Jahreswechsel

Jahreswechsel gehen traditionell mit Jahresrückblicken einher. Soweit sie sich auf die Politik beziehen, beinhalten sie in der Regel wenig Positives, dafür aber jede Menge Kritik. Beim Ausmisten meines PC-Ordners „Vorläufig“ fand ich heute ein Dokument mit einem Text, den ich (zur Veröffentlichung in einem politischen Forum) verfasst und dann auch zum Jahreswechsel 2005 / 2006 dort eingestellt hatte.

Interessant daran fand ich jetzt erstens, dass auch mir offenbar nicht viel Erfreuliches einfällt, wenn ich auf ein Jahr zurückblicke :grin:, und zweitens, wie viel von dem damals Bemängelten bis heute noch unerledigt geblieben ist – schaut mal:

Unfrisierte Gedanken zum Jahreswechsel

Liebe

Wieder einmal steht ein „Jahreswechsel“ bevor. Wollen wir eigentlich einen Wechsel? Schließlich platzen die ja manchmal. Und irgendwie hängen wir Deutschen doch auch am Alten – ganze vierzehn Jahre hingen wir an unserem ersten Bundeskanzler. Unseren Kohl haben wir sogar dreimal aufgewärmt, und unseren Gerd hätten wir vielleicht immer noch, wenn er uns nicht selbst hätte hängengelassen. Statt dessen hängt er jetzt an Putin, dem lupenreinen Demokraten.

Apropos hängen – wenn man bedenkt, wie lange wir schon an der Wiedergutmachung festhängen … Aber da hat sich ja auch ein Wechsel angebahnt. Statt Transferleistungen schicken wir nur noch U-Boote. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Das heißt, nicht ganz. 300 Mio. wurden ja auch noch mitgeliefert.

Das Dumme an Jahreswechseln ist, dass man etwas altes aufgibt, ohne zu wissen, was man statt dessen bekommt. Na gut, ein paar Versprechungen (oder müsste man sie eher Drohungen nennen?) bekommen wir ja laufend. Nur ist das mit den Versprechungen immer so eine Sache. Irgendwie scheint bei der Einlösung dauernd was dazwischen zu kommen.

Wie war das noch mit den Subventionen – sollten davon nicht welche abgeschafft werden? Mir ist nur aufgefallen, dass unser Gerd den Wind und die Sonne noch zusätzlich subventioniert hat. Und dass es mit dem Gas, wegen der neuen Freundschaft, irgendwie umgekehrt zu sein scheint.

Arbeitslosenzahlen halbieren, hieß es 1998, aber dann wurde die „Nachhaltigkeit“ entdeckt.
„Hartz halt noch a bisserl aus“, hieß es dann für schon länger Arbeitslose.
Jetzt haben wir also Angela – erstmals DIE Bundeskanlzer, wohlgemerkt! –, und weil die nun mal ehrlich ist, hat sie vorsichtshalber gar nicht erst versprochen, die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren. Arbeitsplätze schaffen möchte sie gerne, nur konnte sie der Ehrlichkeit halber leider nicht sagen, bis wann. Egal, denn was würde es bringen, wenn sie 50.000 schafft, während die Industrie gleichzeitig 200.000 abschafft. Was schließlich nicht ihre Schuld ist.

Übrigens von wegen „Politik der kleinen Schritte“ – ist das wirklich das, was wir nach der „Politik der ruhigen Hand“ wollten? Große Sprünge wären mir lieber, zum Beispiel beim Versprechen Bürokratieabbau und bei Investitionen. Oder doch lieber nicht? Man weiß ja nie, was das wieder kosten würde! Außerdem fände ich Reformen statt Reförmchen zur Abwechslung mal ganz nett . . .

Eigentlich hätte sie ja auch mal ein bisschen auf den Putz hauen, den Chef herauskehren, ihre Richtlinienkompetenz, oder wie man das nennt, ausüben können. Oder hat sie schon, und ich hab’s nur nicht gemerkt?

Wahrscheinlich sollten wir einfach nicht soviel zurückblicken, Rückblicke haben ja doch immer irgendwie masochistische Züge. – Apropos Züge, hat jemand in letzter Zeit auch mal wieder das Leben in vollen Zügen genießen können?

Gut, schauen wir also voraus - was mag da wohl noch alles so im Bush liegen? Pfui, bloß nicht schon wieder Pessimismus! Worauf können wir also gespannt sein? Beispielsweise auf die Fußball-WM! Die besseren Chancen bezüglich Weltmeisterschaft meine ich, dank Jung und Schäuble, momentan aber eher beim Panzerexport zu sehen. Oh je, irgendwie kann ich es scheinbar nicht lassen . . .

Aber Schluß jetzt – ab sofort wird nicht mehr gejammert und gemeckert! Krempeln wir lieber die Ärmel hoch, schnallen wir den Gürtel (noch) enger, kratzen unsere letzten Reste von Optimismus zusammen und schreiten voller Zuversicht ins neue Jahr!

Wer macht mit ?
Versprochen ??
Großes Ehrenwort ???

Na dann: Herzlich willkommen 2006!

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