Pressemitteilung v. 21.03.: Verzicht auf US-Software in Behörden gefördert

Pressemitteilung v. 21.03.: Verzicht auf #US-Software in Behörden gefordert

#Datenschutz #Opensource #USA #Software

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Bedauerlich, aber sprechend, dass die Piratenpartei Niedersachsen diesen Artikel mit Werbelinks zu Twitter und Facebook garniert.

Mehr fällt Dir dazu nicht ein? Du enttäuschst mich. Ich hätte jetzt wenigstens mit einem Rant gegen OpenSource gerechnet.

Dass man seine eigenen SM-Präsenzen bewirbt, ist vielleicht für manche Menschen Neuland.

Ich würde mir ungern selbst ein Bein stellen, immerhin habe ich schon einiges an Open Source - auch im Piratenkontext - selbst geschrieben und veröffentlicht. Natürlich ist Open Source, die ich nicht selbst programmiert habe, aber oft schrecklicher Mist … :slight_smile:

Du wirfst da jedoch einen Punkt auf, an den ich gestern gar nicht gedacht hatte: Der Artikel ist (typisch piratisch) inkohärent - einerseits spricht er sich gegen US-, andererseits gegen Closed-Source-Software aus, als wäre das als Venndiagramm ein einziger Kreis. Das Gegenteil ist der Fall: Während große US-Konzerne wie Microsoft in der EU selbstverständlich (weil sie u.a. deutsche Niederlassungen haben) an EU-Recht gebunden sind, würden die offenen Alternativen oft noch viel tiefer in die Abhängigkeit von den USA reintreiben.

Bleiben wir mal bei der Überschrift „US-Software“: Welchen konstruktiven Vorschlag habt ihr, wenn es um das Ersetzen von Microsoftsoftware durch Nicht-US-Software geht?

Wodurch etwa würdet ihr Windows ersetzen wollen?

  • Linux Foundation: Sitz in San Francisco, Kalifornien - und auch Linus Torvalds selbst ist seit 2010 US-Bürger. Linux ist also schon mal raus, denn es steht mitsamt seinen führenden Köpfen unter US-Recht und das habt ihr im Artikel ja immerhin nachvollziehbar als K.O.-Kriterium verworfen. Das wirkt sich übrigens unter anderem darin aus, dass Linuxsoftware starken Beschränkungen unterworfen ist, was starke Verschlüsselung angeht.
  • FreeBSD Foundation: Boulder, Colorado. Schade.
  • NetBSD Foundation: Sitzt irgendwo in Delaware.

Artikelkonforme Vorschläge von mir:

  • OpenBSD (kanadisch).
  • OmniOS (schweizerisch) - allerdings setzen die auf illumos-Code, der überwiegend auf OpenSolaris (Sun/Oracle) zurückgeht, da ist Vorsicht geboten. Außerdem ist es auf dem Desktop nicht besonders benutzerfreundlich, fürchte ich - ist halt vor allem für Server da. (Die rechtliche Struktur der Desktopvariante OpenIndiana konnte ich leider nicht auf die Schnelle herausfinden.)

Kommen wir zur Anwendungssoftware. LibreOffice - wenig überraschend, schließlich war auch StarOffice ein deutsches Produkt - wird von der Berliner The Document Foundation (bekloppter Name) finanziert und entwickelt. Das Problem ist gelöst. Interessanter ist die Sachlage aber bei Webbrowsern:

  • Firefox? Mozilla Corp. - rate das Land.
  • Chrome/Chromium? Google. Das betrifft leider auch alle darauf aufbauenden Browser wie (neuerdings) Edge, Vivaldi, Opera usw.

Mögliche Alternativen:

  • NetSurf (anscheinend loses Projekt ohne klare Jurisdiktion, zumindest ist in den Lizenzdateien kein Projektleiter genannt)
  • K-Meleon (meines Wissens deutsch)
  • Pale Moon (der Entwickler ist ein Niederländer, der zurzeit in Schweden wohnt, allerdings ist er auch ein Lizenztroll)

In anderen Bereichen wird es schwierig, freie/offene Software zu finden, die nicht US-Gesetzen unterliegt. Vielleicht war euer Ansatz gar nicht mal so klug, vielleicht wolltet ihr „Verzicht auf nicht quelloffene Software“ sagen. Habt ihr aber nicht.

Das wäre jetzt das, was mir mehr einfällt.