Neue Mitglieder, neues Politikverständnis, neue Piratenpartei?

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Neue Mitglieder, neues Politikverständnis, neue Piratenpartei?

Ihren ersten großen Aufschwung hatte die Piratenpartei als Protest zu „Zensursula“…
Danach Stagnation ab der Bundestagswahl 2009.
Ihren zweiten großen Aufschwung mit „Politik aus Notwehr“ mit Erfolgen bei den Landtagswahlen 2011/12 durch Protestwähler.
Danach ging es bergab…
Jetzt, 2019 wieder einen, wenn auch kleineren, Aufschwung, durch die #Artikel13 Proteste.

Und mit jedem neuen Aufschwung änderte sich auch die Mitgliederzusammensetzung und die Aktivitäten.
Mit Zensursula kamen erst mal viele netzaffine Menschen, Anfang 2010 hatten wir ca. 10.000 Mitglieder, also ca. 8.000 durch Zensursula.
Der richtig große RUN kam aber erst mit der Berlin Wahl 2011 von ca. 12.000 auf über 34.000 Mitglieder, also fast 3 x so viele durch „Politik aus Notwehr“ und einem Berliner Programm neben den Kernthemen mit BGE, mit Flüchtling- und Migrationspolitik, mit fahrscheinlosem ÖPNV, usw.

Zur BTW 2013 bekam aber die Piratenpartei trotz Verdreifachung der Mitglieder nur unwesentlich mehr Stimmen als zur BTW 2009.

Jetzt haben wir von 4400 zahlenden Mitgliedern ca. 600 neue Mitglieder. (lt. Aussage auf dem BPT)
Der letzte Aufschwung waren schon wieder Protestwähler, und zwar die von #Artikel13 und #saveyourInternet.

Wer sich diese Zahlen bewusst macht, dem dürfte klar sein, mit Zensursula hat sich die Politik der Partei weg von Bürgerrechten hin zum Schwerpunkt Netzthemen verändert.
Mit „Politik aus Notwehr“ hat sich die Politik der Partei grundlegend erweitert. Es gab große Parteitage mit hunderten von Anträgen aus allen politischen Richtungen. mit dem Ergebnis, sehr großer Programme, sowohl im Bund als auch auf Landesebenen, teilweise überschneidend, teilweise sogar konträr.

Und jetzt auf dem BPT 2019.2 waren mehrere der neuen Piraten, und wer sich die Mühe gemacht hat mit ihnen zu reden, dem wurde schnell klar, sie sind durch den Protest gekommen und wollen gerne auch gerne weiter Politik in diese Richtung zu machen.


Die Frage ist, sind wir überhaupt eine Partei, die ihren Mitgliedern, die überwiegend aus Protest in die Partei eingetreten sind, ein Protestprogramm anbietet und dies öffentlichkeitswirksam nach außen kommuniziert?
Oder sind wir eine Partei, deren Protest sich darauf beschränkt, dem Bürger ein großes und bestimmt auch gutes Programm anzubieten?
Und Protest nur noch zu zeigen wenn er „irgendwo“ aufflammt und dann mitzumachen?

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gute und vor Allem auch berechtigte Frage …

was sich mir aber gleich als nächste Frage anschließt:"Sind wir den aus uns selbst herraus überhaupt (noch) fähig Protest auf die Straße zu bringen und ausreichend Menschen zu motivieren mit uns gemeinsam das zu tun?

sicher haben wir uns bei den SYI-Protesten bei den youtubern eine gewisse Bekanntheit geschaffen, @jona_bab war da jasehr rührig. aber so richtig ging das ja auch da erst los, als SYI die Kampagnen angeschoben hat. Ich denke da an unsere ersten Veranstaltungen, zB in München, da waren gerade mal paar Hand voll Leute mit am Start :frowning:

Die Piratenpartei kann bis heute neuen Mitgliedern keine funktionsfähige Partei mit:

  • sauber definierten Begriffen
  • klaren Arbeitsstrukturen
  • informativer Außendarstellung
  • gelebten Idealen
  • gute Integration von Neupiraten
  • funktionierender Infrastruktur
  • Reichweitenstarke Öffentlichkeitsarbeit mit Kampangenfähigkeiten

bieten.

Vieles ist teilweise da, vieles ist verbesserungswürdig manches fehlt.
Die Entwicklung der Technik hat die anfangs übersichtliche Struktur mit Homepage, Mailinglisten, Wiki und Mumble schnell in eine Toolsvielfalt geführt die unbeherrschbar ist. zusätzlich hat jeder Untergliederung die was auf sich hält eine eigene Infrastruktur. Das Ergebnis ist undurchsuchbar und intransparent.

Es ist kein Wunder, dass sich die neuen Mitglieder nicht an diesem Chaos orientieren und versuchen eigene funktionierende Lösungen zu erarbeiten. Das macht die Situation nicht besser sondern noch unübersichtlicher.

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Auf die Straße zu bringen ist sicherlich schwer…Dafür fehlt es uns an Mitstreitern. Da können wir nur mitlaufen.

Im Netz konstruktiven Protest verbreiten könnten wir bei der richtigen Strategie ganz bestimmt. Da sind junge und ältere engagierte Piraten wesentlich schnell aufzubauen, als in anderen Medien.
Das gute daran ist, dass es sich vervielfältigt, wenn Kontinuität und Durchhaltevermögen vorhanden sind.
Aber ohne gute Strategie geht auch das nicht.

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