Schulpflicht-Umbau des Schulwesens

Tags: #<Tag:0x00007f4abad8ccd0> #<Tag:0x00007f4abad8cb90>

Gut danke.
Ich bin selber Schwimmlehrer/Trainer/Badeaufsicht und der Schwimmen ist eine der Sachen, die ich neben Lesen, Schreiben und Rechnen als Essenziell ansehe. Spätestens wenn du ein ertrinkendes Kind aus dem Becken oder auch dem Meer fischst, weißt du genau wieso das wichtig ist.
Schwimmsport (Freibäder etc.) gehören zu unserer Kultur und man verwehrt Kindern die gesellschaftliche Teilhabe, wenn man Schwimmunterricht verwehrt.

Teilweise ist die Schule der einzige Ort, wo man Schwimmen erlernen kann, weil sich die Eltern keinen Schwimmunterricht leisten können o.Ä.
Es ist teilweise extrem gruselig, was Schwimmbäder für einen Schwimmkurs nehmen und das ist auf Gruppengröße, Stunden und Personal runtergerechnet um ein vielfaches Höher als das, was ich koste.
Von “Schwimmschulen” mal ganz abgesehen, welche häufig einfach nur unverschämt sind. (Aus mehreren Gesichtspunkten)
Ich habe Schwimmkurse über ein genossenschaftlich getragenes Schwimmbad mit nem Kollegen angeboten.

Wir sind billiger, schneller und besser als alles andere, was irgendwie an Schwimmunterricht in der Region bei uns rumgeschwirrt ist. Teilweise aber auch der zweite, dritte oder auch fünfte Schwimmkurs und es ist gruselig, wie Schwimmkurse anderweitig ablaufen etc.

Trotzdem ist ein Pädagoge mit Schwimmbefähigung idR schlechter als ein richtig ausgebildeter Schwimmlehrer oder -Trainer (Leider keine geschützte Bezeichnung)
Soll nicht heißen, dass in den Schulen schlechte Arbeit gemacht wird!

3 Likes

Aber mal zurück zum Thema Schulpflicht…
Ich sehe eigentlich so ne Art verpflichtende Grundbildung als unerlässlich. Sei es Zuhause über einen entsprechenden Leistungsnachweis oder in ner Schule. (Ich glaube ich mache Zuhause nen neuen Thread zum Schulsystem auf)
Alles was darüber hinaus geht sollte man möglichst frei gestalten. Recht und Pflicht zur Bildung aber keine explizite Schulpflicht.
Mich hat es sozial ins Aus gekegelt, dass ich in der ersten Klasse schon schreiben und rechnen konnte… (War “gut”, weil ich sonst nicht hier wäre, aber Mobbing ist Scheiße)

Mir hat der Fachzwang sehr zu schaffen gemacht, weil sich meine Interessen schon extrem früh gezeigt haben.
Ich kann mir kaum vorstellen, wie ich jetzt stehen würde vom fachspezifischen Wissen, wenn ich damals die Wahl auf Vertiefung und Fokussierung gehabt hätte.

Einigen tun die festen Strukturen gut, aber viele Leute, die ich kenne, fühlen sich viel zu eingeschränkt in ihrer persönlichen Entfaltung.

2 Likes

Im o.a. Beitrag über die dänische Schule ist mir Folgendes aufgefallen:
Schulpflicht - der Staat verpflichtet die Schüler, zum Schulbesuch
Unterrichtspflicht - der Staat verpflichtet die Schüler, zum Unterrichtsbesuch
die Schulbehörden kümmern sich darum, dass jedes Kind an einem Unterricht teilnimmt.
Wenn z.B. homeschooling als Unterricht gemeldet wird, so muss gewährleistet sein, dass die Schüler die Vorgaben des allgemeinen Unterrichtsplans erfüllen.
Wäre es nicht zielführender im Sinne von der individuellen Förderung vom 'Schul’wesen auf das 'Unterrichts’wesen zu wechseln und z.B. weniger den Fokus auf Schulformen, Privatschule - staatl.Schule usw. legen.
Unser ganzes Bildungssystem krankt an dieser starren Verschulungsideologie anstatt vielerlei Unterrichtsmöglichkeiten anzubieten.

1 Like

Kindergarten und Schule sind die Ort wo Kinder sozialen Umgang und Egeln unserer Gesellschaft lernen. Sie dienen der Integration und Ausgleich der Chancen zwischen unterschiedlichen Elternhäusern.

Zugegeben es klappt nicht immer so gut wie es sollte, aber ein homeschooling ist praktisch immer schlechter. Es fehlt an didaktischer und fachlicher Kompetenz in allen Fächern. Selbst sehr gebildete Elternhäuser können nicht alle Fachbereiche abdecken. Betrachtet man dazu, dass die Kinder möglicherweise den Familienverband nicht verlassen können, so erschwert das die Integration und die Adaption an die Gesellschaft.
Homeschooling ist abzulehen und ich meine die Piratenpartei hat sich auch deuttlich für die Schulpflicht positioniert.

2 Likes

Sehr guter Punkt, den du da ansprichst. So ähnlich sehe ich das auch.

Da muss ich dazwischengrätschen. Wenn man sich als progressive Partei positionieren will, dann dürfen keine mainstream-konservative Positionen, welche sowieso die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft in dieser Weise vertritt, eingenommen werden. Die Piraten sollten sich klar gegen eine Schulpflicht und für eine Bildungspflicht positionieren.

Hier meine Meinung: Abschaffung der Anwesenheitspflicht an Mittelstufen und Oberstufen

Rhetorische Frage: Was kann man denn mit einer Position gewinnen, die auf dem Status Quo beharrt?

Richtig, ziemlich genau nichts.

In der progressiven Politik geht es darum Mehrheiten zu gewinnen und nicht darum sich an Mehrheiten zu orientieren.

1 Like

Progresssive Bewegungen werden dir dankbar sein.

Da wären zunächst die Islamisten, die ihre Töchter bis sie verheiratet sind nicht mehr aus den Haus lassen müssen und deren Söhne sich auch nicht in die Gesellschaft integrieren müssen.

Die Rechten die immer schon finden, dass Frauen keine höhere Bildung brauchen um zuhause zu putzen und zu kochen. Und die auch nicht wollen das die Kinder was über deutsche Geschichte lernen.

Die 7,5 Millionen die nicht richtig lesen und oder schreiben können wollen ihren kindern bestimmt ihre traumatischen Erlebnisse aus der Schule ersparen.

In der Politik geht es nicht nur um Wählerstimmen, das denken nur die Populisten. Es geht auch um Gesinnung und Standpunkte, die einfach richtig sind. Natürlich muss Schule besser werden, aber Schulpflicht ist etwas ganz wichtiges für die Gesellschaft.

8 Likes

Ja, die Schulpflicht ist eine Errungenschaft in meinen Augen.
Nicht nur ermöglicht sie den Schulbesuch. Sie zwingt den Staat dafür zu sorgen das er stattfindet und ermöglicht wird.

Klar muss man am Schulsystem selbst sehr viel verbessern. Nicht aber daran das der Besuch einer Schule verpflichtend ist. Für alle Seiten.

4 Likes

Kannst du mir nochmal erklären was Islamismus mit einer progressiven Bewegung zu tun hat? Das sind doch ultra-konservative Ansichten und die CDU hat doch so etwas mit dem Betreuungsgeld schon gefördert und in Bayern wurde es eingeführt.

@Fulleren Kannst du mir nochmal sagen, was an einer Schulpflicht progressiv sein soll? Und ich verneine keine Bildungspflicht und Unterrichtspflicht. Im Gegenteil ich bin für die Förderung von lebenslangem Lernen und Grundeinkommen (welches ab der Geburt gilt und ab dem 16. Lebensjahr an jedes Kind direkt ausgezahlt wird) und wie ich auch schon in einem anderen Thema geschrieben habe, bin ich erst ab der fünften Klasse für eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht an Schulen d.h. dass die Kinder ab dem 12. Lebensjahr (sie sollten ab diesem Lebensjahr auch wahlberechtigt sein) nicht dazu verpflichtet sind in die Schule zu gehen, sondern freiwillig hingehen können. Zum Lernen und bestimmten Kompetenzerwerb sind sie hingegen verpflichtet.

1 Like

Wie soll das denn aussehen? Gibt es so ein System schon irgendwo und funktioniert es?

Dass man “einen Ort” hat, an dem alle Kinder/Jugendlichen ähnlich sozialisiert und gebildet werden und sich nicht irgendwelche Parallelgesellschaften bilden von Leuten, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Schulpflicht gilt ja bspw. auch für Asylkinder - was wäre progressiv daran, diese Kinder nicht zur Schule zu schicken? Fulleren nannte ja auch ein paar nette Beispiele dafür, wo erzkonservative Ansichten durch eine Nicht-Pflicht verstärkt werden (deinen Ironiedetektor solltest du übrigens mal in die Werkstatt bringen. :wink: )
Viel progressiver wäre es, wenn wir über Schule rden, den Unterricht freier zu gestalten, viel projektorientierter und nicht das einfache konsekutive Abhandeln von Themen.

1 Like

Eben, dass ist mit dem Internet hinfällig geworden. An einem Ort zu lernen ist nicht mehr notwendig. Ich habe in einen Thema schon ausführlich erläutert, dass Kinder sich dann nur noch freiwillig zu AG’s und Projekten treffen und freiwillig zum Unterricht erscheinen können, wenn sie den Unterrichtsstoff nicht selbst erarbeiten wollen. Der Unterrichtsstoff sollte möglichst langsam und tiefgehend vermittelt werden. Diejenigen Schüler die schneller sind, können den langsameren Schülern den Stoff vermitteln, sich in Projektgruppen treffen und selbst etwas initiieren oder zu Hause am PC weitere Unterrichtseinheiten absolvieren. Es sollte auch keine Klassen mehr geben, sondern Level. Ich bin für eine klares Gamification-Konzept des Unterrichts. Die Lehrer können, genauso wie die anderen Schüler auf den Levelstand der Schüler zugreifen, um zu wissen, welche Kompetenzen der Schüler bereits erworben hat. Genauso muss der Lehrer selbst Level immer wieder neu bestehen und die Schüler können auf den Levelstand des Lehrers zugreifen. Es gibt keine Noten mehr, sondern nur die Level. Eine MIndestanzahl von Leveln muss bis zum 18. Lebensjahr in bestimmten Bereichen bestanden werden.

Ja, es gibt bereits gute Sprachprogramme und andere PC-Spiele, welche den Kompetenzerwerb erleichtern und sogar Spaß machen. Das System nennt sich Internet, sie befinden sich bereits gerade in diesem sog. Internet. Willkommen im Neuland.

1 Like

Es ist aber notwendig zu lernen, etwas in der Gemeinschaft und miteinander zu tun.

Persönlich stelle ich jetzt mal die etwas ketzerische Frage, welches Faktenwissen willst Du denn eigentlich mit deinen Leveln da vermitteln und für was?

Wenn man Schule so radikal verändern möchte, dann muß man erst an die Inhalte.
Wenn Du das durchgespielt hast, merkst Du erst, dass die eigentlich notwendigen Dinge nur in Gruppen und Gemeinschaften vermittelt werden können, so wie man die Lösungen von Herausforderungen auch mit anderen abstimmen muß.

Im weitesten Sinne ist natürlich auch das Internet eine Gemeinschaft, das Problem dabei ist aber der Ausschaltknopf.
Auf Parallelen mit Foren verzichte ich jetzt mal an dieser Stelle.

1 Like

Inwiefern fördert Frontalunterricht und Mobbing Gemeinschaft? Mobbing ensteht ja genau dadurch, dass man in eine Zwangsgemeinschaft mit festen Rollenbildern hineingedrängt wird und sich dieser nicht entziehen kann.

Schonmal von “Herr der Fliegen” gehört? Oder “Die Welle”? Oder das "Das Standford-Prison-Experiment"?

1 Like

So ein herablassender Blödsinn. Ja, es gibt im Internet Selbstlernplattformen, aber die sind doch nicht auf Unterricht ausgelegt. Ich könnte auch im Matheunterricht sagen “Guckt euch einfach alle Youtube-Videos von Daniel Jung an, dann könnt ihr Mathe”. Aber so funktioniert lernen nicht. Wenn es nur noch darum geht, so schnell wie möglich so viel wie möglich zu schaffen (und das ist in so Spielsystemen so), geht der Zusammenhang meist verloren.
Ich habe eine Zeit lang mit Duolingo Sprachen gelernt. Auf dem Desktop geht das toll, weil zu jeder Lektion Grammatiktips angezeigt werden. Am Handy ist es ein Klickspiel, und wenn man Fehler macht, probierts man so lange, bis es richtig ist. Am Ende hat man dann eine Sprache “gelernt”, ohne sie zu verstehen. Das bringt nichts.
Viele Inhalte kann man auch nicht ohne Anwesenheit vermitteln. ich denke da z. B. an Experimente in Bio, Chemie, Physik, oder im Anwenden von Sprache (bspw. kleine Stücke aufführen) oder, und das fehlt ja komplett, die soziale Interaktion untereinander. Auch Streiten muss man lernen, und vor allem fachliches Streiten. Ich erinnere mich an hitzige Diskussionen im Philosophieunterricht.

4 Likes

Es hat hier niemand bestritten, dass Schule verändert und besser gemacht werden sollte.
Mobbing vermeidest Du nicht, indem die Betroffenen sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen.
Du vermeidest Mobbing durch gut ausgebildete Pädagogen, die beharrlich auf der Einhaltung von Fairness und Akzeptanz des Anderen bestehen.
Mit Wegsehen und Verstecken geht es nicht.

Auch mit diesem Beispiel bist Du an dem Punkt, an dem mit der Veränderung der Inhalte des Schulunterrichts wichtige Defizite behoben werden können.

Eigentlich müßte man in die Schule gehen, um es extrem auszudrücken, um gemeinsam Sport und Fairness zu erlernen, zu Spielen, mit Hammer und Säge arbeiten, in den Wald, die Natur, die Stadt gehen, Theater spielen usw.
Dann hättest Du viele Probleme, die diese Gesellschaft hat, nicht mehr.

4 Likes

Ich will das der zukünfitige Unterricht die Möglichkeit bietet sich eigene Nischen zu schaffen, zu lernen was und vorallem WIE es einem Spaß macht und auch die Möglichkeit bietet sich zurückzuziehen. Das die Leute sich dann auch wirklich zurückziehen muss nicht gesagt sein, sie gehen eben dann dorthin, wo sie sich nicht in ihrer persönlichen Entfaltung gestört sehen. Die Möglichkeit muss geschaffen werden, denn nur so kann mMn Mobbing verhindert werden und Menschen wirklich frei und gerne lernen.

Und dann in der Ausbildung und dem Studium wird man plötzlich mit der Realität konfrontiert und da hat man dann keine ausgebildeten Pädagogen, die den Mobbern beibringen, dass Mobbing schlecht ist (und auch vielleicht den Gemobbten, wie man mit Mobbing umgehen kann).

Du traust einem 10-Jährigen ganz schön viel zu ehrlich gesagt. Es gehört auch dazu, seine Komfortzone zu verlassen. Zumal Pädagogen ja (zumindest in der Theorie) Lehrkonzepte gelernt haben und anwenden können. Ein Jugendlicher wird schwerlich wissen, wie er am besten lernt. Dass die Schule einen natürlich individuell fördern muss, ist auch klar. Ich sehe viel Reformbedarf bei der Schule; die Abschaffung der Schulpflicht ist keiner.

Ich habe von Bildungspflicht bzw. Unterrichtspflicht gesprochen und Schulpflicht verneint… Genau das Gegenteil ist der Fall durch den Frontalunterricht lernen die Kinder viel zu spät selbstständig denken. Wenn die Kinder früh lernen, wie man sich Dinge richtig aneignet und wie man selbstständig denkt, braucht es keine Ausbildung mehr.

Wer selbstständig denkt, wird immer im Vorteil sein. Die heutige Verschulung führt, aber oft nicht zum selbstständigen Denken hin, sondern zögert dieses hinaus, ja verhindert dieses gar.

Ich glaube, dass man durch “Frontalunterricht” Kindern beibringen kann, selbstständig zu denken. Er muss halt gut sein.

Ich bleibe da bei meiner Position und verneine dies. Der Frontalunterricht kann allerhöchsten dazu anregen selbstständig zu denken. Der Frontalunterricht fördert aber kein selbstständiges Denken.

1 Like

Da könnten die Pädagogen mal als gutes Beispiel vorangehen und die Komfortzone ihres Beamtentums verlassen.