Open Source außerhalb von Software

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Bin gerade über dieses interessante Interview gestolpert:

Open Source könnte ein Weg sein, gegen Monopole anzukämpfen. Gerade für kleine Firmen sicher interessant, die dadurch unabhängig(er) von den großen Firmen werden. Was für andere Bereichen fallen euch ein, die von Open-Source-Regelungen profitieren würden?

wir haben schon Open Source-Tomaten und Kürbisse im Garten…

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Züchtet ihr zufällig auch? Leider ist die Menge an Saatgut unter der offenen Lizenz bisher recht wenig, das wäre ja cool, wenn man Sorten hinzufügen könnte. Piraten-Tomaten? :wink:

Naja, “züchten” ist übertrieben, wir verwenden die Samen natülich wieder. Wir haben inzwischen die Urururururururenkelchen eines Kürbisses, den die Oma meines Mannes schon im Garten hatte, wir haben uns erlaubt, der Sorte den Namen “Offenbacher Gärtnerstolz” zu geben, ist eine allerwelts-Kürbissorte, aber sehr lecker

Das sind auch keine hybride, da wachsen immer super, müssen nur Wasser kriegen

Forschungsdaten als OpenSource freizugeben wäre ebenfalls sehr sinnvoll. Also nicht nur Studien als OpenAccess sondern sofern möglich auch die Datenbasis aufgrund derer diese Studien erstellt wurden. Bei medizinischen Forschungsprojekten sprechen evtl Datenschutzgründe dagegen. Prinzipiell sollte es jedoch genug Wissenschaftsbereiche und Universitäre Forschungsprojekte geben bei denen das problemlos geht.

Da wäre z.B. ein EU weites Forschungs-Datenarchiv das als OpenSource quasi allen frei zur Verfügung steht wie ich finde eine gute Sache.

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In der Praxis aber schwer, weil Daten nicht standardisiert aufgenommen werden und sehr stark streuen können … dazu dann die Frage, wer das bereitstellt (eigentlich die Journals, dies aber sicher auf die Forschungsinstitute abwälzen wollen). Generell aber natürlich eine gute Idee, aber da müsste noch deutlich viel im Hintergrund passieren, damit das irgendwie realistisch würde.

Die Daten wären dann natürlich weitgehend unstrukturiert. Aber auch solche Daten dürften in Zukunft interessant werden wenn die KI/AI besser darin wird auch aus unstrukturierten Daten zu lernen bzw. Rückschlüsse zu ziehen. Die entsprechenden Journals werden eher kein Interesse haben solche Systeme zu betreiben, die Entwicklung dürfte nicht ganz trivial sein genauso wenig wie die Kosten teils auch große Datensätze vorrätig zu halten.

Sehe das eher als ein Projekt auf Bundes bzw. EU Ebene da eine Plattform zu schaffen welche das zusammenfasst. Im Idealfall so eine art Github für Forschungsdaten.

Das wäre natürlich ein Traum. Hoffentlich ist der Wissenschaftsbetrieb in der nächsten Dekade endlich so weit.

https://opensciencemooc.eu/modules/open-research-data/

Nun, da gibt es längst allerhand. Hier mal ein paar Richtlinien:

https://www.go-fair.org/fair-principles/
https://www.openaire.eu/how-to-make-your-data-fair
https://www.openaire.eu/find-trustworthy-data-repository
https://www.scienceeurope.org/our-resources/

Ich habe das in der letzten Zeit nicht mehr so genau verfolgt, aber es war schon damals eine EU Science Data Cloud angedacht. Ob die inzwischen realisiert wurde, müßte man mal recherchieren.

Hinzu kommt, dass viele Wissenschaftsmagazine mittlerweile fordern, dass die Daten umfassend dokumentiert vorgehalten werden. Ohne dem zu entsprechen, kriegst Du da gar nicht erst was einngereicht.

Wir haben da in Marburg seit einiger Zeit ein Open Source Seed Projekt im Visier, das wir nun gemeinsam mit dem KV Offenbach realisiert haben. Zunächst kam jetzt bei unsererem ersten Schritt ein Open Source Seed-GiveAway für die in Hessen im März anstehenden Kommunalwahlen dabei heraus.
Der Verein AGRECOL, der ursprünglich die Open Source Lizenz für Saatgut entwickelte, sitzt mittlerweile auch hier bei uns in Marburg.

Ich habe zusätzlich zu den deutschen Sorten, die auf deren Webseite angegeben werden auch eine Chili aus Österreich beschaffen können und bin derzeit dabei, weltweit systematisch zu schauen, wo es in Frage kommendes Saatgut gibt (es gibt da säckeweise Kataloge). Das wirft allerhand Schwierigkeiten auf, da es sehr rigide Importbestimmungen für Pflanzen gibt.
In den USA gibt es beispielsweise hunderte von Nutzpflanzensaaten unter analog formulierten OSS Lizenzen. Problem: Import verboten und man muss als Züchter jederzeit die Herkunft dokumentieren können.
Mein Ziel ist, soviel Saatgut wie möglich zu holen und alles unter diese OSS Lizenz zu stellen. Dazu wird es voraussichtlich auch nötig sein, mit den Amerikanern eine Übersetzungsformulierung zu finden, die Lizenzkompatibilität sicherstellt (inhaltlich klar gegeben, aber der Teufel liegt dort oft im Detail).
Ich bin inzwischen im Kontakt mit einem Botan. Garten, der aufgrund von Sonderbestimmungen die Importbeschränkungen rechtskonform “umgehen” könnte. Es sind aber noch allerhand Fragen offen ob und in welchem Rahmen die dann Saat wiederum abgeben dürften.

Wer da Lust hat mitzuwirken, kann mich gern kontaktieren. :slightly_smiling_face:
Mir fehlt vor allem Platz, im größeren Umfang was zu kreuzen…

Michael.

Das ist formal richtig, aber praktisch irrelevant. Ich kenne dutzende Journals die fordern, dass Daten auf öffentlich zugänglichen Repositoried gelagert werden.müssen (was auch von der DFG afaik verlangt wird bei Projkten mittlerweile), aber dann interessiert es am Ende keinen, ob man es macht oder nicht. Eine wirkliche Pflicht erkenne ich da nicht leider, wobei das ganze sehr dynamisch ist und sich immer weiter entwickelt. (Anmerkung: ich treibe mich vor allem in der Chemie rum, und das ist so der am wenigsten digitalisierte und progressivste klassische NaWi-Bereich)

Bin zwar auch Chemiker, weiss aber nicht, wie es dort konkret gehandhabt wird, da ich seit Jahren in der Molekularbiologie wirke. In der Chemie haste aber Elementaranalysen / Spektren, aus denen das Wesentliche ersichtlich sein dürfte. In der Molekularbiologie ist dass mit den “omics”-Datensätzen natürlich so, dass dort gaaaaanz andere Anforderungen bestehen. Ohne die Rohdaten, kannste das im Grunde wegwerfen.
Es ist aber richtig, dass noch immer viel zu wenig getan wird. Allerdings passiert es einem mittlerweile, dass man schon bei Bewerbungsgesprächen auf dieses Thema angesprochen wird - ist also im Begriff der positiven Entwicklung.
Die EU ScienceCloud war übrigens schon vor 5 Jahren angekündigt (wie auch all die anderen Infos, die ich oben postete).

Michael.