Politische Bildung

Gestern Abend gab es auf Twitter dann doch noch mal eine Diskussion darüber ob die Piratenpartei links ist.
In jeder Diskussion ist es wichtig, dass man für Begriffe die gleiche Definition benutzt, sonst redet man aneinander vorbei.

Was ist politisch Links

Die Unterscheidung der politischen „Linken“ und „Rechten“ in einem Parlament geht laut zeitgenössischen Mitschriften auf die Sitzordnung der Delegierten bei der Einberufung der Generalstände und der nachfolgenden Konstituante im Übergang zur französischen Nationalversammlung zwischen 1789 und 1791 zurück.[8] Dort war der traditionell „ehrenvollere“ Sitz rechts vom Parlamentspräsidenten dem Adel vorbehalten, so dass das Bürgertum links saß.

Hier saßen die republikanischen Abgeordneten, die den Sturz der damaligen monarchisch strukturierten deutschen Fürstentümer forderten, links, während die Vertreter des Status quo sowie die Befürworter einer konstitutionellen gesamtdeutschen Monarchie rechts von ihnen Platz nahmen.

Diese klassische Definition habe ich ich für Twitter wie folgt verkürzt:

und klargestellt:

Erstaunt habe ich dann gelesen:

Ich dachte bisher, dass die Piratenpartei für

  • Gleichheit und Gleichberechtigung der Menschen steht (z.B. durch das starke Engagement im Bereich Queere Politik)
  • soziale Gerechtigkeit ( z.B. das BGE ) und Menschenwürde
  • Bildung als zentraler Baustein der Gesellschaft

wobei viele dieser Aspekte durch Digitalisierung erreicht werden können.
Vergleicht man das mit dem klassischen Politikverständnis der Linken:

Ein klassisches Politikverständnis der Linken ist geprägt von einem egalitären Menschenbild, das heißt: Sie betrachtet unter anderem die „Gleichberechtigung aller Menschen“, unabhängig von nationalen, ethnischen, geschlechtlichen und anderen Gruppenzugehörigkeiten, als anzustrebendes politisches Ziel – gemäß den Idealen der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ (liberté, égalité, fraternité) . Daraus abgeleitet wurde und wird bis heute auch eine Politik der Chancengleichheit für alle Bevölkerungsschichten und die Forderung nach gleichem Zugang zum gesellschaftlichen, gerade auch materiellen, Reichtum. Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit führte …

dann besteht glaube ich kein Zweifel daran, dass die Piratenpartei (und übrigens der Liberalismus) politisch Links sind.

Ich weiß ja nicht was andere sich unter Links vorstellen, aber es kann nicht der Politikwissenschaft entsprechen. Standen Piraten nicht auch mal für Wissenschaft und Evidenz?

Ich bin ein wenig erschüttert, dass sich fehlende politische Bildung bis in Landes- und vielleicht sogar Bundesvorstände bemerkbar macht.

Die Zitate sind der Einfachheit und Verfügbarkeit für jeden entnommen aus:

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Wenn man sie ins eindimensionale rechts/links Schema pressen will, sehe ich für mich da auch kein Zweifel. Ich mein was sollen wir sonst sein, rechts? “Mitte”?

Ich glaube viele verstehen einfach nicht, dass es neben dem rechts/links Schema auch andere Einordnungen gibt.

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Ich würde uns in die Vernunft Ecke stecken

Gruß
Andi

Ich glaube, dass bei vielen Links noch als Synonym für den alten Ostblock verankert ist.
Und natürlich ist eine Beschreibung in mehreren Dimensionen genauer.

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Journalisten, Wähler und Politikwissenschaftler haben ihre Schubladen wo sie Parteien einordnen.
Leider haben sie kein Fach für Vernunft.

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Vielleicht sollten wir einen Untertitel für unseren Parteinamen generieren.

Piratenpartei
die einzige Vernunftpartei

Wenn ich auf einem Infostand sage, ich bin in einer linken Partei, drehen sich viele um und gehen.
Einfach weil links ebenso falsch interpretiert wird wie andere Begriffe.
Wenn ich sage wir haben das BGE im Programm tun viele interessiert.
Mache ich dann also erst dass Fass “politische Bildung” auf?

Nein, ich sage dann auch wir sind eine soziale Partei, wenn es um das Thema BGE geht.
Oder eine digitale Partei wenn es um Datenschutz geht.
Und eine humane Partei wenn es um Asylt und Migration geht.

Wie woanders geschrieben, wenn heute schon “Sterben im Mittelmeer” bei den angeblichen Parteien der Mitte als normale Abschreckung diskutiert wird, dann hat es für mich eine klare Verschiebung hin nach rechts gegeben. Und somit sehe ich die Piraten eher in der jetzt freien Mitte als links.
(Selbst wenn einzelne Themen wie z.B. das BGE, oder humane Asyl/Migration als links eingeordnet werden)

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Das Geht halt in beide Richtungen. Ich kenne viele Leute die “Links” eben genau als Sozial, pro-Flüchtlingshilfe, etc. wahrnehmen. Wenn man sich dann aber wehement vom Begriff Links distanzieren will, fragen diese Leute sich warum. Und bei so manchen Beispielen in unseren Reihen, ist der Gedanke “Die sind eigentlich rechts” nicht weit. Es wirkt leider oft so, als würden wir uns pro-BGE und pro-Asyl nur als Maske aufsetzen. Erst recht dann, wenn es von diversen Mitgliedern wieder untergraben wird.

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Dies könnte an “Alterstrukturen” liegen wie es aufgenommen wird.

Das ist sehr gut möglich. Ich fände es halt wichtig, dass wir uns wenigstens innerparteilich mit Dingen beschäftigen, bevor wir einander Dinge an den Kopf werfen. Ich bezeichne mich als klar Links. Dadurch scheine ich für manche eine Stalinistische Diktatur aufbauen zu wollen. Ich fände es halt angenehm, wenn wir aufhören würden anhand von offensichtlich unklaren Begriffen Dinge zuzuschreiben, sondern uns lieber auf konkrete Dinge konzentrieren.

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Mal ein persönlicher Exkurs in 45 Jahre Politik.
Aufgewachsen in einer sehr schwarzen NRW Region warst du als Jungsozialer eine „linke Zecke“.
Kammst du dann in den Pott zum Studieren und Arbeiten war SPD normal und die Schwarzen gegen alles was Arbeiter betrifft.
Hast du dann im Studium mal mit den Liberalen geliebäugelt warst du ein Freund des Kapitals und Verräter der Arbeiterklasse.
Danach war ich 25 Jahre Wähler, und sonst nichts.

Und jetzt bin ich halt links, kann ich gut mit leben, verkaufe aber lieber Themen als ideologische Richtungen.

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Es geht erstmal um die Mitglieder der Partei

Du musst wissen wer du bist, damit du nach außen wirken kannst. Danach kannst du über die Vermarktung reden.

Es ist ein interner Streit und es geht um Definitionshoheit.

  1. Die Diskussion geht nicht darüber wo die Partei programmatisch steht. (Das steht im Programm.)
  2. Es geht um die Einordnung des Programms in ein unzureichendes Schema, und da kommt halt dann links raus.
  3. Manche Piraten gehen ab wie eine Rakete, wenn sie die Feststellung hören, dass Piraten links sein. Offenbar aus Unkenntnis darüber wie die wissenschaftliche Einordnung ist. Beseelt von der Vorstellung das links bedeutet “einen Unrechtstaat wie die DDR neu zu erschaffen”. Und genau das zeigt einen Mangel an politischer Bildung.

Das gipfelt dann in Aussagen wie, das Sozialpolitik nicht links ist, weil nur so die Piratenpartei nicht links verortet werden muss. Es werden dann ideologische und emotionale Aussagen getroffen und eine sachliche Diskussion ist nicht möglich. Dabei geht es wie gesagt gar nicht um Inhalte sondern um die politikwissenschaftliche Einordnung der Partei.

Gäbe es Flügel, dann könnte man die wie in jeder anderen Partei organisatorisch abbilden. Inhaltlich gibt es aber ein gemeinsames, “wir stehen hier”. Diskutiert wird wo dieses “hier” auf dem politischen Feld ist. Diese Diskussion ist intern und völlig nutzlos, sie schadet der Außendarstellung der Partei.

Was die Vermarktung anbetrifft

Die Label der Politikwissenschaft sind als Beschreibung unzureichend und für den Wähler nicht interessant. Der Wähler muss mit Inhalten angesprochen werden, die ihn betreffen.

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Die Piraten stehen für eine humane, menschliche Politik.
Das unterscheidet sie von rechts und links.

Und damit nimmst du deine persönliche Definition der Begriffe. Du implizierst, dass Links nicht human sein kann. Genau da haben wir das vorhin genannte Problem. Für dich scheint Links etwas völlig anderes zu bedeuten als für mich.

Deswegen müssen wir klar darüber reden was wir meinen, wenn wir diese Begriffe verwenden.

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Wäre eine Idee mal aggressiv für eine Vorbereitete Vorstellung von Politischen Bildung in der Basis Werbung zu machen?

Gibt ja ne AG dazu. Die vielleicht mal anhauen.

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Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, die zeigen, dass Links und Rechts nicht human waren.
Es ist somit nicht meine Definition, sondern die logische Folge von Ideologien, die ihre Vorgangsweise über den Humanismus gestellt haben.
Dies beschreibt auch das grundlegende Problem von Links und Rechts.
Sie behaupten zwar stets der andere sei das Übel, gleichzeitig haben sie aber das gleiche Übel auf ihrer eigenen extremen Seite.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass dein Beitrag off Topic ist und du eine andere Definition für rechts und links benutzt als die oben vorgestellte. Das ist klassisches Derailing und hilft dem Thread nicht.

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Genauso gibt es diverse Beispiele in denen die “Mitte” Faschisten an die Macht gelassen hat oder selbst absolut inhumane Dinge getan hat.

Ist deswegen jeder, der sich selbst als Mitte sieht ein Steigbügelhalter der Faschos oder selbst Menschenfeind?`

Ich verstehe den Impuls, Links als “Sowjetunion” zu sehen. Aber das vernachlässigt halt, die Existenz von Ländern wie Portugal, die gerade von einer Linken Koalition regiert werden, ohne zur Diktatur zu werden. Genau deswegen muss man eben klar sagen, was man selbst als Links wahrnimmt.

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Wie schon gesagt, ich kann gut damit leben wenn die Themen der Partei letztendlich als Links eingeordnet werden. Und da ich zu dem Programm stehe, stehe ich auch dazu.

Die nächste Frage wäre, da es sich ja um eine wissenschaftliche Einschätzung handelt, müssen die ewig Bestand haben?

" Ohne die Renaissance einer Kultur des Kompromisses drohen destruktive Polarisierungen – die längst nicht mehr mit rechts oder links zu beschreiben sind. "
(siehe meinen Beitrag oben)

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