Marktwirtschaft für alle?

Traditionell wird für Armut von seiten der Linken bzw. Progressiven der Kapitalismus als Schuldiger benannt. Allerdings will es mir nicht so recht einleuchten warum ausgerechnet die freie Marktwirtschaft die in den letzten 200 Jahren nachdem Sie den Feudalismus abgelöst und uns so viel Wohlstand gebracht hat an den sozialen Problemen schuld sein soll. Denn als reinem Tauschsystem Arbeit gegen Geld, Geld gegen Konsumgüter hat Sie ja gar nicht die Aufgabe für einen entsprechenden Sozialen Ausgleich zu sorgen. Dafür ist dann der Sozialstaat zuständig.

Armut, egal ob in Form von Arbeitslosigkeit, Niedriglohn, Armutsrenten und so weiter ist ja in erster Linie durch einen Mangel an Geld bzw. Kaufkraft gekennzeichnet welcher dafür sorgt das die betroffenen Menschen nicht bzw. nur ungenügend an der Marktwirtschaft teilhaben können. Dies kommt dann auch faktisch einem Ausschluss aus dem sozialen Leben gleich. Wer kein Zugriff auf Geld hat hat daher auch keinen Anteil an dem im Überfluss produzierten Gütern, also der Produktionskapazität bzw. Produktionsmitteln.

Aus diesem Grund finde ich auch ein allgemeines Bedingungsloses Grundeinkommen sehr interessant da es quasi allen Menschen unabhängig von ihrer persönlichen Situation die Teilhabe und Teilnahme an der Marktwirtschaft ermöglicht. Im Grunde kann man so ein BGE daher als das Bedingungslose Recht betrachten am Kapitalismus teilnehmen zu dürfen ohne ausgeschlossen werden zu können. Dadurch wird dann auch ein sehr hohes Maß an Individueller Freiheit und Unabhängigkeit möglich da eine permanente Einmischung von staatlichen Sozialbürokratien in das Leben der Menschen nicht mehr notwendig ist. Die doch arg Planwirtschaftlich bevormundenden Behörden wie z.B. die Arbeitsagentur könnten somit durch eine einerseits sozialere und andererseits marktwirtschaftlichere Alternative ersetzt werden.
Das alte und in vielen Fällen nicht mehr erfüllbare “Recht auf Arbeit” wird somit durch ein Recht auf Marktzugang ergänzt. BGE bedeutet somit nicht weniger Kapitalismus oder ein Begrenzung des Marktes sondern im Gegenteil eine Ausweitung der Marktwirtschaft auf alle indem die Zugangsbeschränkung, das Vorhanden sein von Einkommen bzw. Vermögen entfernt wird.

Vielleicht müssten wir daher mehr darüber nachdenken wie wir mehr Menschen einen Diskriminierungsfreien Zugang zur Marktwirtschaft/Kapitalismus verschaffen als darüber wie wir den Kapitalismus überwinden. Möglicherweise ließe sich aus dieser Perspektive ein neuer Sozialliberalismus entwickeln und auch Öffentlichkeitswirksam in Wahlkämpfen vermarkten. Nach dem Motto, mehr Kapitalismus für Alle wagen.

Was denkt ihr dazu ?

Wenn man das in diesem Maßstab betrachtet, dann ist das richtig, dass die Wirtschaft sich gut entwickeln konnte und damit auch der Wohlstand wuchs. Es wird aber auch sehr viel in den Entwicklungsländern produziert und dort sieht es mit dem Wohlstand nicht so gut aus. Der Kapitalismus, wie es ihn heute gibt, schafft eine Konzentration von Geldmengen. Das Geld ist immer mehr ungleich verteilt und damit auch die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich mit Geld ergeben. Die Frage ist die, ob die die so viel Geld besitzen, dieses im Sinne der Gesellschaft richtig einsetzen. Bei den Arbeitsbedingungen hat man immer darauf verwiesen, dass der Markt keine besseren Bedingungen zulässt. Man braucht das Geld für anderes um im Markt bestehen zu können. Das bedingungslose Grundeinkommen wird dieser ungleichen Verteilung, wenn sie nur für Deutschland gilt, wenig entgegensetzen können. Es muss einmal genau analysiert werden, welche Probleme es genau gibt und wodurch die entstehen. Durch Steuern sollen die Gewinne ja verteilt werden, aber das sieht in der Praxis ja häufig so aus, das die großen Unternehmen diese nicht zahlen müssen und es können Arbeitsschutzgesetze verschärft werden.

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Auch wenn die Situation in den Entwicklungsländern immer noch vergleichsweise schlecht ist so gibt es doch manchenorts auf die Wirtschaft bezogen deutliche Verbesserungen. z.B. China nachdem mehr Marktwirtschaft zugelassen wurde. Anders z.B. in Kuba, nordkorea wo es keine Marktwirtschaft gibt oder einigen Islamischen Ländern Somalia, Afghanistan usw wo sich diese Aufgrund von Bürgerkrieg nicht entwickeln kann.

Natürlich muss es ein gerechteres Steuersystem geben, ohne dieses ließe sich ein BGE ohnehin nicht finanzieren. Ein entsprechender Umbau wäre da nochmal ein ganz anderes Thema das durchaus notwendig wäre. Genauso wie natürlich Korruption/Lobbyismus weiterhin ein großes Problem bleibt für das ein ganz anderes Bewusstsein und Lösungen gefunden werden müssen. Die jetzige Marktwirtschaft bietet schließlich keine Chancengleichheit da Konzerne 1.) Keine Steuern zahlen 2.) vom Staat mit Subventionen und Rettungspaketen gepimpert werden. Schon allein deshalb gegen KMU massiv im Vorteil sind.

Denkbar wäre doch auch wie Sonneborn das gerade immer wieder vorschreibt ein Maximaleinkommen bzw. Maximal Privatvermögen um zu verhindern das einige sehr wenige Einzelpersonen zu viel Macht anhäufen.

Kapitalismus und Marktwirtschaft haben selbstzerstörerische Aspekte.
Unreguliert zerfällt der Markt in Monopole oder Oligopole und die ungleiche Verteilung schafft Armut und Superreiche.

Man kann versuchen in hinreichend großen Strukturen die Probleme durch Regulation in Schach zu halten. In einer globalisierten Wirtschaft klappt das nicht mehr gut.

Wobei Monopole immer auch nur existieren weil Sie von der Staatsmacht durchgesetzt werden. z.B. indem Urheberrechte, Patente usw als Staatliche Monopolansprüche gewährt werden. Oder die Regulierung so komplex ist das nur Konzerne die umsetzen können (z.B. Uploadfilter, Leistungsschutzrecht usw) Die Staatsmacht also aktiv dafür sorgt das nur noch Konzerne am Markt bestehen können. Lobbyismus/Korruption ist hier dann das ursächliche Problem.

Stimmt, und dann wählen die Leute Nationalisten wie Trump um die Produktion zurück zu holen und somit wieder nationalstaatlich managbar zu machen.

Das BGE einmal mit eine solchen Argumentation zu vertreten finde ich ansonsten gut. Die Frage ist, ob das BGE einen Menschen so groß am Kapitalismus beteiligen kann, wenn schon sehr viel für die Lebensunterhaltskosten drauf gehen. Das kommt drauf an, wie viel Geld das dann tatsächlich sein sollte.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft in der immer geschaut wird: Was hast du erreicht? Was für eine Arbeit hast du? Was für einen Bildungsabschluss? Das erzeugt sozialen Druck und diese Menschen fühlen sich dann sehr schlecht und das geht dann auf die psychische und physische Gesundheit. Und diese Gedanken werden durch die kapitalistische Denkweise gefördert. Das bedingungslose Grundeinkommen setzt durch die Bedingungslosigkeit dieser Denkweise etwas entgegen.

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Damit man mehr an der Marktwirtschaft teilnehmen kann, muss es möglich sein, sein Vermögen zu vermehren. Damit das jeder kann, muss dies auch mit einer kleinen Geldmenge möglich sein. Früher ging das leichter, da man höhere Zinsen auf dem Sparbuch bekam. Jetzt lohnt sich das sparen kaum noch. Wer mehr Vermögen hat, hat andere Möglichkeiten sein Geld zu investieren und damit Gewinne zu erzielen. Es gibt gute Gründe von der Politik aus, die Nullzinspolitik zu fahren. Leute mit wenig Einkommen haben so aber wenig Möglichkeiten leichter zu mehr Geld zu kommen.

Mit den neuen Technologien wird er möglicherweise auch neue Wege geben, Geld leichter zu verdienen. Mit den Internet of Things werden die Geräte dann eigenständig ihre Daten zum bestmöglichen Preis verkaufen. Dann werden diese auch als neue Geldquelle genutzt werden können. Stichwort: IOTA. Es darf dann nur nicht so kommen, dass man auf diese Dinge angewiesen ist, da die eigene Arbeit nicht mehr genug Geld einbringt.

Das stimmt natürlich, hier bleibt dann nur noch in ETFs, Aktien, Bitcoin usw zu investieren. Höheres Risiko aber auch höherer Gewinn. Zinsen auf Bankeinlagen wird es so schnell nicht mehr geben, da es ein immer größeres Überangebot an Geld gibt. Evtl würde es sich dann ja wieder mehr lohnen in eigene Projekte zu investieren.

Kritisch wird das eher dann wenn darauf gesetzt wird das der Markt/Finanzprodukte dann die Rente sichern sollen. Wenn der Markt hin zu 0% Zinsen tendiert macht das keinen Sinn mehr. Auch nicht wenn durch technischen Fortschritt ein Vollzeit Arbeitsleben schwieriger wird und somit die Menschen gar nicht mehr permanent einzahlen können.

Darüber sollte einmal ernsthaft nachgedacht werden.

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Löst das Problem auch nicht ansatzweise und ist das übliche Bashing, mit dem man sich zufrieden gibt.

Was läuft jetzt besser an Unternehmen wie Lufthansa und TUI an denen der Staat sich beteiligt oder der Bahn?

Der kleine Steuerzahler bekommt einen Packen von Papier zugeschickt und muss tausende Gesetze beachten, damit das einträufelnde Geld im großen Strom versenkt wird.
Damit der Bäcker nicht betrügt braucht jeder einen umweltschädlichen Kassenbon.

Ich stecke jetzt nicht so tief in der der Wirtschaftsthematik drin, aber so wie ich das verstehe wurde die Null Zinspolitik eingeführt, weil die Wirtschaft schwächelte und mehr Geld wieder in den Umlauf gebracht werden sollte, damit das Geld sich nicht auf dem Sparkonto weiter ansammelt. Dies funktioniert auch bei kleinen Vermögen. Bei größeren Vermögen greift dieser Ansatz jedoch nicht richtig, wie man jetzt feststellen muss. Das Vermögen von Milliardären wächst weiter stetig an. Diese Leute wissen gar nicht mehr wofür sie das Geld alles ausgeben sollen. Somit sammelt sich immer weiter das Geld auf privat Konten an und steht nicht mehr dem Markt zur Verfügung. Auf eine weitere Verschärfung der Zinspolitik zu setzen und von der Null Zinspolitik weiter auf eine negative Zinspolitik zu gehen, wird die Leute wieder besonders treffen, die nur sehr wenig Geld auf dem Konto haben. Es muss also nach neuen Möglichkeiten gesucht werden, dass das Geld auf den Konten wieder in den Umlauf gebracht wird. Ein Maximaleinkommen und eine Maximalvermögen wären eine Möglichkeit dies zu tun.

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Man kann natürlich eine Pflanze die vertrocknet wässern.
Nur man sollte sich auch um die Ursachen kümmern.
Und wie Du beschreibst, braucht man jetzt halt noch mehr Wasser, weil die Pflanze noch schneller vertrocknet.

Ein Maximaleinkommen und/oder Maximalvermögen hat Auswirkungen hat schwerwiegende Auswirkungen auf Entscheidungen in Unternehmen oder private Investitionen.

Je nachdem, wo man die Grenze zieht können dann Unternehmen oder Privatinvestoren nicht mehr selbst entscheiden.
Die Entscheidungen trifft dann ein Banker oder Verwalter.
Persönlich bezweifele ich, ob diese Personen, die da eingesetzt werden,moralisch, sozial-ethisch bessere Entscheidungen treffen, da davon auszugehen ist, der deren Interesse zunächst einmal das der persönlichen Bereicherung ist.
Sehr schön ist das doch z.B. bei Insolvenzverwaltern zu sehen.
Wenn man sich so ansieht, was da so alles bei Karstadt, bei ThomasCook etc geschehen ist, dann bezweifele ich, dass das im Interesse der Gemeinschaft ist.
Ansonsten ist die Piratenpartei gefühlt im Grunde eine, die
einerseits Privates zulässt und beschützt,
andererseits aber auch Gemeinsames fördert.

Wenn man die Vermögensgrenze bei einer Milliarde ziehen würde, könnten privat Personen immer noch sehr viel an Geld in Projekte investieren. Das würde in Deutschland 100 Leute betreffen. Es haben sich Millionäre doch schon selber geäußert, dass sie für mehr Abgaben sind. Wie gesagt, die Personen müssen erst einmal Projekte finden, um in diese Investieren zu können. Das Geld häuft sich bei einigen wenigen an, das ist das Problem, oder siehe ich das wirtschaftlich falsch? Man könnte anstatt einer Begrenzung auch höhere Abgaben anstreben, aber der Effekt wäre dann nicht so schnell und so stark.

Für dieses Problem müssten dann noch Lösungen gefunden werden.

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Das wäre aber der sinnvolle und zielgerichtete Weg, mit dem man relativ präzise vorgehen könnte.

Aber auch nur beim Bäcker, bei Banken und Konzernen schaut niemand genau hin (siehe CumEX, Wirecard usw) da vom politischen Lobbyismus protegiert die Kosten dafür hat dann am Ende der “Bäcker” zu zahlen…

Marktwirtschaft kann es eben nur dann geben wenn gleiches Recht für alle gilt und das ist eben immer weniger der Fall.

In erster Lienie wohl um zu verhindern das die Wirtschaft in eine Deflation abrutscht und somit zum erliegen kommt. Früher durfte kein Geld gedruckt und in Umlauf gebracht werden da dies sonst Inflation ausgelöst hätte. Heute muss der Markt mit Geld vollgepumpt werden damit es keine Deflation gibt. Die Zeiten ändern sich eben.

Könnte das mit der Digitalen Revolution zusammenhängen welche zu massiven Effizienssteigerungen der Produktion und somit zunehmender Marktsättigung bzw. Überangebot führt ?

Ökonomien der Vergangenheit waren ja von Knappheit geprägt, die Digitale Revolution schafft da eher das Problem das Wege gefunden werden müssen den Überfluss zu managen was mit den Regeln welche für die Verwaltung von knappen Gütern konzipiert sind dann eben nicht mehr richtig funktioniert.

Im Grunde treffen alle Menschen ersteinmal egoistische Entscheidungen, zumal erst recht jene welche in Macht Positionen sind. Um an Machtpositionen zu gelangen muss man sich nämlich gegen viele Konkurrenten die auch dorthin wollen durchsetzen und das geht zumiest nicht wenn man dabei nur nette und liebenswürdige Methoden anwendet.

D.h bedarf es Kontrolle, am besten durch die Öffentlichkeit und Presse die eben dann am ehesten gegeben ist wenn mehr Transparenz sicher gestellt wird. Das zwingt dann eben auch den größten Egoisten sich zu mäßigen um nicht den eigenen guten Ruf aufs Spiel zu setzen. Transparenz kann so durchaus zu etwas sozialerem Umgang führen, auch dann wenn die Menschen charakterlich nicht besser sind als zuvor.

Diese Haltung aka Soziale Marktwirtschaft hat sich ja historisch gesehen durchaus bewährt und der Konkurrenz (Sowjet Sozialismus) bzw. Freier Markt ohne Sozialstaat ala USA in jeder Hinsicht als überlegen gezeigt. Soweit also die vernünftigste Position wobei das ja auch immer Aushandlungssache ist in der konkreten Ausgestaltung.

Eine Begrenzung würde dazu führen das mehr in Stiftungen bzw. Allgemeinnützige Zwecke investiert wird. Die Bill & Melinda Gates Foundation als Beispiel dürfte mit dem Geld vermutlich besser umgehen können als eine Staatliche Bürrokratie wo es dann wieder viel eher politischen Interessen folgend verteilt würde. D.h Millardäre durch eine Vermögensbegrenzung dazu zwingen mehr in klar transparent organisierte allgemeinnützige Organisationen zu investieren wäre eine Alternative zu einem monolithisch rein staatlichen Umverteilungssystem.

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Es hat sich aber gezeigt, dass Transparenz kontinuierlich mit allen Mitteln abgewürgt wird und weite Teile den Sinn von Transparenz nicht verstehen.

Bei einer Begrenzung würde dies möglicherweise automatisch geschehen, dass Millionäre, bevor sie wegen der Begrenzung das Geld abgeben müssen, es lieber selber in eigene Projekte investieren wollen. Das wäre für die Wirtschaft auch OK und für die Gesellschaft, wenn das Geld in soziale Projekte fließt oder für die Gründung von gemeinnützigen Organisationen genutzt wird, sogar möglicherweise sinnvoller sein.

Transparenz ist ja auch ein sehr neues Thema. Ohne Internet wäre diese kaum zu organisieren und dafür hat es natürlich (noch) nicht das entsprechende Bewusstsein in der Bevölkerung. Das wäre u.a eine der Bereiche wo Parteien (Piraten ?) an einer entsprechenden Willensbildung arbeiten könnten. U.a weil man gerade mit den von den anderen bisher vernachlässigten Themen ja durchaus auch als Alleinstellungsmerkmal punkten kann.

Das heißt aber ja nicht, das es nicht funktioniert. Das viele den Sinn von Transparenz nicht verstehen kann ich so nicht sehen. Woraus ließe sich das ableiten?

Persönliche Erfahrungen in der Piratenpartei, die das eigentlich im Programm stehen hat und mit Gemeinden, die nicht bereit sind, ihre Protokolle offenzulegen.