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Ist ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem (inklusive aller Leistungen) umsetzbar?


#1

Wäre es machbar das komplette Sozialversicherungswesen aufzulösen und das Gesundheitssystem zu verstaatlichen und kostenfrei zu gestalten? Also weder Privatversicherung noch gesetzliche Versicherung, sondern nach kostenloser Bildung und bedingungslosem Grundeinkommen, die nächste visionäre Idee - ein kostenloses Gesundheitssystem. Wie visionär und linksliberal bzw. sind da die Piraten? Es könnten ja auch viele Kosten in der Pharmaindustrie durch Aufhebung des Patentschutzes eingespart werden und die Verwaltungskosten und Personalkosten durch die Digitalisierung auf ein Minimum gesenkt werden.

Jeder Mensch verdient meiner Meinung nach den größtmöglichen gesundheitlichen Standard, völlig egal welcher Altersgruppe, Einkommensgruppe, Berufsstand etc. er angehört.


BPT 18.2, WP002: Refinanzierung von nicht-ärtzlichen Gesundheitsleistungen – Solidaritätszuschlag umwidmen - Auflösung des Vorsorgefonds
#2

Nettes Gedankenspiel.
Ich bin auch dafür, dass jeder Mensch die Bestmögliche gesundheitliche Versorgung erhalten soll. Die Wege dahin sind vielfältig.

Dein Vorschlag, das Beitragsfinanzierte Sozialversicherungssystem durch ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem zu ersetzen halte ich für eher gefährlich.
Die Beiträge die eingenommen werden in den KK sind “normalerweise” zweckgebunden nur für das Gesundheitswesen bestimmt. Also können sie nicht anderweitig verwendet werden.
Bei einem steuerfinanzierten Gesundheitswesen könnten meines Erachtens, bei Fehlen von Geldern an dieser oder jener Ecke, viel schneller Einsparungen im Gesundheitswesen erfolgen, als dies bereits jetzt schon der Fall ist.


#3

Für mich sind gesetzliche und private Versicherungssysteme vorallem rießige Bürokratieapparate, welche (vorallem der gesetzliche Teil) auch viele Leistungen aus seinem Repertoire herausgenommen hat und Rücklagen bildet bzw. Überschüsse erzielt. Worin liegt bitte der Sinn Überschüsse im Versicherungssystem aufzubauen? Mir ist das ganze System suspekt.

Deine Anmerkungen sind dennoch korrekt. Ich finde es lohnt sich jedoch trotzdem darüber Gedanken zu machen, da das Gesundheitssystem der Knackpunkt bei der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens sein wird. Vorallem bei der Gesundheit sollten alle mit ins Boot geholt werden und keine bloße Politik für Interessensgruppen betrieben werden.


#4

Darin Reserven zu haben wenn die Beítragslage schlechter wird.


#5

Eben, das Problem ist das Beitragssystem. Und etwas für “schlechtere” Zeiten aufheben ist, sowieso rechtes Denken. Geld muss im Umlauf sein, sonst ist es Nichts wert.


#6

In welcher Welt? Aber mach doch einfach einen Antrag auf dem Bundesparteitag draus. Vielleicht mit einigen Beispielen gut funktionierender staatlicher Gesundheitssysteme.


#7

Da hackt es dann wieder und das schöne Luftschloß löst sich in Luft aus :confused:
Solange ein System funktioniert, ist es schwer etwas daran zu ändern. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen würde sich aber auf jedenfall etwas an dem Sozialsystem verändern.


#8

Geht mir auch immer so, da geb ich einen Lottoschein ab, und die gleichgeschalteten System- Medien- Eliten ziehen wieder die falschen Zahlen. :slight_smile:


#9

Zumindest hat auch schon die SPD etwas in die Richtung miteingebracht.
Den Aufbau einer Bürgerversicherung mit der Auflösung der Teilsysteme aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Das ganze könnte mMn noch etwas weitergesponnen werden, da die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung nicht beinhaltet sind. Kleinparteien dürfen ja experementieren…

Die SPD diskutiert auch bereits das Grundeinkommen… Das heißt Themen von Kleinparteien werden ziemlich schnell von Volksparteien übernommen, wenn sie umsetzbar sind und nicht bloße Hirngespinste.


Präzisierung und Vertiefung unserer Aussagen zum BGE
#10

Beamtenreport:

Beamte zahlen weniger in die Sozialversicherung ein und bekommen mehr Leistung und eine bessere Rente. In der Schweiz gibt es schon seit einer Weile kaum noch Beamte (nur in ganz Wenigen und richterlichen Positionen).

Das Argument für die Beamtung ist, dass die guten Leute sonst alle in die Wirtschaft gingen und es ein Ausgleich für die wenigen Aufstiegsmöglichkeiten sei.

  • Zum einen wird schon in dem Report gezeigt, dass sich der Staat damit immens hohe Kosten für die Zukunft aufbürdet und die “zivilen” Rentner i.V. wesentlich mehr ihrer Rente schultern müssen, um dann doch weniger Rente rauszubekommen.

  • Zum anderen gibt es auch in der “freien” Wirtschaft Berufe mit geringen Aufstiegsmöglichkeiten. Wohin soll z.B eine Krankenschwester oder ein Pfleger, ohne weiteres Studium, aufsteigen? Ähnlich dem Lehrer: Wohin soll ein in der “freien” Wirtschaft tätiger Lehrer aufsteigen?

Interessant finde ich auch, dass die neuen Bundesländer, die Verbeamtung der Lehrer wieder eingeführt haben, da sie anscheinend sonst Lehrer an die alten Bundesländer verlören.

Ich möchte nur nochmal daran erinnern, dass der Beamtenstatus aus der Kaiserzeit kommt, somit vor-demokratisch ist und kaum ein modernes Land, allen vorran England und Amerika, den “Beamten” überhaupt noch kennt.


#11

Großbritannien macht das bereits so: https://de.wikipedia.org/wiki/National_Health_Service


#12

Wieso gibt es in England dann trotzdem noch eine private Versicherung? Mir schwebt ein komplett kostenfreies Gesundheitssystem bzw. über Steuern finanziertes Gesundheitssystem vor. Ähnlich wie beim Bildungssystem sollte zunächst die bestmögliche Gesundheitsinfrastruktur mit den bestmöglichen Geräten bereit gestellt werden. Nachfolgend und/oder parallel könnte der NC gesenkt werden und die privaten Arztpraxen, zu Ortsambulanzen zentralisiert werden.


#13

…und funktioniert mehr schlecht als recht. (laut allem, was ich darüber gelesen habe)

Gruß
Andi


#14

Aufhebung des Patentschutzes. Aha. Dir ist schon klar, dass dann in Deutschland einfach keine Pharmagüter mehr angeboten werden, solange der Schutz noch besteht? Oder gehst du davon aus, dass die Pharmaindustrie Millionen an Entwicklungsgeldern gerne investiert, damit sobald das Präparat die Marktzualssung hat, gleich die Generika angeboten werden können?

Und Personalkosten durch Digitalisierung auf ein Minimum senken? Warst du schonmal in einer örtlichen Niederlassung einer Krankenkasse und weißt, mit was sich die Mitarbeiter beschäftigen? Vergiss das mal ganz schnell, da was beim “1st Level-Support” einsparen zu können. Oberes Management vielleicht, aber nicht an der Front. Da hilft die beste Digitalisierung nichts, wenn ältere Menschen, Migranten und nicht-verwaltungsaffine Menschen am Schalter stehen und wissen wollen, wie ein Formular auszufüllen ist, wie sie Leistungen beantragen können oder sich beschweren, weil etwas nicht bezahlt wurde. Da braucht du einfach Personal und die fahren teilweise bereits auf Kante, weil zu wenig Leute da sind.

Außerdem: steuerfinanziert bedeutet nicht kostenlos. Irgendjemand muss das ja bezahlen. Und du willst nicht nur den Status Quo, sondern gleich wieder die beste verfügbare Behandlung. Nimm mal bitte die rosarote Brille ab und guck dir das britische NHS an. Die Minimalbehandlung ist inklusive, aber für was gescheites brauchst du eine Zusatzversicherung.

Eine Bürgerversicherung ist mMn machbar, aber vergiss das mit kostenlosem Gesundheitswesen.

Was wollt ihr eigentlich noch alles kostenlos haben? Gesundheitswesen, BGE, ÖPNV, Kitas, WLAN… bitte aufhören, Luftschlösseer zu bauen und mal anfangen, ernsthafte Konzepte, die in der realen Welt auch funktionieren, auszuarbeiten. Und bitte geht nicht davon aus, dass wir eine starke Wirtschaft haben, sondern rechnet alle Zahlen auf Basis einer Rezession wie wir sie um 2009 rum hatten.


#16

Nur weil es kostenlos ist, muss es trotzdem geregelt werden. Du kannst nich einfach in die Kurklinik oder den OP-Saal laufen und sagen “hier bin ich”. Daher müssen auch kostenlose Leistungen beantragt werden, wie jetzt auch schon. Und das kriegste digital nicht hin, weil viele Leute mit jemandem face-to-face reden müssen.

Du weißt aber schon, was eine MRT-Anlage kostet? So eine willst du ja quasi jetzt nicht nur alle paar 100km, sonder quasi in jedem Krankenhaus. Und Krankenhäuser sollte es auch viel mehr geben. Dafür braucht man dann aber auch viel mehr Ärzte. Und Pflegepersonal. Du weißt schon, dass aktuell ein Personalnotstand besteht, nicht zuletzt, weil die Gehälter viel zu niedrig liegen, für die wertvolle Arbeit, die geleistet wird?

Bessere Gesundheitsversorgung bedeutet in erster Linie mal erheblich mehr Personal, dass endlich auch vernünftig bezahlt werden muss. Da kann ein System noch so effizient sein, aber solang es nicht durch Roboter gemacht werden kann, hast du ein Problem.


#18

Das ist leider immer das Problem bei der Piratenpartei. Es wird spekuliert, aber nicht fundiert recherchiert.

:rofl::rofl::rofl:


#19

Eigentlich läuft diese Diskussion falsch. Wir haben ja schon eine Bürgerversicherung. Jeder Bürger bekommt eine medizinische Versorgung. Und diese ist, verglichen mit anderen Ländern, hervorragend.
(Dass sie immer noch besser sein könnte, steht außer Frage. )

Die Frage war ja, kann man diese Versorgung auf steuerfinanziert umstellen?
Ja, könnte man. Nur würde sie dann besser?
Mit den Krankenkassen hat man wenigstens noch einen kleinen Wettbewerb, der immer mal wieder dafür sorgt, das System ein klein wenig zu verbessern.

Aber das Ganze dem Staat zu überlassen, würde nur dazu führen, dass die Leistungen ganz schnell zusammengestrichen würden, wenn der Staat mal wieder meint, mehr Geld für etwas anderes ausgeben zu müssen.

Selbst der Ansatz “Alle” in die gesetzliche Krankenkasse zu zwingen und private Zusatzversicherungen zu verbieten, wäre ein zweischneidiges Schwert. Denn warum sollten die Krankenhäuser und Ärzte in moderne Behandlungen investieren, wenn sie diese nicht bezahlt bekommen?

Nein, Nein, ich bezahle meine Krankenkassenbeiträge gerne. Meine Kinder waren kostenlos mitversichert, meine Frau ist mitversichert. Ich kann zu jedem Facharzt gehen, den ich möchte. Es werden keinerlei Untersuchungsmethoden eingeschränkt, nur weil die Krankenkasse meint, das nicht bezahlen zu brauchen. Ich bekäme jede Operation die ich bräuchte…

Da einzige, was ich mir aktuell wünschen würde ist, dass der Staat für einen vernünftigen Personalschlüssen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen sollte, inkl. einer angemessenen Bezahlung, damit nicht so viele Ärzte im Ausland arbeiten, und wir mehr Pflegepersonal bekommen.
Das ist zur Zeit die größte Baustelle in unserem System.
Und dafür könnte der Staat ja heute schon steuerfinanziert sorgen. Da er das aber nicht tut, will ich ihm die Organisation des Gesundheitssystem garantiert nicht alleine überlassen.

Gruß
Andi


#20

In einer (direkten) Demokratie sind Gesellschaft und Staat nicht zu trennen. Der Staat macht nicht irgendetwas ohne das die Mehrheit der Gesellschaft dies will. D.H. wenn alle Bevölkerungsgruppen von der Kürzung der Leistungen gleichermaßen betroffen sind, werden die Leistungen nicht zusammengestrichen werden, sondern eher noch weiter ausgebaut werden (da es ja alle betrifft).

Wettbewerb funktioniert im Sozialversicherungssystem nicht (siehe Stieglitz), da die Krankenkasse sowohl Umfang der Leistungen als auch die Höhe der Beiträge bestimmen kann. Dies ist ein klarer Vorteil der Angebotsseite und wird zu einem Nachteil auf Nachfrageseite führen.

Das selbe Argument könnte dann verwendet werden um Universitäten zu privatisieren…

Ich würde die Ärzte alle beim Staat im öffentlichen Dienst anstellen und die Ärztekammer abschaffen.

Wenn gute Infrastruktur da ist, bilden sich fast automatisch gute Leute heraus. Umgekehrt nicht. Mit schlechter Infrastruktur können weder gute Leute angelockt werden, noch können sich gute Leute aus dieser Infrastruktur herausbilden.

Ich bleibe dabei. Top Moderne Infrastruktur (führt zudem auch zu höheren Gehältern, da die Geräte effizienter und leistungsfähiger sind) und Bürokratieabbau sind die Schlüssel.

Entschuldigung, aber wer implizit das bismark’sche Sozialversicherungssystem verteidigt, verteidigt die ständische Klassengesellschaft des Kaiserreichs gleich mit. Das ist weit von einer liberalen Demokratie entfernt, bei der jeder die gleichen Chancen haben muss.


#21

du verwechselst gleiche Chancen mit “jeder ist gleich”. “Jeder ist gleich” funktioniert aber nicht.

Gruß
Andi


#22

Wo verwechsle ich das? Für mich sind “Gleiche Chancen”, “Gleiche Anrechte bzw. Rechte”, ohne Privilegien für irgendwelche Berufstände etc. Die Individuen sind vielfältig in ihrem Aussehen, in ihrenen Meinungen, in ihren Lebenssituationen und in ihren Interessen, sowie kognitiven Fähigkeiten. Das habe ich nirgendwo verneint.