Ist die Menschheit zu dumm für das Internet?

Diese Frage stelle ich mir derzeit immer wieder ohne eine so rechte Antwort darauf zu haben. Was mir derzeit auffällt sind diese Facebook Gruppen, wo sich die Leute zu hunderttausenden sammeln und irgendwelche wirren Verschwörungstheorien glauben. Seien es Rechte von der “Entvolkung” oder das Bill Gates Corona erfunden hätte um alle Menschen mit Gedanken Kontroll Chips auszustatten und so weiter…

Auch dort wo es eher sachlich zugeht, die meisten politischen Diskussionen online halten sich doch vom Niveau her eher sehr stark in grenzen und bleiben meist irgendwo im 140 Zeilen Twitter Gewitter oder eher oberflächlichen Facebook Postings verhangen. Gute und informative Userposts zu Zeitungsartikeln sind auch eher die Seltenheit.

Meine These ist deshalb: Die meisten Menschen verhalten sich im Internet nicht besonders intelligent weil Sie es schlicht und einfach nicht sind. Ja vielleicht habe ich dann doch ein etwas zu schlechtes Menschenbild, wer weiß. Bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege.

Die Piraten sind ja auch gescheitert mit dem Ansbruch der Basisdemokratie an der alle mitmachen können, da haben sich die Leute in ermüdenden Endlosdiskussionen und Grabenkämpfen aufgebraucht bis Sie keine Lust mehr hatten. Mit manchen Leuten kann man eben nichts sonderlich gut diskutieren da es am Verstand für rationale Diskussionsführung mangelt.

Dort wo im Internet gute inhaltliche Arbeit geleistet wird z.B. Wikipedia oder OpenSource Projekte sind meistens Akademiker aktiv, also Leute die quasi zur Bildungselite gehören und das studiert haben. Im Grunde sind das Elitäre Projekte, keine Massenprojekte nichts wo sich jeder Basisdemokratisch beteiligen könnte da dort irrationale Schwurbelei eben nicht toleriert wird.

Gerade der Zustand in den Sozialen Netzwerken lässt da auch nicht darauf hoffen das das Internet alleine das allgemeine Bildungs und Intelligenzniveau heben wird. Die Wahl von Trump scheint mir diese These durchaus zu bestätigen, denn daran war ja die Desinformiertheit der Massen im Internet maßgeblich mit beteiligt.

Daher meine Frage, was ist besser:

1.) Eine Gesellschaft bei der alle frei mitreden und entscheiden können auch auf das Risiko das sich dann am Ende die durchschnittliche Dummheit der Masse durchsetzt ?

2.) Eine Intellektuelle Regierungsführung durch ein Kollektiv an erfahrenen Experten und Wissenschaftlern welche die Richtung vorgibt deren Entscheidungen erst im Nachgang einer demokratischen Kontrolle unterliegen.

Hi,
das ist ja ein altes Thema. Du kannst eben nicht objektiv bestimmen, wer “erfahrene” Expert*in ist. Daher Demokratie.

Zu dem Thema befragen wir doch einfach mal das Dreamteam:

Link https://www.youtube.com/watch?v=Dw2QWMrdMyA

Deine Frage, was besser ist, klingt…interessant.

Zumal sich diese Alternativen momentan gar nicht stellen, da faktisch lobbygesteuerte Parteienvertreter in den Regierungen die Richtung vorgeben, in der Experten und Wissenschaftler höchstens mal am Rande gefragt werden, und so selten die Richtung vorzugeben in der Lage sind.

Haha, ja, Deine These ist unzweifelhaft zutreffend.

Aber es war noch nie anders. Jetzt allerdings - mit den sozialen
Medien Facebook, Twitter & Co - wird die mentale Insuffizienz
durch Filterblasenmechanismen extrem verstärkt. Die Folgen daraus sind leider sehr bitter:

– Trump konnte Präsident werden
– Menschen können ohne Anlass rufgeschädigt werden
– Wissenschaftliche Wahrheiten werden negiert

Insbesondere der letzte Punkt ist sehr fatal, und kann der
Menscheit das Überleben auf diesem Planeten kosten. Naja,
da könnte man sagen: “Sie waren einfach zu dumm!” und das
war’s dann.

Übrigens: Eklatante Kommafehler zeugen auch nicht gerade
von Intelligenz.

Wir haben ja eine “repräsentative Demokratie”, d.h. es gibt da
schon eine Filterwirkung.

Wie schon in anderen Antworten anklang: Wir haben ja dem
Namen nach eine “repräsentative Demokratie”. Jedoch ist die
Einflussnahme verschiedener gesellschaftlicher Gruppen
sehr unterschiedlich - je nach Lobbymacht und der Höhe
monetärer Zuwendungen.

So haben verschiedene Industriebranchen eine sehr große
Macht (siehe “Andy Scheuer”), aber auch Verbände von Kirchen und Vereinen. Neutrale Wissenschaftler werden eigentlich eher
ungern gehört - oder nur, wenn’s gar nicht anders geht, so wie
in der Corona-Krise.

Also: An der Demokratie führt kein Weg vorbei. Aber man könnte
die Einflussnahmen natürlich viel transparenter gestalten. Das
seit Jahren geforderte Transparenzgesetz (von Transparency International) wurde vom Bundestag bisher jedesmal abgelehnt. Da wäre noch viel zu tun.

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Das ist eines der “großen Probleme” unserer Zeit: Einerseits
stehen wir ja gerade für die Freiheit im Internet. Aber anderseits
wird diese Freiheit ja gerade von den “Populisten” auf’s Übelste
mißbraucht: Wahrheiten werden geleugnet und vollkommen
absurde und erfundene Stories werden den “Lämmern” nahegebracht.

Wie soll man damit umgehen? Inwiefern müssen soziale Plattformen reguliert werden, damit dort nicht der reine Schwachsinn in der Art wie jetzt proliferiert?

Ich weiß - ehrlich gesagt - keine Antwort. Aber DAS genau
ist eine der großen Herausforderungen. Wie können wir dieses
Fake-Problem der sozialen Medien lösen?

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Erst mal herzliches Willkommen im Forum. Es ist mühsam und wie Sysyphos Arbeit, aber es gibt Seiten die genaus dies tun und die Fakten checken. Nur allzuoft wird dieser Faktencheck von bornierten Verschwörern eben als Lügenpresse diffamiert. Es empfiehlt sich, dich nicht in abgedrifteten Facebookgruppen abzuarbeiten und besser Leute die man kennt und die seltsame Dinge posten sachlich und nicht öffentlich auf Dinge aufmerksam zu machen, zB.welche Statements die geteilte Quelle sonst so verbreitet. Es ist mühsam aber manchmal kommt es zu Erkenntnissen und dann hat es sich schon gelohnt. Internet und Stammtisch sind dasselbe, es sind Menschen hinter jedem Account und jede Einzelne ist es wert.

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Und wenn es beim Poster nicht fruchtet, dann vielleicht beim stillen Mitleser.
Ich hätte es schon lange aufgegeben, blödsinnige Postings im Internet zu korrigieren, wenn ich nicht an die vielen Mitleser denken würde, die das eventuell glauben, weil keiner dagegen etwas sagt.

Gruß
Andi

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Und es kostet vor allen Dingen jede Menge Nerven.
Einen Aspekt möchte ich aber gerne noch hinzufügen. Es ist immer nur die Rede von kruden Verschwörungstheorien und Fake News, die irgendwelche Deppen (leider sehr erfolgreich - s. des Teufels Kebekus Worte) in den sozialen Medien und neuerdings auch wieder auf der Straße absondern. Dass sich unsere Führungsriege nicht nur gelegentlich ebenfalls dieser Techniken bedient, dabei nur weit subtiler vorgeht, wird hier unterschlagen. Nach dieser Behauptung werde ich möglicherweise selbst von einigen hier als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Dennoch - auf dem Feld der Energiepolitik haben wir genügend Beweise gesammelt, wie das “Volk” für dumm verkauft wird, um Partikularinteressen durchzusetzen. Wir nehmen den BS, den BMWi und BNetzA in schöner Regelmäßigkeit von sich geben mittlerweile auch in schöner Regelmäßigkeit auseinander - www.orangebuch.de - kommen dabei als 3-Mann-Team allerdings nicht hinterher.

Kein schlechte Idee. Ich bezeichne das Ganze oft nicht ganz so liebevoll als “Diktatur der Pragmatiker”. Solange aber zu diesem Pragmatismus der immerwährende Tanz um’s goldene Kalb gehört, die Experten also korrumpiert werden können (und korrumpiert werden), kommen wir mit der “intellektuellen, unabhängigen Regierungsführung” keinen Schritt weiter. Intelligenz ist schon bei den jetzigen Regierungen (es gibt Ausnahmen) vorhanden. (Einigermaßen) unabhängig und vor allem uneigennützig ist indes vielleicht nur der schlaue Herrscher von Bhutan…
Wenn wir von Interessen ungefilterten Pragmatismus wollen, brauchen wir vor allem Transparenz. Da hat @syna völlig recht. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die PP wieder ein wenig mehr ihr Profil in diese Richtung schärft.

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Nein, die Menschheit ist nicht zu dumm für das Internet, da Intelligenz an sich als durchschnittliche Gehirnleistung der Menschheit berechnet wird.

grafik

IQ-Tests sind so konstruiert, dass die Ergebnisse für eine hinreichend große Bevölkerungsstichprobe annähernd normalverteilt sind.

Ergo wählt die Menschheit auch die Medien aus, die sie am Besten repräsentieren.
In Deutschland zum “Die BiLD”, große Buchstaben, große Bilder, kurze Sätze, wenig Text. Dies repräsentiert iQ=100.

Sofern Du Dich außerhalb der Norm bewegst, kann der Eindruck entstehen, die Menschheit wäre zu dumm.
Dies mag ein subjektiver Eindruck sein, objektiv ist aber BiLD IQ=100, gleiches gilt für die sozialen Medien, Volksabstimmungen, Parteitage etc.

Die eigentliche Aufgabe besteht darin den Normwert IQ=100 durch Bildung anzuheben.

Eine vermeintliche Elite kann die Bevölkerung an sich nicht vertreten, da sie nur ein Subgruppe der Gesellschaft sein kann, die sich z.B. aufgrund der Kenntnisse der Kommaregeln überlegen fühlt und meint, aufgrund solcher speziellen Kenntnisse, die Gemeinschaft an sich vertreten zu können.

Diese Spezialkenntnisse sagen aber z.B. nichts über soziale Kompetenz aus.

Das Ganze ist insofern ein Sturm im Wasserglas da die Kritiker selbst noch nicht gemerkt haben, dass sie Teil des Problems sind.

Es gibt keine absoluten Wahrheiten, die Erde muß keine Scheibe sein und 1 x 1 kann auch ungleich 1 sein.

Ein großer Teil der Wissenschaft bewegt sich heute in statistischen Wahrscheinlichkeiten.
Dass Dinge so sind, wie sie sind, kann man oft 100% nachweisen, für eine Entscheidungsfindung genügen aber 51%, verbunden mit entsprechendem Risiko.

Dies kollidiert mit einem Schulsystem, das darauf angelegt ist, regelkonforme Kommaregeln einzufordern.

Das menschliche Leben ist aber ein Leben in Unsicherheiten, in dem Geburt und Tod von Wahrscheinlichkeiten abhängig sind und das Entreten von Wahrscheinlichkeiten durch optimierte Entscheidungen und Handlungen beeinflusst werden kann.

Also, in Wirklichkeit ist es aber so, dass die Menschheit - statistisch betrachtet -
immer dümmer wird: Hirn wird kleiner

Ein schrumpfendes Hirn deutet auf eine Dezimierung der Hirnleistung hin.
Wenn man sich die typische Internet-Sozialisation ansieht, in der Google
als Backup für Wissen und Hirn herhalten soll, wird auch klar, dass sich
diese Reduzierung mentaler Leistung rapide beschleunigt.

Naja, das, was Du hier als “Spezialkenntnisse” titulierst, ist eigentlich der Grundkonsens
über einigermaßen verständliche Kommunikation. Dazu gehören die Basics als
Grundvoraussetzungen - also Orthografie und Kommaregeln. Erst wenn man die
Basics kann - also die Syntax(!) beherrscht - dann kann man sich dem Inhalt widmen.

Mmmmhh … also, das meinst Du höchst ironisch sarkastisch - oder?

Stimmt. Gut erkannt.

Den letzten Satz würde ich aber ändern: “Für eine Entscheidungsfindung müssen aber 51% genügen, verbunden mit entsprechendem Risiko”.

Das liegt daran, dass es Gefahrensituationen gibt, bei denen man keine Zeit hat,
diese wissenschaftlich sauber zu eruieren. Man muss schon vorher handeln.

Nein, nein. Das Schulsystem tut gut daran, jedem die Voraussetzungen zur Teilnahme
an unserer Kultur und an der Willensbildung zu befähigen. Aber selbst das scheint
schwierig zu sein. Deshalb sind hier größte Anstrengungen notwendig!

PS: Auf die Kommaregeln scheinst Du ja richtig abzufahren. Bedenke, dass die
Einhaltung der Kommaregeln vergleichsweise einfach und easy ist. Die Syntax einer
beliebigen Programmiersprache ist viel rigoroser und duldet überhaupt keine
Fehler. Da muss jeder viel viel genauer und pedantischer sein. Deshalb ist es nicht
überzogen, zumindest in unserer natürlichen Sprache, der Verständlichkeit halber,
Kommaregeln einzufordern!

Die etablierte Politik wird eben auch immer unglaubwürdiger, eine von Lobbyisten gekaufte Demokratie zerstört das Vertruen von immer mehr Menschen in der politische System und dies macht es dann eben für Verschwörungspropagandisten sehr einfach ihren Müll unters Volk zu bringen.

Das Problem wird absehbar noch weiter deutlich zunehmen schon allein weil nur die Symptome mit Uploadfiltern, netzDG usw bekämpft werden aber nicht die Systemischen Ursachen einer Demokratie die immer weiter an Seriösität und Glaubwürdigkeit verliert. Das alles wird also ziemlich sicher weiter eskalieren.

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Nein, nein, zumal ich meine, die Kommaregeln im Sinne einer Teilnahmemöglichkeit an unserer Kultur nutzen zu können.

Die Kommaregeln sind nur ein Beispiel, wie in unserer Kultur versucht wird, Inhalte durch Formalismen auszuhebeln.
Man bedenke, wie sie sich z.B. die Krawattentragepflicht in Unternehmen verändert hat.
Rechtsanwälte und Bürokratie führen doch ein völliges Eigenleben, das mit den Inhalten wenig zu tun.

Die Vermittlung dieser “Kulturtechniken” führt zur eigentlichen Ursache des oben beschriebenen Problems.

Auf der einen Seite verbreitet eine Minderheit Fake-News.
Denen steht nun eine unerbittliche Gegnerschaft gegenüber, die meinen, alles 100% zu wissen, womit sie es ihren Gegner zu einfach machen, da sie nur igendeine abweichende Meinung hervorholen müssen.

Zielgerichteter wäre aus meiner Sicht die Strategie “Kann sein - ist aber völlig unwahrscheinlich”.
Wenn man aber in der Schule danach bewertet wird, ob man bei Lila oder Violett die richtige Farbe angekreuzt hat, wird es zum Problem.

Es gibt jede Menge Beispiele in der Schule, bei denen eigentlich eine exakte Aussage nicht möglich ist. Wenn eine Aufgabe beim Mathematik-Abi nicht gelöst werden kann, bricht die Welt zusammen.
Eine Allgemeine Hochschulreife setzt voraus, dass der Schüler erkennt, dass mit den Angabe die Aufgabe nicht gelöst werden kann.
Mit einer nicht perfekten Welt hat man bei diesem Schulsystem ein Problem und die Welt ist nicht perfekt.
Wenn ein Viruloge sich täuscht und seine Meinung ändert, dann ist das wissenschaftlich völlig ok und notwendig.
Die andere Alternative ist, stur auf der falschen Meinung zu beharren und seine Ehre zu verteidigen. Ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
Insofern weniger aufregen über Menschen, die sich irren, da irren menschlich ist und relativ wenig mit Dummheit zu tun hat.
Es ist Aufgabe von denen, die es besser wissen, das Wissen so zu vermitteln, damit es jeder versteht.

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Also, lieber @Crawler, Dein schöner Beitrag wäre viel viel leichter zu lesen,
wenn Du einige Kommata einfügen würdest. Ohne Kommata klingt einiges
zweideutig, und man muss es zweimal lesen, um den Sinn zu erahnen.

Inhaltlich teile ich Deine Bedenken.

Ach, GG79, dat iss alles doch ziemlich “schief”.

Nö. Ist auch ein schlechtes Beispiel!

Kommaregeln --> leichtere Lesbarkeit, Text wird verständlich
Krawatte --> Willkürliche Konvention in bestimmten Gesellschaftsbereichen,
Teil einer Meta-Kommunikation.

Ergo: Das sind beides sehr unterschiedliche Dinge!

Nee nee. Hier ist das Problem, dass viele Leute in der Schule nie gelernt haben,
was Wissenschaft eigentlich ist - und welches die Revolution war, die in der Renaissance eintrat.

Bei Dingen, die eindeutig bewiesen wurden, gibt es keine Wahrscheinlichkeit und auch kein “vielleicht doch nicht” oder so. Dinge, die bewiesen wurden, die sind so. Ohne
Beschwichtigung oder Milderung! Das gilt für die zum Erdmittelpunkt gerichtete Gravitation oder für den menschengemachten Klimawandel oder für das Higgs-Boson.

Bei Dingen, die noch nicht bewiesen wurden, die also im Status einer Hypothese weilen,
da ist es so, dass man mit Wahrscheinlichkeiten oder Plausibilitäten sich einer Aussage nähern kann und darüber, ob, wie und wie überhaupt, diskutieren kann (und sollte).

Diese Unterscheidung ist fundamental!

Auf welcher Schule warst Du denn? War das vor 100 Jahren?

Ich kenne den Deutsch- und Germanistik-Unterricht nur so, dass beispielsweise
Kommafehler ganz dick in ROT markiert werden, aber dennoch gar nicht in die Note
einfließen.

Ich weiß von allen Abi-Klausuren, die ich bewertet habe, dass ich - und so weit ich
weiß eigentlich alle Dozenten - auch die Problemlösestrategie bewertet haben. D.h. wenn jemand den Lösungsweg skizieren konnte und verstanden hat, hat er schon die meisten Punkte bekommen. Derjenige, der auch noch richtig gerechnet hat, bekommt aber - verständlicherweise - noch etwas mehr Punkte.

Also, was Du hier monierst, das stimmt so gar nicht.

Hier hast Du vollkommen recht. Ich wünsche mir auch, dass man aufgrund von Fakten und Argumenten diskutiert. Und dass jeder sich auch mal irren darf - und dies auch ruhig
mal zugeben darf. Diese Fähigkeit ist ja die echte Stärke und echte Kompetenz!

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Das Problem ist nicht das Internet, sondern die fortschreitende Unfähigkeit mit anderen gemeinsam leben zu können.
Das Internet ist nur der Kanarienvogel in der Kohlegrube.

Könnte es auch mit der zunehmenden Arbeitsteilung zusammen hängen welche dafür sorgt das die Gesellschaft in immer kleinere Gruppen ohne gemeinsame Interessen zerfällt ?

Die zunehmende Arbeitsteilung ist doch auch schon wieder Industriegeschichte.
Es ist eher persönlicher Egoismus, der sich durch Partnerschaft, Familie, Gesellschaft zieht.
Interessanter ist doch diese GIG-Ökonomie.
Für diese persönliche Freiheit, vermeintlich seine Arbeitszeit frei bestimmen zu können, nehmen sie das Risiko am oder unter dem Existenzminimum zu leben, als selbständiger Pizzazusteller etc. in Kauf.
Nicht integriert zu sein, sich nicht nicht anpassen, sich nicht abstimmen zu müssen etc. scheint einen hohen Wert zu haben.
Das steht im völligen Widerspruch zur Annahme, dass Gruppen erfolgreicher arbeiten können.
Insofern fühlen sich auch viele nicht verantwortlich, was sie da in den sozialen Medien so wiedergeben.
Die Frage ist jetzt, wie stehen die Piraten dazu?
Wollen wir eine Welt von Egoisten fördern, in der man sich nicht abstimmen muß oder setzen wir auf einen Dialog unterschiedlicher Gruppen.
Mein persönlicher Eindruck der letzten Jahre ist die erste Variante, da auch die Piratenpartei die Möglichkeit bot, die eigenen Thesen bedingungslos zu vertreten, ohne interne Abstimmung.
Das Endergebnis sind völlig verhärtete Fronten und die USA ist da schon einen Schritt weiter. Man kann dort auch sehr gut sehen, wohin das führt.
Niemand profitiert von einer Politik jenseits des Aushandelns, der Abstimmung und der Rücksichtnahme.
COVID zeigt, dass diejenigen, die Rücksicht nehmen, an andere denken, besser über die Runden kommen.
Wir benötigen den gesellschaftlichen und globalen Konsenz, das was die Vertreter von Social Media liefern ist primär Dissenz durch Beschallen.
Kommunikation ist aber Zuhören können, nicht im Sinne von den anderen auch mal zu Wort kommen lassen, sondern im Sinne von “Mich interessiert Deine Meinung, damit ich meine Position überdenken kann.”
Piratenposition war mal “Wir wollen Deine Meinung, nicht nur Deine Stimme”.
Das Abgleichen der Positionen kann dazu führen, dass man sich überlegen muß, was man eigentlich tun müsste, damit der andere nicht mehr diesen Unsinn verbreitet.
Aber nur Beschallen hin und her zeugt davon, dass der Horizont sehr klein ist und andere nicht einbezieht.

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Wisst ihr noch: Piraten sind die, die die richtigen Fragen stellen! Welche Freiheit meinen wir eigentlich, welche Gleichheit, welche Brüderlichkeit, wenn wir die Ideale der französischen Revolution, der Aufklärung, des Humanismus und deren Fahnen schwingen? Ist die Freiheit des Einzelnen das Credo des sich selbst verwirklichenden Egos?
Bildung bedeutet: denkfähig, diskursfähig, meinungsfähig, entscheidungsfähig werden.

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Freiheit wird ja auch zunehmend unterschiedlich definiert. Von Meinungs/Wahlfreiheit bis hin zu der Freiheit alles tun zu können was man will ohne dabei Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Wenn auf freiwilliger Basis immer weniger Bewustsein für Gemeinschaft vorhanden ist, dann werden auch Utopien wie das BGE unmöglich, bzw dystopisch wenn kein Wille zur Kooperation da ist und es daher das Auseinanderdriften sogar noch beschleunigen könnte. Kein Sozialer Fortschritt ist ohne die dafür notwendige kulturelle Basis möglich.

Welche Freiheit ist dann die Richtige. Die den eigenen Job, Karriere Werte usw frei wählen zu dürfen oder die Freiheit die Wahl zu haben gar nichts mehr wählen zu müssen da man sich keiner Gemeinschaft und ihren Werten mehr verplfichtet fühlt ?

Gerade Social Media führt doch zunehmend dazu das die Gesellschaft immer mehr zersplittert und es immer weniger um die Findung eines Konsens geht sondern um die sture Durchsetzung der eigenen (oftmals ideologisch verhärteten) Position geht. Wohin das führt sieht man ja bereits an den USA sehr deutlich. Erst wird die Gesellschaft immer narzistischer und am Ende dann entsprechend auch die Politik (siehe Trump).

Ist dann die “Freie Meinungsäußerung” in der Form wie Sie auf Facebook praktiziert wird überhaupt noch sinnvoll ? Stärkt diese “Freiheit” am Ende nicht primär den Narzismuss und Selbstdarstellerei bis hin zu dem Punkt das Freiheit plötzlich kulturell gesehen zu etwas ganz anderem mutiert als das was wir bisher in ihr gesehen haben ?

Eine pervertierte Form von Freiheit könnte da entstehen, eine art Freiheit zur völligen Verantworungslosigkeit welche eher den Gesellschaftlichen Niedergang befeuert anstatt förderlich für das gemeinsame Vorankommen zu sein.