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Jetzt ist es passiert, Brexit Deal ist gescheitert


#23

Ich persönlich halte eher eine Rücknahme für möglich … einen neuen Deal wird es nicht geben, auch wenn da grad von einer Alternative die Rede ist. Welche soll das sein?

Anders aber, wenn es zu einem “kalten Brexit” kommt, nun dann kommt er eben. Für Europa würde sich da aller Voraussicht nach nicht so viel verändern, eher für Staaten wie Ungarn oder Italien, deren polulistische Regierungen ja mit einem Austritt liebäugeln. Die werden dann vermutlich live sehen, dass ein Austritt eher keine gute Idee sein wird.

Alles in allem aber betreiben wir hier Glaskugelpolitik. Denn den Aufschrei aus der Wirtschaft “alles würde teurer” etc. pp., dem kann man sicher Glauben schenken, es wird aber keineswegs Existenzbedrohend werden.


#24

Bei dieser “Glaskugelpolitik” geht es aber nicht darum, festzustellen, wer recht hat, sondern um das Besprechen der vernünftigsten unterschiedlichen Varianten, ein Prozeß, den man in GB schon vor 3 Jahren hätte tun sollen.

Ansonsten stehen wir in der Piratenpartei vor ähnlichen Problemen.
Man hat einen Bundesparteitag als oberstes Organ, bei dem auch Entscheidungen getroffen werden, von denen, die von der Materie keine Ahnung haben.
Einfach so aus dem Bauch heraus oder da den Frohlockungen Glauben geschenkt wurde.

Das Brexit-Problem ist ein übergreifendes Problem, das darin besteht, die die Abstimmen so zu qualifizieren, dass sie am Ende eine gute Entscheidung treffen können oder aber, wie völlig unausgegorene Abstimmungen bereits im Ansatz verhindert werden können.
Wir brauchen da nicht schadenfroh gegen Norden sehen, sondern müssen auch vor unserer Haustüre kehren und Rahmenbedingungen schaffen.

GB ist nunmal der Hub der Welt für den Zugang nach Europa.
Auf der Welt findet man leichter Personen, die schon alleine Sprach- und rechtsbedingt lieber nach GB gehen.
Wer wechselt denn von Deutschland mit seiner Familie für einige Jahre gerne nach Madrid, Lissabon, Mailand oder Athen?


#25

Sorry GG, bei allem Respekt, aber du scheinst dich im Vorfeld des Brexit Votums nicht über die Hintergründe informiert zu haben, auch nicht über die Konsequenzen des Votums.

Der Hauptgrund für dieses Votum waren Gastarbeiter in UK aus Ländern wie Rumänien, Ungarn usw, aber auch aus dem ehemaligen Commonwealth.
Auf Einwanderer aus dem Commonwealth hat der Brexit keinen Einfluss, und viele Brexit voter haben das nicht verstanden.

Den Briten machte mehr zu schaffen, dass UK zunehmend Bedeutung verlor, und sich entgegen deiner Behauptung nicht zum Hub nach Europa entwickelte, sondern eher zur “persona non grata”.

Kaum eine EU Entscheidung, die von UK nicht mit einem Veto beantwortet wurde.
UK versuchte jahrelang eine bedeutende Rolle zu spielen, als aber Obama zuerst nach DE und Frankreich gereist ist statt nach UK, war den Briten klar, dass sie in Europa nicht die erste Geige spielen.
Für das ehemalige Empire ein harter Schlag.

Hast du eine Ahnung wieviel Briten einen deutschen oder irischen Pass beantragt haben ? Sobald der Brexit Realität ist, wollen die nur noch raus aus UK


#26

Die Hintergründe für Populismus und Ausländerfeindlichkeit sind weltweit immer die Gleichen.
Man braucht Schuldige für die eigene Unfähigkeit.
Diese Meinung wer der Schuldige sei, weicht nunmal erheblich von der Realität ab.

GB war aufgrund des Commonwealth schon immer internationaler, als der Rest Europas.
Insofern ist ein anderer Blickwinkel durchaus gerechtfertigt und berechtigt.
Mit Blick auf Indien, Australien (die mal der EU beitreten wollten), Südafrika, USA, Kanada und ihrer gelebten Multikulti unterscheidet die Insel schon einiges von Kontinentaleuropa.

Es würden definitiv beide Seiten verlieren, insofern bin ich da nach wie vor zuversichtlich.
Man muß dem Populismus nicht die Hand reichen, insofern besteht staatspolitische Verantwortlichkeit ohne Rücksicht auf das eigene politische Schicksal.


#27

Bei mir war da keineswegs und irgendwo Schadenfreude. Zudem, wir haben ein Europawahlprogramm? Soll heißen, wir kehren da schon vor der eigenen Türe, weil wir in Europa etwas verändern wollen. Das aber derzeit nicht wir diejenigen sind die die Rahmenbedingungen schaffen “dürfen”, sollte wohl klar sein.

Das waren sie - mit Verlaub - zuletzt im Viktorianischen Zeitalter. Die Briten hatten Anfang der 50iger mal eine Zeit der “Ruhe”, spätestens aber mit den Bergarbeiterstreiks von 1984/85 ist da Schicht im Schacht.

Also ich kenne da einige. Mich inbegriffen. (Madrid)

Eben deswegen ja. Im Vorfeld des Brexitvotums war öfter zu hören, dass man dann lieber den Weg Richtung USA wählen würde, weil das ja angeblich so viel besser sei. Seit May aber von Trump - naja - so ne Art “Arschtritt” bekommen hat, stehen die Briten so ziemlich allein da mit ihren Problemen. Deren größte Angst ist in eine neuerliche Wirtschaftskrise zu fallen, aus der sie ohne Hilfe nämlich nicht herauskommen würden. Ich führe da nur mal an das Banken in die EU-Zone wechseln, die Industrie auf Lieferungen aus Europa angewiesen ist. Stellt Euch doch mal die Frage wo denn die größten Containerhäfen in Europa sind? Unter der Top 10 schafft es Immingham auf Platz 7!

Die Briten haben es sich mit dem Polster EU in den vergangenen Jahren ziemlich gut gehen lassen. Entsprechend “wenig” benutzbare Infrastruktur ist da nämlich noch vorhanden. Oder weswegen fangen die jetzt an zu jammern, dass Fährhäfen nicht mehr in der Lage sind angelaufen zu w erden? Nur mal so als Beispiel?!

Na das da “alle” raus wollen halte ich für etwas überzogen, aber die sind nun mal schneller auf dem Europäischen Festland statt “woanders”. Problematisch wird es aber in der Tat für die dann Ex-EU-Bürger aus dem Königreich.

Ja, aber es gibt da riesige Unterschiede. Ich sag nur Commonwealth … und das ist das was immer noch zieht bei denen. Diese “Feindlichkeit” ist natürlich vorhanden, aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Sogar Frankreich geht da “besser” mit seinen Ex-Kolonien um.


#28

Wir beobachten bei uns eine langsame Spaltung der Gesellschaft und die USA und das UK sind uns da ein Stück voraus. Die Britischen Medien im Privatbesitz weniger Menschen und viele Politiker haben jahrelang die EU als Sündenbock benutzt.
Hauptwirtschaftsfaktor ist die “City of London” das Bankenviertel. Nur noch 11% der Wirtschaftsleistung ist Industrie, das meiste sind Dienstleistungen. außerhalb von London geht es den Menschen schon seit Jahren nicht gut. Diese Leute haben für den Brexit gestimmt, weil ja die EU an allem Schuld ist.
Sie wollen einen harten Brexit, denn nur so sind sie richtig raus.

Die Briten wollen:

  • nichts mehr an die EU zahlen
  • nicht mehr den EU-Regularien unterstehen
  • eigenen Handelsabkommen abschließen
  • die Zuwanderung aus der EU kontrollieren
  • am Binnenmarkt mit Waren und Dienstleistungen teilnehmen

Die Norweger sind nicht in der EU aber:

  • unterstehen den EU Regularien
  • dürfen aber nicht mitentscheiden
  • erlauben Personenfreizügigkeit
  • zahlen viel Geld
  • nehmen am Binnenmarkt teil

Die Türkei hat eine Zollunion mit der EU

  • unterstehen vielen EU Regularien
  • dürfen keine Freihandelsabkommen ohne die EU abschließen

Was die Briten wollen ist am ehesten so etwas wie Kanada mit dem Freihandelsabkommen CETA. Das wäre ohne Irland kein Problem.

Dann gibt es aber eine richtige Grenze zwischen Irland und Nordirland und da kommt aus Irland ein Veto.


#29

Sehr gut analysiert.

Ich verlinke mal die Kernpunkte des Brexit Deals welcher vom Parlament abgelehnt wurde.

In Kürze steht da, dass GB die EU am 29.3 verlässt, aber Mitglied im Binnenmarkt bleibt mit allen Rechten und Pflichten im Binnenmarkt wie Norwegen, also ohne politisches Stimmrecht.
Diese Lösung endet 2020, kann aber bis 2022 verlängert werden. GB kann in dieser Zeit neue Verträge aushandeln, auch mit Drittstaaten, es kann auch Handelsvertrag mit der EU aushandeln.
2022 ist UK endgültig raus aus allem, wenn man sich in allen Punkten der zukünftigen Zusammenarbeit einig ist.

In Fakt steht man damit UK nochmals 3 Jahre Verhandlungszeit zu !!!
Sollte 2022 noch keine Einigung erzielt sein, bleibt UK im Binnenmarkt bis es seinen Austritt erklärt. Verhandelt wird dann aber nicht mehr.
Im Prinzip hätte dieser Vertrag das schlimmste Szenario auf 2022 gelegt, das Ende aller Wirtschaftsbeziehungen. So steht GB nun mit dem Rücken zur Wand. Wenn du mich fragst, war das ein sehr guter Deal, hätte er doch allen 3 Jahre geschenkt.

Aber UK will nunmal die Rosinen haben, aber keine Verpflichtung, keine Zahlungen, kein Binnenmarkt, aber die gleichen Vorteile eines Mitglieds haben wollen sie.

May weiß natürlich was die Konsequenzen für UK nun sind, bei einem No Deal.
Es war klug von ihr sich darauf einzulassen. Leider kam sie damit nicht durch.

Nebenbei haben die Briten gevotet die EU zu verlassen, nicht den Binnenmarkt. Wie bereits erwähnt ist Norwegen auch kein EU Mitglied.

Die Briten hatten vor der Abstimmung zum Brexit so wenig Ahnung über die EU, dass sie dachten ein Austritt würde würde ihnen nur Vorteile bringen, die *bösen" Gastarbeiter kommen nicht mehr, und wöchentlich 350 Mio. £ für die NHS.
Das sie aber genauso viel Subventionen bekamen wir sie zahlen mussten hat ihnen keiner gesagt.

Dass aber die Gastarbeiter auch kommen wenn es Mitglied im Binnenmarkt ist wussten sie nicht, von daher ist das Verlassen des Binnenmarkt ein voreiligen Gehorsam der Politiker, und stand nie zur Abstimmung.

Ursprünglich dachte ich sie machen auf Norwegen, und sah das ganz gelassen. Von mir aus kann sich GB in eine Wirtschaftskrise hinein katapultieren, aber es wird die EU auch treffen, wenn auch weitaus weniger.


#30

Dieser Brexit Vertrag hatte genau das ermöglicht.
GB hätte verhandeln dürfen, auch mit Drittstaaten. Der Verbleib im Binnenmarkt wäre nur eine Übergangslösung gewesen, da ansonsten am 29.03 alle Handelsbeziehungen enden, sowie Grenzkontrollen stattfinden.

Auch bei einem NO Deal am 29.03 kann und darf UK Verhandlungen mit der EU und Drittstaaten führen. Nur ist dann erstmal das Chaos groß, weil schlagartig die Wirtschaft in eine Depression fällt.


#31

Als ob “wir” keinerlei Wirtschaftsbeziehungen zu Ländern außerhalb der EU hätten - was faktisch nicht stimmt - ganz im Gegenteil.
Warum wird in Deinen Beiträgen suggeriert, dass der Brexit künftige Wirtschaftsbeziehungen verbietet?


#32

Natürlich stimmt das nicht. Wir haben zu vielen Nationen außerhalb der EU Wirtschaftsbeziehungen. Nur zum Stichtag 29.03.19 keine mehr zu GB.

UKW, Versuch auch bitte du zu verstehen, das ohne Brexit Deal alle, ich betone nochmals alle ! Wirtschaftlichen Beziehungen. Von UK oder zu UK zum erliegen kommen die mit der EU zu tun haben.

Klar nach dem Brexit UK neue Handelsbeziehungen aufbauen. Verbietet ihnen niemand.


#33

Also werden am Stichtag die alten EU Handelsverträge neu verhandelt.
Wo ist das Problem - kannst Du das erklären?

Ich sehe eine große Chance in den neuen Verträgen.
Warum wird das neu Verhandeln von alten Verträgen so negativ gesehen?
Waren die alten Verträge so günstig für die EU das die EU jetzt nach dem Brexit fürchtet nicht mehr so gut da zu stehen? Dann hätte die EU gar nicht solche Verträge verhandeln sollen. Man sollte immer Partner sein. Jetzt nach dem Austritt werden die Briten behandelt wie Gegner. Da stimmt doch etwas nicht.


#34

Das Problem ist die Zeit die das dauert.

Beispiel: Luftfahrt
Beim harten Brexit fallen die EU-Regelungen weg und die Überflugrechte fallen zurück auf die Verträge von 1951. Fluglinien die es damals noch nicht gab, dürfen nicht den Luftraum des Anderen überfliegen.
Folge: Chaos

Natürlich kann sofort weiterhin Handel betrieben werden, Dann gelten die allgemeinen Regelungen der Weltwirtschaftsorganisation. Aber:
Sicherheitszertifikate und Zertifizierungstellen im UK sind ab dem Stichtag ungültig/unbefugt und deshalb können die Waren nicht in die EU eingeführt werden.

Das Problem sind also nicht die neuen Verträge, das Chaos das durch die fehlenden gültigen Verträge ausbricht.


#35

Das ist sowas von Quatsch. Wenn es durch Britisch Airways keine Überflüge mehr geben darf aber durch Singapore oder Australian Überflüge geben darf. Man kann heute schon Interimsverträge abschließen und nach meinen Informationen ist das in bestimmten Branchen schon geschehen.

Das sind typische Non Sense & Show Szenarien die Du anführst.

Soweit ich weiß gab es auch niemals ein Versorgungsengpass mit Kaviar oder Kokain in der EU - ganz ohne Verträge und EU Mitgliedschaft von Rußland oder Columbien
Ok, die Preise sind etwas anders da drüben aber sonst … :sunglasses:


#36

Ich bin sicher, dass EU und Briten im Moment für solche Fälle gerade einzelne Übergangsverträge vorbereiten um sie kurzfristig Ende März zu ratifizieren um solche Probleme zu vermeiden.
Die EU hat schon vor mehr als 2 Jahren Expertengruppen beauftragt, die drängensten Probleme zu identifizieren und dafür Regelungen vorbereitet. So wären bei einem harten Brexit, Briten in Europa mit einer Britischen Krankenversicherung plötzlich nicht mehr versichert, weil die Firmen keine Dienstleistungsfreiheit in Europa haben und die Vereinbarungen für gesetzliche Krankenversicherungen von EU-Bürgern in EU-Ausland nicht mehr gelten.
Die Experten auf beiden Seiten werden die Probleme genau kennen.

Auch die Firmen haben Notfallpläne für Tochterfirmen mit Hauptsitz in der EU.


#37

Das ist leicht zu beantworten. Bis zum Abschluss der Verhandlungen, gibt es keine Verträge, keine Wirtschaftsbeziehungen.

Beantworte du auch Mal eine Frage :slight_smile:

Warum scheißt sich UK so ins Hemd wegen einem No Deal ?
Edit Tip :slight_smile:

Ceta bräuchte 7 Jahre Verhandlung.


#38

WTO
. Bist du irre ? Weißt du was da Steuern und Abgaben fällig sind ?

Jeder kann über die WTO Handel betreiben, aber jeder will es vermeiden. Die wo es machen müssen es, aber nicht weil sie es wollen


#39

Ich nicht aber die Briten …

Das bedeutet ein No-Deal Brexit Rückfall auf die WTO


#40

OK, 1000 Mal sorry, hab dich falsch verstanden.

Mit deiner Aussage hast du Recht.


#41

Solche Meldungen gab es bis weit in die 80er jeden Tag aus Nordirland, jetzt geht es scheinbar wieder los. Eine Folge des Brexit?


#42

Die EU besteht derzeit aus 28 Mitgliedstaaten.
Im gesamten Gebiet gelten die gleichen Regeln.
GB schert aus, möchte sich die Rosinen herauspicken,
1 neuer Vertrag nötig GB - EU.
EU hat auch mit Canada einen Vertrag.
1 neuer Vertrag nötig GB - Canada
Die 27 verbleibenden Staaten möchten sich auch die Rosinen herauspicken.
26 neue Verträge, z.B. DE - EU
Jeder Staat möchte direkt mit andere Staaten einen Vertrag aushandeln, 27 Verträge hoch 27.

Jemand möchte Schokolade herstellen und in 28 Ländern verkaufen.
Er hat dann 28 Verträge zu beachten.

Du erkennst die Vorteile eines Binnenmarktes, in dem so weit wie möglich alles gleich geregelt ist.

Als begeisterter Linksverkehrfahrer empfinde ich es sehr angenehm in England an eine Rechts-Vor-Links-Kreuzung zu kommen und erkenne auch die Vorteile dieser Regelung, aber so manch ein Kontinentaleuropäer hat spätestens im Kreisverkehr so seine Probleme, obwohl natürlich auch da Rechts vor Links gilt.