Linux Sucks - Warum das freie Betriebssystem noch immer keine Chance am Desktop hat

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https://www.derstandard.at/story/2000117968846/linux-sucks-warum-das-freie-betriebssystem-noch-immer-keine-chance

Die Piraten wollen ja mehr OpenSource und Linux in Behörden und Bildungseinrichtungen. In dem Artikel und dem Vortrag wird Linux hart kritisiert, mit anscheinend fachkompetenten Aussagen. Was haltet ihr von der Kritik an Linux ? Sind die Argumente berechtigt oder nicht ?

Kann politisch etwas getan werden damit Linux vielleicht eines Tages doch noch zu einer echten Alternative wird ?

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Das ist so ein Henne-Ei-Problem. Wird wenig Linux genutzt, gibt es wenige, die daran weiterarbeiten. Gibt es wenige, die weiterarbeiten, gibt es wenige neue Nutzer.

Und ich denke, bei aller berechtigter Kritik, ist es erstmal ein politisches Problem. Wie viele Schulen setzen auf Linux? Das eine Beispiel, das kürzlich auf Netzpolitik.org veröffentlicht wurde ist nur ein Tropfen auf einem ziemlich heißen Stein. Damit steigt auch die Hemmschwelle für Kinder sich mit Linux (auch im späteren Leben) zu befassen. Es gilt immer als “schwer” und “da muss man Befehle schreiben können”, auch wenn die Realität nicht so wild ist.

Mit steigender Nutzerzahl steigt auch die Entwicklerzahl und auch die portierte Software, was besonders für Spieler eine große Hemmschwelle zum Wechsel darstellt. Auch könnte sich dadurch das Problem mit “Paketformaten” lösen, wenn sich ein System bei den Verbrauchern besonders durchsetzt.

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Da ist was dran, aber ich sehe es doch wie sehr sich die Linux Szene verzettelt. Zig verschiedene Distributionen die noch zueinander inompatibel sind. Da werden so viele Resourcen vergeudet weil nicht zusammen gearbeitet wird.

Ich habe vor ein paar Jahren eine Wlan Antenne gekauft, da gibts Linux Treiber dafür auf einer CD. Lies sich auf dem Ubuntu aus dem Jahr 2016 installieren. Bei der Version von 2019 wegen irgendwelchen Paket-Abhängigkeitsgedönse plötzlich nicht mehr. Ist halt geil wenn ein Betriebssystem selbst zu sich selbst inkompatibel wird… Nuja. Sowas machen die Leute halt nur einmal mit und bleiben dann bei Windows.

Hab da eher das Gefühl der der Erfolg nicht aus Mangel an Entwicklern ausbleibt sondern das es zu wenig Koordination und Strategie gibt um dafür zu sorgen das sich gemeinsame Standards wirklich durchsetzen.

Ich frage mich ob man das Lösen könnte wenn zum Beispiel eine standardisierte Distribution von der EU entwickelt wird welche dann von allen Ländern und Behörden gemeinsam eingesetzt werden könnte.

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Ich sage ja nicht, dass er falsch liegt. Aber es darauf zu beschränken halte ich für zu kurz gedacht. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich mir gerade erst sein Video anschaue. Sieht auf die ersten Minuten hin schon recht vielversprechend aus.

Es fehlt halt oft auch an Empathie Nutzern gegenüber welche nicht aus der Nerd Szene kommen. Habe es schon oft erlebt das in Linux Foren unbedarfte Nutzer einfach auf Google verwiesen wurden anstatt das man geholfen hätte usw. Das es zig verschiedene Desktopoberflächen gibt die sich vom Feeling her meist eher an sehr erfahrene User wenden macht es nicht unbedingt leichter für Neueinsteiger.

Da fehlt aber eben auch der Anreiz das zu ändern, Apple oder Microsoft müssen nutzerfreundliche Software entwickeln ansonsten kriegen Sie es nicht verkauft oder verlieren Marktanteile an die Konkurrenz die es besser macht. Da Freie Software in der Regel nicht verkauft wird entfällt eben dieser Marktanreiz komplett und es stehen bei der Entwicklung andere Dinge im Vordergrund mit der Folge das am Bedarf des einfachen unbedarften Nutzers vorbei geplant wird. Außnahmen sind nur dort zu finden wo Linux im Kapitalistischen Umfeld entwickelt wird, z.B. Android das ja auf Linux basiert. Dort steht dann die einfache Benutzung wieder im Mittelpunkt da damit ja der profitorientierte Massenmarkt erreicht werden soll.

Versucht doch mal standard Debian auf einem Tablet zu installieren, das Ergebniss dürfte vom Feeling und Handling her gesehen doch eher sehr “verbesserungswürdig” sein. Gerade jetzt wo viele Schulen auf Tablets setzen sind da eben Microsoft und Apple was die Nutzungsqualität angeht eben Lichtjahre vorraus. Ist eben leider so und es bringt ja auch nichts wenn man diese Fakten leugnet.

Bei Behörden sollte das aber weniger eine Rolle spielen, da ist es ja Aufgabe der IT einen fertigen Desktop mit allen benötigten Tools zur Verfügung zu stellen so das der Angestellte Nutzer sich damit ja dann kaum befassen muss. Da es aber auch abzusehen ist das in den Behörden, gerade aufgrund von Corona zunehmend mobile Geräte wie Tablets, Convertibles usw zum Einsatz kommen werden könnte hier Linux weiter an Boden verlieren. Denn eine 0815 Distro die sehr stabil auf einem altmodischen Desktop PC oder Webserver läuft tut dies nicht zwangsläufig auf jedem Notebook, bzw. Convertible Notebook/Tablet usw.

Ich habe mal längere Zeit im Linux Support gearbeitet, der Auwandt den das verursachen kann sollte man nicht unterschätzen so das das ganze am Ende nicht in jedem Fall günstiger ist als die teuren Microsoft Lizenzen. Am Ende entscheidet dann eben doch der freie Markt aufgrund einer knallharten Kosten/Nutzen Rechnung was sich durchsetzt und was nicht. Idealismus spielt bei solche Entscheidungen dann nur ganz selten eine Rolle.

Hier ist dann Linux auf dem Server, Cloud und Rechenzentrum absolut unschlagbar und weit überlegen verliert hingegen aber ganz klar im Desktop Bereich.

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Daß Microsoft anwenderfreundliche Software erstellt, ist doch, allerspätestens seit den Kacheln, die sie trotz vielfach entgegengesetzter Benutzerwünsche weiterbetrieben haben, ein Gerücht. Das gleiche mit dem Startmenü. Der einzige Gruind, warum sich an MS-Software orientiert wird, ist, daß man nichts anderes kennt. Das ließe sich aber dadurch ändern, daß z.B. in Schulen, Behörden und Unternehmen generell mehr freie Software eingesetzt wird, und dadurch Schüler, Bürger und Mitarbeiter damit in Berührung kommen,

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Erstmal an alle gerichtet: Nachdem ich mir das Video angesehen habe, muss ich schon zugeben, dass der Sprecher nicht ganz unrecht hat. Ich bleibe aber trotzdem der Auffassung, dass nicht alles darauf zurückzuführen ist.

Die Desktopoberflächen sind insgesamt aber eher eine Stärke von Linux. Ich kenne Nerds, die ihren Desktop möglichst simple haben wollen und alles über Konsole laufen haben, was geht. Ich selber nutze sehr gerne KDE, auch wenn es “Resourcen verschwendet”. Aber hey, ich liebe nunmal grafische Oberflächen und Windows kommt nicht ansatzweise an die teils simplen, aber tollen Funktionen heran.
Neulingen muss man das Prinzip einer “Desktopumgebung” aber erstmal erklären und nach deren Wünschen und Vorstellungen einen geeigneten Desktop raussuchen.

Habe nie einen Apple gehabt, deswegen zum Zitat: Hahahaha…haha…hahahahaha :grinning: Nichts für ungut, aber seit XP wird das doch ein immer größerer Berg an Problemen. Mal ein Beispiel aus meiner täglichen Praxis: Screenshots.
Ich drücke die Screenshot-Taste [Druck]. Ich öffne Paint. Ich füge das Bild aus dem Zwischenspeicher ein. Ich habe arbeitsbedingt mehrere Monitore mit 2 verschiedenen Auflösungen und wenn ich nur einen Monitor im Screenshot haben will, muss ich jedesmal irgendwie versuchen die Maße möglichst pixelgenau auszuschneiden. Dann kann ich abspeichern und habe meinen Screenshot. Benutzerfreundlich, nicht wahr?
Jetzt Linux (Debian+KDE): [Druck] -> Fenster öffnet sich mit umfangreichen Screenshotfunktionen, die aber einfach bedienbar sind -> Screenshot fertig,

Anderes Beispiel:
Updates: “Windows muss neugestartet werden”. Das nervt mich manchmal enorm, obwohl es meist nur einmal im Monat ist. Linux bekommt täglich seine Sicherheitsupdates, kann das aber auch im eingeschalteten Zustand ausführen.

Das sind so alltägliche Beispiele, die das Arbeiten enorm erleichtern. Da rede ich noch nicht von Problemen wie 2 Systemsteuerungen, nicht löschbarer Explorer wegen Abhängigkeiten anderer Programme, nicht löschbare Programme wie Edge oder Cortana damit der User davon bloß nicht wegkommt usw. Das ist alles andere als nutzerfreundlich.

Dank Librem 5 (Purism) und Gnome tut sich hier gerade etwas. Purism hat unter anderem libhandy entwickelt, mit denen sich Applications recht einfach auf mobile Endgeräte anpassen lassen. Und mit PureOS gibt es auch ein voll konvergentes Debian für Smartphone, Tablet und Desktop. Und Pine entwickelt ja ebenfalls ein Smartphone und zusätzlich ein Tablet. Die Community wird nun also ebenfalls anfangen mitzuentwickeln. Leider kommt die Hardware 10-20 Jahre zu spät, weswegen auch die Software in den Bereichen so spät anfängt. Tabletfähiger Linuxdesktop

Übrigens: mein Problem damals war ein AMD-Grafiktreiber, der gerne mal Aussetzer hatte. Das ist die Kehrseite, die ich erfahren musste. Aber mein Windows 10 stürzt auch gerne mal ab (öfter als jedes andere Windows, das ich nutzte). Besonders seit dem letzten Funktionsupdate.

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Der normale Computerbenutzer braucht:

  • Office
  • Browser
  • Mail

Und es ist völlig egal was für ein Betriebssystem unter Libre Office, Firefox und Thunderbird arbeitet.

Brauch ich aber noch ne Bankingsoftware und eine Steuererklärungssoftware, dann sieht es schon etwas schlechter aus.

Will ich meine Urlaubshandyvideos mit einer Schnittsoftware aufarbeiten oder für meine Band Notenblätter erarbeiten, dann wird es schon schwieriger.

Bin ich Powergamer der immer die neuesten Spiele spielt, dann bleib ich wohl besser noch ein Weilchen bei Windows.

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Ich zitiere Mal aus dem Nürnberger Wahlprogramm aus diesem Jahr
Einsatz von Open Source Software in der Verwaltung
Nachdem in München das „LiMux“-Projekt aus primär politischen Gründen eingestellt
wurde, sollte Nürnberg hier ein Pilotprojekt zur Nutzung freier Betriebssysteme anstreben. So können Abhängigkeiten von amerikanischen Unternehmen wie Microsoft
oder Apple verringert und Kosten gespart werden. Als kurzfristige Maßnahme soll benutzte, proprietäre Software durch vergleichbare freie Software ersetzt werden (wie
z.B. Microsoft Office durch Libre Office). Diese unterscheidet sich in der Bedienung
oft nur gering und bietet den Mitarbeitern so eine angenehme, schrittweise Umstellung.
Zudem muss für die Stadt erstellte Software grundsätzlich unter einer freien Lizenz
veröffentlicht werden. Was von allen bezahlt wird, muss auch allen zur Verfügung
stehen!” (parteipiraten-nuernberg.de)
Und hier ein Artikel zu Linux an Schulen: https://netzpolitik.org/2020/mit-linux-rechnern-zur-digitalen-nachhaltigkeit/.
Es kommt natürlich auf das Einsatzgebiet an, in der Verwaltung macht es aber zum Beispiel durchaus Sinn, auf Open Source umzusteigen. Das ist eigentlich im zitierten Wahlprogramm ganz gut erklärt. Und Open Source in der Verwaltung ist ja nicht nur Linux, sondern dann auch zum Beispiel die Verwaltungssoftware.
Ich persönlich finde toll an Linux, dass es auch gut auf alten Geräten läuft. Ich schreibe gerade auf einem 6 Jahre alten Laptop, der zu langsam für Windows geworden ist und jetzt super mit Linux läuft :smiley:

Zum Beenden klicken sie Start.

Das Usability-Lab von Microsoft war schon immer Weltspitze.
Es wurde behauptet Multiplan, Chart und Word hätten die gleichen Benutzeroberfläche, was natürlich unsinnig war.
Alles reines Markting. Man muß es den Menschen nur einreiden.
Zeile 1 Spalte 2 + Zeile 3 Spalte 3 war natürlich viel besser als B1+C3.
Auch so schöne Bezeichungen wie Bildlaufleiste, Einfügemarke oder Eingabetaste stammen von Microsoft.
Dass kein Benutzer mit Datenbanken arbeitet ist ebenfalls die Leistung von Microsoft, denn sie hatten nie ein Datenbankprogramm, das funktionierte.
Die Welt arbeitet heute mit Mircosoft, da IBM glaubte, auf ihren Personal-Computern das unbekannte Microsoft-Betriebssystem MS-DOS einsetzen zu müssen, um sich vom Wettbewerb abzusetzen.
Ansonsten ist die Software-Entwicklung von Windows doch inzwischen völlig tot.
Damit ist kein Geld mehr zu verdienen.
Dafür gibt es halt Apps, deren Lebenszyklus sich auch dem Ende zuneigt.

Womit das Betriebssystem doch heute nahezu irrelevant ist.

Ich schreibe hier gerade von einem OdroidX Board das mit Debian läuft, nutze selbst viel Linux da ich damit aber oft an Grenzen komme aber eben auch viel Windows10. Was das Gaming angeht gibt es dienste wie schadow.tech da kriegt man einen Windows10 Server mit einer Gaming GPU auf die man dann im Stream zugreifen kann, damit läuft dann auch quasi jede andere Windows Software.

Und was kommt nach den APPs ?

Am einfachsten wäre es natürlich wenn sämtliche Behörden Software im Browser läuft. Dann wäre das Betriebssystem in der Tat völlig egal und es würde mit jedem OS gleichermaßen laufen ohne das irgendwas portiert werden muss.

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Das System der APPs habe ich noch nie verstanden.
Um ein paar Daten hoch- oder runterzuladen braucht doch nicht jeder ein eigenes Programm.
Es mag ja Offline-Anwendungen geben, die sinnvoll sind, da sie Daten auf dem Gerät belassen, aber die Masse der APPs schickt doch nur Daten hin und her.

Eigentlich hast du es schon verstanden es geht um Marketing und Vertrieb.

Profi-Fotografen brauchen Fotoladen und kaufen/mieten dann die Software auch.
Hobby-Knipser wollen allenfalls das Bild etwas zuschneiden und die roten Augen wegmachen.
Die Hobby-Knipser kaufen eine Software wie Fotoladen nicht, allenfalls nutzen sie eine Raubkopie. Da die Software für sie zu mächtig ist, finden sie sie auch schwer zu bedienen und empfehlen sie auch nicht. Die Hobby-Knipser zahlen aber für eine App die nur 2 Sachen kann, zuschneiden und rote Augen wegmachen bis zu 5€ und vielleicht nochmal 5€ um einen Text in das Bild zu schreiben.
Da es sehr viel mehr Hobby-Knipser gibt als Profis, kann man hier mehr Geld verdienen.

Daher werden die Apps bleiben, weil sie nur durch Mietsoftware abgelöst werden könnten.

Das ist doch schon wieder das nächste Krebsgeschwör in der anwenderbezogenen IT. Einerseits hat man endloshohe Latenzen zwischen Eingabe und Ausgabe, was für Actionspiele aller Art ungeeignet ist, andererseits ist das die nächste DRM-Plattform, die sogar über DRM von Steam weit hinaus geht. Und gerade Deutschland mit seinen 100kb/s Flecken wird das nicht einmal komplett nutzen können. Vom Datenschutz will ich hier noch gar nicht anfangen.

Und wie viele Verträge sollen Spieler abschließen um alle Spiele zu spielen, die sie wollen? Epic Games fängt ja auch schon mit Exklusivtiteln auf dem PC an. Einige Spiele, die Epic selbst nicht produziert, werden in diesem Shop 1 Jahr lang exklusiv angeboten über Verträge, bei denen Epic für die Exklusivität den Entwicklern etwas zahlt. Heißt im Umkehrschluss aber auch, das ist wieder der Anfang von einem System, dass sich alle Plattformen zu eigen machen können und der Kampf bei Streamingplattformen erst richtig beginnt. Siehe auch Netflix, Amazon Video Prime Dings, Disneys Streaming Plattform usw. Bei Spielen ist das eine Nummer schärfer, weil Spieler mit den Spielen interagieren und deshalb mehr Bezug zu dem Medium haben als zu einem Film. Das bedeutet, die Leute kommen dort einfach noch schwerer drum herum.

Das ist auch wieder so so eine Zentralisierungsentwicklung im schlimmsten Fall und der User ist definitiv der Leidtragende - mal wieder.