Reduzierung der Arbeitszeit auf 6h/Tag bzw. 30h/Woche (Vollzeit)

Die Gewerkschaften haben vor knapp 100 Jahren zusammen mit den Arbeitgeberverbänden die Arbeitszeit auf 8h pro Tag festgelegt. Wäre es nicht an der Zeit eine neue Schichtung, z.B. auf 6h, festzulegen? Dadurch müssen automatisch bessere Stundenlöhne festgelegt werden und die Menschen haben mehr Zeit für Ehrenamt und somit auch für eine partizipative Demokratie.

Quelle: Stinnes-Legien-Abkommen

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Hmm also 8h am Tag wären bei unserem Betrieb dann schon erweiterte Vollzeit. Wir haben die 35h Woche.

Die Gewerkschaften arbeiten gerade an anderen Aspekten. Die tägliche Arbeitszeit ist weniger das Thema als deren Flexibilisierung.

(Aus einer Betriebsratsschulung gesendet)

Meinst du mit Flexibilisierung der Arbeitszeit die Auflösung der Grenze zwischen “Privatsphäre” und “Arbeit”? Das wirft doch ganze schön viele Problematiken, wie z.B. Burn-Out, da ständige Anspannung, auf. Und ob die Flexiblisierung der Arbeitszeit, unter diesen Bediengungen, dann zu mehr Demokratie führt, sei dann auch mal dahin gestellt.

Zudem, meine ich, dass es heutzutage immer noch Arbeitsplätze in der Industrie bzw. Produktion gibt. Und diese Arbeitsplätze können schlecht flexiblisisiert werden bzw. werden mit Schichtarbeit und auf Abruf, für den einzelnen Akteur ungünstig flexibilisiert.

Wollte diesen Aspekt noch mit ins Forum miteingebracht wissen. Es gibt dann:

  • Flexibilität der Arbeitszeit
  • "Homeoffice"
  • 6h-Arbeitstag
  • garantiertes Grundeinkommen
  • Mindestlohn

fünf Konzepte, welche sich teilweise widersprechen und ergänzen bzw. Zwischenschritte zu einer partizipativen E-Demokratie sein können.

Trotzdem sind sich beide Arbeitgeber einig: Unterm Strich überwiegen die Vorteile. “Seit den 90er-Jahren gab es immer nur mehr Arbeit und weniger Mitarbeiter”, sagt die Leiterin des Svatedalens-Altenheims, Ann-Charlotte Dahlbom Larsson. Es sei so nicht weitergegangen. Der Krankenstand sei hoch und das Fehlen einer ausgeglichenen Work-Life-Balance für niemanden gesund gewesen. Die Ärzte sind ebenfalls zufrieden: Der bis dahin hohe Krankenstand ging zurück. Es wird mehr operiert, die Wartezeiten für Patienten sind kürzer, die Produktivität ist gestiegen.

Es gibt da einige etwas undurchsichtige Artikel dazu im Netz. Ich würde auch die Einschätzung teilen, dass ein 6h Arbeitstag die Produktivität steigert. Inwiefern die 2 Tagesstunden aufgefangen werden müssen ist wohl auch stark Branchen-abhängig.

Vor allem sollten auch zeitraubende An- und Heimfahrten reduziert werden. Bei vielen Tätigkeiten läßt sich das durch Homeoffice gut erreichen, bei notwendiger Anwesenheit ginge es aber auch durch längere zusammenhängende Tätgkeiten bei gleichzeitig mehr arbeitsfreien Tagen, also z.B. einer 4-Tage-Woche.

Ich finde diesen Satz vom Stinnes-Legien-Abkommen entscheidend:

  1. Das Höchstmaß der täglichen regelmäßigen Arbeitszeit wird für alle Betriebe auf 8 (6) Stunden festgesetzt. Verdienstschmälerungen aus Anlaß dieser Verkürzung der Arbeitszeit dürfen nicht stattfinden.

Mein Punkt ist: Es gibt momentan noch Arbeitsplätze in der Industrie und Produktion. Wenn man die Lebensverhältnisse der Menschen, welche dort noch arbeiten, verbessern möchte, muss die Arbeitszeit, bei gleichem Lohn, verkürzt werden. Ähnliches kann und wird schon mit ähnlichen Instrumenten, wie dem generellen Mindestlohn und einem möglichen BGE erreicht bzw. kann erreicht werden.

Konsequenz Zeitwohlstand:
Durch die 6h-Woche hätten die Akteure, 2h pro Tag, 10h pro Woche, und 520h pro Jahr mehr Zeit zur freien, potentiell selbsteinteilbaren Verfügung.

So aus der betrieblichen Praxis heraus.
Einfach Stunden verkürzen wird bei sehr vielen eher sehr schlecht ankommen. Es gibt eine Menge an Arbeitern die viel arbeiten wollen.

Ich bitte das mit zu Berücksichtigen in der Diskussion.

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Wenn die Akteure den gleichen Lohn für weniger Arbeit bekommen?

Auch dann, denn dann wollen viele doch mehr Stunden machen um mehr zu verdienen.

Es ist ein Trugschluss das die generelle Kürzung der Arbeitsstunden gut ankommt und irgendwelche Probleme löst. Wobei da erstmal zu definieren werde warum dies gut sein soll.

Es wird aber klar auch diejenigen geben die es toll finden.

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Ich könnte mir aber vorstellen, dass der 6h-Tag als Alternative zur Frauenquote bzw. als Instrument für mehr Gleichberechtigung taugt. Es könnte dadurch gewährleistet werden, dass Männer, auch wenn sie Vollzeit arbeiten, mehr Zeit für Ihre Familie haben (Dekommodifzierung), was umgekehrt den Frauen wieder mehr Freiräume ermöglichen könnte (Defamilization).

Desweiteren könnten dadurch eventuell Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen nivelliert werden, da Männer ihren Mehrlohn weitgehend durch Mehrerfahrung und Mehrarbeit generieren.

Das hätte ich gerne weiter “vorgestellt”.
Also warum das so sein könnte.

Dann würden die mehrarbeitenden Mitarbeiter auch mehr Lohn für die selbe Zeit, die sie jetzt arbeiten würden, bekommen.

Das hätte zur Folge das die Lohnkosten massiv steigen. Wobei das je nach Branche durchaus verkraft und vertretbar wäre. Bei uns in der Firma abseits der normalen Lohnsteigerung wäre das weniger gut für die Firma aber wir haben da gerade ein Luxusproblem.

Auf der anderen Seite kann das zur Folge haben das die Leute die Stunden die sie jetzt insgesamt arbeiten nicht mehr arbeiten dürfen. Was dann wiederum trotz Mehrarbeit zu einem stagnierendem Lohn führen würde. Unter Umständen sogar zu weniger Lohn.

Wie gesagt: Es geht mir in erster Linie um die Produktion. Das würde allein schon die Schichteneinteilung verändern. Statt 3 Mal 8h, würden dann 4 Mal 6h gearbeitet werden. So oder so würde das dann die Arbeitskräfte entlassten und den Rationalisierungsdruck für die Unternehmen erhöhen. Und das finde ich tendenziell gut. Das gleiche würde auch bei anderen Instrumenten, wie einem erhöhten Mindestlohn oder einem Grundeinkommen passieren. Nur eben in unterschiedlichem Maße.

Und mit “Rationalisierung” meine ich umfassend, die Vereinfachung von Arbeitsprozessen und Produktionsschritten und die damit einhergehende Modernisierung.

Ich hab ja auch viel unsere Leute in der Produktion im Kopf :wink:

Die Zeiteinsparung von 2 Stunden pro tag würde man schon durch Homeoffice erreichen.
Übrigens könnten 40% aller Tätigkeiten zu Hause erledigt werden.
Auch Industrie-Job und andere Tätigkeiten haben “Office-Arbeiten”, die man daheim erledigen kann.
Stunden sind meist kein Thema.
Normale Homeoffice-Jobs wie Programmieren oder Admin werden meist nicht nach Stunden bezahlt.

Homeoffice ist für Leute, die Maschinen brauchen, eher nicht die Lösung. Ich könnte z. B. nicht mal schnell mein Spektrometer mit nach Hause nehmen. Davon abgesehen lebt kreative Arbeit auch vom Kontakt untereinander. Ob man mit Home Office irgendwas spart, hängt auch sehr vom Arbeitsweg ab. Andererseits birgt es die Gefahr völliger Entgrenzung. Bei uns gibt es z. B. Telefonkonferenzen abends um 10, weil die Kollegen in den USA keinesfalls morgens einen Termin finden können. Es ist höllenschwer, diesen Unfug einzugrenzen.
Im Osten sind 8 h übrigens der Normalfall. Meine Kollegen hätten schon gern die 35 h-Woche (wir haben immerhin 38 h), nur haben sie noch nicht begriffen, dass sie dazu vielleicht zum Warnstreik gehen sollten.
Ich finde allgemeine Arbeitszeitverkürzung als Ansatz besser als jedes BGE-Modell, das ich bisher gesehen habe, weil alle was davon hätten. Ja, die Arbeit wird teurer, aber dieses Gejammer gab es auch wegen des Mindestlohnes, und trotzdem werden noch Haare geschnitten und Fußböden gewischt …

Ein flexibler und gerechter Mindestlohn und eine Verkürzung der Arbeitszeit müssen auf jeden Fall gegeneinander abgewogen werden, da sie ähnliche Wirkungen und Konsequenzen haben. Beides sind gute Übergangslösungen bzw. Zwischenschritte auf dem Weg zu einem BGE. Ich denke das ein sehr flexibler Mindestlohn, welcher monatlich oder zumindestens jährlich, an die Konjunktur und das BIP angepasst würde, ähnliche Wirkungen, wie ein Verkürzung der Arbeitszeit auf 6h bei gleichem Lohn hätte.

Veranschaulichung: Mindestlohn zu Verkürzung der Arbeitszeit verhält sich ähnlich, wie Exportsubvention zu Importzoll. Beide Instrumente erzielen eine sehr ähnliche bzw. gleiche Wirkung, mit anderen Mitteln.

Ich bin sehr dafür, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können. Aber von einer allgemeinen Verkürzung der Arbeitszeit hätten halt alle etwas. Zumindest bei meinem Job habe ich eine enorme Arbeitsverdichtung über die letzten 20 Jahre beobachtet. Das heißt, man ist entsprechend erschöpfter, wenn man nach Hause kommt.
In Österreich sind neuerdings 12 h Arbeit zulässig, und die CDU findet diese Schnapsidee auch toll. Das ist ganz offensichtlich eine wichtige Auseinandersetzung, und die Beschäftigten verpennen mal wieder ihren Einsatz, weil sie glauben, es gäbe keinen Klassenkampf mehr. Er heißt halt Flexibilisierung, das klingt netter.
Es gibt immer mehr psychische Erkrankungen. Da muss man gegenhalten.
Mehr Zeit hieße auch bessere Vereinbarkeit mit Familie.
Deshalb denke ich, dass es ein wichtiges und potentiell für viele sympathisches Thema ist, das wir unbedingt verfolgen sollten.

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