Rechter Hass und die Gaming-Kultur

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Sehr interessanter Artikel auf Netzpolitik.org. Ich frage mich ja, was es denn ist was so viele Junge Menschen immer mehr für nationalistische und rassistische Ideologien begeistert ? Man müsste doch meinen das der Zugang zu einem weltweiten Internet und freien Informationen solch dumme Nazi Ideologien zurück drängt, aber das Gegenteil ist der Fall.

Mich würde ja mal interessieren warum das denn so ist. Hat da jemand eine Idee ?

In der Pubertät wird auch das Gehirn umgebaut und es dauert normalerweise bis Mitte 20 bis sich der Teil der Gehirnstruktur ausgebildet hat, mit dem man die Konsequenzen seines Handelns erkennen und verarbeiten kann.
In diesem Zeitraum entwickelt man seine Persönlichkeit und sucht nach seiner Rolle in der Welt. Für die Meisten ist das mit eine großen Unsicherheit verbunden und manchmal mit einer Rebellion gegen die Eltern.

Streng gläubige Christen, Moslems oder Juden (vermutlich auch andere Religionen) haben ein sehr klare Vorgabe dafür was eine Frau oder ein Mann ist und welche Rolle in der Gesellschaft man erfüllen muss. Unsichere Menschen lassen sich gerne auf solche strengen Regelsysteme ein, da sie ihnen Sicherheit geben. Wer diesen klare Vorgaben aus dem sehr konservativen Milieu nicht folgt, also z.B. Schwule etc. verstößt gegen die “göttliche Ordnung” und wird diskriminiert. Homophobie trifft es nicht ganz.

Das gleiche bieten auch die rechten Ideologen an, ein einfaches Weltbild in dem die eigene Rolle klar ist.

Jedes höhere Lebewesen dieses Planeten verteidigt sein “Zuhause” gegen Fremde. Diese natürliche Reaktion auf Fremde, wird aber durch Erziehung und Erfahrung reguliert, so dass die meisten Menschen keine Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entwickeln.

Unsichere junge Menschen die nach Orientierung suchen und dabei auf Menschen stoßen, für die Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Ordnung sind, die übernehmen diese Erfahrung für sich.

Ich empfehle mal diese Dokumentation anzusehen.

Und zuletzt möchte ich darauf hinweisen, dass man in manchen Spielen “minderwertige” Humanoide, Orks, Goblins, Verbrecher, Zombies … abschlachten soll. Die Frage ist ob manche Menschen sich dabei an die Vorstellung von “Untermenschen” und “Übermenschen” gewöhnen und damit offener für rechtes Gedankengut werden.

Es geht auch um Idenität. Wer noch kein eigenes Leben, keine eigene Identität aufgebaut hat ist anfällig dafür eben diese aus kollektiven Ideologien zu beziehen.

Verstärkt wird das massiv dadurch das die neoliberale Gesellschaft vor allem auf den Erwerb von Status/Karriere, Geld und Konsum ausgelegt ist. Also als Gesellschaftsform nach keinem höheren Sinn strebt sondern sich hauptsächlich dem Hedonismus verschrieben hat. Gerade hier setzen Neurechte Bewegungen wie die Identitären an um den Menschen denen der Neoliberalismus keine Identität zu bieten hat eine nationale/faschistische Identität anzubieten. Ein größeres Nationales Ziel für das größer ist als das einzelne Individuum etwas für das es sich zu kämpfen/leben lohnt. Ich denke dabei nicht unbedingt das das Primär was mit Games zu tun hat. Kriegsspiele eigenen sich da eben evtl als Medium ganz gut um entsprechende Propaganda zu verbreiten.

Hier ist die Demokratie gefragt entsprechend klare Gesellschaftliche Ziele und Visionen zu setzen die eine positivere Bindungskraft haben als das was die Rechtsextremen zu bieten haben. Genau da versagen die Volksparteien immer mehr, in weiten Teilen war Merkels Politik ja eine Politik des Stillstandes. Die Welt entwickelt sich weiter während in Deutschland die Zeit still zu stehen scheint. Da ist dann doch der Wunsch nach einem Starken Führer der das Land endlich wieder vorran bringt verständlich, wenn natürlich auch sehr gefährlich.

Hier ist dann die demokratische Politik gefragt wieder klare Zukunftsvisionen zu formulieren welche auch Identitätsstiftend sein können. Entsprechende Projekte in die Wege zu leiten die das Land nach vorne bringen und so weiter. Daher denke ich nicht das man das Problem mit den Rechten nur durch Antifaschistische Tätigkeiten wieder eingrenzen kann, hierzu muss sich die ganze Gesellschaft wieder nach vorne bewegen.

Das ist doch jetzt echt nur eine Randgruppe, die Masse ist doch demokratisch erzogen und gebildet.

Ich frage mich, was es denn ist, was die demokratisch erzogene und gebildete Masse so für das virtuelle Abschlachten begeistert. Diese Masse hat ganz offensichtlich einen hohen Bedarf an Gewaltsimunlationen. Sich darüber zu wundern, dass auch Nazis magisch davon angezogen werden, kann man machen.

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Oh, das könnte man ja auch so auch dem TV ankreiden. Ja selbst im SeniorenTV werden im Tatort die Leute ermordet. Eine gewisse Faszination für Gewalt, die ist ja den Leuten angeboren. Ist doch gut wenn sich die Leute virtuell abreagieren können, besser als wenn die Agressionen ins Reallife kommen.

Im Falle der Rechtsradikalität handelt es sich aber nicht um eine Faszination der Gewalt, sondern es ist der Glaube an das Recht, mit der viele das Unrecht und die Hilflosigkeit, die sie selbst erleben haben, rächen zu dürfen.

Einfach den in der Jugend erhaltenen Knacks des autoritären Unrechts nicht verarbeiten können.
So ein aus autoritärem Verhalten entsprungen Knacks ist etwas ganz anderes als ein Gruselfilm.
Das Leben einfach vermurkst, da in der Kindheit auf die falsche autoritäre Spur gesetzt, die stets zu miserablen Ergebnissen führt.
Jeder, der darüber nachdenken würde, ob es sinnvoll ist, sich anderen gegenüber so zu verhalten, wie sich andere gegen einen selbst verhalten haben, würde zu dem Schluß kommen, dass er das selbst erlebte, anderen nicht antun sollte.
Der Knacks ist aber meist so groß, dass sie am Ende meinen, das ihnen zugefügte Unrecht hätte irgendeinen Sinn ergeben.