Programmgestaltung, wie entsteht ein Programm?

Tags: #<Tag:0x00007f4abf21f2f8>

Das soll ja auch für Leute existieren, die sich mit der Frage nach der Essenz der Piraten beschäftigen. Darüber hinaus können wir ja auch eine Kurzversion daraus distillieren, kein Problem.

Den Wähler interessiert jedoch, wie gesagt, am ehesten ein Kurz-WP. Leute beschäftigen sich üblicherweise ungerne mit Theorie und Details.

Du kannst natürlich gern deine Ressourcen in die Erstellung eines Manifests investieren. Aber mir passt hier der Aufwand/Nutzen-Effekt nicht. Auch wenn das Destillat eines solchen Manifests dann wieder ein GP sein könnte, dass unsere Grundsatzpositionen beschreibt.

Klar, die Leute draußen wollen ein Kurzprogramm. Aber die Leute wollen eben auch wissen, wofür wir stehen. Und “wofür wir stehen” sind eben diese Richtschnüre des GPs. Das Kurzprogramm sagt dann aus, welche Themen wir wie angehen wollen.

Meines Erachtens ist ein Kurzprogramm für eine 0,7%-Partei auch absolut ausreichend. Wir müssen zwar sagen, wie wir die Themen anpacken wollen, aber wir müssen nicht so sehr ins Detail gehen, wie es z. B. bei der Gesundheitspolitik, Pflege und Psyche in unseren Programmen steht. Umsetzen könnten wir von den Details so oder so nichts. Da sind wir wieder bei Aufwand/Nutzen. Ausführliche Programme werden eh nicht gelesen, Kurzprogramme schon. 5-6 Sätze zur Gesundheitspolitik reichen also aus, um das wesentliche zu sagen. Und mit “sprechenden” Kapitelüberschriften haben wir im Inhaltsverzeichnis dann sogar ein nochmal gekürztes Kurzprogramm.

Habe vor ner halben Stunde angefangen. :smiley:

Wie gesagt bin ich der festen Überzeugung, dass die Wähler aus einem Kurz-WP am besten verstehen können, wofür wir stehen.

  • “Wir fordern schnellstmöglich eine Glasfaserverbindung für jeden Haushalt in Deutschland. Bürokratische Hürden z.B. bei der Vergabe von Fördermitteln sind sofort zu überprüfen und möglichst abzuschaffen.”

versus

  • “Die Piraten setzen sich für eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet auf dem gesamten Bundesgebiet ein.”

Ersteres ist konkret, also WP, letzteres abstrakt, also GP. Welches ist deiner Meinung nach effektiver?

Was die Detailliertheit der einzelnen Forderungen angeht, so wäre doch mit deinem WP-Positionspapier-Konzept alles geregelt. Wenn Leute Spaß daran haben, detaillierte Lösungen auszuarbeiten, dann sollen sie das doch tun. Für den Wähler müssen wir dann trotzdem ein kurzes “best of” zusammenstellen. Die detaillierten Lösungen kann er ja immer noch lesen, wenn er will.

1 Like

Wie man mit Mikado-Anträgen zu einen Programm kommt, bleibt mir ein einziges Rätsel.

Ich kann dir gerade nicht folgen. Was ist ein Mikado-Antrag? Oder anders: Was ist an diesem Antrag verkehrt?

Mikado-Antrag sind viele kleine durchaus sinnvolle Anträge, die am Ende in irgendein Konzept gegossen werden sollten.

Die AG Wirtschaft hatte z.B. ursprünglich ein Gesamtkonzept erstellt, konkurrierende Gruppen auch und dann wurde bausteinartig abgestimmt.

Inzwischen gab es neue Anträge, die dann auch Teil des Antrags wurden.
Am Ende haben wir eine Amsammlung von Programmbausteinen dessen logischer Zusammenhang der Wähler nicht erkennen kann, da sie ja auch nicht logisch aufeinander aufgebaut sind, dazu noch munter gemischt Wahl- und Grundsatzprogramm.

Nimm doch mal Gesundheitspolitik.
Eine einzige Ansammlung von durchaus wichtigen Einzelpunkten, aber aus meiner Ansicht kein in sich schlüssiger Bereich oder genauer gesagt, Abdeckung “der Gesundheitspolitik”.

Wenn man im Bereich 40 oder 50 Anträge stellt, was man problemlos tun könnte, steht am Ende eine lange Liste von Einzelforderungen, die dann im Laufe der Jahre gar nicht mehr aktuell sind oder neuem Wissen im Wege stehen.
Somit allgemeines Problem und nicht das Problem des obigen Antrags.

Kannst du ein Beispiel für ein gelungenes Programm geben?

Ich wüsste im Übrigen auch nicht, was ein Wahlprogramm sein sollte, als eine Liste von Einzelforderungen, basierend auf dem Grundsatzprogramm.

Meinst du effektiv die Präsentation und Gewichtung der Forderungen? Aber ich kann mich erinnern, dass du dich darüber beschwertest, dass irgendeine Programmkommission Dinge aus dem Programm gestrichen hat. :thinking:

Nicht aber, da es ja die Folge ist, dass am Ende eine Kommission beschlossene Dinge streicht.

Wir bekommen ja demnächst tatsächlich den BEO.
Wenn wir jeden Tag eine Sau durchs Dorf treiben und am nächsten Tag 5 Programmpunkte beschlossen haben, produzieren wir im Jahr über 1000 Programmpunkte, die bindend sind und die ein Vorstand auch kennen sollte.

Die SPD hat z.B. das Godesberger Programm, Berliner Programm, Hamburger Programm und dazu noch Wahlprogramme.
Die FDP Liberales Manifest, Wiesbadener Grundsätze, Karlsruher Freiheitsthesen ect.
Sprich, man hat einen Pool von beschlossenen Positionspapieren und bastelt dann für einen ganzen Bereich ein knackiges, in sich geschlossene Grundsatzprogramm und erweitert dieses um spezielle Wahlprogramme.

Man hat dann keinen Kramerladen, denn die Kritiker des Vollprogramms stört doch primär die Ansammlung von Detailbausteinen mit der Folge, dass kein Markenkern mehr erkennbar ist.

Das würde auch dazu führen, dass man stets ein aktuelles Programm hat.

1 Like

Wäre es möglich eine Parteiprogramm in einer Programmiersprache zu schreiben? Im Sinne, dass Programmpunkte so reduziert und Zusammenhänge so kausal dargestellt werden, wie in Programmiersprachen.

"Jeder Idiot kann Code schreiben, den ein Computer versteht. Gute Programmierer schreiben Code, den Menschen verstehen können."

In dem verlinkten Artikel (http://www.greenteapress.com/thinkpython/thinkCSpy.pdf) stehen die Vorteile von Programmiersprache:

  1. Programmiersprachen sind eindeutig und nicht mehrdeutig
  2. Programmiersprachen sind redundant, damit sie wirklich verstanden werden
  3. In Programmiersprachen ist alles wörtlich gemeint (Humor scheint schwierig :wink: , aber das ist für ein Parteiprogramm wohl verkraftbar)

Abschließend nochmal aus dem Zeitartikel: “Programmieren ist also Kommunikation zwischen Menschen. Die Maschine ist da nur ein Zwischenschritt. Insofern ist die Sprachmetapher, wenn man sie nicht überreizt, schon ganz gut.

Ich hab das gerade für die FDP nachgeschaut und das scheint für sie nicht zu stimmen. Das Grundsatzprogramm war unter Führung Lindners mithilfe aller interessierten Mitglieder erarbeitet worden und ist wie unser Grundsatzprogramm, quasi rein ideologisch.

Das 170 Seiten Wahlprogramm wurde wiederum von interessierten Mitgliedern und Experten anhand (im Grundsatzprogramm?) vorgegebener Themen erarbeitet und besteht, wie auch unser Wahlprogramm, aus praktischen Forderungen. Der größte Unterschied hier zu uns ist: es gibt ein zwölf Seiten (davon einige Lindnerbilder) Kurzprogramm und man kann/konnte sehr einfach die Positionen der FDP zu bestimmten Themen auf ihrer Webseite finden.

Genau an so einem Kurzprogramm (ohne Lindnerbilder) und einer knackigen Präsentation unserer Forderungen auf der Webseite fehlt es uns. Man müsste sich zu einer Wahl einigen, was in das Kurzprogramm käme. Dann kann man es auch easy und gemeinsam vermarkten und den sehr notwendigen Markenkern aufbauen.

1 Like

Wer ein Programm erstellt ändert ja am System nichts.
Es sollte nur in sich logisch, aus einem Guss geschrieben sein und auf externe Details verweisen.

1 Like

Ja komm, das ist doch jetzt eine Binsenweistheit. :smiley:

Die Elemente aus den Positionspapieren und Wahlprogrammen sind ja weitgehend stilistisch irrelevant, weil es ja eh nur Fachinteressierte und so lesen. Das Programm-Wiki kann man auch recht einfach aufräumen, diese 1000 Gesundheitspolitik-Unterpunkte stören mich auch bereits beim Inhaltverzeichnis scrollen, aber das sind für mir Details der Präsentation (eigentlich sind’s basics, jemand™ sollte sich mal drum kümmern, kein großer Aufwand, aber braucht bestimmt irgendeine “Beauftragung”). Und schöne PDFs aus den Wahl- und Grundsatzprogrammen machen.

Ein Kurzprogramm wiederum wird politisch für uns interessant wegen Kernthesen und Nichtkernthesen etc pp. Aber als Demokraten kriegen wir das schon hin. Das Kurzprogramm kann dann aufs Wahlprogramm und das Wahlprogramm aufs Grundsatzprogramm und/oder Fakten verweisen. Leben ja mittlerweile in 2019.

Du bist Mitglied der Piratenpartei. :star_struck:

Das ist jetzt wiederum unverständlich esoterisch. :smiley:

Das Problem sind ja nicht mal zwingend die 1000 Einzelanträge. Aber wenn die aneinander gereiht werden, entsteht ein Sammelsurium unterschiedlichster Schreibstile, Aufzählungsweisen und Textinhalte. Ein Programm, dass man nach außen gibt, sollte so auf gar keinen Fall aussehen. Zumal solche Programme sich teilweise sogar in sich selbst widersprechen, weil kein Antragsschreiber vorher prüft, was wir denn irgendwo schon stehen haben. Da wird munter drauf losbeantragt, der BPT beschließt, weil klingt ja gut und dann haben wir den Salat.

Basisdemokratie ist was tolles, aber damit kannst du kein vernünftiges Programm erstellen. Eigentlich müsste jedes Mal jemand hergehen, und aus den 1000 Anträgen ein gescheites Programm schreiben. Oder wir machen es Top Down wie bei den anderen Parteien. Wobei das auch keine tolle Lösung ist. Dafür gibt es ein gut zu lesendes Programm.

Aber zurück.

Wie wär es so
GP mit 12 -42 einzelnen Aussagen, die in einen Satz ausdrücken, wofür wir stehen.

Inhaltsprogramm mit analogen 12 - 42 einzelnen Aussagen, was wir konkret dazu fordern

PPs mit analogen 12 - 42 Themengebieten, in denen gesammelt erklärt wird, wie wir die Forderungen umsetzen wollen. Und in dieses PP kommen dann meinetwegen die 1000 Unterpunkte Gesundheitspolitik rein, wenn es unbedingt sein muss.

Bedeutet am Gesundheitsbeispiel:

GP: Wir setzen uns dafür ein, dass das Gesundheitswesen wieder dem Wohl der Menschen dienen muss

WP: Wir fordern die Privatisierung des Gesundheitswesens rückgängig zu machen, Pflege- und Gesundheitskräfte anständig zu bezahlen, Homöapathie nicht mehr zu bezahlen, Brillen und Zahnersatz zu erstatten und die Gesundheitsversorgung wieder auf Vordermann zu bringen, inklusive der Pflege und Betreuung psychisch Kranker.

PP: Alles, was wir aktuell in GP, WP und PPs dazu stehen haben.

Ich verstehe Grundsätze als Verbindung von den Grundwerten der Partei mit den verschiedenen Themenbereichen der Politk und insbesondere den Themenschwerpunkten der Partei.

Was ich zusätzlich noch ganz interessant fände, sind die Konflikte die sich aus den Grundwerten ergeben, da müsste es auch eine Art von Hierarchie geben.

Z.B. Transparenz vs. Informationelle Selbstbestimmung


Moin,

eigentlich ist das Forum viel zu zeitraubend, um sich damit zu beschäftigen. Aber ich geb nun auch mal meine 2c dazu. Denn zum Wahlprogramm muss ich einfach was sagen.

Das sollte in jedem Kapitel in zwei Abteilungen unterteilt werden. Zuerst mal eine Darstellung der generellen Haltung zu diesem Teilaspekt der Politik. Das muss so interessant sein, dass sich der geneigte Leser wirklich angesprochen fühlt. Denn wenn jemand das Programm in die Hand nimmt, guckt er in 9 von 10 Fällen zuerst und vielleicht ausschließlich das Thema an, was ihm besonders wichtig ist. Insofern muss er sich in der Einleitung, Präambel oder wie immer man das nennen möchte, wiederfinden. Dann ist das Interesse geweckt und er liest weiter.

In der Folge kommen dann die Detailaussagen. Die sind wichtig, um zu zeigen, dass wir uns nicht nur um die generelle Haltung Gedanken gemacht, sondern tatsächlich die daraus folgenden Schlüsse gezogen haben. Dass wir um diese Aspekte wissen. Dass wir eine Lösung dafür haben.

Das macht es sowohl eventuellen Abgeordneten leichter, die Parteimeinung zu vertreten, weil die Interpretationsspielräume kleiner werden. In vielen Punkten, die man gar nicht alle in ein Programm schreiben kann, sind sie noch immer groß wie Scheunentore. Und die muss man wirklich nicht noch weiter öffnen. Abgesehen bieten sie die Möglichkeit, konkrete Anträge zu stellen und damit zu dokumentieren, dass derjenige, der sich von unserem Programm in dem ihn besonders wichtigen Teilaspekt hat überzeugen lassen und uns gewählt hat, das auch zu Recht getan hat.

VG
Thomas

1 Like

Niemals, unter gar keinen Umständen, never ever hat ein als “Präambel” bezeichneter Abschnitt in einem Unterpunkt des Programms zu stehen! Wieder etwas, dass einige wohl nie verstehen werden. Präambeln stehen per Definition wenn überhaupt ausschließlich am Anfang eines Dokuments und enthalten lt. Wikipedia “eine meist feierliche, in gehobener Sprache abgefasste Erklärung”.

Ein Einleitungssatz zum Themenblock halte ich für absolut sinnvoll als “tl;dr” Version des gesamten Punktes. Diese Einleitung kann ich aber problemlos unter den Titel des Unterkapitels schreiben und muss nicht noch explizit Präambel, Einleitung, Kurzversion oder sonstwas drüber schreiben. In dieser Einleitung steht dann in 2-3 knappen Sätzen drin, was wir wollen und wie wir dahin kommen wollen.

Diese Detailausführung halte ich im Programm für falsch plaziert. Die Kernaussage machen wir ja bereits in der Einleitung (die ich als ausreichenden Punkt in einem Wahlprogramm halte). Die Ausführungsdetails, wie wir uns die Sache genau vorstellen können, steht momentan schon teilweise im Programm und bläht alles nur unnötig auf. Daher würde ich das lieber in PPs, ausgliedern. Gern auch mit ner neuen Bezeichnung. Die Detailaussage kann gern zusammen mit dem WP-Antrag beschlossen werden. Aber wir sollten einfach vermeiden, dass direkt in das Programm reinzuschreiben. Die Welt dreht sich zu schnell, Sachverhalte ändern sich, es gibt neue Aspekte und zack ist die beschriebene Detaillösung über den Haufen geworfen, auch wenn das Ziel noch nicht erreicht wurde. Trotzdem haben wir dass dann im Programm stehen, dass ggf. doch von ein paar Leuten gelesen wird. Außerdem kann man uns darauf festnageln.

Selbst wenn wir mit 5-10% im Bundestag sitzen würden, hätten wir nicht die Chance, alles 100% durchzubekommen, wie wir es uns vorstellen. In der Regel müssen Kompromisse gefunden werden. Wenn wir schreiben, wir wollen mehr Sport im Alltag, indem mehr Kniebeugen gemacht werden und der BT beschließt, dass es mehr Liegestützen sein sollen, dann kommen die Wähler und sagen “im Programm habt ihr aber Kniebeugen versprochen”. Lagern wir das aus, dann ein PP, ist es kein Wahlversprechen mehr, sondern nur eine Position zu unseren Vorstellungen.

Die Zweiteilung, die Thomas will, wär also durchaus gegeben. Die meisten Leute lesen eh niemals mehr als die Einleitung und wer mehr wissen will, muss halt ein paar Seiten weiter nach hinten blättern oder einen weiteren Link anklicken, der zur ausführlichen Version führt.

Nachdem ich heute erfahren habe, dass neuerdings wohl viele Diskussionen auch auf Discord laufen, finde ich das Forum immer noch als bessere Lösung. Hier kann man asymetrisch arbeiten, wann immer man Zeit findet, ohne die vorausgegangene Diskussion verpasst zu haben, weil man nicht da war.

1 Like