Inflation und BGE


#42

Aber die Nationalbank (da nicht unabhängig vom Staat) hatte doch 1923 gar kein Interesse daran die Währung stabil zu halten, da so die Löhne gedrückt werden konnten und die Reparationen entwertet wurden. Die Nationalbank war nicht an der Stabilität der Währung interessiert, sondern von Machtinteressen geleitet. Oder sehe ich das falsch? Ich finde 1923 für irgendetwas als Bsp. heranzuziehen, schlägt immer fehl…

“Eigentliche Ursache der schon ab 1919 beginnenden Hyperinflation war die massive Ausweitung der Geldmenge durch den Staat in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, um die Staatsschulden zu beseitigen.”


#43

Auf den einzelnen Arbeitsplatz bezogen ist diese gewerkschaftliche These zwar richtig, aber es ist nur der Ausdruck einer sich verändernden Welt.
Volkswirtschaftlich gesehen erhöht technischer Fortschritt die Anzahl der Arbeitsplätze, mengenmäßig und qualitätsmäßig, siehe Erwerbsstatistiken der letzten 60 Jahre.


#45

Da stets, auch im Zusammenhang mit dem BGE die falsche These vertreten wird, technischer Fortschritt würde Arbeitsplätze vernichten, hier mal die tatsächlichen Zahlen, die diese falsche Behauptung widerlegen.

Deutschland
jeweils im Alter von 15 bis unter 65

Jahr
Zeit | Bevölkerung | Erwerbstätige | Arbeitslose | Erwerbspersonen | Nichterwerbspersonen
1000 1000 1000 1000 1000
männlich
10/1959 17 271 15 555 104 15 659 1 612
10/1960 17 391 15 710 63 15 773 1 618
10/1961 17 620 15 967 46 16 013 1 607
10/1962 17 464 15 822 46 15 868 1 596
04/1963 17 678 15 989 42 16 031 1 647
04/1964 17 700 15 906 49 15 955 1 745
05/1965 17 888 16 051 31 16 082 1 806
04/1966 17 958 16 122 31 16 153 1 805
04/1967 17 886 15 726 198 15 924 1 962
04/1968 17 857 15 741 206 15 947 1 910
04/1969 18 054 15 936 110 16 046 2 008
04/1970 18 316 16 066 84 16 150 2 166
04/1971 18 242 15 923 97 16 020 2 222
04/1972 18 848 16 547 109 16 656 2 391
05/1973 19 008 16 571 92 16 663 2 345
04/1974 19 255 16 488 213 16 701 2 554
05/1975 19 183 15 944 548 16 492 2 692
05/1976 19 225 15 825 518 16 343 2 882
04/1977 19 399 15 918 504 16 422 2 977
04/1978 19 519 16 032 467 16 499 3 020
04/1979 19 654 16 216 397 16 613 3 041
04/1980 20 019 16 516 380 16 896 3 123
05/1981 20 425 16 532 521 17 053 3 375
04/1982 20 724 16 376 829 17 205 3 521
06/1983 21 030 16 141 1 098 17 239 3 791
06/1984 21 327 16 252 1 110 17 362 3 966
06/1985 21 256 16 225 1 177 17 402 3 858
04/1986 21 360 16 397 1 127 17 524 3 837
03/1987 21 417 16 382 1 245 17 627 3 795
04/1988 21 499 16 594 1 145 17 739 3 762
04/1989 21 691 16 797 1 046 17 843 3 852
04/1990 22 182 17 410 941 18 350 3 831
04/1991 27 663 21 689 1 247 22 936 4 727
05/1992 27 879 21 436 1 419 22 855 5 023
04/1993 28 166 21 111 1 790 22 901 5 266
04/1994 28 104 20 796 2 047 22 843 5 261
04/1995 28 070 20 744 1 987 22 731 5 340
04/1996 28 175 20 490 2 122 22 612 5 563
04/1997 28 258 20 322 2 376 22 698 5 560
04/1998 28 229 20 278 2 354 22 630 5 600
04/1999 28 196 20 422 2 220 22 639 5 557
05/2000 28 067 20 439 1 997 22 433 5 634
04/2001 28 014 20 375 2 051 22 426 5 588
04/2002 27 927 20 073 2 285 22 358 5 570
05/2003 27 824 19 720 2 626 22 345 5 479
03/2004 27 687 19 397 2 842 22 239 5 448
2005 27 828 19 806 2 572 22 378 5 450
2006 27 714 20 141 2 346 22 486 5 228
2007 27 533 20 522 1 940 22 462 5 071
2008 27 457 20 786 1 686 22 472 4 985
2009 27 308 20 556 1 835 22 391 4 917
2010 27 201 20 637 1 695 22 333 4 869
2011 26 415 20 429 1 333 21 762 4 653
2012 26 493 20 559 1 233 21 792 4 702
2013 26 560 20 632 1 227 21 859 4 701
2014 26 669 20 739 1 184 21 924 4 746
2015 26 833 20 845 1 119 21 964 4 869
2016 27 457 21 417 1 025 22 442 5 015
2017 27 305 21 536 950 22 486 4 819

weiblich
|10/1959|20 152|9 386|109|9 495|10 657|
|10/1960|20 113|9 494|79|9 573|10 540|
|10/1961|20 141|9 504|45|9 549|10 592|
|10/1962|20 127|9 394|53|9 447|10 680|
|04/1963|20 124|9 404|42|9 446|10 678|
|04/1964|20 149|9 381|45|9 426|10 723|
|05/1965|20 189|9 449|25|9 474|10 715|
|04/1966|20 161|9 389|19|9 408|10 753|
|04/1967|20 115|9 079|92|9 171|10 944|
|04/1968|20 062|9 039|165|9 204|10 858|
|04/1969|20 082|9 147|93|9 240|10 842|
|04/1970|20 180|9 254|75|9 329|10 851|
|04/1971|20 036|9 227|104|9 331|10 705|
|04/1972|20 140|9 505|87|9 592|10 578|
|05/1973|20 164|9 667|86|9 753|10 411|
|04/1974|20 235|9 609|160|9 769|10 466|
|05/1975|20 239|9 393|357|9 750|10 489|
|05/1976|20 252|9 352|423|9 775|10 478|
|04/1977|20 263|9 434|468|9 902|10 361|
|04/1978|20 331|9 498|464|9 962|10 369|
|04/1979|20 372|9 677|455|10 132|10 240|
|04/1980|20 511|9 913|386|10 299|10 212|
|05/1981|20 792|10 008|524|10 532|10 262|
|04/1982|21 085|10 023|732|10 755|10 332|
|06/1983|21 555|9 972|965|10 937|10 618|
|06/1984|21 510|10 023|1 098|11 121|10 389|
|06/1985|21 476|10 101|1 209|11 310|10 168|
|04/1986|21 386|10 253|1 163|11 416|9 973|
|03/1987|21 348|10 400|1 131|11 531|9 819|
|04/1988|21 202|10 493|1 169|11 662|9 540|
|04/1989|21 232|10 689|1 101|11 790|9 443|
|04/1990|21 608|11 623|1 027|12 650|8 958|
|04/1991|27 079|15 437|1 389|16 826|10 254|
|05/1992|27 119|15 181|1 762|16 943|10 177|
|04/1993|27 240|14 959|2 005|16 964|10 276|
|04/1994|27 237|14 970|2 108|17 078|10 160|
|04/1995|27 217|14 983|2 042|17 025|10 192|
|04/1996|27 334|15 145|1 874|17 019|10 316|
|04/1997|27 385|15 117|2 091|17 208|10 177|
|04/1998|27 413|15 220|2 048|17 265|10 149|
|04/1999|27 414|15 605|1 886|17 490|9 924|

Quelle: https://www-genesis.destatis.de/


#46

Simpelste Gleichung der Welt:
Arbeit ≠ Arbeit

Anders ausgedrückt: Arbeit ist nicht gleich Arbeit.
Beinahe alles was mit Kapital zu tun hat, kann als Erwerbsarbeit verbucht werden. Das bedeutet nicht, dass es mehr Produktivkräfte gibt, die wirkliches Wissen und technischen Fortschritt produzieren.

  • Zynisches Beispiel…
    Ein Plantagenbesitzer der Südstaaten im 18. Jahrhundert konnte auch sagen, dass er “Vollbeschäftigung” erreicht hätte…

#47

1990/1991 gabs offensichtlich nen extremen technischen Sprung.
Du wirst kein Freund mehr mit Statistiken…


#48

Welchen technischen Sprung gab es denn 1990/1991?


#49

Das ist so richtig.
BGE braucht es aber nicht, weil in der Steinkohleindustrie Arbeitsplätze wegfallen, sondern sich das Arbeitsumfeld verändert hat.
Welches Mitglied der Piratenpartei übt denn noch die gleichen Tätigkeiten wie vor 20 Jahren aus?
Volkswirtschaftlich optimal wäre es, die Akademikerfamilie hätte bei Abschluß des Studiums 2 Kinder. Geht im Augenblick nicht, macht keiner, da Armutsrisiko zu groß.


#50

Es ist zwar richtig das jede technische Entwicklung bisher Arbeitsplätze vernichtet hat und
es ist auch richtig das in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze entstanden sind.

Aber:

  1. in der Regel sind Arbeitsplätze schneller weggefallen als die neuen entstanden sind war zu einer Welle von Arbeitslosen geführt hat.
  2. hat die Automation bisher wenig qualifizierte Arbeit ersetzt und die Menschen konnten durch Qualifikation neue Arbeitsplätze finden.

Ein Problem bei der Digitalisierung ist, dass auch qualifizierte Arbeit automatisiert werden kann und das
andere Problem bei der Digitalisierung ist, dass es in nahezu alle Arbeitsgebiete hineinwirkt.

Es werden also mehr Menschen schneller ihre Jobs verlieren, als neue entstehen und es entsteht nicht notwendigerweise ein Bedarf an besser qualifizierten Mitarbeitern, sondern eher ein Bedarf an unqualifizierten Mitarbeitern.


#52

Das ist eine Hypothese, der es an empirischer Bestätigung fehlt.

Fakt ist: Wir haben schon diverse technische Revolutionen hinter uns und an deren Ende stand eher mehr statt weniger Arbeit. Zwar haben wir die Arbeitszeit kontinuierlich verringert. Gleichzeitig hat die Weltbevölkerung aber erheblich zugenommen. Was stimmt: Jede technische Revolution hat eine Zeit sozialer Verwerfungen nach sich gezogen. Diese sozialverträglich zu gestalten, ist die Aufgabe von verantwortlicher Politik. Wunschdenken ist kein Teil davon.

Aber nehmen wir mal an, du hättest recht. Dann böte die Digitalisierung ja die Chance, mehr menchliche Arbeitskraft auf Bereiche zu verlegen, in denen wir gar keine Digitalisierung wollen. Ich denke da an die chronische Unterbesetzung in der Pflege, bei Lehrberufen, in Krankenhäusern, etc. Außerdem ist eine weitere Reduzierung der Arbeitszeit auf mittelfristig 30h denkbar.


#53

Das ist leider keine Ideologie sondern es sind die Fakten. Ich bin natürlich gerne bereit deine Argumente zu hören. Tatsächlich werden viele Datenverarbeitungssysteme vor allem Personal zum bereitstellen neuer Daten benötigen. Das ist eine Tätigkeit, die häufig kam Qualifikation benötigt.

Beispiel:

Es gab eine Webseite wo Autofahrer die geblitzt wurden Ort Datum und Uhrzeit angeben mussten, dass System hat dann die technischen Daten der jeweiligen Kontrollen gecheckt und automatisch ein Einspruchschreiben aufgesetzt. Dieses Experten System hat einige Rechtsanwälte überflüssig gemacht.


#54

Klar habe ich und weswegen spielt das eine Rolle?


#55

Weil dann klar sein sollte, dass es darauf ankommt, wie das Kapital zugeordnet wird und nicht was dieses Kapital konkret ist. Ein Arbeitsplatz ist für mich nur zugeordnetes Kapital. Ich würde in der Logik des Kapitalismus ein BGE als “Arbeitsplatz: Leben” bezeichnen. Dieser Logik folgend wäre ein BGE quasi eine Vollbeschäftigung.


#56

Aus ideologischen Gründen lehne ich die Vorstellung von Humankapital ab.


#57

Offenbar sollten wir uns darüber einigen was wir unter qualifiziert bzw. weniger qualifiziert verstehen.

Ob ein Rechtsanwalt der durch eine KI ersetzt wurde eine Tätigkeit als Altenpfleger als qualifizierter oder weniger qualifiziert ansieht könnte man ja mal diskutieren.


#58

Jeder individuelle Akteur muss qualifiziert sein, weil er nur dann produktiv ist. Wie sich der Akteur qualifiziert und auf welche Art und Weise er dann produktiv ist, sollte ihm selbst überlassen werden bzw. der Akteur sollte mit einem BGE ausgestattet sein und einem kostenlosen Gesundheitssystem versorgt werden, um vor Risiken abgesichert zu sein.


#59

Dein Fakt ist eine Summe mehrere Fakten. Eine auf Wachstum basierende Wirtschaft hat in einer wachsenden Weltbevölkerung zu mehr Arbeit geführt.

In einer nachhaltigen Wirtschaft auf eine endlichen Planeten und bei endlichen Ressourcen ist für Wachstum im engeren Sinn kein Platz mehr. Notwendigerweise wird daher auch die Menge benötigter Arbeit begrenzt sein. Das hat natürlich nicht nur mit der Digitalisierung zu tun.


#60

Wissen ist unendlich, somit ist ein immaterielles Wachstum unbegrenzt möglich. Es kommt darauf an “wie” Wachstum gerechnet wird.

Für mich ist Wachstum die Erweiterung der Möglichkeiten des Individiduums und dies geschieht, wenn die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt sind, durch immaterielle Selbstverwirklichung.


#61

Tja,… Kenntnisse in VWL führen beinahe zwangsläufig dazu, dass man dem Konzept eines BGE skeptischer gegenübersteht.

Zunächst einmal finde ich die These einiger BGE-Befürworter interessant, dass das schon alles irgendwie zu finanzieren sei. Eine belastbare Berechnung darüber bleiben sie allerdings zumeist schuldig. Michael Ebner hat sich da viel Mühe gegeben, kommt aber am Ende nur bei einem finanzierbaren BGE i. H. v. 540 Euro raus (https://computerdemokratie.de/2018/05/12/sozialstaat-3-0-versionsstand-1-6/). Die bisher veröffentlichten Zwischenergebnisse aus Finnland, deren Modellversuch ein BGE in ähnlicher Höhe beinhaltete, waren zudem äußers ernüchternd was die Finanzierungsfrage angeht. Und selbst wenn ist die Situation in Finnland (Rang 43 weltweit nach BIP, Rang 115 nach Einwohnern, Wirtschaftleistung fast nur terziärer und Quartärsektor) nur sehr begrenzt mit Deutschland, der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde mit starkem Fokus auf den Export von Industrieprodukten) vergleichbar. Die volkswirtschaftlichen Effekte eines so schwerwiegenden Eingriffs in ein komplexes System lässt sich ohnehin nicht mit einem Excelsheet berechnen.

Der grundlegende Gedankenfehler vieler BGE-Befürworter ist, dass Menschen durch ein BGE real nennenswert mehr im Portemonnaie haben werden. Wenn dem nämlich so wäre, dann gäbe es eine erhebliche Zal von Menschen, die bisher beinahe ihr ganzes Geld für den privaten Konsum ausgeben (müssen) und dann an zusätzlichem Spielraum gewinnen würden. Dies führt also zunächst zu einer steigenden Nachfrage und in einem System von Angebot-Preis-Nachfrage zu einem steigenden Preis. Dieser wiederum würde jedoch eine fortwährende Anpassung des BGEs erfordern, wenn die Inflation den Gewinn nicht sofort wieder “auffressen” soll. Mehrausgaben müssten dann aber auch durch Mehreinnahmen (z. B. höhere Konsumsteuern) gegenfinanziert werden.

Dann gibt es ja den alten sozialistischen Traum, dass “die Reichen” das irgendwie schon finanzieren könnten. Werden sie aber nicht freiwillig tun; man müsste sie also schon zwingen zu bleiben - zumindest solange nicht alle Länder mit vegleichbaren Produktionsbedingungen zeitgleich ein BGE in ähnlicher Höhe einführen. Wir kriegen ja jetzt noch nicht mal innerhalb der EU eine einheitliche Besteuerung hin - wie sollten wir also künftig noch mit den USA, Japan, und einer handvoll aufstrebender Schwellenländer konkurrieren (die derzeit v. A. wegen geringerer Lohnkosten interessant sind).

Das Argument, die Digitalisierung werde ein BGE geradezu alternativlos erforderlich machen, ist vor diesem Hintergrund ebenso wenig stichhaltig. Wenn wir davon ausgehen, dass die Digitalisierung den Faktor Mensch bei der Arbeit entbehricher machen würde, warum sollte ein Unternehmen noch nennenswerte Teile seiner Produktion in ein Land mit starker Besteuerung verlegen, wenn sich doch künftig die benötigte Infrastruktur mehr oder weniger auf Strom und Internet reduziert?

Blieben also höhere Verbrauchssteuern. Da die aber alle treffen, führt das aber zwangsweise zu einer Kaufkraftreduzierung für alle, die Einkünfte oberhalb des BGE beziehen - selbst wenn es nur Rentner sind, die Ansprüche oberhalb des BGE besitzen.


#62

Unglücklich ausgedrückt, gebe ich zu. Gemeint war anders qualifizierte Arbeit. Nämlich jene, in denen Menschen auch auf absehbare Zeit dem Computer überlegen sein werden.


#63

Der Computer ist ein Instrument und kein Lebewesen… Der Computer ermöglicht es sozusagen dem Menschen intelligenter zu werden.