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Rauchverbot


#43

Müssen Vegetarier dann auch Fleischverbot erwirken können?


#44

Dämliche Frage.


#45

Mal ein paar Fakten aus 1. Hand?

Habe bis vor 1 Jahr recht erfolgreich (4 Kneipen, 1 Club) nebenher Gastronomie betrieben.
In NRW kam der “Nichtraucherschutz” in 2 Schüben:
2007: In separat belüfteten Raucherräumen und Eckkneipe (< 75qm) durfte weiter geraucht werden.
Hatte damals 3 Läden, davon 1 Eckkneipe - kenne beide Situationen sehr gut.

Das war ein teurer Spaß, nicht nur die Baumaßnahme: Die umsatzstärksten Kunden waren immer die, die am Tresen sitzen. Die wurden vertrieben in die Eckkneipen.
Natürlich sind die Umsätze statistisch nicht gesunken: Kneipen, deren Besitzer nicht genug Rücklagen für den Umbau hatte, sind halt pleite gegangen. Neuer Betreiber, frisches Geld, investiert und es läuft wieder.

2013: Totales Rauchverbot
Die inzwischen nur noch von Rauchern frequentieren Eckkneipen verlieren 90% ihrer Gäste von 1 Tag auf den anderen. Man kann sich grob vorstellen, dass diese Eckkneipen eine Komplettrenovierung benötigten. Kalter Aschenbecher ist selbst für Raucher nicht akzeptabel. Nun auch hier: Wer die Rücklagen hat, zieht es durch - andere geben den Laden ab.
Ein weit größeres Problem sind die Nachbarn: Der Raucheranteil der Spät- und Nachtgastronomie ist ziemlich hoch, auf einmal steht der halbe Laden vor der Tür. Da kommt dann nicht das Ordnungsamt und sorgt für Ruhe! Nein, das Amt droht dem Wirt mit Geldbußen und Konzessionsentzug, wenn er das nicht in den Griff bekommt. Spätestens an dieser Stelle hat die Sache angefangen richtig weh zu tun…

Ergebnis nach 5 Jahren:
Die Raucher wissen die frische Luft inzwischen zu schätzen.
Es beschweren sich nur noch Nichtraucher:
Die einen über die Raucher, die auf dem Weg in die Kneipe Spalier stehen, die anderen weil die rauchenden Freunde meist deutlich länger als 1 Zigarette weg sind.
Das eigentliche Ansinnen, “Das Rauchen aus dem öffentlichen Raum verbannen”, wurde nicht erreicht.
Im Gegenteil.

Umsatzentwicklung seit Rauchverbot:

Die Statistiken sind irreführend:

  1. Interessant sind nicht Umsätze sondern Gewinne: Nach meiner Erfahrung muss man heute deutlich mehr bieten um den gleichen Umsatz zu generieren.

  2. Es wurde 2007 und 2013 ne Menge Kohle investiert um die Läden am kacken zu halten, nicht selten vom neuen Besitzer. Die Kohle ist weg und taucht in diesen Statistiken auch nicht auf.

Mein Fazit:
Das Totalverbot war die mieseste Aktion unserer Landesregierung für alle Zeiten aus Sicht der Gastro.
Man hat den Wirten nicht nur sämtliche Kosten für die Umsetzung auferlegt, nein auch gleich die Pflicht zur Durchsetzung des Gesetzes übertragen. Besondere Spaß: Sorg’ mal in einer Stadt mit einer großen Juristischen Fakultät auf dem Bürgersteig (öffentlicher Raum) für Ruhe…

Was die Piraten angeht, die damals im Landtag dafür gestimmt haben:
Ich will die Namen gar nicht wissen.

Das tolle Gesetz hat mich unterm Strich gute 100.000€ gekostet und stressbedingt sicherlich auch ein paar Jahre meines Lebens.

Vielen Dank.
Nicht.


#46

Das ist für Dich persönlich natürlich ärgerlich, es bleibt halt die Frage wieviele Menschenleben es retten wird, und wie dann die Wertung ausfällt zwischen dem Leben und der Gesundheit Deiner, ehemaligen, Gäste und Deinen finanziellen Verlusten und Gewinnen.


#47

Nach der Logik müsste man das Rauchen generell verbieten.
Und Schaps.
Eigentlich alles was irgendwie unvernünftig in Bezug auf Lebenserwartung ist.

Viel Spass dabei!

Oh - sagte ich Spass?
Ich mach mit dann mal ne Karotte…


#48

Endlich einmal etwas mehr Text und Substanz in diesem Thread!

So ein “Ausstieg auf Raten” ist natürlich unglücklich!

Zeigt aber einmal mehr, dass es wirkliche Rechtssicherheit nicht gibt, und Übergangsfristen immer nur da, wo eine starke Lobby existiert!

Gesetzesänderungen, auch mehrere aufeinander folgende, und mögliche Kosten, die daraus entstehen, nennen wir allerdings gewöhnlich “unternehmerisches Risiko” und Pleiten dann “Kollateralschäden” :grin:

Bis 2005 wäre ja auch kaum jemand auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet eine rot- grüne Bundesregierung die Zerschlagung des Sozialstaats anschiebt, und Menschen nach zwölf Monaten Erwerbslosigkeit Hartz IV genießen dürfen :joy::joy::joy:


#49

Die verantwortliche Gesundheitsministerin war damals eine Frau Steffens von den Grünen.
Wikipedia dazu:

Des Weiteren setzt sich Steffens für die Pseudowissenschaft Homöopathie ein, da sie „persönlich davon überzeugt“ sei.[9] Sie strebt hierbei insbesondere auch die Einführung an Hochschulen an

In einem Interview begründete sie das Totalverbot damit, dass viele Wirte sich ja nicht an das Gesetz von 2007 halten würden… Selten so abgekotzt.

Sehr interessant, weil allgemein, ist hier aber folgendes Zitat:

“Politiker, die weniger daran interessiert sind, was tatsächlich möglich ist, sondern mehr daran, was Bürger für möglich halten, finden sich anscheinend immer”

Quelle:


#50

Nein, das ist ein Fehlschluss, es geht darum Gefährdungen des einen durch den anderen zu verhindern, nicht darum zu verhindern sich selbst zu schädigen (das ist ein anderes Kapitel). Das ist ähnlich wie wenn Du eine Kleine Autolackierei hättest, und die bisher ohne Auflagen betreiben könntest jetzt aber Gesetze erlassen werden um Deine Mitarbeiter und Nachbarn vor den Lösungsmitteldämpen zu schützen, die Dich 100.000 Euro kosten.


#51

Frau Steffens ist m.E. Eine hohle Nuss, nur was ändert das an dem Sachverhalt. Vorallem was hat die belegte Schädlichkeit des Rauchens mit der unbelegten Wirkung von Homöopathie und anderen Voodoomethoden zu tun?


#52

Mit anderen Worten: Volksentscheide sind nur dann gut, wenn sie den eigenen Interessen dienen. Das nenne ich mal ein reifes Politikverständnis.

Wenns dafür ne Mehrheit gäbe, würde man das sicherlich machen.
Man müsste wohl den Individualverkehr an sich verbieten, weil viel zu gefährlich. Man könnte auch über ein Verbot nachdenken, sich generell überirdisch aufzuhalten, unterirdisch ist die Gefahr, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, deutlich kleiner. Ausserdem ists nachts kälter als draußen.

Sehe ich auch so, andere “Rauschmittel” sind ja mit eben diesem Argument (“gesundheitsschädlich”) verboten. Oder man erlaubt es alles generell im privaten Rahmen.

Es gab auch schon vorher Nichtraucherkneipen sowie Räume in denen nicht geraucht werden durfte. Rauchverbote haben sich im Zuge er “Ächtung” des Rauchens (Werbeverbot) immer mehr durchgesetzt, das Rauchverbot in Kneipen war da lediglich die Folge.

Als Wirt ist man Unternehmer und sollte die Gesetze von Angebot und Nachfrage kennen. Wenn ich ne Eckkneipe vorwiegend für Alkoholiker und Kettenraucher betreibe, sollte ich halt ein Auge auf aktuelle Entwicklungen haben…

Als Raucher muss ich sagen, es feiert sich deutlich angenehmer ohne diesen ganzen Qualm. Weniger Gestank in den Klamotten, man ist und bleibt fitter und hat am nächsten Tag weniger Kater. Sagen so ziemlich alle Raucher die ich kenne, die Nichtraucher sowieso.


#53

Tut mir leid.
Für mich sind alle hohl, die meinen Unvernunft verbieten zu müssen.


#54

Super Argument. Super Politikstil.
Es geht nicht darum was gemacht wurde, sondern vor allem darum, wer es gemacht hat.
facepalm


#55

Sehe ich als Raucher ebenso.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es mir noch deutlich besser am nächsten Tag ginge, wenn Schnaps verboten wäre. Ich mein - ist wie mit dem Rauchen früher: Gruppenzwang.

Total viele Leben würde es retten, wenn man Süßigkeiten verbietet.


#56

Du weisst das der Vergleich fürn Arsch ist, weil es kein “passiv-Schnapstrinken” gibt.


#57

Verstehe ich auch nicht, dieses “Argument”.

Ich hoffe doch sehr, das ALLE Gesetze der Vernunft entspringen.

Bei dem einen oder anderen, ist das nicht so einfach zu erkennen…

Der “Atom-Ausstieg”, wird beispielsweise auch generell als “vernünftig” angesehen.

Mit diesem “Argument” machst du Politik und Gesetze per se “unnötig” und alle können machen was sie wollen, ist doch egal.


#58

In diesem Fall ist das Hintergrundwissen.

Erlebe auch in der Lokalpolitik, dass ist nicht demokratische Prozesse sind, welche für Veränderungen sorgen, sondern einzelne Personen, welche sich durchzusetzen wissen. Wie sie das anstellen, das ist noch mal ein ganz anderes Thema.

Das Rauchverbot jedenfalls war keine demokratische Entscheidung, sondern ein Deal.
Die SPD hat sich extrem schwer damit getan und hätte da niemals selbst angestoßen. Bedenke die Kneipendichte im Ruhrpott!


#59

Übrigens, die Betonung liegt auf “Raucher”.

Denn natürlich rauche ich auf Parties, so wie jeder Raucher, und das nicht zu knapp.

Der Unterschied ist, wie auch schon gesagt, der ganze Qualm, die schlechte Luft und das Passivrauchen.


#60

Toller Diskussionsbeitrag, damit wäre ja dann geklärt, dass alles was Du doof findest, die richtige Entscheidungsgrundlage für Politik und Gesetzgebung sein sollte?


#61

Herrje. Ich habe nichts gegen Maßnahmen, die dazu dienen die Raucherei einzudämmen.

Es geht um die Art und Weise der Umsetzung!

Man hätte auch Nichtraucherkneipen durch Sponsoring generieren können, oder per Quote bei “Neukonzessionen”.

Oder wenigstens die Einhaltung des Verbots nicht den Wirten auferlegen müssen.

Was sprach dagegen, Polizei oder Ordnungsämter dafür sorgen zu lassen?
Klar: Das kostet ja.

Dabei verdient der Staat ganz gut an der Tabaksteuer, das Geld wäre da.
Die Krankenkassen sehen übrigens auch keinen Cent davon.

Also scheiss auf die Wirte - die haben eh keine Lobby. Geschäftsrisiko? Die meisten, die ich in den 17 Jahren kennengelernt habe, leben eher in prekären Verhältnissen. Insbesondere die mit den kleinen sogenannten “Bierkneipen”.

Das ist die Art von Politik für die Piraten heute stehen?

Echt jetzt?


#62

Word!
Und bevor die Diskussion verzettelt, will ich das mit unterschreiben.
Das das Nichtraucherschutzgesetz (was auch ein Arbeitnehmerschutzgesetz ist) kam, geht zurück auf Bürger, die -übrigens nicht von einer einzelnen Partei ausgehend - erfolgreich Bürgerentscheide herbei führten.

Die Umsetzung der (nicht wirklich begeisterten) amtierenden Politiker, die wie im Beispiel oben geschildert, keine nennenswerte Unterstützung für Betroffene Unternehmer vorsah, war schlecht. Nicht das Rauchverbot an sich.
Und schlechte Arbeit von Parteien und Parteipersonen sollte man durchaus auch so beim Namen nennen. (Tun wir bei Piraten ja auch. Nur wenn man das gegen andere Parteien ausser der CSU tut, gibt es gleich Protest?).