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Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufheben?


#1

Das wird ja gerade diskutiert im Zusammenhang mit der Bildungspolitik, siehe z.B.:

Wie seht ihr das? Sollten wir die föderale Struktur aufgeben? Oder lieber beibehalten?


#2

Die förderale Struktur sollte beibehalten werden, allerdings wettbewerbsorientierter und transparenter gestaltet werden. Ich würde ein Belohnungssystem auf Bundesebene einführen. Wenn bestimmte Reformen und Infrastrukturen umgesetzt und bereit gestellt werden, fliesen Gelder vom Bund an die Länder. Wenn nicht, dann müssen die Länder ohne das Geld des Bundes auskommen.

Den Bürgern sollte klar ersichtlich gemacht werden, wie ihre Schule vor Ort im internationalen, deutschlandweiten und regionalen Ranking dasteht. Zudem sollten Schuldirektoren abgeschafft werden und Schulen demokratisch verwaltet werden.

Die Bundesgelder für die Bildung sollten auch dezentral über Onlineplattformen verwaltet werden.

Der Bund sollte zudem möglichst viele Ausschreibungen für innovative Lernkonzepte bzw. Experimente ausschreiben, für die sich die Schulen deutschlandweit bewerben können.


#3

Aufgeben, vollständig.

Macht keinen Sinn 15 unterschiedliche Lehrpläne und damit Schulbuchtypen zu haben. Wer weiterhin darauf besteht, wird dann immer Unterschiede in der Bildung haben.


#4

Die föderale Struktur hat den Vorteil, dass sie einen Wettbewerb der Ideen erlaubt.
Ich tu mir daher schwer damit, sie ganz aufgeben zu wollen.

Das Kooperationsverbot finde ich allerdings auch problematisch: Warum sollen - bei allem Föderalismus - nicht auch gemeinsame Aktivitäten (und insbesodnere gemeinsame Finanzierungen) möglich sein?

Das Verbot erschließt sich mir schlicht nicht. Ich wäre aber (mangels expertise auf dem Gebiet) sehr an Begründungen interessiert.


#5

Ich zitiere aus “Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland - Eine Einführung” von Alemann, Erbentraut und Walter.

Oppositionsparteien haben offensichtlich strategische Nachteile bei der Bestimmung der politischen Agenda, weil sie nur verbale Alternativen formulieren, aber keine Themen setzten können. […] Der strukturelle Vorsprung der Regierung […] ist aber für die Opposition nicht uneinholbar. Sonst hätte es nie einen Regierungswechsel gegeben. Der Regierungsvorsprung wird nicht nur durch die Unabhängigkeit der Presse konterkariert, sondern auch durch die Eigenarten des deutschen politischen Systems un der deutschen Kultur.Dazu gehören insbesondere der Föderalismus und eine Tendenz zur Konkordanz- und Proporzdemokratie.
Der Föderalismus erlaubt es, dass die Oppositionsparteien im Bundestag in den Bundesländern die Landesregierung stellen und so rückwirkend über den Bundesrat auch in Berlin das Handeln der Exekutive mitbestimmen können. Von dieser Konstellation haben alle Parteien wechselseitig profitiert, […].
Diese verfassungsrechtliche Konstellation führt zu einer Politikverflechtung; sie präferiert und prämiert Konkordanzlösungen statt Konkurrenzdemokratie. Dies potenziert sich in Politikbereichen, die in der Länderprärogative liegen.Das ist der Fall bei der Kulturhoheit der Länder, die die Rundfunkhoheit einschließt.

Ich halte für mich fest, dass der Föderalismus eine essentielle Säule unserer Demokratie in Deutschland ist. Ohne Zweifel ist die Finanzierung der Schulen notwendig. Aber die Methode, dieses Ziel mit Bundesmitteln zu erreichen, hat mit der aus meiner Sicht Verwässerung des Föderalismus einen zu hohen Preis.

Ich bin kein Finanzexperte, aber ich bin der Meinung, es muss auch andere Wege geben, dass die Länder an finanzielle Mittel zur Digitalisierung der Schulen heran kommen. Ein Beispiel, wie es auch in dem Zeit-Artikel oben erwähnt ist, wäre die Neuregelung der Umsatzsteuer zugunsten der Länder.


#6

Wettbewerb? Da wo es lediglich “Ausbildung” benötigt? Wozu, und die Frage stelle ich ganz allgemein, sollte Wettbewerb existieren in der Bildung? Weswegen soll es unterschiedliche “Ausbildungsmethoden” geben? Wozu braucht es unterschiedliche Lehrpläne im selben Staat? Eine Familie mit Kindern im Schulalter findet in jedem anderen Bundesland - Förderalismus juhuu - andere Bildungsgrundlagen? In dem einen Bundesland wird in der 1. Klasse mit Lautschrift begonnen zu schreiben, im neuen Bundesland wird nach herkömmlicher Methode gelehrt? In dem einen Bundesland wird an Computern das schreiben gelehrt, im anderen noch an der Tafel mit Kreide? Oder G8 oder G9? Erinnert sich noch jemand daran?

Das erste Beispiel ist eines aus dem Alltag, das zweite reine Fiktion aber nicht unrealistisch, das 3. ist so real unsinnig wie nur geht!

Also, wozu braucht es den Förderalismus in der Bildung? Damit jeder Lokal-Fürst seine Untertanen nach seinem Gusto ausbilden lassen kann?

Wer Kinder miteinander vergleichen will, wer Kinder miteinander in einen Wettbewerb schicken will, - was sie noch rechtzeitig genug kennenlernen werden, der möchte keine innovativen Lernkonzepte, der möchte Untertanen, die so rechtzeitig lernen sollen den Ellenbogen zu benutzen.


#7

Ich werde aus deinem Kommentar nicht ganz schlau… Ist der Kommentar sarkastisch gemeint?

  • Klar, braucht es Bildungswettbewerb und keine zentralgesteuerte Bildungskonzepte. Das grenzt sonst fast an die Gleichschaltung der DDR und ist äußerst ungut. Den Förderalismus haben uns die Amerikaner geschenkt und dafür sollten wir ihnen sehr dankbar sein. Zentralismus hat noch nie zu irgendetwas Sinnvollem geführt.

#8

Der Wettbewerb muss sich nicht zwingend auf die Bildungsinhalte beschränken. Er kann ja auch Schulformen und Unterrichtsmethoden umfassen.
Soweit ich weiss (aber ich bin ganz deutlich kein Experte) herrscht keineswegs Konsens darüber, welche Schul - und Unterrichtsformen welche Vor- bzw. Nachteile für die Schüler mit sich bringen.
Wenn hier verschiedene Modelle nebeneinander betrieben werden, könnte das dazu führen, dass man in einem vergleichbaren Umfeld mehr über die Effekte verschiedener Ansätze lernen kann.

Korrigiert mich bitte, wenn ich hier falsch liege.


#9

Ja, das ist ja momentan genau so. Und es ist gelinde gesagt einfach nur zum Kotzen.
Dadurch wird mit der Erziehung und Bildung unserer Kinder einfach nur gespielt. Mal so, mal so.

Total gekniffen sind dann diejenigen die das Bundesland aus beruflichen Gründen wechseln müssen.
Die Kinder finden sich auf einmal in einem total anderen Lernumfeld wieder. Mit anderen Anforderungen und Maßstäben.

Wir haben das selbst miterlebt. BW zB ist was die Art Bildung bzw. des Schulunterrichts angeht irgendwo in den 80/90 ern hängengeblieben.

Für die heutige Zeit ist das was abgeht einfach nur schädlich. So verständlich der Föderalismus aus der Geschichte her ist, so sehr verbaut er uns hier Chancen. Und das hier Fördermittel abgelehnt werden ist einfach nur erschreckend.


#10

Danke für die Aufklärung. Ich habe selbst keine Kinder, und bin daher sehr wenig informiert.

Ich hatte die Hoffnung, dass die Erkenntnisse aus dem Wettbewerb der Modelle in eine Weiterentwicklung fließen.
Findet die nicht statt, so ist der Föderalismus natürlich nicht die tollste Idee.


#11

Das Problem geht noch weiter. Bis irgendwelche Reformen und Änderungen angeschoben werden vergehen Jahre. Werden diese dann nach 3-5 Jahren wieder verworfen oder umgebaut trifft das was was ich geschrieben habe auch direkt im eigenen Bundesland zu.

Es gibt Mittlerweile einige Generationen an Schülern die bis zu 3-4 Reformen durchleben innerhalb der eigenen Schulzeit. Etwas zum vergleichen kommt dabei nicht raus.

Einzig die Bundesweiten und Europaweiten Test lassen hier Rückschlüsse zu. Und die Ergebnisse werden immer schlechter. Diese Entwicklung ist ja auch schon außerhalb der Schulen angekommen. Es reicht ja sich nur einmal mit Personalern im Mittelstand zu unterhalten mit was sie bei Bewerbern mittlerweile konfrontiert werden.

Bildung gehört in Deutschland grundlegend Reformiert. Ohne Scheuklappen und mit der Bereitschaft umzudenken. Nur so wird für die Zukunft etwas daraus.

Das Signal das gestern gesetzt wurde ist erschreckend.


#12

Naja, ich bin da anderer Meinung. Die INFRASTRUKTUR sollte grundlegend reformiert werden. Tafeln sollten durch Overhead, Präsentationen und Whiteboard komplett ersetzt werden und Tablets als einziges Schreibunterlage und Literaturquelle benötigt werden. Die Unterrichtsmethoden, die Leistungsbewertung sollten die Schulen dezentral selbst festlegen können und die Schüler ein größeres Mitspracherecht bekommen. Zudem sollte eine Erklärungspflicht und Erörterungspflicht für Lehrpläne eingeführt werden und der komplette Halbjahresverlauf mit den Schülern am Beginn des Schuljahres durchgesprochen werden. Anwesenheitspflicht sollte abgeschafft werden.


#13

Völlig egal was ich hier zitieren würde …

Nein. Dein Versuch das Homeschooling durch die Hintertür zu bekommen kannste knicken.


#14

Es gibt hier eigentlich 2 Themen zu diskutieren

Das eine ist, dass die Schulen durch die Städte und das jeweilige Bundesland finanziert werden, und das die Steuermitel für Kommunen und Bundesländer zu knapp kalkuliert sind.

Damit hängt die Qualität der Schulbildung an der Finanzkraft der Gemeinde und des Bundeslandes.

Das zweite Thema ist die Schule funktionieren sollte und wie Bildung funktionieren sollte und was überhaupt das ziel von Bildung ist.
Hier hat sich das Schulsystem über Jahrhunderte nicht wesentlich verändert und ist einfach nicht mehr Zeitgemäß. Dazu gehört auch dass in den letzten hundert Jahren das Wissen erheblich zugenommen hat, das Bildungssystem darauf aber kaum reagiert hat.

Hier liegt sehr viel im argen.


#15

Wäre jetzt schön gewesen Deine Gedanken dazu zu lesen. Ich meine, hätte, könnte, sollte … das ist schlicht Teestubenpolitik. Denn das vieles im argen liegt, ich glaube das wissen die meisten schon selbst.


Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir
#16

Das wäre hier off topic aber ich schreibe dazu in den nächsten tagen einen eigenen Thread.


#17

Es könnte sowie mit dem Schienennetz der deutschen Bahn AG gemacht werden. Die Infrastruktur (Schulgebäude, Software, Vernetzung) wird vom Bund gestellt und die Länder und Kommunen können darüber verfügen, wie diese Infrastruktur genutzt wird. Darüber könnte ein Art Wettbewerb ausgetragen werden, der darauf basiert das eine hohe Transparenz und Einsehbarkeit der Unterrichtsmethoden und Lehrkonzepte besteht.


#18

Wettbewerb. Wozu? Für was?

Auf der einen Seite willst Du weniger Anwesenheitspflicht, mit den Schülern alles und jedes durchsprechen und am Ende willst Du dann etwas miteinander vergleichen, was nicht vergleichbar ist. Fällt Dir der Fehler denn nicht selbst mal auf?

Also, wozu braucht es schon in der Schule “Wettbewerb”? Sind Kinder wirklich dazu da um Maßstäben zu entsprechen? Denn schaue ich mir die Allgemeinbildung derer an die ich heute von den Unis und Schulen bekomme, ist da echt nicht mehr viel “Lerninhalt” zu erkennen. Das einzige was die heute noch können ist in der Tat “auswendig lernen”. Zum Interpretieren oder gar quer denken von Inhalten reicht es schon lange nicht mehr.


#19

Ich möchte die Institution “Schule” in den Wettbewerb mit anderen Schulen bringen und nicht die Schüler. Die Schulen sollen transparenter und bewertbarer werden. Davon profitieren dann vorallem die Schüler und die Schulen kommen unter Rechtfertigungszwang für veraltete und zurückgebliebene Lehrmethoden.

Innerhalb der Schule soll den Schülern vorallem Spaß am Lernen und der soziale Umgang untereinander gelernt werden. Projektinitiativen, die durchaus auch Deutschlandweit ausgeschrieben werden können, sollen eine größere Rolle spielen. Mehr Pädagogen, Psychologen und Therapeuten sollen für ein angenehmeres Klima und mehr Inklusion an Schulen sorgen.


#20

Das finde ich tendenziell richtig, denn das zeigt das Bildungskonzepte modifizierbar und korrigierbar sind. Allerdings sollten die Schüler mehr mitbestimmen können und nicht nur Vorgekautetes vorgesetzt bekommen.

Die Schüler wissen was für sie selbst am Besten ist und unter welchen Bediungungen sie am Besten lernen können.