Lieferkettengesetz?

Was ist eigentlich von diesem Lieferkettengesetz zu halten ? Der Idee also das alle Firmen und Händler verpflichtet werden sollen zu beweisen das die Waren mit denen Sie arbeiten nicht aus ausbeuterischem oder umweltzerstörerischen Produktion kommen.

Ist das ein zu hoher Bürrokratischer Aufwandt wie die Industrie es uns vorjammert ?

Hm, also ich finde es ja etwas merkwürdig das sich jetzt Großkapitalisten um das Wohl der Arbeiter und Proletarier auf dieser Welt kümmern sollen. Das wirft ja schon Fragen auf.

Frage: Ist es profit orientierten Konzernen zuzutrauen etwas gutes für die Arbeiter zu leisten und für deren Löhne und Rechte zu kämpfen nur weil das so ein Lieferkettengesetz vorschreibt ? Schließlich haben die doch ein Interesse an niedrigen Löhnen.

Mal angenommen das Lieferkettengesetz ist “erfolgreicht”, ja was passiert denn dann ? Braucht es dann noch Gewerkschaften oder wird dann so manche Regierung sagen. Was ?? Ihr Wollt streiken und das obwohl für euch doch schon bestens gesorgt ist ?

gerade Regimen in Entwicklungs und Schwellenländern, wo Gewerkschaften ja ohnehin unterdrückt werden. Würde denen das nicht recht kommen, nach dem Motto die Kapitalisten sorgen ja bereits bestens für euch lasst uns diese rebellischen Linken Parteien Gewerkschaften usw halt ausschalten.

Also statt Lieferkettengesetz fände ich es besser den Import von Produkten aus Ländern wo keine freie gewerkschaftliche Organisierung zugelassen ist mit hohen Strafzöllen zu belegen. Besser selbstbewusste Lohnabhängige die für ihre Rechte selbst kämpfen dürfen. Oder liege ich da etwa falsch ?

Nuja, vielleicht schweife ich da mit meinen Gedanken mal wieder viel zu weit ab. Vielleicht aber auch nicht. Was denkt ihr denn zu diesem Thema ?

Unabhängig, was ich davon halte, ist unsere programmatisch beschlossene Position derzeit in Bezug auf Lieferketten auf Agrarproduktion beschränkt und nachfolgende:

Lieferketten transparent machen

Wir wollen eine Landwirtschaftspolitik, die zunächst kurze Wege sucht, und zwar vom Erzeuger über den Verarbeiter, Vermarkter bis hin zum Verbraucher, damit kann auch die Kette der Wertschöpfung innerhalb einer möglichst eng umgrenzten Region bleiben und diese stärkt. In so organisierten regionalen Netzwerken ist ein hohes Maß an Transparenz häufig schon durch die persönlichen Kontakte gegeben und kann durch Blockchain-Systeme abgesichert werden.
Wir wollen ein Lieferkettengesetz für Argrarprodukte, das neben der Offenlegung von Lieferketten eine personelle Anpassung an den behördlichen Betriebsprüfungs- und Überwachungsumfang beinhaltet.

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Menschenrechte > bürokratischer Aufwand.
Nager IT stellt z.B. möglichst faire Computermäuse her und man sieht bei dem Projekt gut, dass es schwer ist, wirklich alle Zulieferer zu überprüfen. Wäre aber ein Gesetz da, gäbe es genügend Nachfrage. Entsprechen würden dann auch alle, die fair produzieren, das auch zertifizieren lassen. Ist bei Bio-Produkten doch genauso.
So wie ich das verstehe, müsste alles, was in demokratischen Staaten passiert, nicht extra zertifiziert werden - das träfe nur die Diktaturen (China und Co.), nach meinem Verständnis.

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Also leider ist mein Antrag zu dem Thema bei der AKo in Ungnade gefallen, da ich nicht genau spezifiziert habe, wo der Text eingefügt werden soll. Aber hier wäre dann drin, was davon zu halten ist:
https://antrag.piratenpartei.de/p/1F15ARXTM-24WYZ/keine-generellen-lieferkettengesetze

Ich finde diese Grafik hier sehr schön:

Was den meisten Leuten dabei nicht klar sein dürfte ist, dass die unterste Zeile davon in sehr viel mehr Unternehmen zerfällt, als dort als Kästchen drin sind. Denn die Rohstoffe kommen bei den jeweiligen Komponentenlieferanten nicht aus nur einer Quelle. Oft kommen Metalle vom allgemeinen Metallhandel, weil die verarbeiteten Mengen zu klein sind, als dass der Bauteilehersteller direkt beim Produzenten kaufen würde.

Letztlich sitzt man bei so einem Produkt wie der Maus mit einer Lieferkette von mehreren 100 Unternehmen da. Macht natürlich Sinn, dass jeder noch so kleine Hersteller das jedes mal (vergeblich) versuchen soll aufzudröseln. Ordentliche Handelsabkommen abzuschließen wäre bestimmt zu viel Aufwand…

Ach ja: Das Gesetz betrifft nicht nur große Unternehmen, sondern auch beliebig kleine, wenn die an große Unternehmen liefern.

Ich verstehe, die Frage ist: Wie weit soll man die LIeferkette nachprüfen? Ich könnte mir aber vorstellen, dass in einem vernünftigen Gesetz die LIeferanten eben für alle ihre Lieferanten Nachweise vorlegen könnten und dafür garantieren und haften, dass ihre Zulieferer sauber sind. Dadurch muss man dann nicht wirklich die ganze LIeferkette prüfen - sondern nur die Prüfung der Zulieferer prüfen und sich Garantien geben zu lassen. Im Endeffekt würden Lieferanten aus sauberen Quellen (Demokratien, gute FIrmen) günstiger, weil sie kein Haftungsrisiko haben - je mehr man aus zweifelhaften Quellen kauft, desto teurer wäre die Garantie, man muss die Gefahr, entdeck zu werden, einpreisen. Eigentlich ein guter Anreiz, genau zu prüfen, ob nicht ein Sublieferant im Lager in China produziert. So wie es heute ist, ist es unterträglich - Blutgold, Zwangsarbeit, … und als deutscher Hersteller musst du faktisch mit Zwangsarbeitslagern in China um günstige Preise konkurrieren.

Nager IT selbst fordert ein strikteres Lieferkettengesetz um deutsche Firmen zu schützen - und die müssen es ja wissen, niemand kennt die Problematik besser:
“Verantwortung #MadeInGermany braucht ein starkes #Lieferkettengesetz. Erinnere deine Abgeordneten jetzt mit einem #Lieferkettenbrief an ihre Verantwortung: lieferkettenbrief.de

Ich bin immer begeistert, wenn Firmen mit entweder einfachen Produkten, oder dem grundsätzlichen Setup ökologisch B2C sich die Welt so einfach vorstellen. Nager IT sollte erst mal vorführen wie sie als kleines Unternehmen ihre Lieferkette komplett durchleuchten. Ich esse besser in der Zwischenzeit kein Popcorn, das hält der Magen nicht aus.

Den Versuch unsere Lieferkette durchzuchecken habe ich vor ein paar Jahren mal gemacht. Das Ergebnis war, dass ich sogar noch viel früher stecken blieb, als ich befürchtet hatte. Die Menge der Lieferanten in der Elektronik ist einfach enorm.

Das Lieferkettengesetz ist der Versuch aus dem Kuchen die Eier wieder raus zu holen. Dabei ist die eigentliche Aufgabe darauf zu achten, dass am Anfang nur gute Eier rein kommen. Das geht aber nur, wenn auf zwischenstaatlicher Ebene gehandelt wird. Nur dazu sind die Regierungen einfach zu feige, oder zu korrupt.

Bei Elektronik müsste man ja nicht nur gucken wie die Sozialen Bedingungen bei deren Herstellung sind sondern auch was drin ist…

NSA Backdoor, Chinesischer Hardware Trojaner und so weiter… Wer kann da schon Komponenten Transparenz liefern ?

Wäre es da statt Lieferkettengesetz nicht besser generell die Produktion nach Europa zurück zu holen und dann hier transparenter zu gestalten ?

Na ja, wenn das so einfach wäre. Es gibt nicht umsonst weltweit verschiedene Cluster, die auf bestimmte Dinge spezialisiert sind. Für viele Dinge macht die Produktion nur dann Sinn, wenn große Stückzahlen konzentriert werden und da wird es dann halt dünn damit in jeder Region alle Dinge zu machen.

Ganz krasses Beispiel dafür war vor einigen Jahren die Konzentration der Herstellung des Kunststoffes für IC-Gehäuse. Das kam fast ausschließlich aus einem einzelnen Werk von Sumitomo. Das fiel dann durch das Kobe-Erdbeben aus. Seit dem gibt es wieder ein paar Hersteller die das liefern, aber viele sind es auch nicht. Da ist einfach nicht viel Geld mit zu machen, wenn die Mengen nicht riesig sind.

B2C? Nager IT verkauft zu einem großen Teil an Unternehmen. Weil die mittlerweile auch ethische und ökologische Standards haben.