Piraten - pluralistische Partei?

Gestern hörte ich im Mumble von einem BuVo, wir Piraten sind eine pluralistische Partei.
Hört sich ja auf den ersten Blick nicht schlecht an.
Was versteht ihr unter einer pluralistischen Partei, und wie wirkt sich der Pluralismus auf unser Programm und unsere Aussagen aus?
Wie können wir so etwas verkaufen?
Welchen Stellenwert haben dann noch Parteitage?

Pluralistisch… viele divergierende Meinung welche nicht auf einen Punkt zu bringen sind.
Anträge von AGs die auf dem Parteitag beschlossen werden und anschließend von pluralistischen Meinungen wieder in Frage gestellt werden.
Daraus folgt dann ein pluralistisches Gesamtgefühl das einen uneinheitlichen öffentlichen Auftritt der wieder von Teilen der Partei kritisiert wird.

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In einer pluralistischen Partei können auch unterschiedliche Meinungen vertreten werden.

In der heutigen Zeit erscheint es notwendig zu erkennen, dass nicht die Entscheidungen eines Patriarchen, eines Pfarrers, eines Apothekers, eines Arztes automatisch zu besseren Ergebnissen führen, es aber auch nicht schadet, sich tatsächlich zu informieren.

Die Entscheidungsfindung ist breiter und vielfältiger geworden, es bringen mehr Personen ihr Wissen ein.
Wenn man mit informierten Menschen umgeben ist, bringt das klare Vorteile. :smiley:

Aus der Vielstimmigkeit des Ergebnisses kann jeder schließen, welches Unsicherheitsrisiko der Entscheidung inne wohnt.

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Innerhalb der Programm- Themenfindungsphase auf jeden Fall!
Nur was danach?
Beispiel:
Ein Teil der Piraten findet einen Mindestlohn Blödsinn - Ein Teil möchte 15€!
Wie verkaufst du dies vor einer Wahl nach außen?

Entweder wir haben darüber abgestimmt oder aber man kann seine eigene Meinung vertreten mit verweis darauf das es nur die eigene Meinung ist. In dem Fall würde ich eh auf BGE verweisen :smiley:

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Das bedeutet doch im Endeffekt, dass die Folgen unklar seien und jede Entscheidung kritisch zu betrachten oder gar zu widerrufen wäre.
Aus diesem Grunde sind für das Programm 2/3 Entscheidungen sinnvoll, besser wären wahrscheinlich 70 oder 80%-Entscheidungen.

Brexit ist zwar eine Entscheidung, aber keine, die von allen Briten vertreten wird.

In einem solchen Fall ist es stets besser keine Entscheidung zu haben und die aufgezeigte Unsicherheit zu beseitigen, anstatt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fehlentscheidung getroffen zu haben, die dann durchgezogen werden muß, da demokratisch beschlossen.

Wenn man Pilze sammelt und einer zu 51% ungiftig ist, ist es zwar dem Pilz gegenüber unfair, aber sinnvoll, ihn nicht zu verzehren.

Wenn ich solche Dinge höre wie: “die Piraten sind eine pluralistische Partei”
dann denke ich, dass ich meine Zeit verschwende wenn ich was für die Piraten mache.

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Pluralismus als normative politische Idee bedeutet, dass dieser Wettbewerb unterschiedlicher und entgegengesetzter Interessen als legitim betrachtet und als wünschenswert anerkannt wird. Keine gesellschaftliche Gruppe darf in der Lage sein, anderen ihre Überzeugung aufzuzwingen. Das würde die prinzipielle Offenheit pluralistischer Gemeinschaften gefährden. In einer pluralistischen Gesellschaft kann es daher kein absolutes Machtzentrum geben, Macht wird auf verschiedene Institutionen verteilt. Entscheidungsbefugnis kann zudem nur auf Zeit an einzelne Personen delegiert werden. Minderheiten stehen unter Schutz und abweichende Meinungen haben einen legitimen Platz in einer pluralistischen Gesellschaft

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Du kennst sicher auch den Unterschied zwischen Gesellschaft und Partei.
Gesellschaften und Gemeinschaften können und sollten pluralistisch sein.
Parteien sollten für etwas stehen, sonst sind sie beliebig.

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Schon, aber …

Pluralismus, verstanden als empirischer Begriff der Politikwissenschaft, beschreibt den Umstand, dass in einer politischen Gemeinschaft

Sorry, wir haben dazu keine Meinung, die 80% wurden nicht erreicht!
Politische Arbeit mal anders…Ja, macht uns als politische Partei bestimmt wählbar, oder?

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Pluralismus bis zur Entscheidungsfindung ist gut, damit möglichst viel Einflüsse bei der Programmentwicklung einfließen können.
Nur bestehen viele Problematiken in der Politik ja darin, Entscheidungen treffen zu müssen.
Parteien die hier keine klaren Aussagen treffen können, sind für die Meisten nicht wählbar,

  • Qed.

Ja, da die Schulausbildung nur zwischen Richtig und Falsch unterscheidet.

Wir leben aber in Zeiten der Wahrscheinlichkeiten.
Wenn man den Hahn 100x aufdreht und es kommt 51x warmes Wasser heraus, kann man nicht davon ausgehen, dass immer warmes Wasser aus dem Hahn kommt.

Fehler kann man nur dann schnell korrigieren, wenn einem das Risiko der Fehlentscheidung bewußt ist.
Nicht eindeutige Entscheidungen sollten nicht als absolute Wahrheit verkauft werden, die keine kritischen Stimmen mehr zulässt.

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Ist ein Programm für dich die absolute Wahrheit?
Mir geht es um Außenwahrnehmung…und ein Programm sehe ich als Angebot an die Wähler.

Für mich nicht, aber es sind schon Menschen aus der Partei ausgetreten, da ihnen diese oder jene neue Position nicht gefallen hat und das scheinbar alles überlagerte.
Wenn ein Veganer und ein Jäger auf einem Stammtisch zusammentreffen, muß das nicht immer einvernehmlich enden, manchmal aber gelingt das :smiley:

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Wenn einem eine Position so missfällt, dass sie alles andere als nichtig erscheinen lässt, dann finde ich austreten ehrlicher der Partei gegenüber, statt gegen den Beschluss öffentlich zu ranten.
Wie gesagt, geht um Außenwahrnehmung.

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Ich erwarte ehrlich gesagt sogar von der Piratenpartei, dass sie viele verschiedene Meinungen aufnimmt und quasi das tut, was GG79 beschreibt. Allerdings erwarte ich auch eine erwachsene Haltung in öffentlichen Medien (Forum als Diskussionsplattform ausgenommen), bei denen Mitglieder hinter der Parteientscheidung stehen, auch wenn es entgegen ihrer Ansicht ist. Das kann man intern weiter ausdiskutieren.

Ich verfahre schon lange in eigenen Teams mit dem Prinzip und es läuft eigentlich immer ziemlich gut. Wichtig ist nur ein wesentlicher Aspekt:
Die Leute, welche am Ende die Entscheidungen treffen müssen, müssen die Meinungen nach logischen Aspekten bewerten und gewichten (wofür auch andere Meinungen notwendig sind). Kein Mindestlohn ist z.B. eine legitime Meinung, aber bringt objektiv gesehen so viel Nachteile, dass man darauf nicht wirklich Rücksicht nehmen kann. Anders sieht es bei der Höhe oder den Ausnahmen aus, da kann man einen guten Kompromiss finden. Z.B. (fiktiv) “Kann man Mindestlohn für Praktikanten verlangen?” - 50% sagen ja, 50% sagen nein. Was ist die Lösung? Eine weitere Kategorie hinzufügen: verminderter Mindestlohn. Auch wenn viele dann nicht 100% zufrieden sind, werden doch die meisten Leute sagen “naja fair ist das schon”.

Aber ich sehe solche Lösungsansätze in den normalen Parteien so gut wie gar nicht. Da wird lieber versucht eine bestimmte Meinung zu pushen als eine alternative Lösung zu finden, die alle einigermaßen als Fair betrachten.

Desweiteren darf keine Lösung als entgültig betrachtet werden. Man muss jederzeit dazu bereit sein eine vorherige Lösung als suboptimal einzustufen und eine erneute Lösungsfindung anzustreben. Menschen irren und Menschen können vom geirrten lernen und es später besser machen. Das darf kein Tabuthema mehr sein.

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Aber dies muss im Vorfeld statt finden!

Das sind bei der Piratenpartei die Parteitage.
Und mit den logischen Aspekten ist das so eine Sache.
Wenn du irgendwo stehen hast: “Die Straße ist nass” dann ist für die Meisten die Schlussfolgerung, “Es hat geregnet”,
Bei den Piraten kommt aber dann bestimmt: “Viellicht ist auch nur ein Hydrant undicht, oder die Straßenreinigung ist gefahren” Und dies ist eben nicht falsch, aber wahrscheinlich kleiner 1% der Grund einer nassen Straße, - sind aber die notwendigen anderen Meinungen, die wir mit aufnehmen müssen?

Warum? Meine Erfahrung zeigt, dass neue Lösungsansätze am ehesten entstehen, wenn bereits sehr viele Meinungen zusammengekommen sind und man ernsthaft darüber nachdenkt, wie man allen Meinungen am ehesten gerecht wird. Man kann in dem Prozess natürlich nochmal Meinungen über die Lösung einholen bevor da was offiziell wird.

Ja, definitiv. Das bedeutet aber nicht, dass sie gleichermaßen gewichtet sein müssen. Das kommt aber nicht auf die Häufigkeit, sondern den Informationsgehalt an. Wenn jetzt die Piraten sagen “wenn wirklich ein Hydrant ausläuft, haben die örtlichen Arbeiter keine Mittel um das innerhalb weniger Stunden, geschweige denn eines Tages zu reparieren. In der Zeit können Keller voll Wasser gelaufen sein”, dann sollte man zumindest Prüfen, ob das wirklich der Fall ist und durch kleine Investitionen größere Schäden vermieden werden können. Die normale Politik würde einfach blindlings in die größeren Schäden fahren und sagen "das war unvorhersehbar, die Chance war doch bloß <1%.
Es kann aber auch sein, dass man sagt “habens überprüft, sollte auch so alles passen”. Dann wurde halt mal etwas umfangreicher geschaut und ist dann hinterher sicher, dass es so passt. :wink:

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Polemisch:
Genau so sieht unser Programm teilweise aus - es werden immer alle Eventualitäten berücksichtigt. Und dann liest es keiner mehr.
Aber wir Scheiben eben KEIN Regierungsprogramm, sondern müssten etwas haben was den Wähler dazu bringt uns zu wählen…
Nur dafür fehlt uns die Zeit, wir recherchieren die Eventualitäten :wink: und holen natürlich noch ein paar Meinungen ein…

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