Piraten und die Wähler

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Hallo liebe Piraten und Interessenten,

ich wähle seit 2013 die Piratenpartei, bin aber nie dazugekommen mit Mitgliedern persönlich zu kommunizieren. Aber es gibt ein immer größer werdendes Bedürfnis danach. Mein Anliegen wird etwas umfangreicher, also machts euch gemütlich beim lesen. :wink:

Ich sehe die politische Landschaft aktuell als sehr problematisch an. Wir haben in Deutschland 3 große politische Strömungen (in Parteiform): rechts, links, kapitalistisch. Alle 3 Strömungen verursachen extreme Probleme. Zur Kapitalistischen muss ich hier hoffentlich nichts sagen. Und die andern beiden Strömungen schaukeln sich gegenseitig hoch und heucheln sich selbst und gegenseitig an. Ich denke bei der rechten Strömung sind wir uns auch überwiegend einig. Zur linken Strömung mal ein kurzes Beispiel was ich meine. Das was links “bunt”, “Tolleranz” und “Zusammenhalt” usw (Unteilbardemo etc) propagiert, hetzt im gleichen heuchlerischen Atemzug gegen die politisch rechtsausgerichteten Menschen (sprich jene werden ausgeschlossen, beleidigt etc).

Die Piraten waren von Anfang an anders. Anstelle sich einer Ideologie anzuschließen oder gar eine zu gründen definierte sich die Partei eher in Richtung wissenschaftlicher Prozess. Alleine von dem was ich aus den Medien an Infos zog (auch die “Streitereien”) ergab meine Analyse nur einen Schluss. Die Piratenpartei holt sich die unterschiedlichsten Meinungen ins Haus, diskutiert sie aus und kommt zu fortschrittlichen Lösungen, welche gesamtgesellschaftlich eine positive Entwicklung bedeuten würde. So zumindest meine eigene Auffassung. Da ich im Kopf ähnlich funktioniere und lieber das große Ganze überblicke als meinen eigenen mikrigen Teil, war ich somit auf gleicher Wellenlänge mit der Partei. Und wenn ich ehrlich sein soll - genau das brauchen wir momentan am dringensten in Deutschland.

Da gibt es nur ein Problem. Die Piratenpartei ist so klein und unbedeutend wie nie und bietet aktuell nicht das Potenzial die Rolle einzunehmen, die wir (Deutschland und EU) brauchen. Eine Frage die mich in den letzten Jahren beschäftigt hat ist: warum ist das so? Also fing ich an Leute über Politik (allgemein) zu befragen und zu diskutieren. Darunter neben meinem privaten Umfeld vorallem Leute von der Arbeit (aus unterschiedichen Tätigkeitsbereichen) und Leute aus dem Netz.

Ein Grund ist natürlich die 5% Hürde, die Menschen dazu veranlasst ihre Stimme “nicht zu verschwenden” und lieber einer Partei geben, die definitiv 5%+ erreicht. Interessanter sind aber Aussagen gewesen wie “Ich dachte immer die Piraten seien eine Spaßpartei” oder wie man an der letzten EU-Wahl sehen konnte, obwohl die Piraten sich in Punkto Klima nicht hinter den Grünen verstecken brauchen (und meiner Meinung nach sogar bessere Konzepte bieten) hat die Partei zur EU-Wahl kaum Wählerstimmen erreicht, obwohl die Grünen wörtlich nach oben geschossen sind. Viele Probleme die mir AfD-Wähler (und ich habe mit wirklich Vielen gesprochen) schildern sehe ich bei den Piraten (im gegenzug zu ihrer gewählten Partei) als lösbar an. Nur wenige Leute müsste ich (nach ihren eigenen Interessen) empfehlen eine andere Partei zu wählen. Wer selbst Videoüberwachung in Schultoiletten für die eigenen Kinder wünscht, wird natürlich nie im Leben Piratenwähler, Neonazis auch nicht (hatte unter allen AfD-Wählern, mit denen ich sprach, nur einen gefunden!). Und wenn ich das alles mal zusammenfasse kommt in etwa sowas heraus:
"Keiner" kennt die Piratenpartei außer vom Namen.

Aber es ist auch kein Wunder. Was erfährt man als normaler Bürger schon von euch? Jetzt zur sächsischen Landtagswahl zählte ich in Chemnitz bis vor wenigen Tagen 0 Plakate. Jetzt sehe ich 3 am Hauptbahnhof und ganz vereinzelte im Zentrum. Die meisten Chemnitzer dürften die nichtmal mitbekommen, da sie im Vergleich zu allen anderen Parteien untergehen. Selbst jetzt sieht man auch in anderen Städten um Chemnitz wie Mittweida oder Burgstädt kein einziges Plakat - von den noch kleineren Gemeinden mal ganz zu schweigen. Dabei schaffen selbst andere Kleinparteien mehr Aufmerksamkeit. Bei der Europawahl war das nichts anderes hier.

Als ich mich jetzt mal über die Kandidatenliste informieren wollte kam der nächste Treffer. Eine Liste mit 10 Leuten. 6 von ihnen nahmen an der Fragerunde des MDR teil. Von diesen 6 Leuten kann ich mir jetzt ungefähr ableiten für was sie Politik betreiben wollen, von den anderen 4 habe ich nicht im Ansatz eine Ahnung. Weder steht eine kurze Beschreibung auf deren Link, noch finde ich andersweitig Infos ohne auf eine Suchmaschine zurückgreifen zu müssen. Listenplatz 1, der allein aus dem Grund am meisten interessiert, hat kein Video - super. Platz 2 und 4 sind 22(!) Jahre alt. Nichts gegen diese Menschen, sie werden bestimmt gute Politiker, aber mit 22 Jahren fehlt mit Sicherheit wichtige Lebenserfahrung (fehlte mir auch und ich hatte bis dato schon viel erlebt). Und genau diese Befürchtung bestädigten mir die Interviewvideos. Und was mich sprachlos machte: erst Listenplatz 10 trifft für mich (überwiegend) den Kerngedanken, für den die Piraten stehen (zumindest denke ich so über die Partei). Er macht als einzige Person deutlich, dass es nicht um seine eigene Meinung im Parlament geht, sondern darum was die Piraten als Gemeinschaft mit den unterschiedlichsten Ansichten erarbeitet haben. Der Punkt, der die Piraten wesentlich von anderen Parteien positiv abgrenzt, das Alleinstellungsmerkmal! Das ist auch DIE Basis, auf der man mit andere Parteien zusammenarbeiten kann wie es keine andere Partei von sich aus könnte.

Nun stellen sich mir zwei Fragen:

  1. Warum wird das nicht nach außen kommuniziert? Sowohl damals als auch heute sehe ich davon nicht viel. Gerade die Art und Weise, wie Piraten auf eine Lösung kommen ist doch die größte Waffe, mit der ihr werben könntet. Es muss nur mehr Leute erreichen - und ja, dazu muss man auch die Parteigelder hinzuziehen.
  2. Nachdem ich die besagten Videos sah und auch hier einige Posts verschiedener Threads gelesen habe stellt sich mir die Frage, ob die Piraten es überhaupt noch selbst wissen (was die Partei ausmacht) oder ob ich grundsätzlich einer falschen Annahme unterliege und das Parteiprogramm nur zufällig so gut geworden ist?

Die Landtagswahl in Sachsen sehe ich als verloren an. Keine Werbepower und der allgemeine Ruf (“die gibts noch?” und “ist das nicht eine Spaßpartei?”) zeigen keine Tendenzen nach oben. Worum es mir bei dem Thread aber geht ist die Ausrichtung auf die Bundestagswahl 2021. Meiner Ansicht nach wird das die beste Chance sein, welche die Piratenpartei noch haben wird.

Ich würde gerne ein bisschen mit euch darüber diskutieren. Antworten meinerseits könnten allerdings etwas verzögert kommen, da ich permanent unter Zeitmangel stehe.

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Hallo Liesel,

ich bin von Anfang an Piraten Wähler aber aus privaten und beruflichen Gründen erst kurz vor der letzten Europawahl eingetreten. Also noch sehr frisch aktiv dabei.

Gestern habe ich es endlich mal geschafft zu einem Stammtisch bei mir in Berlin zu fahren. Es war ein Recht kleiner gestern insgesamt 5 Leute. Ich muss sagen ich bin sehr gut aufgenommen worden und es war ein sehr informativer Abend, Danke nochmal dafür an alle beteiligten.
Ich finde aber das ist eine sehr gute Möglichkeit andere Piraten kennen zu lernen.

Ja das was du sagst ist richtig. Allerdings kann ich, die Aussage das man kaum Plakate sieht so nicht unterschreiben, zumindest hier in Berlin. Natürlich muss man bedenken das die Landesverbände meist nicht so stark aufgestellt sind und es halt alles auf freiwilligen Helfern basiert.

Aber ja wir müssen uns mehr medial zeigen. Wir müssen deutlich machen das wir keine Spaß Partei sind. Wir haben sehr gute Konzepte aber die müssen wir richtig vermarkten und ich persönlich sage, lasst uns 2020 dafür nutzen. Bis dahin noch Konzepte überarbeiten und verfeinern. Und die Leute die bisher immer sehr engagiert geholfen haben (im Wahlkampf), sollten die Zeit bis dahin nutzen sich zu erholen.

Ziel muss es sein im “Super Wahljahr 2021” wieder gehört zu werden.

2021 sind 4 Landtagswahlen, 2 Kommunalwahlen, sowie Bundestagswahl und Wahl des Abgeordneten Hauses in Berlin.

lg

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Die Piratenpartei ist linksliberal. Links bedeutet progressiv und liberal bedeutet, dass jede Meinung erstmal angenommen wird und diskutiert wird. Nach dem Weggang von Wagenknecht und dem Fehlschlag der von der Linkspartei mitinitierten Sammelbewegung “Aufstehen” ist es an der Zeit das linke Parteienspektrum umstrukturieren. Statt einer Wagenknecht, Gysi und Lafontaine Linken sollten die SED- und Staatssozialismusablegerparteien in Deutschland nun endlich Geschichte sein und sich stattdessen darauf konzentriert werden die Demokratie bzw. die Mitbestimmungsrechte und Grundrechte jedes Einzelnen weiterzuentwickeln.

Kapitalismus ist nicht wegdiskutierbar. Da Geld als Kapitalmittel in jeder einigermaßen komplexen Gesellschaft erforderlich ist. Von daher ist jede moderne Gesellschaft kapitalistisch und selbst der Staatssozialismus war kapitalistisch, insofern er auch Geld und anderes Kapital als Recheneinheiten benötigte. Es war schlicht eigreifend ein autoritärer Staatskapitalismus ohne Rechte für die Bürger, ähnlich dem heutigen China, mit dem Unterschied, dass China Freihandel betreibt, Unternehmerfreiheiten gewährt, dass der Staat das Geld nicht mehr zentral umverteilt und so eine Mittelschicht entsteht.

Zusammengefasst: Was verstehst du unter der “kapitalistischen Strömung”? SPD und CDU, mit Schröder angefangen und mit Merkel fortgesetzt, einen angebotsorientierten Kapitalismus genannt Neoliberalismus, statt einem nachfrageorientierten Kapitalismus vertreten?

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Hallo und Willkommen im Forum!

Die Piratenpartei wolle immer die Themen wichtiger nehmen als die Personen. Der Personenkult von anderen Parteien war oft abschreckend.
Themen statt Köpfe! Kennst du sicherlich.
Leider mussten wir lernen, dass die Wähler Personen wählen und nicht Parteiprogramme.
In einigen wenigen Kommunen haben Piraten, sich selbst bekannt gemacht und dort dann bis zu 8% der Stimmen geholt. Das war viel Arbeit und hat mehrere Jahre gedauert.

Leider haben wir in Sachsen nur etwa 150 Mitglieder und üblicherweise beteiligen sich (in allen LVs) nur etwa 5-10% an Wahlkämpfen. ( Mitgliederinfos kriegst du hier: http://finanzen.piratenpartei.de/statistik.php ) In Leibzig und Dresden dürfte etwas mehr los sein, ich hatte bisher nur von einem Pirat in Chemnitz gehört, du bis erst Nummer 2. Das reicht wohl nicht für einen Infostand und auch die finanziellen Möglichkeiten für Plakate sind sehr beschränkt.
Die Mitglieder der Piratenpartei sind in Durchschnitt jünger als die der anderen Parteien. Schüler und Studenten haben in der Regel etwas mehr Zeit und sind deshalb auch eher bereit auf einer Kandidatenliste zu kandidieren, auf der man wohl nicht in ein Landesparlament einzieht.
Als kleine Partei haben wir oft nicht die Chance uns in den Medien oder bei Podiumsdiskussionen zu zeigen.
Die Piratenpartei reorganisiert sich gerade um die finanzellen Mittel effektiver Nutzen zu können und effektivere Strukturen für die Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen.
Viele der aktiven Piraten Nutzen das Forum nicht, da sie ihre Zeit an anderer Stelle nützlicher einbringen können.

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Schonmal vielen Dank euch dreien.

@HeadoN:
Ich kann mir gut vorstellen, dass in Berlin als Hauptstadt mehr los. Hoffentlich sehen es mehr Piraten wie du, dann kann wirklich noch etwas werden. Ich drücke euch jedenfalls die Daumen und kläre die Leute in meinem Umfeld weiter auf, wenn möglich.

@AnnoNym:
Laut Wikipedia und dem, wie ich sie eigentlich wahrnahm: “Die [Piratenp]artei […] charakterisiere sich selbst als sozial-liberal-progressiv.” und " Das klassische Rechts-links-Spektrum wird von vielen Parteimitgliedern zwar abgelehnt, […]".

Schon bevor ich das laß hatte ich eine ähnliche Auffassung von meiner eigenen Wahrnehmung gegenüber der Partei, auch wenn sich viele Mitglieder wohl selbst eher linksliberal sehen. Links bedeutet meiner Ansicht nach auch nicht Progressiv, das sind zwei paar Schuhe. Wie bereits im ersten Post dargelegt halte ich links auch nicht für die Lösung, da sie rechts ausschließt und somit die Fronten härtet statt abbaut.

Dass die Piratenpartei in der jetzigen Form nicht weg vom Kapitalismus will, ist mir bewusst, wenngleich sie mit Konzepten wie bedinungsloses Grundeinkommen und gratis ÖPNV den Kapitalismus abschwächen. Ob eine “moderne komplexe Gesellschaft” nicht auch anders funktionieren kann, halte ich für eine gewagte These - spielt aber für die aktuelle Politik keine Rolle.
Was ich unter “kapitalistische Strömung” verstehe ist das, was Parteien machen, die für Wirtschaftslobbyisten arbeiten und gerne mal bürgerliche Rechte untergraben oder gar Grundrechte abbauen. Dazu gehört nicht nur die GroKo, auch die FDP und 2021 mit bisschen Pech auch Schwarz-Grün. Und selbst bei der AfD kann ich mir gut vorstellen, dass sie Wirtschaftslobbyisten lieber empfangen als Bürgerrechtslobbyisten.

(at)Fulleren:
Dankeschön! (darf als “neuer Benutzer” nur 2 Leute erwähnen O.o?)

Ich denke “Themen statt Köpfe” ist doch ein wichtiger Ansatzpunkt, den man in der öffentlichen Arbeit besser vermitteln muss, damit auch Wähler, die bisher nichts mit der Partei anfangen konnten verstehen worum es euch eigentlich geht.

Zur Bundestagswahl 2017 habe ich mehr Plakate in Chemnitz gesehen als zur diesjährigen EU-Wahl, das hatte mich nachdenklich gemacht. Ich erwarte ja keine flächendeckende Plakatierung wie es selbst “Die Partei” schafft, aber zumindest an den wichtigsten Ortschaften sollte man unübersehbar sein. Wenn 3 Plakate am Bahnhof sind und die ausgerechnet auf der Nebenstraße angebracht werden, wo viel weniger Leute unterwegs sind, dann wird man auch kaum Aufmerksamkeit bekommen. Ich hoffe du kannst mein Anliegen nachvollziehen.

Ich selbst bin ja (aktuell) nur Piratenwähler und kein Mitglied, wie gesagt mir würde die Zeit fehlen aktiv mitzugestallten (tja, mit Bedinungslosen Grundeinkommen könnte ich bisschen Zeit locker machen).

Ich kann übrigens auch verstehen, dass man diese jungen Leute auf die Liste setzt, aber gleich Platz 2 und 4, wo andere mehr Erfahrung bieten? Genauso der 28jährige. In dem Alter gehe ich schon eher von “genug Erfahrung” aus, aber ihm mangelt es massiv an Redefähigkeiten (trotzdem Respekt, dass er an der Videoumfrage teilgenommen hat, ist nichts persönlich gegen ihn und den anderen beiden!). Und besonders Listenplatz 10 zeigt gut, dass er sich eher als beauftragten ansieht anstatt jemand, der seinen eigenen Brei macht. Natürlich kenne ich sie alle nicht und kann mich täuschen. Doch das ist genau das, wie es öffentlich auf mich gewirkt hat und auf weitere potenzielle Wähler wirken könnte.

Die Reorganisation wird denk ich notwendig sein und bringt hoffentlich den gewünschten Effekt.

Erst einmal sind junge Menschen in der Politik nicht “grundsätzlich” fehl am Platz!
Unsere Parlamente sind seit Jahren überaltert, da sind neue Ideen und neue Vorgehensweisen bei der Problembewältigung gut.
Was jungen Menschen an Erfahrung fehlt können sie bei entsprechendem Engagement z.B. auch durch professionelle Nutzung des WWW kompensieren.
Und “Kompromissfähigkeit” durch Erfahrung kann auch Stillstand bedeuten wie gerade in ungeliebten Koalitionen zu sehen ist.

“Themen statt Köpfe” finde ich immer noch eines der besten Sätze unserer Partei!
Und die größten Erfolge hatten wir wo keiner unsere “Köpfe” kannte.
Dies mag kommunal anders aussehen, aber auf Landes- und Bundesebene zeigen gerade die freien Wähler auf, dass kommunale sehr bekannte Köpfe kein Garant für Wahl-Erfolge sind.
Die sind kommunal oft recht stark, stellen sogar Bürgermeister, aber bei überregionalen Wahlen verschwindet diese Wähler-Zustimmung.

Es kommt immer darauf an, was man aus solchen Slogan macht. Die jetzige “Zwangs-Koalition” im Bundestag zeig doch wie schnell bei wichtigen Themen auf Grund von Konsensfindung nur noch der kleinste gemeinsame Nenner heraus kommt.
Da könnte eine Minderheitsregierung mit “Themen statt Köpfen” eine sinnvolle Alternative sein.
Wenn man es richtig verkauft - Themenkoalitionen statt Partei-Koalitionen des kleinsten gemeinsamen Nenners!

Nur, wir verkaufen dies ja gar nicht mehr, sondern unser Selbstzweifel an unseren eigenen Forderungen und am eigenen Programm überträgt sich - vielfach von uns unbemerkt - auf den Wähler.
Warum soll dieser eine Partei wählen, die sich selbst über ihre abgestimmten Themen und ihre Vorgehensweise was Politik betrifft nicht einig ist?
Da helfen übrigens mehr Plakate und ältere Spitzenkandidaten nur sehr punktuell!

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Ach ja? Das Marina Weisband im Fernsehen sympathisch, schlagfertig und intelligent in Talkshows für die Piratenpartei geworben hat, hat gar keine Rolle gespielt?

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Du stellt seine ideologiebasierte Politik (wo nur noch der kleinste Nenner bei rauskommt) einer sachorientierten Politik gegenüber. Sehe ich auch so, dass das besser wäre.

Ich verstehe aber dann nicht ganz, was das mit “Themen statt Köpfe” zu tun hat. Köpfe/Menschen dienen dazu, anderen Menschen Kompetenz/Vertrauen zu vermitteln. Das brauchst du bei sachorientierter Politik genauso, denn die Menschen müssen dir vertrauen, zum Beispiel dass du in der Lage bist, etwas auch umzusetzen. Menschen brauchen jemanden, den sie dafür emotional haftbar machen können.

Oder drückst du damit aus, dass Köpfe für dich eigentlich Ideologien repräsentieren? Dann müsste es korrekterweise “Themen statt Ideologien”, oder besser “Kompetenz statt Ideologie” heissen.

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Natürlich hatte Marina da ihren großen Anteil, wahrscheinlich vorher auch Christopher Lauer auf seine Art.
Aber bei den Wahlkämpfen wo ich mit tätig war (Saar, NRW) ging es fast nie um Köpfe, sondern um Protest und das in den Hintern treten der anderen Parteien.
Da wurden wir nach Themen gefragt, von denen wenig oder gar nichts im Programm stand. Hauptsache es wurde was gesagt.
Und dies lag nicht nur an Marina, sondern daran dass wir als Partei Emotionen geweckt haben…

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Erst einmal habe ich im Konjunktiv geschrieben… :wink:
Und Köpfe bauen sich normalerweise während der Parteiarbeit in den Parlamenten auf. Sie sind nicht unbedingt nötig um gewählt zu werden. Schaden kann es nie - dauert nur sehr lange, und ist immer mit der Gefahr behaftet, dass der “gute Kopf” dann “Auf Wiedersehen” sagt. Gerade bei kleinen Parteien, die von den großen unter Beobachtung stehen.

Mir ist deshalb ein gutes Programm lieber, welches von der gesamten Partei vertreten wird, als ein Kopf der hinterher die Partei verlässt. Wenn er bleibt - auch gut.
Ob dies eine Ideologie-frage ist? Müsste man mal genauer diskutieren? :wink:

Ich finde Themen statt Köpfe deshalb immer noch sehr gut - Und sollte es in der Politik wirklich zu den von mir bevorzugten Themen-Koalitionen statt Partei-Koalitionen kommen, dann ist es schwierig vorher die richtigen Köpfe aufzubauen.
z.B. sieht man gerade im Bundestag deutlich, wie sich das Themenspektrum wandelt, und aufgebaute Köpfe oft den neuen Thematiken schaden.

Wo bei der letzten Bundestags-Wahl noch Flüchtlinge und Migration im Vordergrund stehen, sind jetzt plötzlich über Art13 bis jetzt zur Klimaproblematik andere Thematiken wichtig.
Und eine AKK die zur Migration einen klaren, harten Kurs gefahren wäre, oder ein Seehofer fangen jetzt an der eigenen Partei zu schaden.

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Definitiv. Die Piraten in ihrer Hochphase 2009-2013 waren eine Partei mit revolutionären Ansätzen. Eine Partei die konkrete Modelle hat die Demokratie weiterzunentwickeln und sich vieles traut diskursiv durchzuspielen ist einzigartig in der Parteienlandschaft in Deutschland. Das hat vorallem sehr viel junge Leute angesprochen (und spricht wahrscheinlich immer noch viele porgressive Menschen an), die mitreden und politisch partizipieren wollen.

Und noch mal zum Thema…
Marina wurde in Talk-Shows und Politik-Runden eingeladen, weil die Piraten einen Höhenflug hatten und gefragt waren. Und da hat sie uns dann überragend verkauft.
Dorthin müssen wir aber erst mal wieder kommen…
Ich glaube, wir haben mit Oliver Bayer einen der kompetentesten Politiker was den (fahrscheinfreien) ÖPNV angeht. Und dieser ist ja jetzt in aller Munde. Aber…?
Wäre die jetzige fundiertere ÖPNV Diskussion während der Amtszeit der NRW Piraten-Fraktion gekommen, hätten wir Oliver bestimmt schon irgendwo in den Medien gesehen und gelesen.
So aber haben wir zwar den Experten, aber es besteht als als 0,8% Partei wenig Möglichkeit Gehör zu bekommen.

Wenn wir wieder in den Medien wären, hätte ich keine Angst, dass uns z.B. Sebulino nicht gut vertreten würde. Aber dahin müssen wir ihn erst mal bekommen.
Was benötigen wir also wieder, wenn es um die Frage geht, wie bekommen wir unsere Köpfe in die Medien?

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Ich glaube wieder in Die Medien zu kommen wird schwer… Meine Idee ist, das(s) wir es jetzt erstmal selbst in die Hand nehmen, um zu zeigen, das(s) es uns noch gibt

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Es gibt nur diese Weg…
Nur? Machen dies nicht viele Piraten mit großem Einsatz seit Jahren?
Warum klappt dies nicht?

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Ich denke es ist auch die berechtigte Sorge vorhanden, dass ähnlich wie 2009 bis 2013 nach einer Hochphase und nachdem sich ein paar Karriesten profiliert haben alles wieder außereinander fällt und nichts über bloße Ansätze hinauskommt. Ich finde das gar nicht so abwegig. Zudem kann man in einer kleinen Partei vieles ausprobieren, was in einer großen nur unter aller größten Anstrengung umsetzbar ist.

Wir gehen halt unter… Dort wo es PIRATEN gibt wird bestimmt ordentlich Öffentlichkeitsarbeit gemacht. (was bei mir im Kreis Ottweiler nicht der Fall ist). Nehmen wir die SPD(<10 Mitglieder) in meinem Dorf: Die sind (fast) auf JEDEM Fest mit Pavillon und Verkaufsstand. Ich alleine kommt da nicht Gegen an. Es ist halt ein Teufelskreis: wir brauchen mehr Mitglieder für ÖA, aber um die Mitglieder zu bekommen brauchen wir mehr ÖA, wofür wir Flächendeckend die Mitglieder nicht haben.

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Oldschool. Sollen das die “Volksfestparteien” für ihre älteren Wählergruppen noch machen, aber die Piratenpartei nutzt in erster Linie (zweiter Linie auch analog… Möchte das Analoge jetzt auch nicht schlechter reden als es ist) das Internet und dort haben sie mMn auch ihre aller größte Kompetenz :stuck_out_tongue_winking_eye:

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Auch da gehen wir unter, wenn man nicht 1% als Erfolg sieht…

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Na ja, wenn jeder 2. dem ich ein Flyer anbiete mit <Piraten? Gibts die noch?> antwortet ist das auch kein Wunder. Wie gesagt: Für mehr Aufmerksamkeit brauchen wir mehr ÖA und erfolge. Für mehr erfolge und mehr Mitglieder brauchen wir ÖA. Für mehr ÖA brauchen wir mehr Geld und mitglieder. Für mehr Geld brauchen wir Mehr Parteienfinanzierung uns Spenden. Für mehr PartF und Spenden brauchen wir mehr Erfolg. Für mehr erfolg brauchen wir mehr Geld und Mitglieder. Für Mehr Mitglieder brauchen wir mehr ÖA… und so weiter…

Die Frage muss sein: wie kommen wir hier wieder raus

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Und mancherorts klappt es . Es wäre schön dies Flächendeckend hinzubekommen.(ok gab ja auch fast keine Konkurrenz) PIRATENHHH

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