Libra - das neue Geld?

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Eh’ ich lang herumlabere - bitte diesen Artikel lesen. Ist ein wenig lang, aber sehr aufschlussreich.

Macht mir ein bisschen Angst, was da auf uns zurollt, zumal die praktische Geschäftstätigkeit der Amazon, Uber, Facebook & Co diesen Befürwortern des “revolutionär neuen Geldsystems” ja recht zu geben scheint.
Wie stehen wir also zur Idee des Libra; emittiert von Zuckerberg et al.? Cool oder gefährlich?

Der o.g. Artikel schließt mit den Worten:

“Über so eine Struktur, ebenso wie über Mechanismen der nationalen Mitbestimmung muss nachgedacht werden. Um solche positiven Potenziale zu durchdenken, gilt jedoch, was uns die Digitalökonomie seit Langem vormacht: “Move fast”. Seid schnell. Auf alle Fälle aber sollte der gesunde Menschenverstand vermitteln: “Fear to break things.” Habt Angst vor der Zerstörung, egal, ob kreativ oder nicht.”

Ziemlich treffend, würde ich sagen.

Es zielt vor allem auf Zweite und Dritte Welt Länder ab, weil da noch horrende Spesen für Überweisungen verlangt werden (z.B. eine Überweisung von Rumänien nach Deutschland kostet minimum €14, umgekehrt natürlich gratis) und die Leute deswegen Dienstleister wie z.B. Western Union benutzen (eine Überweisung minimum €8).

Für den Westen wird es wohl lediglich als Zahlungsmittel für Spiele o.ä. innerhalb von facebook interessant.

Dann lösen sich 160 Mrd. $ Bitcoin in Luft auf.

Vom Erfolg von Libra scheinen die Bitcoin-Käufer nicht überzeugt zu sein.

Ziemlich gefährlich. Das eine versprechen, das andere dann tun. Die Thematik Datenschutz betreffend. Hinzu kommt etwas weitaus gefährlicheres, private Firmen können auch ganz privat ihren Laden dicht machen, wenn denen danach ist. Wo bleibt dann das Geld? Überlassen wir privaten Firmen jetzt auch noch die Währung, um Staaten unter Druck setzen zu können? Eine bessere Erpressungsmaschinerie ist nicht mehr möglich. Wenn sie ihren Laden schließen, für jeden gibt es Alternativen. Für Zahlungsmittel sieht das anders aus.

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Zumindest eine Coole Übergangssituation. Die derzeitigen Banken sind nicht auch nicht gesetzlich. Und eine VAG Bank erzeugt schließlich auch Geld mit dem die eigenen Produkte (Autos) finanziert werden. Sie erzeugen lediglich (außerhalb des Rechtsbereiches) etwas, was i.d.R. als Gesetzliches Zahlungsmittel von Finanz- und Justizbehörden akzeptiert wird. Finanz- und Justizbehörden akzeptieren die bisher erzeugten Währungen “in der Regel”
oder beschlagnahmen gefährliche Währungen und die zugrunde liegenden Goldreserven (Libyen/Gaddafi).
Das Risiko einer feindlichen Übernahme geht Zuckerberg wohl ein.
Seine Macht beruht

  • auf seiner Größe
  • sein von ihm selbst kontrolliertes Nachrichtensystem
  • die Daten, die gesammelt wurden und gesammelt werden

Also - Solange die Verbraucher die Facebook Bubble / das Zuckerberg Imperium nicht verlassen, ist alles in Ordnung. Der die das Libra ist erst dann autark bzw in der Lage die Welt zu beherrschen, wenn es Staaten gibt, die Libra als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren. Davon sind wir aber erstmal entfernt. Die bisherigen Geldschöpfer sind jedenfalls beunruhigt und sind es nicht gewohnt einen Gegenspieler zu haben.

Das finde ich spannend - wie legitimieren sich die bisherigen Hütchenspieler gegenüber einem Kontrahenten?

Gut formuliert. Ich würde noch hinzufügen, dass die Kontrahenten selbst keine Hütchenspieler sind, sondern mächtige Vertreter vom Stamme Nimm, die ganz genau wissen, was sie tun. Im Gegensatz zum “alten Bankensystem” ist ihre Informationsbasis sowohl sehr viel breiter als auch präziser. Wir haben sie selbst mit unseren Daten versorgt und tun es jeden Tag auf’s Neue und mit immer höherer Geschwindigkeit. Diese Geschwindigkeit wird sich nicht nur verdoppeln, sondern vervielfachen, wenn der Libra um sich greift und die Betreiber der “coolen Dienstleistungen” auch noch einen Großteil unserer Zahlungsflüsse kontrollieren.
Der Perfide dabei: Das neue System ist deutlich effizienter und am Anfang auch preiswerter für uns Kunden als das bestehende. Amazon als Online-Händler liegt auf der gleichen Schiene - effizienter und preiswerter gegenüber vielen anderen Onlineshops, vom sterbenden Einzelhandel gar nicht zu reden. Aber was ist der wahre Preis dieser Effizienz? Bezos muss ja irgendwie an sein Milliardenvermögen gekommen sein. Den Trickle - Down - Effekt möchte ich persönlich keinem Mitarbeiter im polnischen Amazon-Verteilungscenter erklären wollen. Der würde dann vermutlich zum Baseballschläger greifen.
Insofern: Ein gut etablierter Libra wird massiv disruptiv sein und das, was Amazon aktuell treibt, könnte uns am Ende als Kindergeburtstag vorkommen.

Aber ja @ukw - du hast völlig recht: Wir haben tatsächlich die spannende Situation, dass der Libra gegen einen mächtigen Gegner, nämlich das etablierte Bankensystem antritt. Das ist dann doch `ne andere Nummer als z.B. das von Uber betriebene Bauernlegen im Taxigewerbe.

Schade im Übrigen, das Geldpolitik und Wirtschaft nicht unsere Kernthemen sind. Dafür ist Profi Lindner zuständig.

LG - Tensor.

Wird irgendwann eine Reform dieses auf ungedecktem Papiergeld beruhenden Geldsystems notwendig?

Ja, das Geldsystem ist in dieser Form nicht nachhaltig. Die hohe Verschuldung betrifft das gesamte Weltfinanzsystem. Bis zu einer Währungsreform kann es noch lange dauern, aber die Bevölkerung beginnt zunehmend, das System infrage zu stellen. Mein Vater hat noch die lateinische Münzunion erlebt. Diese wurde nicht aufgelöst, sie ging einfach zugrunde. Zurzeit ist ein Trend hin zu mehr Wettbewerb im Geldsystem zu beobachten. Nur Wettbewerb bringt die Sanierung, und diese braucht einen langfristigen Aufbau. Die Blockchain schafft neue Möglichkeiten, und gedeckte alternative Währungen entstehen. Auch Facebooks Libra könnte eine Parallelwährung werden, auch wenn sie nicht alle Geldfunktionen erfüllen dürfte. Für den Zahlungsverkehr wird Libra wohl sehr gut geeignet sein. Als Wertmassstab und für die Wertaufbewahrung wird sie wohl weniger taugen – ausser vielleicht in Krisenländern wie Venezuela.

Internatioonale Zahlungssysteme

Libra, die Kryptowährung von Facebook

Das System

Facebook hat angekündigt, ein neues Zahlungssystem einzuführen, gegründet auf der Blockchain- und der dazugehörigen Distributed Ledger Technology (DLT). Im Ledger werden die Transaktionen gespeichert. Die Tatsache, dass Facebook die Einführung eines neuen Zahlungssystem ankündigt, kommt einem Beben in der Finanzwelt gleich.

Das Zahlungssystem soll über die „Libra Association“ (LA), eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Genf, herausgebracht werden. Der Nutzer muss eine App herunterladen, sich durch ein Bild identifizieren und kann dann mit dem Smartphone bei den am System teilnehmenden Firmen bezahlen. Die App, über die die Zahlungen abgewickelt werden sollen, wurde Calibra getauft.

Facebook verzeichnet 2019 monatlich etwa 2,38 Milliarden aktive Nutzer. Wenn nur ein Bruchteil von ihnen Libra zur Abwicklung von Finanztransaktionen, zum Kauf und Verkauf von Gütern und zur Überweisung von Geld verwendet, wird das neue Zahlungssystem schnell eine weltweite Monopolstellung erreichen, zumal Unternehmen wie Uber, eBay, Spotify, Vodafone, Visa, Mastercard und PayPal mit zu den Gründungsmitgliedern zählen. Facebook setzt auch auf die 2 Milliarden Menschen in den weniger entwickelten Ländern, die noch kein Bankkonto haben, da Überweisungen mit Western Union oder MoneyGram teurer sind. Libra basiert auf derselben Blockchain-Technologie wie andere Kryptowährungen auch, z.B. Bitcoin, Ethereum. Facebook verspricht, dass das Libra-System sehr benutzerfreundlich und die Transaktionskosten sehr gering sein werden. Die Ankündigung von Facebook hat zu zahlreichen Treffen bei Zentralbanken, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und anderen multilateralen Organisationen geführt, wie man sich zu der neuen „Währung“ verhalten soll. Einige Kommentatoren begrüßen das neue private Geld, andere wollen, dass die Regierungen das Vorhaben verbieten.

Das Zahlungssystem Libra wird sich nur durchsetzen, wenn es günstiger ist als das der Privatbanken. Wenn die Libra populär wird, werden die Menschen ihre nationalen Währungen, bspw. Dollar, Euro, Pfund, Renminbi, Rupien, gegen die neue digitale Währung eintauschen, um ihre Zahlungen zu tätigen. Um Bargeld in Libra-Währung umtauschen zu können oder sich Libra-Guthaben bar in jeweiliger Landeswährung auszahlen zu lassen, muss Libra mit Banken und Einzelhändlern zusammenarbeiten. Libra erlaubt einfache Kontoeröffnung, in Zukunft auch für Unternehmen. Libra verkürzt die Abrechnungszeit für alle Transaktionen von Tagen und Wochen auf Minuten und Sekunden.

Das eingezahlte Geld soll als Sicherheit in Pfund, Euro oder Yen angelegt werden, um den Kurs des Libra stabil zu halten. Es sollen immer nur so viel Libra im Umlauf sein, wie Menschen die neue Währung kaufen, halten und nutzen. Libra ist als prinzipiell inflationsfrei konzipiert.

Libra ist Wertaufbewahrungsmittel. Das ist wichtig bei Negativzinsen bei Banken. Das Halten des eigenen Geldes in Libra wäre nicht nur gut, um damit effizient und global zu zahlen, sondern auch, um damit zu sparen. Zwar bietet die Libra Association keine Zinsen auf Libra an, aber das stört den heutigen Kleinsparer in Europa nicht, denn Zinsen gibt es sowieso nirgendwo.

Facebook oder der Libra-Verband können riesige Einnahmen erzielen, indem sie das Geld der Libra-Nutzer etwa in verzinsliche Staatspapiere investieren. Sie könnten auch versucht sein, zusätzliche Libra zu emittieren, um sich weitere Gewinne zu verschaffen.

Facebook kann mit zusätzlichen Werbeeinnahmen der am Libra-Zahlungssystem teilnehmenden Unternehmen rechnen, wenn Libra bei den Kunden und in der Geschäftswelt in Gebrauch ist.

Facebook hat die Mitglieder der LA ausgewählt, damit Libra ein Erfolg wird. Im schlimmsten Fall muss man mit einer Monopolstellung bei den Zahlungssystemen rechnen.

Wirtschaftliche und politische Probleme

Die Ankündigung von Facebook, zum jetzigen Zeitpunkt ein weltumspannendes Zahlungssystem einrichten zu wollen, wirft viele wirtschaftliche und politische Probleme auf.

Ein hohes volkswirtschaftliches Risiko für einen Staat besteht in der eingeschränkten Kontrollierbarkeit der Inflation. Wenn sich die Inflation beschleunigt, erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen und die Mindestreservesätze, um einen Teil des umlaufenden Geldes zu vermindern. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen wird erheblich beeinträchtigt, wenn durch die Libra zusätzliche Liquidität erzeugt wird. Trotz dieser Risiken ist die Forderung nach einem sofortigen Stopp der Libra nicht der richtige Schritt. Unklar ist, von welchem Gesetzgeber und mit welchem Gesetz die Libra gestoppt werden könnte. Die Libra unterscheidet sich nicht wesentlich von den anderen Internetwährungen. In einer globalisierten Welt wird sich ein Land, das die Libra ablehnt, nach und nach von den anderen Ländern isolieren, in denen die Libra verwendet wird. Man braucht neue Gesetze und globale Verträge, um negative Auswirkungen zu vermeiden und die Macht der Organisation, die diese neue Währung einführen will, einzudämmen.

Wenn die Nutzerzahlen in die Milliarden gehen, werden die Zahlungen in die Billionen gehen. Den Nutzern muss von Anfang an klar gemacht werden, dass bei einem Zusammenbruch des Unternehmens ein Totalverlust ihrer Guthaben droht. Ein Zusammenbruch der Libra würde zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führen. Die Politik sollte gar nicht erst versuchen, das Unternehmen zu retten. Das Höchste, was man machen könnte, wäre für eine vernünftige Abwicklung zu sorgen.

Facebook, Google, Mastercard und Uber sind Spieler in der “Überwachungsökonomie”. Sie machen ihr Geld damit, dass sie das Wissen über ihre Kunden analysieren und weiterverkaufen. Zwar gibt es ein offizielles Versprechen der Libra Association, dass man die Kunden der Währung nicht ausspionieren möchte. Problem ist nur, dass die Unternehmen hier kein Vertrauen genießen. Nimmt man die Marktkapitalisierung aller Libra-Akteure zusammen, werden diese finanzielle Sanktionen kaum fürchten, selbst wenn es um Milliarden geht. Regierungen sollten also von vornherein mit Freiheitsentzug drohen und internationale Strafverfolgungsabkommen schließen, um den individuellen Akteuren der Libra Association von vornherein klar zu machen, dass demokratisch legitimierte Nationalstaaten und deren Rechtssysteme auch in 2019 noch eine Rolle spielen.

Der Finanzausschuss des US-amerikanischen Unterhauses hat Facebook bereits schriftlich aufgefordert, die Entwicklungen der Plattform auszusetzen, bis Risiken geklärt sind. Wie zu erwarten war, ignoriert das Konsortium die Aufforderung und “schreitet voran”. Es sei aber bereit, die Fragen der Politiker zu beantworten und mit ihnen zu kooperieren. Es gilt wie immer das Facebook-Motto: “move fast and break things”. Die Regierungen einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Für die USA wäre die Verarbeitung der digitalen Weltwährung in US-amerikanischen Datenzentren ein großer Machtvorteil. Genau diesen Datenverarbeitungsstandort müssen die europäischen Regierungen mit Libra aushandeln. Wer in einem Land einem Bürger ein digitales Portemonnaie oder Libra-basierten Bezahlservice anbieten will, muss die gesamte Datenverarbeitung in dem Land organisieren, in dem dieser gemeldet ist, im Joint Venture mit europäischen Unternehmen. Telekomanbieter könnten sich unter nationalstaatlicher Aufsicht ein neues Geschäftsfeld aufbauen. Big-Data-Verarbeitungs-Know-how würde in Europa gestärkt. Innovation könnte gefördert werden, wenn gesetzlich zementiert wird, was Libra verspricht: dass die Plattform offen sein soll für Services, die nicht nur aus dem Konsortium stammen. Strenge, transparente Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren müssen die Voraussetzung für jede App sein, die Libra Coins integriert.

Wie wird das neue Zahlungssystem die globale Geldpolitik verändern?

Libra erlaubt internationalen Zahlungsverkehr und macht Währungsgeschäfte überflüssig. Libra wird sich an den Dollar binden. Das stärkt den Dollar als Währungssystem. Man kann davon ausgehen, dass Libra zu Beginn den Kurs von Dollar zu Libra im Verhältnis 1:1 festlegen und fest anbinden wird. Bindung an den Dollar schließt nicht aus, dass das System für Wechselkursmanipulationen verwendet werden kann. Schwache Währungen können weggepustet werden. Damit gewinnt LA Macht über andere Staaten. Der amerikanische Staat kann dann über den Hebel Libra Macht auf andere Staaten ausüben.

Libra löst einen kalten Krieg von Währungssystemen aus, zumindest zwischen China und Russland auf der einen Seite und den USA und Europa auf der anderen Seite.

LA hat keine Verantwortlichkeit gegenüber irgendeiner Institution. Finanzdaten von Milliarden Kunden können wertvoller für das Unternehmen sein als der eigentliche Zahlungsverkehr.

Libra wird als private Blockchain organisiert sein. Nicht alle Nutzer können alle Transaktionen nachvollziehen. Deshalb ist eine Aufsichtsbehörde notwendig, die alle Transaktionen einsehen und ihre Integrität sicherstellen kann.

Zunehmender elektronischer Zahlungsverkehr macht Bargeld umso wichtiger. Facebook garantiert keinen Schutz der Privatsphäre. Ein Schutz der Benutzerdaten der Benutzerdaten ist nicht gewährleistet, wenn man das Verhalten von Facebook in der Vergangenheit betrachtet.

Die Möglichkeit, dass das neue Geld illegale Aktivitäten und Märkte fördert, ist groß.

Wie sollten die EU mit der Libra Association umgehen?

Die europäische Regierungen nehmen sich Zeit, um die Regelung der Libra, der Auswirkungen auf die Geldpolitik und die Libra Governance-Struktur zu durchdenken, die sie nicht haben. Das jetzige Zahlungssystem basiert auf einem Public-Private-Joint-Venture zwischen den Zentralbanken und den Privatbanken. Libra stellt dieses System vor eine völlig neue Situation, auf die das bisherige Bankensystem und die Regierungen nicht reagieren.

Im Rahmen der Erfüllung ihres Auftrags zur Aufrechterhaltung eines stabilen Zahlungssystem müssen die Zentralbanken eine aktive Rolle bei der Beaufsichtigung der Libra führen. Hierbei bietet sich an, dass die Zentralbanken Kopien des Ledgers speichern und auf die Richtigkeit kontrollieren.

Die Vormacht des Libra und der damit verbundenen Stärkung des Dollar kann die EU nicht einfach hinnehmen. Die EU muss mit einem eigenem Zahlungssystem reagieren, dem eEuro .

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Selbst geschrieben oder “abgeschrieben”? Das ist nur eine Frage, denn der Text erklärt einiges ganz gut. Meiner Meinung nach verschiebst Du aber damit die Betrachtung wesentlich in eine Ecke, die dem ganzen System Libra die Chance gibt sich “zu verstecken”, also unentdeckt Dinge tun zu können. Mal ein paar Gedanken dazu.

Allein durch seine Unterstützer wird die bisherige Monopolstellung gefestigt, ja sogar ausgebaut. Man würde hier von einem Globalen Monopol sprechen, welches eine Marktbeherrschung" hätte. Es soll zwar von einer “Gemeinnützigen Organisation” geführt werden, nur ich sehe da wenig “Gemeinnutz” für die Gesellschaft. Wenn es diesen “Gemeinnutz” geben würde, müsste sich eine weitere, unabhängige Kommission/Gruppe/Verband darum kümmern, was denn Gemeinnützig ist. So wird dieser “Gemeinnutz” nur kommerzialisiert und nur an jene weitergereicht, der den Führungskräften genehm ist. (im übertragenen Sinne)

Natürlich wird sich das System durchsetzen, wenn es denn kommt. Nutzen am Ende nur 1% diese Digitale Währung, hätte man mehr Kunden als einige Europäische Länder Einwohner. Damit kann man ganze Währungen zerstören. Oder hat schon mal irgend ein Finanzhai Rücksicht genommen, wenn es darum geht Unsummen an Geld zu verdienen? Ich sage nur “Wetten auf Lebensmittel”, das sollte genügen. Damit könnte man theoretisch sogar die Schweiz finanziell in die Knie zwingen.

Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Geld regiert die Welt. Ich glaube der Spruch könnte nicht passender sein. Das System “Libra” dürfte eine Kampfansage an demokratische Grundwerte sein. Gut versteckt, wenn ich so darüber nachdenke.

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Das unterscheidet also den Libra von den bisherigen Währungen oder Cryptowährungen?

markige Worte, die Du - für eine weiteren positiv verlaufende Diskussion - unbedingt begründen solltest. Wodurch werden die demokratischen Grundwerte vom Libra … gut versteckt angegriffen?

(4) Die Union errichtet eine Wirtschafts- und Währungsunion, deren Währung der Euro ist.
https://dejure.org/gesetze/EU/3.html

in der es gleichzeitig auch Kronen, Franken, Pfund und Dollars gibt.

Persönlich habe ich grad keine Lust Dir die demokratische Legitimierung dieser Währungen herauszusuchen.
Aber man kann davon ausgehen, dass es sie gibt.
Ist aber auch bzgl, der Diskussion irrelevant.

Der Herr Zuckerberg hat welche demokratische Legitmierung eine Währung in Europa herauszugeben?

https://dejure.org/gesetze/EU/3.html

Absatz 4

wie bereits gesagt - es gab & gibt im Kern Europa mehrere alternative Währungen.

Darum geht es nicht. Lokale Währungen werden keinem gefährlich, nicht mal einem Kleinststaat. Währungen werden erst dann gefährlich, wenn sie eine Größenordnung bekommen. Ich verdeutliche das mal.

2 Mrd Nutzer bei Facebook. Wenn auch nur 1% diese Währung benutzen wollte, reden wir über 40 Mio Nutzer! Zum Vergleich, die Schweiz hat knapp 9 Mio Einwohner. Deutschland um die 80 Mio. Was denkst Du was passiert wenn private Unternehmen einfach so, ohne dass es irgend eine Regulierung gibt, eine eigene Währung, alternativ zur bestehenden, aufbauen würde? Libra kann Währungen und damit ganze Staaten kaufen, im schlimmsten Falle. Libra ist gefährlich für alle Demokratien.

dann bezahle mal Deine Steuern mit Glasperlen oder Muscheln.

Na ja - was passieren könnte, hat @Horst recht ausführlich beschrieben. Im Wesentlichen teile ich den Inhalt seines Beitrages.
Also das Facebook vorhat, gelieferte Daten direkt zu bezahlen…mhm. Wie sieht’s denn aktuell aus? Weiß das jemand.
Sicher ist: Zsaggerbörg nicht reich dadurch geworden, indem er mehr Geld `rausreicht als er einnimmt. Du kannst natürlich mehr Transparenz von Unternehmen wie Facebook fordern. Du kannst auch von einem Löwen verlangen, Veganer zu werden.

Hier eine Überlegung, wie die EU auf Libra reagieren sollte:

Grundzüge eines eEuro-Zahlungssystems

Das eEuro-Zahlungssystems wird aufgebaut auf der Grundlage der Blockchain-Tecnologie.

Hierzu wird eine eigene eEuro-Gesellschaft gegründet, die die Technologie aufbaut und das eEuro-Zahlungssystem weltweit verbreiten soll.

Der Name der Währung: eEuro.

Anteilseigner: EZB + die Zentralbanken der EU-Länder.

Das Eigenkapital wird von der EZB und den einzelnen Zentralbanken aufgebracht.

Vorteile des eEuro-Zahlungssystems:

Durch den Einsatz des Blockchainsystems können Zahlungen ähnlich preiswert wie bei privaten Blockchain-Zahlungen durchgeführt werden. Der eEuro ist international wettbewerbsfähig.

Das Zahlungssystem wird über die öffentliche Hand organisiert.

Die öffentliche Hand bietet Sicherheit vor Verlust eingezahlter Beträge.

Durch den Einsatz des Blockchainsystems können Zahlungen ähnlich preiswert wie bei privaten Blockchain-Zahlungen durchgeführt werden. Der eEuro ist international wettbewerbsfähig.

Der Schutz der Daten ist gewährleistet.

Ein Handel mit den anfallenden Finanzdaten ist verboten.

Geldwäsche kann besser kontrolliert werden

Die Geldmenge zur Steuerung der Konjunktur kann über den Euro und den eEuro besser bestimmt werden.

Andere Länder, wie Russland, Japan, China, bauen ihre eigenen Zahlungssysteme auf Blockchainbasis auf.

Der Wechselkurs des eEuro wird an den Euro-Kurs gebunden. Das stärkt die Stellung des Euro und macht die EU unabhängiger bei wirtschaftlichen Entscheidungen.

Ohne e€ überlässt die EU Facebook und der Libra Association, die Anfang 2020 das Libra-Zahlungssystem einführen werden.

Die Libra wird an den Dollar gebunden sein. Über die Libra und die Libra Association kann die US-Regierung wirtschaftlichen und politischen Druck ausüben.

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Klingt sehr gut für mich. Aber ich fürchte, der Libra wird längst Realität sein, bevor sich unsere “Profipolitiker” in diese Richtung bewegen.