Natrium-Pentobarbital und Sterbehilfe

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Ich würde gerne wissen, wie die Piratenpartei zur Freigabe von Natrium-Pentobarbital für den selbstbestimmten Freitod steht. 2020 gab es dazu ja ein richtungsweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts, der den menschenverachtenden §217 StGB als verfassungswidrig erklärt hat. Seither ist nichts legislativ passiert. Das humane Sterbemittel Natrium-Pentobarbital ist nach wie vor nicht für suizidwillige Menschen verfügbar.

Nun gibt es mehrere Entwürfe im Bundestag z.B. von Linke und FDP, die Suizidhilfe neu zu regeln. Ein Vorschlag von Katrin Helling-Plahr und Co. sieht z.B. die Freigabe von Natrium-Pentobarbital vor, jedoch nur unter der Bedingung, dass eine verpflichtende Beratung durch besondere Stellen stattgefunden hat. Dies würde dabei auch die etablierten Sterbehilfevereine wie Dignitas oder Sterbehilfe Deutschland ausbooten, da diese keine Beratungsscheine ausstellen dürfen. Roger Kusch hat bereits ein erneutes Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht angekündigt.

Außerdem soll eine ärztliche Verschreibung verpflichtend notwendig sein, jedoch soll kein Arzt verpflichtet sein, diese tatsächlich auszustellen. Wir wissen aus Erfahrung, dass die Ärtze mit dem Thema nichts zu tun haben wollen. Dadurch wird aus dem verfassungsgerichtlich festgestellten Recht auf Selbstbestimmung wieder ein Gnadenrecht, wo man ein Kartell um die Erlaubnis zum Sterben anbetteln muss und diese dann grundlos verweigert werden kann.

Ich würde gerne einfach in eine Apotheke gehen können und das Natrium-Pentobarbital für mich selber kaufen können. Ohne Zwangsberatung, Verbot oder ärztlichen Erlaubnisschein. Auch die Sterbehilfevereine sollten nicht de facto verboten werden.

Wie stehen die Chancen, dass die Piratenpartei sich dieses Themas annimmt und eine freiheitlichere Lösung auf die Agenda setzt, als es die im Bundestag vorhandenen Parteien tun? Wenn die Piratenpartei über 5% kommen will, muss sie eine Nische besetzen, die in der Bevölkerung zumindest teilweise erwünscht ist und die nicht von den anderen Parteien bereits abgebildet wurde.

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Wie willst du verhindern, dass es ein Bösewicht kauft, um unliebsame Mitmenschen loszuwerden?

Danke für deine Antwort. Dasselbe Argument kann auch herangezogen werden, um Küchenmesser, Plastiktüten oder Drähte zu verbieten. Das Natrium-Pentobarbital wird in der Veterinärsmedizin routinemäßig zum Einschläfern von Tieren eingesetzt. Dass es dabei zu Mordversuchen an Menschen kommt, ist mir nicht bekannt.

Bösewichte, die Menschen ermorden, werden in Deutschland von der Polizei in Gewahrsam genommen und in aller Regel mit mehreren Jahren Haft bestraft. Deswegen haben wir auch keine Notwendigkeit, Küchenmesser und Plastiktüten allgemein zu verbieten, nur weil jemand sie als Mordwaffe verwenden könnte.

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Ich kann jemandem auch mit der Kante eines Blatts Papier erhebliche Wunden zufügen. Nur: Papier wird nicht vorrangig zum Umbringen hergestellt. Natrium-Pentobarbital schon. Oder möchtest du auch Panzer im Autohaus verkaufen lassen?

Wie bereits erwähnt kann man Menschen mit vielen Werkzeugen umbringen. Ein Panzer ist für einen humanen Freitod nicht notwendig. Ein humanes Suizidmittel wie Natrium-Pentobarbital hingegen schon. Mord wird nicht durch das Verbieten aller denkbaren Mordwerkzeuge verhindert, sondern durch das Strafrecht.

Wenn die Piratenpartei keine freiheitliche Position zu dem Thema Sterbehilfe einnehmen möchte, dann ist das selbstverständlich zu respektieren. Ich werde dann halt eine andere Partei unterstützen.

Und für beides brauchst du aus gutem Grund eine Genehmigung.

Leider hast du den “guten Grund” bei Natrium-Pentobarbital nicht genannt. Dass man Menschen damit umbringen kann, ist gerade kein Grund. Das kann man auch mit einem Küchenmesser. Wenn du keine Argumente hast, werde ich dich fortan ignorieren.

Wenn die Piratenpartei keine Nische besetzen möchte, die von den Wählern im Land gewollt ist, dann haben wir auch keinen Grund, sie zu unterstützen.

Der “gute Grund” ist derselbe, aus dem du nicht einfach so Kokain und Heroin kaufen kannst darfst: Das Betäubungsmittelgesetz ist dagegen. Gute Nachrichten für dich: Die Piratenpartei möchte dieses Betäubungsmittelgesetz seit Jahren grundlegend reformieren - Natrium-Pentobarbital fiele auch darunter. Damit ist dein Wunsch erfüllt.

Ich bin erschüttert.

Gesundheitspolitik ist keine Nische. Netzpolitik ist eine Nische.

Gibt es nähere Informationen darüber, wie genau das BtMG reformiert werden soll? Ich konnte über die Suchfunktion und im Parteiprogramm und in den Wahlprogrammen nichts detailliertes finden.