Krieg, Glauben und Psychologie

Wenn ich mal so sehe was da gerade im Nahen Osten los ist, Israel vs Hamas und so. Die Leute da sind von ihrem Glauben so überzeugt das die dafür bereit sind zu sterben oder zu töten. Egal um welche Seite es jetzt geht. Egal ob Hexenjagt, Katholische Inquisition, Kreuzzüge, Nazis Stalinistische Kommunisten. Also die wo enorme Verbrechen begangen haben waren doch am Ende alles gläubige die von ihren (Wahn) Vorstellungen so überzeugt waren das die bereit waren für diese alles zu machen.

Irgendwie doch absurd das die Leute sich selbst und anderen das Leben so schwer machen nur wegen irgendwelche Hirngespinste. Passiert ja in Ansätzen immer wieder. Heute Querdenker, Qanons und Reichsbürger, whatever. Leute die so sehr Glauben das andere Argumente und Kritin nix mehr zählen. Wer da was sagt ist sofort ein böser Feind.

Frage mich gerade woher das kommt ? Wie kommt es das Menschen so ticken ?

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Gute Frage, auf die ich nur Ansätze einer Antwort hätte. Aber mit dieser Unausgegorenheit will ich hier lieber nicht um die Ecke kommen. Vielleicht gibt es ja Spezialisten, die einen essentielleren Beitrag liefern können. Vielleicht ist die Frage aber auch gar nicht interessant.

Na, Du stellst ja wirklich Grundsatzfragen! Dazu könnte
man ein ganzes Buch schreiben. Machen wir’s kurz:

Im Mittelalter war es ja üblich, immer nach Glauben+Hören zu
gehen und alles danach zu entscheiden. Dort gab es ja auch
die Hexenjagd, die Kreuzzüge, Aberglauben und überhaupt
Glauben. Der kirchliche Glaube war für viele Leute der einzige
Trost - und das wurde von den klerikalen Leuten auch für
ihre Machtzwecke ausgenutzt.

Geändert hat sich dieses “Abergläubische” eigentlich nur
durch a. Wissenschaft und b. Aufklärung. In der Wissenschaft
haben wir gelernt, dass irgendein und jeder Glaube willkürlich
ist und somit keine objektive Information ist. Nur das, was
wissenschaftlich nachgewiesen ist, existiert tatsächlich. Und
danach sollten wir unser Handeln ausrichten.

Die Aufklärung fand nach dem 30ig jährigen Krieg statt - und
ist ein Resultat aus diesem Krieg: Keine Verurteilung von
irgendjemandem nach “Hörensagen”. Man braucht ab jetzt
Beweise. Unser heuiges Rechtssystem ist ein Produkt der
“Aufklärung”! In einem “Hörensagen”-Rechtssystem kann
jeder beliebig angeklagt und hingerichtet werden: Willkür
und Terror sind Tor und Tür geöffnet. In einem Beweis-
Rechtssystem geht das nicht mehr.

Insgesamt könnte man also sagen: Wir brauchen - auch
heute noch - in unseren Schulen und eigentlich überall - noch
mehr Aufklärung und Wissenschaft.

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Ich denke dafür gibt es eine ganze Reihe verschiedener valider Gründe.

Meine These dazu ist jetzt mal das ein einfaches “Ich weiß es nicht” bei den Leuten nicht so gut ankommt wie “Ich weiß ganz genau das es so ist”… Wer in einer Gesellschaft nach Macht und Status strebt muss anderen zumindest sehr glaubhaft versichern können sehr viel Ahnung zu haben. Selbst dann wenn dem nicht so ist.
Aus dem Anspruch die “Wahrheit” zu kennen leitet sich dann auch immer der Anspruch der Herrschaft ab. Der Sultan beruft sich auf die “Wahrheit” des Koran, der Pabst auf die “Wahrheit” der Bibel, Der Kommunisten Führer auf die “Wahrheit” der Wissenschaftlichen Theorien des Marxismus, Der Nazi Obersturmbannführer auf die “Wahreiheit” von MeinKrampf und Sozialdarwinismus. Ok, das aufgelistete sind natürlich extremformen von Herrschaft.

Aber auf die Demokratie übertragen. Das Volk wählt halt niemanden der “keine Ahnung” davon hat wie ein Staat zu führen ist. Daher muss dann auch irgendeine Form von “Wahrheit” konstruiert, also erfunden werden. Entweder als mutwillige Erfindung um die Leute zu täuschen, oder oftmals auch ganz einfach als Einbildung. Wahrheit ist dabei relativ, Sie ändert sich dauernd, ist in jedem Jahrhundert eine andere. Hinter der Rechthaberei verbirgt sich also oft der Anspruch zu herrschen.

Wobei das in der Freien Marktwirtschaft ja nochmal etwas anders läuft. Da muss man erstmal beweisen das das was man behauptet auch wirklich funktioniert. Ein Unternehmer der in der Industriellen Revolution erfolgreich sein will braucht halt Dampfmaschinen die wirklich funktionieren, da riechen ideologische Behauptungen und Religiöse Bücher eben nicht mehr so einfach aus um Erfolg und Macht anzuhäufen. Zumindest in der Wirtschaft ist das so. Deshalb hat sich da Ingenieurswesen und Wissenschaftlichkeit auch durchgesetzt.

In der Politik reicht es nach wie vor irgendwas zu schwurbeln um erfolgreich zu sein. Siehe Donald Trump, AfD und co. Die Masse der Leute ist nunmal unfähig Wahrheitsansprüche zu hinterfragen. Das wird ja auch im Bildungssystem nur sehr ungenügend vermittelt, welcher Staat oder Regierungspartei hat schließlich schon gerne kritische Bürger die nicht mehr so einfach an diese oder jene Wahrheit glauben die ihnen präsentiert wird ?

Im Internet zersplittert das dann zusehends. Denn jetzt kann jede Kleingruppe ihre Wahrheit einer großen Öffentlichkeit präsentieren und ihre eigene Bubble an Anhängern aufbauen. Am Ende gibt es dann eben hunderte Gruppen die an irgendwas glauben. Die Gesellschaftsform in der alle mehr oder weniger an das gleiche geglaubt haben ist damit Geschichte, die Gesellschaft wird enorm vielfältig. Damit das dann funktioniert braucht es auch sehr viel mehr Toleranz und Respekt sowie eine Libertäre politische Kultur. Mehr direkte Demokratie ebenfalls. Weil es die Klassische Volkspartei in der alle Geschlossen auf die Selbe weise an den selben Zielen arbeiten dann so auch nicht mehr wirklich geben kann.

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Der Glaube als Kriegsgrund ist fast immer eine Verschleierung knallharter wirtschaftlicher Interessen Einzelner. Oft geht es darum innere Konflikte z.B. sozioökonomische (Armut, Ungerechtigkeit) auf einen äußeren Schuldigen zu Übertragen.

Die Querdenker/Pegida kommen mit den abstrakten Bedrohungen in der Welt nicht klar und versuchen daher diese zu leugnen oder an Personen zu binden.
Wer einen Querdenker auf die Fakten hinweist, erschwert seinen Verdrängungsmechnismus und wird daher (heftig) abgewehrt.
Gegen Personen können sie (Pegida) vorgehen und somit wird die abstrakte Bedrohung für konkret.

Klingt ein bisschen nach Piratenparteitagen.

Bereits diese Doppelnennung belegt den Beitrag von weiter oben, dass sehr vieles auf Psychologie beruht. Die meisten “Querdenker” haben früher die Grünen gewählt und sehen sich als eher links - aber weil das nicht sein darf, klebt man irgendein Neonaziframing dran und schon ist das Weltbild wieder intakt.

Das sehe ich nicht ganz so. “Fast immer” würde ich durch “häufig”. Die Idioten von der Hamas feuern ihre Raketen bestimmt nicht nach Israel, um für sich selbst ökonomisch 'was heraus zu holen. Vielmehr waren sich die Hamas-Führungspersönlichkeiten sehr wohl der Tatsache bewusst, dass sie mit diesen Angriffen ihr Leben riskieren und einige haben es ja auch verloren.
Für Bibi (Netanyahu) passt die Aussage schon eher. Als Idioten würde ich ihn übrigens nicht bezeichnen - eher als jemanden, der sich wohl dabei fühlt, das Blut anderer zu vergießen. Zumindest lassen seine öffentlichen Statements, die “Angriffe mit unverminderter Härte fortzusetzen” als der Konflikt noch am Kochen war, für mich meine andere Einschätzung zu. Und aufgepasst: Ich bin deshalb kein Antisemit. Die meisten Leute in Israel dürften Netanyahus Bluthundgen nicht besitzen, selbst die nicht, die ihm in seiner Politik folgen.
Beiden Parteien gemein ist der unerschütterliche Glaube an sich selbst, der Glaube, das “Richtige” zu tun. Der Glaube spielt demnach schon eine herausragende Rolle und muss nicht zwingend (auch nicht meistens) an die Ökonomie gekoppelt sein.
Sieht man z.B. auch den Piraten. Dort gibt es für die Anführer schon seit längerem nichts mehr zu gewinnen. Dennoch ist der Glaube ungebrochen und führt zwischen einzelnen Gruppen auch immer wieder zu kriegsähnlichen Zuständen, auch wenn es sich dabei “nur” um Psychokrieg handelt.

Das passt auch 100%ig auf beide Konflikparteien im Nahen Osten. Die Führungen sowohl in Gaza als auch in Israel fürchten um ihre Macht. Da kommt so ein kleiner Krieg, der sich machtstabilisierend auswirkt doch sehr gelegen. Kollateralschäden in den eigenen Reihen? Na und? Das ist wohl die Denke. Was ich davon halte? :face_vomiting: