Libra: 'Kryptowährung' oder 'digitale Währung'

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Eine Kryptowährung, ist im allgemeinen ein unabhängiges, verteiltes und digitales Zahlungsmittel, welches auf kryptographischen Werkzeugen wie Blockchains und digitalen Signaturen basiert.

Auch wenn Facebook seine geplante private Währung Libra selbst als Kryptowährung bezeichnet, sehe ich Libra im Gegensatz zur Definition als abhängig und zentral. Ebenso konträr zu Währungen wie Bitcoin und co. steht, dass die Libra Association, laut Webseite, Transaktionen Rückgängig machen kann. Weiterhin ist Libra durch einen Korb an verschiedenen Währungspaaren gedeckt und der Prozess der Währungsschöpfung findet ebenfalls zentral statt, was der Libra Association die Möglichkeit zur Geldpolitik gibt.

Ich finde aus den genannten Gründen daher die Bezeichnung als Kryptowährung verschleiernd und unpassend. Gerade auch, da der Standard-Bürger dann meint, “Bitcoin hat ja nichts geändert, also wird Libra das auch nicht”. Ist für mich ein bisschen so, als wolle man mit gezielter (Falsch-)Kategorisierung eine Diskussion klein halten.

Ich finde, dass es daher notwendig ist, eine andere Bezeichnung zu verwenden, um auf die Unterschiede – zwischen sowohl den staatlichen Währungen, Regionalwährungen, privaten Papierwährungen, als auch den derzeitigen Kryptowährungen – hinzuweisen und würde daher den Begriff ‘digitale Währung’ oder ‘private digitale Währung’ vorschlagen.

Seht ihr das anders, mach ich da überzogen ein Fach auf, oder stimmt ihr mir zu?

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Dazu gab es schon mal eine ähnlich gelagerte Diskussion.

Ich bin mir nicht sicher ob sich derzeit eine Diskussion darüber überhaupt noch lohnt. Inzwischen sind ja einige große Schwergewichte, aus der Finanzbranche, schon wieder ausgestiegen aus dem Projekt. Und ich finde, wir sollten das Projekt eher kritisch betrachten statt sich der Namensgebung bzw. der Einordnung zu widmen. Finde ich, aber das sagt ja nichts ob sich nicht noch andere Ideen auftun.

Ich kenn den Thread, in der Diskussion geht es um die Auswirkungen von Libra, ich hab einen neuen aufgemacht, weil ich tatsächlich gerne seperat diese eine Terminologiefrage diskutieren wollte. :wink:

Meines Erachtens definitiv.

Genau dafür gibt es ja den anderen Thread. :wink:

Der eingeführte terminus technicus ist virtuelle Währungen.
Warum soll man davon abweichen ?

In Hinblick auf die rechtliche Einordnung von Libra empfehle ich die Ausarbeitung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.

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Mal aus deinem Link zitiert:

Virtuelle Währung
Ausführliche Definition
eine digitale Darstellung von Werten, die nicht von einer Zentralbank, einem Kreditinstitut oder einem E-Geldinstitut herausgegeben wird, die aber unter bestimmten Umständen als Alternative zu Geld dienen kann.

Die Libra Association ist definitiv eine Institution, welche die Währung Libra schöpfen kann. Der einzige Unterschied zu einer gedeckten staatlichen Währung ist, dass das Firmenkonglomerat um Facebook die Hand drüber hat.

Ich fürchte eher das Libra dann neue Gesetze/Regulierungen zur Folge haben wird welche den anderen, also dezentralen Kryptowährungen schaden werden. Daher sehe ich es skeptisch wenn Großkonzerne in einen solchen Markt einsteigen.

Eigentlich ist streng genommen nicht mal Bitcoin eine Kryptowährung, da es pseudonymisiert und nicht anonymisiert ist und man entsprechend auf der Blockchain theoretisch alle Transaktionen eines Pseudonyms nachverfolgen kann, sobald man ein Pseudonym identifiziert hat.

Entsprechend ist Libra erst recht keine Kryptowährung. “Digitale Währung” trifft es wohl am besten, denn Libras einziger Anspruch ist ja wohl Geldwert von A nach B zu transferieren.

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Aber auch als Girokonto zu dienen. Libra ist kein reiner Zahlungsdienstleister wie Western Union

Wenn Libra im Gegensatz zum Euro keine Negativ Zinsen hat, dann könnte es sich auch lohnen Geld dort zu parken. D.h Geld das derzeit nirgends investiert wird langzeit zu lagern ohne das es verloren geht.

Du weißt schon, was Geld ist?

Immerhin hat das Handelsblatt angefangen von Digitalwährung statt Kryptowährung zu sprechen, Artikel von vor einer Stunde: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/kryptowaehrung-zuckerberg-verteidigt-umstrittene-digitalwaehrung-libra-im-us-kongress/25147506.html?ticket=ST-42711889-5FcEd5qWChBE31bTyboS-ap6
Ich hoffe die behalten das bei :smiley:

Das hängt davon ab, ob die dpa es beibehalten wird :wink:

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Darf ich mal nachfragen, was das für ein Geld ist, welches Du auf dem eventuell vorhandenen Girokonto hast? ist das analog Geld oder digital Geld?
wenn Du es aus dem Automaten holst ist es jedenfalls Zentralbankgeld - so steht es zumindest auf den Scheinen …

Aber was ist das auf dem Girokonto? Laut Text der EZB ist es “Buchgeld”
In wieweit unterscheidet sich das Buchgeld vom Digitalwährung?

Kluger Gedanke. Betrachtet man Buchgeld und die gedruckten Scheine künstlich als unterschiedliche Währung, wäre im Endeffekt Buchgeld eine Digitalwährung, welche durch Papiergeld gedeckt ist. Wobei die Deckung nur teilweise gegeben ist, da es nicht für jeden Euro Buchgeld einen Euro Papiergeld gibt. – Da Euro aber sowohl in digitaler, als auch in Papierform existiert, ist der Euro natürlich keine reine Digitalwährung.

Nein. Es gibt eine Vereinbarung, dass man das Giralgeld gegen Zentralbankgeld in Form von Scheinen aus dem Automaten holen kann oder in Form von Münzen (die von den Münzprägeanstalten des Bundes geliefert werden) - eine Vereinbarung ist keine Deckung. Und auch das der Euro das gesetzliche Zahlungsmittel ist - bedeutet nichts anderes, als das man mit dem Euro garantiert seine Steuerschulden begleichen kann.
In der Finanzkrise 2008 war es wichtig, das Angela Merkel eine vollständige Auszahlung bis 100.000,- €) zusicherte. “die Spareinlagen sind sicher” lautete die Überschrift der Meldungen. Es ist die gesetzliche “Einlagensicherung”

Die “Deckung” liegt in der Geldschöpfung (=> Kreditsicherheit) - wenn überhaupt eine Deckung vorhanden war. Diese Deckung flog den Banken September 2008 um die Ohren. Danach wurde die Sicherheit des Geldes im “Gesetz zur Errichtung eines Finanzmarktstabilisierungsfonds” geregelt. Mit anderen Worten: Der Bund (also der Steuerzahler) haftet für die Geldschöpfung der privaten Banken. Das ist die größtmögliche Deckung des Geldwerts.
Es ist das erste und einzige Gesetz welches von Donnerstag Abend bis Sonntag Abend als Eilgesetz verabschiedet werden musste.

" Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz (FMStG) (mit Artikel 1 Finanzmarktstabilisierungsfondsgesetz (FMStFG)) ist ein Artikelgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das als Eilgesetz am 17. Oktober 2008 verabschiedet, vom Bundespräsidenten unterschrieben und noch am selben Tag im Bundesgesetzblatt verkündet worden ist."

ein besonderes Augenmerk sollte auf die Schöpfer dieses Gesetzes gelegt werden: Eine Englische Anwaltskanzlei, die seit 1743 für die Bank of England arbeitet … Die Unternehmensgeschichte von Freshfields reicht zurück bis ins Jahr 1743, als die Kanzlei in London gegründet wurde und Samuel Dodd als Rechtsanwalt für die Bank of England bestellt wurde, die bis heute ein Mandant der Kanzlei ist.

Schwierig zu sagen. Wenn ich 10 kg Gold nehme, 20 Anteilsscheine zu je 500g dieses Goldes verkaufe, mit welchen dann Handel und Tausch stattfindet, sind diese Anteilsscheine im Endeffekt nichts anderes als eine private Währung. Das Kunde S bei mir diese Scheine wieder in Gold eintauschen kann, ist eine Vereinbarung/ein Vertrag. Ich kann auch einfach sagen, Pustekuchen, gilt nicht mehr. Nichtsdestotrotz ist das geschilderte Szenario nach meinem Verständnis eine gedeckte (private) Währung. Gedeckt heißt, dass eine Tausch-Vereinbarung/Vertrag existiert, nach welcher ich Währung X in Gut/Güterbündel Y eintauschen kann. Vereinbarungen/Verträge können immer ‘nicht eingehalten’ werden.

Im Extremfall könnte ich dann auch 40 Anteilsscheine zu je 500g verkaufen, wenn ich davon ausgehe das niemals alle Kunden ihr Gold wieder umtauschen wollen. Mit dem so mehr eingenommenen Geld kann ich dann spekulieren und dieses bei Bedarf wenn alle Kunden ihr Gold wollen wieder in echtes Gold umtauschen um dieses an die Kunden zu liefern.

D.h bei Geld gibt es nie die Garantie das dieses tatsächlich durch einen realen Wert gedeckt ist. Viel entscheidender ist der Glaube der Kunden daran das es etwas wert ist. Ohne diesen Glauben wäre Bitcoin auch nur ein paar wertlose Datenblöcke ohne jede relevanz.

D.h ist doch Geld viel mehr ein soziales Konstrukt als das es einen tatsächlichen Gebrauchswert symbolisiert.

Richtig - Der Giralgeld Euro nichts anderes als eine private Währung - seit 17 Oktober 2008 auch mit “Staatsgarantie” - und das Ganze wird in Euro fakturiert - jedoch ist die EZB nicht der Erschaffer des Geldes sondern die Rolle der EZB ist nur derjenige, der angehalten ist jederzeit Scheine zu liefern wenn die privaten Banken ihre digitale Währung anbieten. Das ist ein “Markt”
Das die EZB die Geldmenge regeln soll bzw den Euro stabil halten soll behauptet diese Institution zwar bei jeder Gelegenheit - ich finde keine Möglichkeit wie die EZB das schafft. (Ihr fehlen dazu die wirksamen Werkzeuge)

Jetzt die spannende Frage: Warum darf/soll/kann Facebook das nicht auch machen?