Kritik an Ablauf und Transparenz des Glasfasernetzausbaus

Wie läuft das mit dem Glasfasernetzausbau in Deutschland? Wer ist dafür verantwortlich und was kritisieren die Piraten am bisherigen Ablauf, denn dieser ist offensichtlich seit mehreren Jahren im Verzug. In einer Gemeinde, in der ich gewohnt habe, hieß es z.B. schon vor 10 Jahren, dass Glasfaser kommt. Es ist aber seitdem noch nichts passiert. Kennt sich jemand mit dem Thema aus? Ich fühle mich da auf jedenfall nicht ausreichend informiert.

Auf den Informationsveranstaltungen der Telekom wird z.B. nur Werbung für Glasfaser gemacht (das Glasfaser nicht schlechter als Kupfer ist, ist mir auch klar…), aber wenig bis keine Information darüber gegeben, nach welchen Kriterien denn der Ausbau erfolgt bzw. wie dieser abläuft etc.

Deutschland und Glasfaser…
Nun ja, eine traurige Geschichte in mehrere Akten.

Dazu muss man eigentlich einen langen Bericht schreiben.
Einfach gesagt: Es ist ein Problem zwischen Bund und Ländern, und danach zwischen Ländern und Kreisen, und danach zwischen Kreisen und Kommunen.
Und in den Kommunen werden dann Gebiete bevorzugt behandelt, wo es die meisten “Vorverträge” gibt.
Übrigens mogelt auch Deutschland noch bei den Zahlen, denn in anderen Ländern werden nur FTTH und FTTB Anschlüssen gezählt.
Die Telekom zählt mittlerweile beim Ausbau auch das “Möchtegern Glasfaser” FTTC (VDSL) zum Glasfaserausbau.

Dann gibt es das größte Hindernis, der bauliche Ausbau. In allen anderen Ländern ausser Deutschland hat Glasfaser durch Micro-Trenching eine rasante Ausbauschnelligkeit bekommen.
In Deutschland wartet man aber lieber bis mal eine Straße aufgerissen wird und das Kabel mindestens 80cm, besser 150cm tief verlegt wird.
Dies nur für Glasfaser zu machen ist halt sehr teuer!

Aber hier sollte die Piratenpartei mal schön ruhig sein. Denn auch innerhalb der Partei und besonders den “Oberen” ist Micro-Trenching auch als “Blödsinn” angesehen worden.
Dies kann ich sagen, da ich 2017 auf einem BPT einen Antrag für Micro-Trenching gestellt hatte. Für mich war eigentlich klar, dass jeder technikbegeisterte Pirat zustimmen würde.
War aber sehr erstaunt, dass die Abstimmung eine Ablehnung (Einschätzung des Wahlleiters) ergab.
Na ja, es gab aber ein paar Kommunalpiraten die das Problem vor Ort kannten und den Antrag unterstützt haben. Ich durfte noch mal erklären und es wurde auf Auszählung der Stimmen bestanden.
Und siehe da,
Auszug Protokoll:

16:09 WP005 Bundesweite einheitliche Genehmigung für Micro-Trenching.

    https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2017.1/Antragsportal/WP005 

16:24 Abstimmung: WP005 ist abgelehnt 

16:25

    GO-Antrag auf Auszählung 
    Formale Gegenrede 
    Abstimmung: gemischt 
    VL beschliesst Auszählung der Antragsabstimmung 

    16:26 Auszählung der Abstimmung zu WP005 
    16:39 Abstimmung: 109 Ja 50 Nein 

Antrag WP005 ist angenommen 

Na ja, und wenn du heute in Corona Zeiten die Frage stellst, warum der Ausbau so schleppend vor sich geht schau mal im verlinkten Bericht unter:
" Zu wenig Akzeptanz für alternative Verlegemethoden"
nach. :wink:

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Ja, das ist die typische Verweigerung von provisorischen Lösungen in der BRD. Wenn dann soll alles gleich mit dem ersten Mal richtig gemacht werden, dass man danach wieder ein paar Jahre “Ruhe” hat. Da sollen dann gleich auf einmal alle Leitungen erneuert, Glasfaser verlegt und dabei die komplette Straße aufgerissen werden.

By the way In meinem Wortschatz fehlte auch ziemlich lange das Wort “Provisorium”, bin wohl auch schon von der “Nachhaltigkeitsideologie” geprägt.

Wieso nicht erstmal provisorisch auf eine Glasfaserabdeckung von über 50 Prozent gehen und dann nachrüsten?

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