Piratige Social Media Posts anhand der Coronademo-Verbotsdiskussion

Es wurde ja desöfteren von (meistens immer denselben) Personen hier im Forum bemängelt, dass die Piraten zu wenig sichtbar sind, bzw. zu mehr oder weniger wichtigen Themen nichts sagen. In einem anderen Thread wurde erklärt warum:

Continuing the discussion from Umfrage: Verbot von Corona Demo, Ja oder Nein?:

Nun sehe ich das nicht so, denn es wäre möglicherweise gratis Marketing gewesen und so oder so eine Gelegenheit, um sozusagen den Grundgesetz-Fundamentalismus der Piraten darzustellen. (Nicht, dass meine Meinung relevant wäre, aber ich finde das Thema interessant und schreibe dies auf meinem zweiten Bildschirm, während ich etwas anschaue).


Vorschlag:

Grundrechte auch für Clowns: Piraten lehnen ein Verbot der Corona-Demo entschieden ab, da die Regierung immer kritisiert werden können muss. Auf die Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen muss jedoch streng geachtet werden.


Mögliche Gegenreden:

Aber das sind doch Nazis!

Sicherlich sind da Nazis dabei, aber sofern sie keine verfassungsfeindliche Symbole zeigen oder sich sonstwie nazimäßig äußern, kann man halt nichts machen. Gesinnungsschnüffelei ist in Deutschland zu Recht verboten.

Ihr seid Nazis!

Lol, nein.

Was das den Steuerzahler wieder kostet!

Nicht mehr als die Fußball-Hooligans, die sonst seit Jahrzehnten regelmäßig auf Kosten des Steuerzahlers die Polizei beansprucht haben.

Aber Corona wird sich verbreiten!

Deswegen ist ja die Polizei da, um auf die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen zu achten. Mehr kann man doch nicht machen.

[Sonstiges mimimi]

Wahrscheinlich irrelevant und kann man ignorieren. Don’t feed the trolls.


Was bringt das?

Anno dazumal, als der Lucke von den Linken in der Hamburger Uni gemobbt wurde, hat ein Pirat namens Thomas Ney getwittert, dass Meinungsfreiheit wichtig sei und die Linken Nazimethoden benutzt hätten. Nun kann man zu Ney und seinem Tweet sagen, was man will, aber er ist damit in einen Spiegel-Artikel gekommen als ein Pol der Meinungsfreiheit, auf der anderen Seite war glaub Lars Klingbeil(?), der Lucke am liebsten verboten hätte (?).

Kritik an Thomas Ney und seinem Tweet wurde eindeutig geäußert in einem Artikel von “Neues Deutschland”(?). Nun kann jeder für sich Abwägen, ob eine Erwähnung als Garant der Meinungsfreiheit im Spiegel-Magazin wichtiger ist als Kloppe von “Neues Deutschland” zu bekommen.

Apropos Kloppe, die wird es immer geben und das ist auch gut, denn es ist der sichere Weg zu mehr Sichtbarkeit. Die Algorithmen der sog. Sozialen Medien sind darauf ausgerichtet, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Deswegen sind kontroverse Posts erfolgreicher, als brave Statements. Das ist auch ein Grund, warum Verschwörungstheorien in den sog. Sozialen Medien so populär sind. Es gibt Heerscharen von Berufsempörten, die muss man sich für gratis Marketing entspannt zu Nutze machen, statt Angst vor negativen Kommentaren zu haben und womöglich gar auf jeden einzelnen zu Antworten.

Für mich ist dann eher die Frage: was bringt es, nichts zu posten? Ein Interessent würde vielleicht auf den Piratentwitter schauen und suchen, ob irgendwas dazu gesagt wurde. Statt dessen findet er wahrscheinlich retweets von irgendeiner AG oder dem Kreisverband Hintertupfingen (no offense). Wer profitiert?

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Du willst also Mitglieder rekrutieren indem wir rechte Demos verteidigen. Dir ist doch klar wen du damit anlockst. Mit solchen “Die Piraten sind zu links”-Menschen haben wir doch schon genug Zank in der Partei.

Ich finds auch immer schön entlarvend, dass wir die Grundrechte ausgerechnet für Rechte, Rechtsextreme und solche die mit denen kein Problem haben verteidigen sollen. Warum haben wir die Diskussion nicht zu Hanau geführt? Warum haben wir die Diskussion nicht zu G20 geführt? Warum haben wir die Diskussion nicht zur CM Nürnberg geführt? Ein Schelm wer böses denkt…

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Stell dir vor, die Piraten wären an der Regierung und hätten die Demo verboten, aber (wie in Berlin geschehen) ein Gericht hätte die Demo wieder erlaubt. Wäre das nicht ein Debakel für die Piraten? Schreiben sich denn die Piraten nicht Rechtsstaatlichkeit auf die Fahne? Oder fischen Gerichte in braunen Gewässer, um rechte Unterstützer zu finden und der Vorstoß der Piraten hätte Anklang in der Bevölkerung gefunden, weil sie’s immerhin versucht hätten? Wie macht das Sinn?

Ähm, wie wärs mit “alle”?

kA, warum ihr die Diskussionen nicht geführt habt. Zu Hanau hab ich hier im Forum einen detaillierten Beitrag geschrieben.

Es gibt Themen da kann man sich positionieren weil es eine “sachlich und fachlich richtige Wahl gibt” und es gibt Themen wo man die Wahl zwischen zwei “falschen” Möglichkeiten hat.

Im zweiten Fall gilt:
grafik

Das gilt fast immer bei Fragen der Abwägung zwischen Grundrechten. Weil man logischerweise immer ein Grundrecht dabei einschränkt.

COVID-19 ist eine sehr problematische Krankheit. Viele der angeblich geheilten benötigen monatelang Reha, erleiden Langzeitschäden die möglicherweise permanent sind und in den Risikogruppen sterben sie massenweise.

Deutschland hat nicht am frühesten reagiert und auch nicht am härtesten, aber es war vermutlich “rechtzeitig” und “hart genug”.
Es kommt bis jetzt etwa 1 Erkrankter auf 330 Leute und ein Toter auf 8300. Daher kennen viele keinen der erkrankt ist und erst recht niemand der daran gestorben ist. Da es große Regionale Unterschiede gibt sind die Verhältnisse z.B. in MV noch viel weiter auseinander.

Schweden hat bis jetzt 3 * mehr Erkrankte und 5* mehr Tote als Deutschland im normierten Vergleich.
In Schweden hat jeder selber entschieden wohin er geht und ob er Maske trägt oder nicht.


(Darstellung etwas vereinfacht)

Da man 5-6 Tage lang Virenschleuder ist ohne Symptome zu haben, kann der rücksichtsvolle Mensch nicht rechtzeitig eine Maske aufsetzen, wenn er merkt, dass er krank ist. Es hilft also nur wenn möglichst jeder, präventiv Mund-Nase-Bedeckung trägt. Wer nicht mitmacht ist rücksichtslos und gefährdet Andere.
Diszipliniertes Verhalten hat Deutschland (im Vergleich zu Schweden) etwa 400.000 Kranke und 38.000 Tote verhindert.
Über all diese Tatsachen kann man aufklären, ob man damit die potentiellen Demonstranten erreicht und umstimmen kann bezweifele ich.
Das außerdem die Demo auch von rechtsextremen unterwandert oder dominiert wird, macht es natürlich nicht einfacher.

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Es gibt sicherlich viele solcher Themen, aber wenn ein solches Thema von außeordentlicher, öffentlicher Relevanz ist, finde ich es äußerst unklug und zudem feige, sich davor zu verstecken. Wie können denn sonst Wähler und Interessenten wissen, was die Piraten in einer Regierung tun würden? “Sollen sie halt im Programm nachschauen”?

Nun geht dieser Thread nicht um Corona und ich gar nicht erst anfangen mit den stark steigenden Fallzahlen in Frankreich und Spanien, die zur Prävention erneute Grenzschließungen fordern würden (wie sie Orbán vor ein paar Tagen veranlasste); Fällen von Reinfektionen, die möglicherweise darauf hindeuten, dass es keinen effektiven Impfstoff geben könnte; dass bei den BLM-Protesten Corona irrelevant schien; dass selbst in stark gebeutelten Ländern wie Belgien die Gesellschaft nicht gelähmt oder gar kollabiert ist; etc. pp.

Nehmen wir doch für dich ein viel harmloseres Beispiel und sage mir doch bitte, ob da der winning move auch not to play ist: vor ein-zwei Jahren hat Boris Palmer in Tübingen aus technischen Gründen - weil Parkplätze in der Innenstadt umgebaut wurden oder so, meine ich - einen kostenlosen-ÖPNV-Samstag eingeführt. mWn sind die Umbauten fertig, aber er hat den “fahrscheinfreien Samstag” beibehalten.

Im Lichte dessen, dass die Piraten kostenlosen ÖPNV fordern und die NRW-Piraten anno dazumal mit erheblicher Mühe und Ressourcen fahrscheinfrei.de erstellt haben, würde man doch meinen, dass die Piraten Palmer zu jener Entscheidung eines fahrscheinfreien Samstags gratulieren würden, jedoch mit dem Hinweis, dass jeder Tag fahrscheinfrei sein sollte, oder? Statt dessen ist - wie so oft - nichts geschehen. War das the winning move?

Es geht ja gar nicht mal darum ob man jetzt für oder gegen das Verbot einer konkreten Demo ist. Für mich steht viel mehr im Raum ob man es endlich mal schafft sich klar gegen eine zunehmend faschistisch agierende Bewegung von irren Verschwörungstheorethikern auszusprechen und klar stellt das diese eben nicht für die Bürger und Freiheitsrechte eintreten für welche die Piratenpartei kämpft.

Ich finde es da eben befremdlich das man tatenlos zusieht wie die Kernthemen öffentlichkeitswirksam von irrsinnigen und Extremisten gekapert werden ohne klar Stellung zu beziehen.

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Jedes Mitglied kann einen Entwurf für eine Stellungnahme oder für einen Blogpost auf der Bundeswebseite bei der Bundespresse einreichen.
Die Freiwilligen dort würden helfen, den Text zu lektorieren und den nötigen Formalkram in die Wege leiten und dann die freigabeberechtigeten Bundesvorstände um die 2 benötigten Freigaben bitten.
Eventuell würde ein BuVo ein Veto gegen die Veröffentlichung aussprechen, was gelegentlich passiert.

Die Bundespresse ist für jeden eingereichten Beitrag dankbar.

Nein - will er nicht. Wenn man sich an @arcsaber 's Argumentationslinie stringent langhangeln würde, wird das auch klar. Richtig ist, dass die meisten Leute aufgrund ihrer totalen Verblendung in die eine oder andere Richtung nicht schaffen werden. Hier bräuchte es entweder Psychologen oder Dompteure (sorry…), um @arcsaber Botschaft an den Mann/die Frau zu bringen.

Tun das die PIRATEN? Nach meiner Wahrnehmung nicht.
Es muss in der Tat primär NUR um die Verteidigung der Grundrechte gehen - völlig unabhängig davon, wer sie für sich in Anspruch nehmen will. Ich sage das, obwohl ich durchaus Verständnis für die Entscheidung der Berliner Verwaltung hatte, die Demo zu verbieten (@arcsaber: vielleicht ist deine Behauptung, PIRATEN hätten ein solches Verbot GEFORDERT, ein bisschen harsch formuliert.)
Mein Zustimmung zu dem Verbot ergab sich einfach aus der Tatsache, dass die Leute, die dort demonstriert haben, schon im Vorfeld verlauten ließen, sie würden sich einen Dreck um die Corona-Regeln scheren.

Die wurde geführt. Blättere mal zurück.

Yep. Es bleibt die Frage - was wäre KLUG? Wir schaffen es ja aufgrund sehr unterschiedlicher Denkansätze nicht einmal in diesem Forum, eine Position zu formulieren, die zielführend im Sinne der Wahrung der Grundrechte UND allgemein verständlich wäre. Ich behaupte sogar, eine solche Position gibt es nicht. Man erreicht immer nur den einen oder anderen Teil des Publikums; je nach Position. Trotzdem - nichts zu sagen ist auch keine Lösung, weil man damit niemanden anspricht. Insofern wäre @arcsaber 's Argumention schon ein guter Ansatz gewesen. Jetzt aber - game over.

@Fulleren zum Thema Bundespresse: Stimmt prinzipiell. Ich würde mich sogar als Nichtmitglied daran beteiligen, Texte im Sinne des letzten Posts von @CraWler zu “verschönern”.
Unprinzipiell liegen die Hemmnisse, einen Text zu veröffentlichen nicht NUR beim Bundesvorstand, sondern auch beim Bundespresseteam selbst. Zum einen fehlen schlicht die Leute, zum anderen werden Texte verhindert, weil sie den persönlichen Geschmack von Leuten, die was zu sagen haben, nicht treffen. Und oft genug geschieht das auf subtile Weise. Beliebt war u.a. immer wieder der Ansatz zu warten, bis “game over”.
Die Niedersachsen um @Thomas_Ganskow zeigen immer wieder, wie’s besser funktioniert.

Das Team der Bundespresse hat sich sehr verändert, seit du zuletzt da warst.
Beim derzeitigen 0 Input gibt es auch kaum Verzögerungen :slight_smile:

Naja ich würde sagen es bräuchte “Politiker”, die für die Position “argumentieren”. Der Fluch der deutschen Piraten scheint zu sein, dass sie anno dazumal gehyped wurden und ohne größeres Zutun haufenweise Mitglieder bekommen haben. Darauf scheinen die Piraten noch heute zu spekulieren, statt alles dafür zu tun, den Menschen die Piratenpolitik näher zu bringen. Es wird dem esoterischen Programmfetischismus gefrönt und mit braver ÖA versucht “good boy points” zu sammeln, die man dann meint gegen Wählerstimmen eintauschen zu können.

Die Uploadfilterproteste vor zwei Jahren waren ein solcher unerwarteter Segen. Der Effekt scheint schnell verpufft zu sein, weil statt etwas Neues und Besseres zu erschaffen, sich die Parteioberen in ihren eingeschlagenen Kursen bestärkt fühlten, die jedoch zuvor die Partei zu 0,x% Ergebnissen führten.

Das einzig Psychologische, welches hier gebraucht wird, ist, auf den sog. Sozialen Medien zwischen wahrhaftigen Diskussionen mit Argumenten und “Diskussionen” mit Berufsempörten und Fundamentalnörglern zu unterscheiden, die verschwendete Zeit und Mühe sind. Die Berufsempörten und Fundamentalnörgler sind, wie gesagt, nützlich, um einen Sichtbarkeitsboost zu bekommen, mehr aber nicht.

Das ist richtig. So lange die Positionen nicht widersprüchlich sind, ist das sogar von Vorteil, denn mit breitgefächerten Positionen erreicht man ein breitgefächertes Publikum. Wenn man aber z.B. den Anspruch hat, “linker als die Linkspartei” zu sein, ist das natürlich arg einschränkend.

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Währenddessen bei den tschechischen Piraten:

Die Beziehungen zwischen Prag und China erlitten im vergangenen Oktober einen Schlag, als das Prager Rathaus, das von einem Bürgermeister der Anti-Establishment Piratenpartei geleitet wird, sich aus einem Partnerschaftsabkommen mit Peking zurückzog, wegen Pekings Beharrens auf der Ein-China-Politik.

Der Prager Bürgermeister Zdenek Hrib, der der Delegation von Vystrcil angehörte, unterzeichnete dann im Januar ein Partnerschaftsabkommen mit Taipeh, was in Peking Empörung auslöste.

Was zur Folge hatte:

Im Gespräch mit deutschen Reportern ging [der chinesische Außenminister] Wang auf den Präsidenten des tschechischen Senats, Milos Vystrcil, los, der mit einer Delegation nach Taiwan gereist war, das China als Teil seines Territoriums betrachtet. Vystrcil würde “einen hohen Preis zahlen”, drohte Wang und schäumte, der “Verrat” des Tschechen mache ihn “zu einem Feind von 1,4 Milliarden Chinesen”.

Daraufhin reagierte der deutsche Außenminister Heiko Maas prompt. Auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz neben Wang erinnerte Maas seinen Besucher daran, dass “wir als Europäer eng zusammenarbeiten” und Respekt verlangen und dass “Drohungen hier nicht hineinpassen”. Die EU werde nicht zum “Spielball” der chinesisch-amerikanischen Rivalität, fügte er hinzu. Kollegen aus Frankreich, der Slowakei und anderen europäischen Ländern unterstützten ihn schnell.

In der ritualisierten Welt des diplomatischen Jargons signalisierte dieser Moment nicht nur einen neuen europäischen Ton, sondern auch eine neue Richtung. Jahrelang taten viele europäische Länder, allen voran Deutschland, aus kommerziellen Gründen ihr Bestes, um wegzuschauen, da China die Menschenrechte verletzte, die offenen Märkte Europas ausnutzte und einige seiner asiatischen Nachbarn schikanierte. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Einmal mit Profis…

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Das gekoppelt mit der Tatsache, dass es ein gutes Programm gab, aber keine funktionierende Verwaltung und keine Strukturen um neu Mitglieder an die politische Arbeit heranzuführen bzw. einzubinden.
Die Strukturen gibt es immer noch nicht und deshalb funktioniert die programatische Arbeit nach wie vor nicht und es gibt keine Grundlage zu aktuellen Themen eine “Position zu beziehen”.
Dazu gibt es seit 10+ Jahren Vorstände die dies nicht als ihre Aufgabe ansehen und ständig versuchen bereits funktionierende Bereiche neu zu strukturieren als die echten Probleme anzugehen.