammer kann natürlich auch Höflichkeit missbraucht werden. Es ist aber nicht der normale Nutzen.
Auf Höflichkeit zu verzichten aus Angst, dass sie missbraucht wird, macht das Leben unnötig schwer, genau wie ein Leben ohne Messer oder Hammer.


#16

Die Art und Weise der Kommunikation hängt imo auch vom Thema ab.
In kreativen Kontext sind spontane Gedanken gut und richtig. Da geht es um Inspirationen und darum neue Lösungen zu finden.
Bei der Diskussion von festen Themen - also konkrete Ausgestaltung einer Sache - sind gut durchdachte und belegte Äußerungen sehr vorteilhaft. Da stören unüberlegte Einwürfe sogar die “Arbeit”.

Grundsätzlich lese ich eher lange Texte, die fundiert und durchdacht sind, gut gesetzt (formatiert) sind und Qualität geht vor Quantität.


#17

Trotzdem macht der Ton die Musik. Inhalt und Form sind zwei verschiedene Dinge. Ein guter Ton rechtfertigt selbstverständlich nicht grauenvolle Inhalte, und das habe ich auch nicht gesagt.

Unabhängig von der Höflichkeit bin ich dagegen, verschiedene Ebenen zu vermischen, also z.B. auf die Feststellung, dass Nettigkeit gut für angenehme Gespräche ist, festzustellen, dass aber manche Inhalte blöd sind. Das ist ein Ebenenwechsel.

Und zur Ursprungsfrage, tatsächlich mag ich es, wenn ich merke, dass Leute über ihre Beiträge nachgedacht haben, die sie schreiben.