Rojava in Nordsyrien - mal was anderes? Oder doch nicht?

Ich poste nur mal den Link - Lesen soll lt. DLF 7 Minuten dauern.
7 Minuten, die sich lohnen.

Die Rojava kennen im Übrigen nur eine Säule ihrer Demokratie. Man könnte sie Konsultative nennen. Und sie kämpfen dafür. Wer hat in dem Fall Angst vor diesem Gesellschafts-Entwurf, der keineswegs nur in Nordsyrien gelebt wird? Da sind noch ein paar andere gallische Dörfer weltweit am Start, die “den Römern” schon über viele Jahre trotzen. Man erfährt nur nicht so viel darüber. Interessant? Oder doch nur wieder Kommunisten und damit Feinde der Demokratie?

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Ja - das ist ein Dilemma.

Deutschland und die USA hatten vor kurzem noch die
kurdischen Kämpfer unterstützt und ausgebildet, weil diese

  1. einerseits die demokratischste Gruppe überhaupt unter
    den Kämpfenden in Syrien sind
  2. maßgeblich den IS bekämpften.

Die Türkei unter Erdogan war und ist jetzt umsomehr ein
echtes Problem: Erdogan glaubt durch Bekämpfen der
Kurden seinen Erzfeind PKK niederzuringen. Und auch
will er sein Einflussgebiet erweitern.

Es ist schmerzhaft zu sehen, dass Erdogan ausgerechnet
gegen die Kurden im Norden Syriens vorgeht. Erdogan
war aber schon lange vorher “problematisch”, weil er sich
auch gerne gegen den benachbarten Nato-Staat Griechenland
stellt. Dabei geht es um Zypern und um die Bodenschätze
im Ägäischen Meer.

Diese Probleme mit Erdogan kennen alle westlichen Länder
und auch die NATO-Oberen. Am liebsten würden sie deshalb
die Türkei aus der NATO werfen - zumindest solange Erdogan
dort regiert.

Aber das ist nicht so einfach. Denn Erdogan laviert geschickt
zwischen NATO-Interessen und Putins Interessen hin- und her.
Er hat schon einmal Raketen aus Russland geordert und damit
einen seltsamen NATO-Präzendenzfall geschaffen.

Wenn wir also die Türkei aus der NATO schmeißen, dann wird
Erdogan sich umso mehr mit Russland verbünden - und Putin
würde dies gerade jetzt triumphal feiern. Angesichts der
angespannten Lage im Schwarzen Meer - an der Südostflanke
der NATO und in der Ukraine - wird ein Rausschmiss nicht
diskutiert. Einerseits, um Putin nicht diesen Triumph zu gönnen.
Andererseits aus purer Angst damit die NATO insgesamt zu sehr
zu schwächen.

Also beißt man die Zähne zusammen - lässt Erdogan seine
Syrien-Spielchen spielen - und tut nichts weiter.

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Das ist alles nicht so einfach: Stelle Dir vor, Du hättest
Verantwortung zu tragen, etwa als Generalsekretär der NATO:
Wie würdest Du dann vorgehen? Auf Erdogan einwirken?
Wie und womit?

Auf Erdogan einwirken - das ist ja nur der eine Aspekt. Indem ihm zumindest teilweise weitere deutsche Waffenlieferungen verweigert wurden, hat DE schon auf ihn eingewirkt und das ist auch gut so, wenn auch nicht ausreichend für meinen Geschmack. Im Moment kann man als Nato-Generalsekretär oder wer auch gar nix tun, weil Erdogan, so leid es mir tut, das feststellen zu müssen, im Moment hinsichtlich des Ukraine-Krieges als nützlicher Vermittler agiert. Fehler der Vergangenheit kann man auch hier nicht beheben.

Die wichtigere Frage ist für mich: Was ist von solchen Selbstverwaltungsstrukturen wie bei den Rojava zu halten?