Können Piraten aus FFF lernen (aus unsere Themen kommen wieder)

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Fortsetzung der Diskussion von Unser Themen kommen wieder:

FFF ist vor allem deshalb sichtbar da Sie auf die Strasse gehen, demonstrieren, polemisieren, provozieren. Mann muss laut sein um von Medien und Gesellschaft wahrgenommen zu werden.

Was könnten wir Piraten aus dieser “Graswurzelbewegung” lernen?
Ist es immer der lange Atem, siehe oft gehörtes Piraten-Zitat:

“Politik ist kein Sprint sondern Marathon”

…oder entsteht Politik aus einer Bewegung heraus, und ist danach nur noch der lange Weg möglich?
Oder wäre es machbar, sich auch als Partei neu zu erfinden und wieder auf Graswurzelaktionen aufzubauen?
Oder kann man sogar bei der FFF als Partei noch massiver einsteigen, auch wenn dies nicht unbedingt von den “oberen der Bewegung” erwünscht ist?

Hierzu mal als Info:
Eine Befragung der FFF-Demo hat ergeben,

Die politische Informiertheit der Protestierenden spiegelt sich auch in ihrer Einschätzung der eigenen Wirkmächtigkeit wider. Auch im Vergleich zu anderen Demonstrationen besitzen die Befragten eine ausgeprägte Wahrnehmung der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Sie sind sehroptimistisch, etwas bewegen zu können. Über 55
Prozent der Schüler*innen sind der Ansicht, mit ihrem Engagement die Politik in Deutschland beeinflussen zu können. Damit schätzen sie ihr Gestaltungspoten-
tial höher ein als die Erwachsenen (47,3 %).

Das Thema Klimaschutz ist in weiten Teilen des politischen Spektrums von ganz links bis ins konservative Milieu anschlussfähig. Um mehr über die politische Positionierung der der FFF-Demonstrierenden zu erfahren, haben wir zunächst die Selbsteinschätzung auf der Links-Rechts-Skala erfragt. Demnach positionieren sich die Demonstrierenden überwiegend links der Mitte. Auf einer Skala von 1 („links“) bis 10 („rechts“) ordnen sich
72 Prozent der Befragten links der Mitte ein.

Unter den Protestneulingen mit Parteiidentifikation tendieren gar drei Viertel der Befragten zu den Grünen. Von den anderen Parteien spielt allein die Partei DieLinke mit zusammen rund 12 Prozent bzw. – nach Ausklammern derjenigen ohne Parteipräferenz – mit rund 21 Prozent eine wesentliche Rolle.

Die Zitate sind aus den nachfolgenden Links, deren Studien ich jedem mal empfehlen kann. :wink:


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Danke für die Studien,
sehr interessant.

Es ist nicht so, dass Themen einfach wieder kommen, sondern sie sind permanent da.

Diese Themen kann man aber nicht bearbeiten, indem man einen Antrag auf einem Parteitag stellt oder einen Presseartikel herausgibt.

Es muß das emotionale Gefühl geweckt werden, mit meiner Stimme und meiner Aktivität kann ich etwas positiv verändern.

Eine Partei, die den Wähler auf der richtigen Wellenlänge trifft, hat die Stimme.
Wer das Gefühl nicht hat, geht auch nicht wählen.

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Ich denke nicht, dass wir viel aus FFF für unsere Zwecke lernen können. In den letzten Jahren hatte sich das Bild der apolitischen, schwer mobilisierbaren Jugend verbreitet, aber durch FFF- und die Uploadfilter-Demos wurde das Bild widerlegt. Zudem muss von Anfang an alles klug über das Internet organisiert werden. Mit diesen beiden Punkten erschöpft sich für mich das Erkenntnispotential für unsere Partei, denn alles weitere wären Erkenntnisse über FFF an sich und mit einer Übertragung auf uns würden wir uns zu einer Kopie oder Mitläufern machen.

Wir müssten etwas Neues, Eigenes erfinden. Hier gibt es zwei Wege, einen aktiven und reaktiven. Der aktive Weg wäre “auf Verdacht” etwas Cooles zu tun. Ich denke an sowas wie “rave for freedom” / “pirate rave”, also effektiv Tanzveranstaltungen mit elektronischer Musik und politischer Message der Freiheit. Abgesehen von der Coolness an sich, als Partei Menschen gute Musik und gute Stimmung zu bieten, ist das Publikum solcher Musik oft drogenaffin und profitiert von unseren Drogenpolitik- und Datenschutzforderungen. Das ist nur ein Beispiel und prinzipiell ginge aber alles, wonach die Leute über uns sagen würden: “geile Typen”.

Reaktiv wäre etwas z.B. gemäß den Erkenntnissen der letzten Shell Jugendstudie. Für mich sind zwei Punkte in der Studie sehr frappierend, da sie auf die fortschreitende Twitterisierung (Leben in Meinungsblasen, Belagerungsmentalität in Blasen) unserer Gesellschaft hinweisen:

Bemerkenswerterweise hat mehr als die Hälfte der Jugendlichen (56 %) Angst vor einer wachsenden Feindlichkeit zwischen Menschen, die unterschiedlicher Meinung sind.

Die Aussage »In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden« erhält allerdings noch mehr Zustimmung (68 %). Das Argumentationsmuster deckt ein offenbar weit verbreitetes Gefühl ab, dass es Dinge gibt, die man nicht ansprechen darf, ohne dafür nach subjektiver Wahrnehmung moralisch sanktioniert zu werden.

Zuvor hat eine Allensbach-Studie fuer die Gesamtbevoelkerung folgendes herausgefunden:

So äußern sich 59 Prozent der Befragten nach eigener Auskunft unter Freunden frei. Nur 18 Prozent tun dies im öffentlichen Raum und 17 Prozent im Internet.

Sowas deutet doch auf ein gefühltes Fehlen von Meinungsfreiheit hin, und/oder einer Unfähigkeit “ganz normal” mit anderen Meinungen umzugehen. Hier könnten wir Punkten, bin mir aber nicht ganz sicher wie. Diskussionen mit gegensätzlichen Meinungen organisieren und dadurch zeigen, dass wir im Rahmen des Grundgesetzes locker alle Meinungen aushalten und zivilisiert diskutieren können? Das gleiche digital mit Podcasts machen?

Desweiteren ist das Fehlen der staatlichen Transparenz ein Anliegen der Jugendlichen:

Und auch die Kritik am sogenannten Establishment (»Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit« und »Der Staat kümmert sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche«), der mehr als die Hälfte der Jugendlichen zustimmt, bedient offenbar ein vorhandenes Empfinden, nicht ernst genug genommen und übergangen zu werden.

Das ist für mich eine direkte Konsequenz des "Probleme beschwichtigen oder unter den Teppich kehren"s der Politiker, sowie der Tendenz nicht anecken zu wollen, sondern dem Phantom der (sozial) medialen Öffentlichkeit nach dem Mund zu reden. Dadurch wird man zum aalglatten, prototypischen Politiker, der besonders für “eher rebellische” Jugendliche direkt suspekt ist.

Beide obige Aussagen mit >50% Zustimmung wären jedenfalls mit klaren Ansagen und Fakten behoben. Das versuche ich seit ein paar Monaten auf dem Piratenreddit, wo ich fast täglich zu einer großen Bandbreite an Themen eine piratige Meinung shitposte und immer darauf bedacht bin, eindeutig Stellung zu beziehen, Fakten hervorzuheben, informativ oder auch witzig zu sein, etc, jedoch ohne mich künstlich an irgendwelche Interessensgruppen anbiedern zu wollen. In der BundesPR habe ichs auch mehrere Monate versucht, aber da besteht kein Interesse an der Änderung des bestehenden Systems (was Texte angeht prinzipiell Pressemitteilungen generieren und AG-Texte lektorieren und veröffentlichen, social media Leute machen jeweils nach ihrem Gusto etwas). Daher habe ich hier keinen Vorschlag.

Meines Erachtens sollte dem Riß, der durch die Gesellschaft aufgrund des Schul- Unisystems geht und der gerade bei den jetzigen Jugendlichen sehr ausgeprägt ist, mehr Beachtung in unseren Handlungsweisen geschenkt werden.

ich erzähle mal von früher: ich war in den 80ern sehr aktiv in der Friedensbewegung, die 100.000nde auf die Straße gebracht, immer wieder. Es gab Demos, Blockaden und jede Menge phantasievolle Aktionen, alles ganz ohne Internet. Aber irgendwie hat auch die Mundpropaganda gereicht, die Leute zu mobilisiern. Das kam und ging. Es gab auch Parteien, die versucht hatten, das zu usurpieren, kam nicht gut an, ein Beispiel war die DKP.

Schwer zu sagen, wie das zustande kam, aber was das gleiche wie bei FFF war, war die ehrlich Besorgnis der Bürger, dass sich was ändern muss. Es kam duch die Sache, und es war wirklich eine Graswurzelbewegung, nicht irgendwie zentral gesteuert. Studien kann ich nicht beisteuern, nur Erlebnisse.

Völlig deiner Meinung.
Chancen hat man nur wenn Emotionen getroffen werden.
Aber ein Antrag auf dem BPT, Pressemeldungen oder ein 17 Punkte Plan können schon in eine Geschichte eingebunden werden. Diese “Geschichte” zu erstellen, sie zu verbreiten und weiter zu bearbeiten ist schon möglich wenn man Dinge beachtet, die z.B. in den Studien aufgeführt werden.
Emotionen erzeugt man aber nicht durch einmaliges Handeln, sondern es muss versucht werden durch Worte immer wieder die Bilder hervorzurufen, die Begeisterung für unser Handeln hervorrufen.
Ist nicht einfach, aber möglich wenn man erkennt, dass bestimmte Worte auch bestimmte Gefühle hervorrufen.

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