Politik die wir vertreten (können) oder des Volkes Wille?

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nachdem ja grad wieder mal fleissig auf Twitter diskutiert wird :frowning: (sorry, es gibt Dinge, die kann ich einfach nicht unerwiedert stehen lassen) stelle ich hier mal die Frage, die "draussen eigentlich so garnicht hingehört:

  • Wollt ihr Politik, die ihr persönlich vertreten könnt, auch wenn wir dabei vielleicht nicht aus dem Umfragetief kommen?
  • Wollt ihr in der Politikausrichtung “des Volkes Wille” deutlich stärker beachten, auch wenn ihr dann hinter den Ansätzen vielleicht nicht mehr (100%ig) stehen könnt?

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Mir ist bewußt, das es da gefühlt tausend Zwischennuancen gibt, entschuldigt, das ich es auf diese beiden Punkte “vereinfacht habe”

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Danke, eine interessante Fragestellung. Ich habe mcih hier für die 2 Option entschieden.
Einfach weil ich mir bewusst bin, das ich selbst nicht alles was in unserem Programm drin steht zu 100% gut heiße.

Ich finde die PIRATEN Toll, ich kann mir keine andere politische Heimat vorstellen. Und doch gitb es Punkte bei denen ich eben persönlich nciht zu 100% derselben Meinung bin.

Das heißt nicht das ich diese nicht vertreten kann als PIRAT und Vorstand, nur nehme ich mir heraus das ich manches in der Art wie es im Programm steht persönlich nicht zu 100% gut finde :wink:

Und ich kenne viele PIRATEN die einige Punkte unseres Programms rund weg ablehnen. Und dennoch sind diese dabei und aktiv.

Politik ist nun mal ein langwieriges Geschäft und auf Kompromisse ausgelegt.

Wählerstimmen gewinnen bedeutet aber auch, Kapazitäten für die kleineren Nischenthemen zu schaffen. Die man dann auch weiter bearbeiten kann.

Es gibt nicht “des Volkes Wille”. Es gibt Einzelwillen, Mehrheitswillen und Kompromisse. Die Demokratie in diesem Land ist bewusst darauf aufgebaut, dass auch Minderneitswillen über kleine Parteien mit einbezogen wird. Auch wenn man in den Parlamenten durch die typischen Abstimmungen Koalition gegen Oppisition das nicht direkt merkt, in den Ausschüssen und auch in den Fluren fliesst durchaus etwas von den Minderheitsvertretern ein.

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Viele Piraten Themen sind ja ersteinmal sehr intellektuell oder gar technisch/wissenschaftlich angelegt, Datenschutz, IT Themen und so weiter und so fort.

Damit allein wird man eben den Großteil der Bevölkerung welcher sich dafür nicht interessiert und dies auch meist kaum versteht nicht erreichen können. Somit dann auch keine Annäherung an die 5% Hürde und folglich auch nicht die Macht auch nur irgendetwas zu ändern.

Die Idee eines “Volkswillens” halte ich aber für Humbug, PEGIDA und die Corona Leugner schreien ja auch “Wir sind das Volk” obwohl die Mehrheit des Volkes dies ablehnt. Die CDU will genauso das “Volk” vertreten wie die Linkspartei, die Programmpunkte könnten aber nicht unterschiedlicher sein.

Das “Volk” ist zersplittert in viele teils sehr antagonistische Lager und Interessensgruppen. Alle davon gleichzeitig anzusprechen ist daher schwierig und meist auch nicht sinnvoll. Pedigisten als Wähler und Mitglieder gewinnen, das will wohl kaum einer von uns…

Dennoch gibt es ja Themen die sehr breiten Rückhalt finden. Die Käuflichkeit der Politik durch Lobbyisten stößt in der Bevölkerung wohl nirgends auf große Begeisterung. Mit der Forderung nach umfassend mehr Transparenz und Politischen Mitbestimmungsmöglichkeiten könnte man viele Gewinnen. Vom strammen Sozialisten bis zum Konservativen gäbe es wohl viele die mehr Transparenz in der Politik durchaus wünschenswert finden. Und dieses Thema wird ja derzeit von keiner Partei so wirklich bearbeitet, am allerwenigsten von den etablierten.

Transparenz und mehr Basisdemokratie sind von vielen gewünscht und es wird derzeit von keiner Partei glaubwürdig angeboten. Also eine Marktlücke die man durchaus ausnutzen könnte wenn entsprechendes “Mitmach” Marketing vertrieben wird. BGE könnte dann ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sein da dies bisher im Parteienspektrum nicht zur Wahl steht.

Es geht also nicht primär darum das anzubieten was das “Volk” will sondern eher das was teile des Volkes wollen aber bisher noch von keiner anderen Partei angeboten wird.

Thema Mindestlohn brauchen wir z.B. kaum aufgreifen, wer das will wählt ja ohnehin schon SPD oder DIE LINKE. Es gilt also die Lücken zu finden welche von den etablierten Parteien komplett vernachlässigt werden und genau dort dann zum Angriff über zu gehen.

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Ich engagiere mich politisch, weil ich die Welt so verändern möchte wie ich sie mir wünsche. Nicht so wie es andere vielleicht gerne hätten. Eine Partei vertritt erstmal die Interessen der Mitglieder und nicht der Gesamtbevölkerung. Sehe daher wenig Sinn darin sich quasi die Durchschnittsmeinung anzueignen.

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es kommt darauf an, wie eng man seine eigene Meinung sieht. Und wen man repräsentieren will. Ich schätze es gibt etwa 5-15 Prozent der Bevölkerung, die die meisten unserer Werte teilen könnten. Die möchte ich abholen. Die anderen nicht so, dafür müsste ich mich zu stark verbiegen. Sonst enden wir wie die Grünen, und die haben wir schon

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Da ich kein Parteimitglied bin, stimme ich nicht ab. Aber vielleicht interessiert der einen oder anderen Person was meine Meinung dazu ist.

Ich denke, dass Politik oft falsch verstanden wird. Etwas, dass nie allen recht gemacht werden kann, weshalb man es gar nicht erst versuchen sollte und lieber bei den eigenen Vorlieben bleibt. Aber das führt zu Machtkämpfen, faulen Kompromissen und niemanden, der irgendwie zufrieden ist. Gleichzeitig leugnet man die Möglichkeit, dass es Lösungen gibt, die alle einigermaßen zufrieden stellen können.

Für mich stellt sich viel weniger die Frage, für wen Politik gemacht werden soll, sondern wie man die verschiedenen Interessen analysiert und gesamtgesellschaftliche Lösungen findet. Niemand hat etwas gewonnen, wenn einzelne Interesse ignoriert werden (mit Ausnahme gesellschaftlich schädlicher Interessen). Der Fokus muss dabei aber auch auf dem Menschen und andere Lebewesen liegen und nicht auf abstrakte Gebilde wie “Wirtschaft” oder “Geld”. Wirtschaft und Geld kann ohne Menschen nicht existieren, andersherum hingegen schon.

Der Knackpunkt liegt aber in der Analyse. So verschieden die Menschen auch sind, sie alle haben recht ähnliche Grundbedürfnisse. Das Eine bisschen mehr, das Andere bisschen weniger. Die meisten Probleme entstehen, wenn die Grundbedürfnisse unzureichend befriedigt sind. Daraus entsteht dann Neid und Wut gegen Dinge, gegen die man im tiefsten Inneren gar nicht in der Form ist, wie man es zeigt und fühlt.
Ich denke beispielsweise nach wie vor, dass der rechte Rand nicht so viel gegen Ausländer zu sagen hätten, wenn die Sozialpolitik nicht so versagt hätte und das Dogma der Arbeit nicht so tief in der Gesellschaft verwurzelt wäre. Man kann also Probleme lösen, indem man die eigentlichen Ursachen löst und nicht die Symptome behandelt. Das ist zwar theoretisch jeder Person bekannt, aber wer denkt aktiv daran und analysiert es frei von Emotionen? Das sind leider zu wenige Leute.

Ich denke die Piraten sind schon am nächsten an diesem Ideal dran, grundlegende Probleme richtig zu finden und nach den richtigen Lösungen zu suchen. Oft habe ich aber auch den Eindruck, dass der Ansatz vielen gar nicht so bewusst ist. Dass auch der rechte Rand dadurch verschwinden kann, ohne dass man piratische Werte verraten muss oder verweichlichte Politik betreibt. Ganz im Gegenteil, es ist eine zielgerichtete Politik notwendig.

Wer nur die Politik der 5-15% machen will, wird seine eigenen Werte nur selten vertreten sehen und für Konkurenzdenken sorgen.

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Was Alex sagt. Klar ist es auch wichtig Stimmen zu gewinnen, aber wenn meine eigenen Interessen untergehen, weil wir versuchen eine größere Masse anzusprechen erscheint das mir auch irgendwie sinnlos.

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Die Grundsätzlichen Themen der Piratenpartei sind ja ohnehin gut geeignet eine größere Menge an Wählern zu erreichen. Da gäbe es keinen Grund zusätzliche Themen aufzunehmen die nicht zur bisherigen Identität passen nur um Wähler zu gewinnen. Das würde vermutlich ohnehin nicht funktionieren.

Die Kernthemen Transparenz, mehr Demokratie usw müssten dazu lediglich besser vermarktet werden als bisher.

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Der Auftrag des Grundgesetzes an Parteien (und ihre Daseinsberechtigung) ist an der Meinungsbildung mitzuwirken.
Das Bildung in Meinungsbildung meint sowohl, dass man Probleme und Lösungsvorschläge so erklärt, dass jeder Interessierte sie verstehen kann und es meint auch das man für die Erkenntnisse die man gewonnen hat wirbt und versucht damit eine Mehrheit zu erreichen.
Entspricht eine Partei halbwegs einer Repräsentation des Volks, dann wird in der Regel die innerparteilich gefundene Lösung den “Willes des Volks” entsprechen.

Ohne Meinungsbildung gibt es keinen “Willen des Volkes” allenfalls Stimmungen.

Schaffst du es z.B. einen Bürger einen Wahl-o-mat ausfüllen zu lassen, so wird er fast immer die Piratenpartei unter seinen besten Treffern haben. Weil die Piratenpartei den größten Teil des Programms zu einem Zeitpunkt maximaler Größe erstellt hat und es daher sehr weitgehend dem entspricht was “ein normaler Bürger so denkt”.

Die Leute wählen aber aus völlig vernunftswidrigen Gründen was anderes.

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Wir haben in unserem Programm eigentlich für die Mehrheit der Bevölkerung passende Themen und Antworten.

Es ist also nicht eine Frage, ob wir uns noch mehr der Mehrheit annähern müssten, sondern eher eine Frage, welche Themen aus unserem Programm sind für möglichst viele Wähler wichtig und wie kommunizieren wir diese Themen, so dass genügend uns wählen.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung wird kein Wahlprogramm lesen. Sie werden nur auf die plakativ nach außen gerichteten Themen reagieren. Schafft es eine Partei Themen auszuwählen, die ihnen unter den Nägel brennen, werden sie gewählt.

Aber nur die richtigen Themen auswählen reicht nicht. Wir müssen es auch schaffen, diese so plakativ wie irgend möglich darzustellen.

Für eine erfolgreiche Wahl sollten wir uns genau darauf konzentrieren. Wie schaffen wir es, die Aufmerksamkeit der Wähler zu erreichen? Welches Grundbedürfnis können wir mit unserer Werbung ansprechen?

Vielleicht sollten wir uns mal ein wenig in der Werbeindustrie umschauen, wie dort erfolgreiche Werbekampagnen durchgeführt werden.

Ich sage nur Benetton oder Seitenbacher und Carglas.

Mit einer guten Werbung für unsere Themen brauchen wir uns nicht zu verbiegen.

Gruß
Andi

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Ohne Informationen über die Diskussion auf Twitter hört sich das wie ein falscher Dualismus an, denn das Programm der Piraten ist doch bis auf ein paar außenpolitische Sachen, die so gut wie nie erwähnt werden und folglich irrelevant scheinen, ziemlich zahm? Somit ist die Popularität nur eine Frage des Überzeugens der Wähler, nicht der fundamentalen Ausrichtung.

Habe letztens mit einem Sozialisten diskutiert, der für die Aufhebung des Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnisses eintritt. An sowas würde ich beim Threadanfang denken, da es definitiv nicht der überwiegenden Mehrheit des Wählerwillenn entspricht, aber solche und ähnlich radikale Einstellungen sind ja allein schon durch die FDGO verboten.

Ich finde “DIE PARTEI” macht das sehr gut, deren Plakate sorgen immer für sehr viel Aufmerksamkeit. Nur wird DIE PARTEI dann eben nicht gewählt weil Sie kein Programm und Inhalte haben.

Aber provokative Plakate in dem Format und das eben mit echten politischen Inhalten… Als kleine Partei muss man provozieren um wahrgenommen zu werden.

Das Problem bei “DIE PARTEI” ist, dass man anhand der Plakate nicht genau erkennt, was sie eigentlich ausdrücken wollen. Das gute an Kunst ist die Interpretationsfreiheit, aber hier ist das gleichzeitig auch kontraproduktiv. Vielleicht kann man sich daran inspirieren lassen, aber es sollte am Ende schon eindeutig verständlich bleiben - zumindest für nicht-“DIE PARTEI”-Parteien.

Auf nem Plakat passt ja sowieso kein Programm oder komplexe aussagen drauf. Und Plakate wie “Wir für Deutschland”, “Für ein Land in dem wir gut und gerne Leben” usw etc sind doch für den PoPo. Wenn man sieht was SPD/CDU so an slogans bringen, Inhaltslos ist da doch noch völlig untertrieben…

“Traue keinem Wahlplakat informiere dich selbst” “Transparenz statt Korruption” usw fand ich da immer noch mit am besten.

Dem Wähler net so eine 0815 Blafasel Vorlage in den Mund legen sondern zum selbst interpretieren und Denken anregen. Klar, die meisten sind dafür zu doof aber die die es nicht sind und wenn es nur 10-20% sind kann man so eher gewinnen als mit inhaltslosen Floskeln und das ist doch viel eher die Piratenpartei Zielgruppe als die Dumpfe Masse. Oder sehe ich das falsch ?

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Ja, weil du mich missverstanden hast. Manche Plakate von “DIE PARTEI” waren auch im sarkastischen Sinne zweideutig, bei denen ich mich manchmal fragte “wollen die nun A oder B?”. Von inhaltslosen oder langweiligen 0815 Plakaten sprach ich nicht, die will niemand.

Ein Beispiel für “DIE PARTEI”-Plakat, dass man völlig missverstehen kann:

Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben.

Wollen die, dass die Strafe nicht erhöht wird? Ok, vermutlich ist es Satire, also wollen sie die Strafe erhöhen? Wollen sie aussagen, dass es zu viele Schwarzfahrer gibt und man etwas tun muss, oder dass das Problem so gering ist, weshalb sie nicht verstehen, wieso die restliche Politik einen Fokus drauf wirft? Oder wollen sie sogar gratis ÖPNV, womit Schwarzfahren nicht mehr möglich ist, bzw alle quasi zu legalen Schwarzfahrern werden, weil es dann keine gültigen Tickets mehr gibt (und braucht)? Man kann einfach zu viel hinein interpretieren und das in völlig gegensätzliche Richtungen. :wink:

Nur mal so herumgesponnen.

“Ohne die Piraten wirst du überwacht” (1)
“Ohne Piraten bekommst du dein Hartz4 gekürzt” (2)
“Ohne Piraten landest du im Gefängnis” (3)
“Ohne Piraten weißt du nie, wer die Politiker bezahlt”(4)

(1) Schluss mit der anlaßlosen Überwachung der Bürger.
(2) Schluss mit den Sanktionen und Kürzungen bei Harz4
(3) Cannabis Legalisierung jetzt
(4) Offenlegung aller Nebeneinkünfte von Politiker und eine Registrierung für alle Lobbyisten

(Bitte sich nicht an den Beispielen abarbeiten, es war jetzt nur, was mir spontan eingefallen ist.)

In diesem Stil könnte man das ganze Programm aufarbeiten. Und solche plakativen Aussagen bringen mehr Aufmerksamkeit, als wenn man die Forderungen als Aussage auf die Plakate schreiben würde. Diese könnten dann als Text unter den “Ohne Piraten…” Aussagen stehen.

Gruß
Andi

Kurz und knapp:

Gemalte Pappschilder sind kein Beipackzettel.

Sowas in der Art u.a auch als Memes aufarbeiten. Könnte man gut über Social Media streuen. Knallbunt so das es ins Auge springt und dann mit solchen oder ähnlichen Aussagen.

Die Leute wählen sehr wohl ‘vernünftig’. Sie wollen zu den Gewinnern gehören und wählen ‘taktisch’. Eigentlich gehört der Wahlkampf als Mittel zur politischen Meinungsbildung verboten. Zur parlamentarischen Demokratie braucht es eine starke Opposition und wechselnde Mehrheiten. Wie ist es möglich, dass die CDU/CSU mit ihrem ganzen Ministerpersonal immer noch meint, die ‘geborene’ Regierungspartei zu sein?