Organspendeausweise

Eine Idee, die auf einem Hessischen LPT in 2018 als Gegenvorschlag zur Widerspruchslösung (mit einer zentralen Datenank) entstanden ist, wird nun in Frankfurt für ein Jahr getestet: Bei jeder An- und Ummeldung wird ein Organspendeausweis und ein Infoblatt ausgehändigt

https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME='B_334_2019'

In Kassel wurde es auch versucht, da war der Widerstand aus dem Magisrat aber wohl zu gross. Aber evtl. wollt ihr es bei euch ja auch mal einbringen :slight_smile: Antrag ist dort formuliert:

https://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME='NR_746_2019'

Viele Grüße

Lothar

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Ich sehe nicht, warum eine Widerspruchslösung eine zentrale Datenbank brauchen soll. Insbesondere, warum eine Widerspruchslösung so eine Datenbank dringender brauchen sollte als die (derzeitige) Zustimmungsregelung.

Die Fragen stehen m.E. völlig senkrecht zueinander:

  1. Was soll die Voreinstellung in Sachen Organspende sein, wenn der Wille des Betroffenen (warum auch immer) nicht dokumentiert ist. In diesen Fällen besteht immer (egal, was die Voreinstellung ist, ob man Organe sterben lässt und bestattet oder ob sie in einem anderen Körper weiterleben) das Risiko, dass die Entscheidung nicht dem entspricht, was derjenige entschieden hätte, wenn man ihn hätte fragen können. Entsprechend kann es nur darum gehen, die Wahrscheinlichkeit (wie oft weicht die Voreinstellung von dem ab, was derjenige bei Nachfrage gewollt hätte) und Schwere (wie gravierend ist die Abweichung, welcher Schaden entsteht dabei) solcher Abweichungen möglichst gering zu halten.

Hier spricht für die Widerspruchslösung, dass die meisten Menschen ohne Organspendeausweis in Umfragen sagen, sie wären mit einer Entnahme einverstanden.

Bzgl. der Schwere eines Irrtums scheint mir die Sache symmetrisch. Also ich kann nicht erkennen, dass ein Sterbenlassen oder eine Organentnahme gegen den (unerklärten) Willen des Betroffenen schwerwiegender wäre (ok, das Sterbenlassen ist tragischer für potenzielle Empfänger - aber lassen wir den Punkt mal beiseite und räumen dem Wunsch des Betroffenen Priorität ein, denn das reicht hier für die Argumentation).

  1. Wie bringt man das Interesse, dass eine dokumentierte Entscheidung respektiert wird (also mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit die Information, wie sich jemand entschieden hat, auch verfügbar ist, wenn’s darauf ankommt) mit dem Interesse in Einklang, dass solche Informationen abseits der gewünschten Verwendung (um zu entscheiden, was man tut, wenn jemand stirbt und Organe entnommen werden zu können) nicht missbraucht wird (also hier geht es z.B. um die Frage, ob Entscheidungen zentral erfasst werden sollen).

Bzgl. dieses zweiten Punktes hat der Vorschlag durchaus seinen Reiz (ich sehe auch nicht, was dagegen spräche).
Er ändert aber nichts an der Frage nach der Voreinstellung (Zustimmungs- oder Widerspruchslösung) in den (ggf. dann selteneren) Fällen, in denen keine Entscheidung dokumentiert ist.