Präzisierung und Vertiefung unserer Aussagen zum BGE

“Gibt es denn eine bessere heiße Herdplatte zum Drauffassen?”

Bloß, weil etwas schlecht ist, ist die erstbeste “Lösung” noch keine Verbesserung.

Was ist denn ‘etwas schlecht’ und die ‘erstbeste Lösung’ im Zusammenhang der BGE-Diskussion?
Warum gibt es eigentlich keine Initiative, die den Kostenaufwand berechnet, die die Gesetze von der Vorbereitung bis zum Beschluss für die Steuerzahler auflistet und dem ‘Ertrag’ gegenüberstellt? Ich erinnere an die tagelangen Plenardiskussionen über Gutscheine für Schülerkurse. Für die Abrechnung musste extra Personal eingestellt werden und deshalb winkten viele Kommunen dankend ab.
Dieses ganze System der ‘Zuteilung’, der Anträge, der Bezuschussung ist nicht nur ‘etwas schlecht’, es ist ungerecht, uneffektiv, absolut entgegengesetzt vom wirklichen Bedarf und steuerverschwenderisch.

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… aus ganz anderen Gründen, die man nur versteht, wenn man mit der tatsächlichen Geschichte des Kontinents vertraut ist.

Einerseits ist in der Gegend des Hinduismus das Kastendenken etabliert,
andererseits ist die Bekleidungsindustrie längst in Äthiopien angekommen. Der Profit in Afrika ist erheblich höher. Bei KiK gibt es T-Shirts für 1,99 € die die Reichen reicher machen und den Armen nicht nackt rumlaufen lassen. Der Lohn liegt unter 20,- Euro (pro Monat) von denen sie 15 Euro zurück gibt an die Vermieter der Hütte in der sie irgendwann erschöpft einschläft wenn sie eine Hütte zu dritt nutzen (eine Näht zwei schlafen) lässt sich die Miete auf 5 Euro drücken), die Produktivität einer Näherin im liegt bei 600 T-Shirts (am Tag)

… da es uns aber “noch gut geht” seid ihr emotional noch nicht bereit für die Abschaffung der Sklaverei.
Ein BGE “zu finanzieren” ist eine mathematische Möglichkeit.
“Das Geld” an sich so zu verändern, dass es das krankhafte Anhäufen von Geld und Besitz (=Messi Tum) gar nicht erst möglich macht (mit “sanften Entzug” der besonders schlimmen Fälle)
das ist die Forderung unserer Zeit. Damit überwindet der Mensch einerseits die Krise des Materialismus in seinem Geist und den ökologischen Burn Out des Planeten andererseits in seiner Umwelt.

Die Diskussion ist nett - teilweise sogar interessant - es freut mich dass ihr immer noch am Ball seid.
Vielleicht sehen wir uns ja in der Zukunft.

Was für andere Gründe sind es denn? Was ich von den Leuten vor Ort gehört habe ist das Problem das sie hatten, dass die Verfassung extrem neo liberal ist, und dass die Bevölkerung den Parteien nicht so wirklich vertraut eine bessere Verfassung zu schreiben, weswegen das von Bürgerräten gemacht werden wird. Sehr viele linke und anarchistische Bewegungen sehen sich als so dass sie größeren Einfluss haben, und auch wir Piraten machen ja bei den Bürgerräten mit wenn ich die Personen aus Chile richtig verstanden habe.

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Nach Bachelet gab es ab 2010 extrem neoliberale Politik - die Verfassung ist nicht neoliberal geworden. Piñera ist es.
Das hätte hier keinen Gemanen auf die Straße getrieben deswegen. Wenn Du an jeder Straßenecke liest, dass Du gerne dahin gehen kannst wo der Pfeffer wächst … dann nennt man das hier “Politikverdrossenheit” und - dann ist das eben so.
Doch dort unten bedeutet das, dass Deiner Politik die Legitimation durch die Bevölkerung schlicht weg fehlt.
Das stört hier keinen Menschen aber dort unten in Südamerika ist genau das
der Grund für einen Umsturz

hier ganz gut dargestellt: Lateinamerika: Chile: Verfassungsgebende Versammlung gewählt | IPG Journal

Das erste Land weltweit, in dem die verfassungsgebende Versammlung paritätisch mit Frauen und Männern besetzt ist.
Inmitten der Corona-Pandemie und noch immer hoher Infektionszahlen nimmt Chile eine neue Verfassung in Angriff. Am vergangenen Wochenende wurden in dem Andenstaat 155 Mitglieder einer Verfassungsgebenden Versammlung gewählt. In ihren Händen liegen nun die Zukunft des Landes und die Hoffnungen vieler Menschen. Der Ausgang der Wahl ist ein Erdbeben für die politische Elite des Landes. Die Bevölkerung sprach ihr Vertrauen vorwiegend jungen, progressiven und unabhängigen Newcomern aus. 103 Sitze haben Parteilose gewonnen, 78 Frauen sind vertreten und 40 Prozent der Gewählten haben ihren 40. Geburtstag noch vor sich. Die Carta Magna wird damit von einer neuen politischen Generation geschrieben.

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Viele Kandidaten traditioneller Parteien bleiben dagegen außen vor. Der große Verlierer dieser historischen Wahl sind Präsident Sebastián Piñera und sein rechtskonservatives Regierungsbündnis Chile Vamos. Es erzielte nur 20 Prozent der Stimmen und hat damit – anders als erwartet – keine Vetomacht im Konvent. Doch auch die Mitte-links-Parteien der Opposition schnitten schlecht ab. Die Ursachen sind zahlreich: Sie traten mit getrennten Wahllisten an, sie haben das Vertrauen der Bürgerinnen durch Korruption, Klientelismus und mangelnde Erneuerungsfähigkeit verspielt, sie bieten keine glaubwürdige Alternative und sie sind Teil der kleinen Elite des Landes. Nur das noch junge Bündnis Frente Amplio, das erstmals 2017 die politische Bühne betrat und aus der starken Studentenbewegung entstanden ist, konnte gute Wahlergebnisse erzielen.

vergleicht man diesen Text mit Deinem Worten: “Was ich von den Leuten vor Ort gehört habe ist das Problem das sie hatten, dass die Verfassung extrem neo liberal ist, und dass die Bevölkerung den Parteien nicht so wirklich vertraut eine bessere Verfassung zu schreiben, weswegen das von Bürgerräten gemacht werden wird.”
ich meine - was verstehst Du unter faktenbasiert?

Mit dieser Wahl wird sich die Politiklandschaft Chiles nachhaltig verändern. Die Parteien aller politischer Lager repräsentieren nur noch eine Minderheit. Lediglich zwei Prozent der Bürger identifizieren sich mit einer der Parteien. 90 Prozent sind der Meinung, dass keine Gesetze im Sinne des Gemeinwohls, sondern nur zum Vorteil der Wirtschaft verabschiedet werden. Das sind erschreckende Zahlen in einer repräsentativen Demokratie. Sie erklären neben den gravierenden sozialen Problemen und Ungerechtigkeiten in Chile die anhaltende Wut vieler Menschen, die heftigen politischen Unruhen seit Mitte 2019 und eben auch das aktuelle Wahlergebnis. Lösungen werden nicht von den etablierten Parteien erwartet, sondern von unabhängigen Volksvertreterinnen.

Ja dein Text hört sich für mich jetzt nicht nach einem Widerspruch an? Okay die Parteien sind auch neoliberal aber das ist ja Standard. Ich glaube ich habe mich wohl ein bisschen falsch ausgedrückt wenn du es anders liest.

“Steuerverschwenderisch” ist vielleicht alles andere als ein prima Argument pro BGE.

Aber:

(Quelle: Internet.)

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Ist halt einfach falsch, da es zwar an jeden ausgezahlt wird, Vergünstigungen aber bei hohen und mittleren Einkommen im 'Gegenzug wegfallen.
Sinn ist nicht eine Bereicherung aller, sondern die bedingslose Existenzsicherung aller.
Das ist ein großer Unterschied, auch finanziell.

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Und das ist in der auszugsweise bildzitierten Grafik nicht eingeflossen?

Dann probieren wir es mal mit dem kleinen 1x1:
83 Mio Bundesbürger x 1000 EUR x 3 Monate = 250 Mrd (Bild!)

Das Ding nennt sich Grundeinkommen ud nicht Spitzeneinkommen.
Überfordert aber den BiLD-Leser.

Und wie viel günstiger käme den Staat das "B"GE nach Abzug der Vergünstigungen?

Du meinst nach Abzug und Grundabsicherung?
Geschätzte 110 bis 120%.

Und da kommen wir halt schon wieder in die “Schätzungen” ohne vernünftig artikulierbare Grundlage. (Ich meine, auch die vier Milliarden für besseres Hartz IV sind brutto zu betrachten.)

Ansonsten:

Moment: Mit dem Auszahlen von Geld macht der Staat nicht “10 bis 20 Prozent Gewinn”. Die Finanzierung dieser deutlich höheren Ausgaben war nicht Teil der Grafik. Ein höheres Hartz IV müsste ja auch finanziert werden, das müsste in die Betrachtungen insofern auch einfließen, oder?

Das mit den Ausgaben und Kosten ist nun mal für Nicht-Betriebswirtschaftler schwer nachzuvollziehen und wird regelmäßig vermischt.

Fakt ist aber, dass aufgrund existentieller Not oder Angst vor existentieller Not, freiwillig oder gezwungener Weise, ökonomische Fehlentscheidungen getroffen werden.

Auch die Corona-Leistungen sind ja nicht irgendwelche Geldgeschenke, sondern sie verfolgen das Ziel per se am Ende weniger zu kosten.
Ob damit das Ziel erreicht wird und wie wie leistungsfähig sie am Ende sind, liegt an der Ausgestaltung.

Aber prinzipiell ist man sich schon einig, dass die Verhinderung von existentieller Not geringere Schäden verursacht, zur Kostenreduktion führt und volkswirtschaftlich sinnvoll ist.
Beim BGE sind dies inbesondere gesellschaftliche Mehrwerte (z.B. ehrenamtliche Tätigkeit), die positiven demographischen Wirkungen, die bessere berufliche Qualifikation, Innovationen etc.

Volkswirtschaftlicher Nutzen ist heute nicht mehr die Anzahl der Hacken x Stunden auf dem Acker, sondern die Anzahl der geernteten Kartoffeln.
Dementsprechend hat sich das Entlohnungssystem verändert und das BGE wäre ein Teil dieses Wandels, der dazu führt, dass insgesamt mehr Kartoffeln geerntet werden.

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Ein "B"GE für Menschen, die nicht in existenzieller Not sind, ist somit weniger sinnvoll als die Erhöhung (und u.U. Bürokratiesenkung) des Hartz-IV-Betrags, denn auf Erstere Geld draufzuwerfen ist zwar nett, aber nicht maßgeblich Schäden reduzierend.

Hatte ich ausführlich erläutert, dass eben erstere nicht mehr Geld haben.
Sowohl der Wegfall von steuerlichen Vergünstigungen bei den einen als auch der Wegfall der Prüfung der Anspruchsberechtigung auf der anderen Seite führt zu Entbürokratisierung und Einsparungen.

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Anscheinend hängen wir in der BGE-Diskussion immer noch in den Hartz-Seilen fest. Überlasst doch das Aushandeln von Arbeitsbedingungen und Gehältern den Gewerkschaften. Das BGE ‘sorgt’ auch für die einkommenslose Lebenszeit: als Mietkostenbeitrag, Kita-Betreuung, in der Schul- und Studienzeit, als Kreditsicherheit. Wenn z.B. statt des Kindergeldes das BGE an das Kind selbst und nicht an die Eltern ausgezahlt wird, erhält der Begriff des Kindeswohls eine völlig neue Bewertung.

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Ich weiß nicht, ob das schon man irgendwo geschrieben worden ist.

Gibt es eine belastbare Rechnung, die aufzeigt, dass ein BGE von sagen wir 1000,- Euro finanzierbar ist?

Gruß
Andi

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Ja.