Inflation und BGE

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Ich studiere Volkswirtschaftslehre und Informatik, egal ob von Profs, Dozenten, oder anderen VWL-Kommilitonen, wenn ich das BGE anspreche, bekomme ich immer wieder zu hören, ein BGE würde eine Hyper-Inflation auslösen, wie sie zum Beispiel in Deutschland von 1914 bis 1923 der Fall war. Ich habe leider (noch) viel zu wenig Wissen, um mitreden zu können, was mich tatsächlich stark für das Studium motiviert. Jedenfalls, da ich bisher dazu keine gegenteiligen Aussagen gehört habe, lässt das bei mir am Konzept BGE, von dem ich vor einem halben Jahr noch zu 100% überzeugt war, kleine Zweifel aufkommen und natürlich die Frage, welche alternativen Konzepte es gibt, um Ziele, wie das Überwinden von Existenzängsten und eine garantierte Grundsicherung der Existenz, zu erreichen.
Was sind eure Ansichten dazu?

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Es gibt leider große Unterschiede in der Art wie Fächer Wissenschaft umsetzen können. Die exakten Wissenschaften Physik und Chemie arbeiten mit Experimenten, deren Parameter so sorgfältig gewählt werden, dass genau ein Faktor untersucht werden kann.
Die Volkswirtschaftslehre kann nicht mal eben identische Volkswirtschaften mit einem geänderten Parameter untersuchen. Sie verwendet daher Modelle in denen viele Annahmen stecken und prüft ob sie Realitäten einigermassen beschreiben. Leider sind in der Realität aber viele Parameter am Werk so dass die Ergebnisse oft nicht eindeutig sind.
So gibt es große Unterschiede zwischen Modellen der Volkswirtschaft die alle für gültig gehalten werden sich aber widersprechen.
Wirtschaftsnobelpreisträger aus den USA vertreten z.B. die Ansicht, “Das jedes zivilisierte Land einen Mindestlohn braucht!” während deutsche Wirtschaftsexperten sich immer noch gegen einen Mindestlohn sperren. Ähnliche Differenzen gibt es auch über das Thema Staatsschulden oder auch zur Rolle der Inflation.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen, es gibt verschieden Finanzierungsmodelle für ein BGE und kein BGE ist wirklich bedingungslos.

Es gab ein Modell ein BGE über die Mehrwertsteuer zu finanzieren, da kommt wohl am Ende ein Mehrwertsteuersatz von 130%. So ein Modell könnte möglicherweise zu einer Inflationsspirale führen.

Es gibt BGE Modelle wo das BGE mit einer Senkung des Mindeslohns und einem Eingriff in die Gehaltsstrukturen verbunden ist. Der gut verdienende Bürger kriegt als Summer BGE plus Gehalt was er vorher hatte, die Firma zahlt statt dem Lohn eine Unternehmenssteuer in vergleichbarer Höhe der Lohneinsparung der nicht mehr an den Faktor Arbeit gekoppelt ist (automatisierte Fabriken).
Keine Ahnung ob das wirklich schon mal jemand wirklich durchgerechnet hat.

Das billigste Modell ist sicher das BGE, was auf einem ausgezahlten Steuerfreibetrag beruht. Wer mehr als das Existenzminimum verdient kriegt das BGE in Form eines Steuerfreibetrages, wer weniger als das Existenzminimum hat, kriegt den Freibetrag ausgezahlt.

Relevant ist auch die Frage ob das BGE alle anderen Sozialversicherungen (inklusive Rente) ablöst. Was eine Vielzahl unlösbare Härtefälle schafft, z.B. bei Pflegebedürftigkeit.

Kurz um die Behauptung zu überprüfen, müsste man wissen welches BGE Modell in welchem Wirtschaftsmodell betrachtet wurde.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass das BGE eine politische Zielvorstellung ist, die nicht von heute auf morgen eingeführt werden kann. Schon alleine wegen der Rentenversicherung müssten Übergangsfristen von leicht 50-70 Jahren gelten. Kleiner Hinweis die Anti-Atomkraftbewegung aus den 70er Jahren wird ihr Ziel die Abschaltung der Kernkraftwerke nach ca, 50 Jahren erreicht haben.

Das BGE ist also ein Ziel, das eine Richtung vorgibt. Es ist nötig weil alle gängigen Wirtschaftsmodelle auf Wachstum setzen, aber Wachstum auf einer endlichen Welt mit endlichen Ressourcen keine Zukunftsperspektive ist. Die Volkswirtschaftslehre ist derzeit noch nicht in der Lage uns Modelle für ein Wirtschaftssystem ohne Wachstum zu liefern.

Der Weg zum BGE wird über die Abschaffung der Hartz4 Sanktionen und über eine Art garantiertes Grundeinkommen gehen. Dabei kann es sein, dass zu einem Zeitpunkt ein BGE nicht finanzierbar ist. Dann müssen politisch die Weichen so gestellt werden, dass es finanzierbar wird.

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Ein weiterer Gedanke:
Auf das Argument, “wer ist gerne Müllmann und wer ist gerne U-Bahnfahrer - Es macht niemand mehr die unbeliebte Arbeit”, folgt oft als Gegenargument, “dann müssen die Jobs so gut bezahlt werden, bis sie jemand macht”. Wenn der Fall eintritt, am Beispiel U-Bahn, steigen die Gehälter für U-Bahnfahrer massiv, bis genügend Menschen bereit sind, diesen nicht unbedingt sehr erfüllenden Job auszuüben, was sich auf die Ticket-Preise umschlägt, was die Lebenskosten höher macht, was dazu führt, dass andere Unternehmen, wie z.B. Supermärkte mehr Gehalt zahlen müssen, damit sich die Mitarbeiter die Tickets leisten können, was dann im Fall Supermarkt auf die Lebensmittelpreise umgeschlagen wird, was die Lebenskosten erhöht, weswegen die Ubahn-Fahrer höhere Löhne fordern, was sich dann wieder auf die Ticket-Preise umschlägt, was die Lebenskosten erhöht, was dann dazu führt…
Natürlich ein sehr plakatives Beispiel, klar es gibt das Auto als Alternative, wobei auch hier die Frage ist, in wieweit für die Autonutzung die Preise steigen, auch in dieser Kette gibt es unbeliebte Jobs, die uns in die Endlos-Schleife bringen, jedenfalls kommen wir da so ein bisschen in eine Endlosspirale der Inflation. (Wenn jemand mehr in Wirtschaft drinnen ist und sagen kann, warum das nicht passieren sollte, sehr gerne, ich bin erst am Anfang des Studiums und hab noch nicht den größten Überblick)

Noch ein Gedanke, auch zu “wer ist gerne Müllmann und wer ist gerne U-Bahnfahrer - Es macht niemand mehr die unbeliebte Arbeit” und “dann müssen die Jobs so gut bezahlt werden, bis sie jemand macht”- Müllmänner werden, glaube ich (weis ich nicht) staatlich finanziert, also es steht kein Gewinn orientiertes Unternehmen dahinter, sondern der Staatshaushalt. Sprich es wird bei höheren Löhnen, bis genügend bereit sind die Arbeit zu machen, nichts auf Nutzungspreise umgeschlagen. Allerdings wissen wir, dem Staat fehlt für alles und jedes die Mittel, also entweder gehen die Steuern rauf, was die Lebenskosten erhöht und wir wieder in der eben schon genannten Spirale sind, oder es wird Geld gedruckt um die Löhne zahlen zu können, was das Geld weniger wert macht, was dazu führt, dass die Lebenskosten steigen, was dazu führt, das staatlich Angestellte höhere Löhne fordern, was dazu führt, dass gedruckt wird, wodurch das Geld weniger wert wird, wodurch die Lebenskosten steigen und so weiter.

Ich weiß, ich hab sehr konkrete Beispiele genommen, einfach dafür um meinen Gedankengang anschaulicher zu machen, allerdings zeigen diese Beispiele nichtsdestotrotz ein sehr allgemeines Problem auf. (Auch hier gilt wieder, ich freue mich, wenn das jemand widerlegen kann)

Edit: Nicht falsch verstehen, ich bin absolut der Überzeugung, dass Menschen, die unbeliebte Jobs tätigen, ausreichend und gut dafür honoriert werden sollen. Ich habe lediglich Bedenken wegen einer Inflations-Spirale mit welcher dann im Endeffekt niemandem geholfen ist. Die Zustände, in welche dann alles verfällt, konnten wir in der Geschichte leider gut beobachten. Am Ende geht es dann sowohl Müllmann, wie auch U-Bahnfahrer und auch dem Immobilien-Heini deutlich schlechter als vorher, eine lose-lose-lose-Situation.

Die Beispiele sind gut, aber sie setzen voraus, dass es das BGE schon gibt aber Gesellschaft und Arbeitsmarkt sich noch nicht angepasst haben.

Die Finnen haben ja versucht mit ca. 560€ Grundeinkommen die man behalten darf, wenn man was dazuverdient einen Anreiz zu schaffen befristete, Teilzeit oder kurzzeitige Jobs anzunehmen. Ich bin gespannt was die Auswertung ergibt. Leider dauert es noch fast ein Jahr bis die raus ist und die Verhältnisse in Finnland sind ev. nicht übertragbar.
Aber auch in Deutschland wird man keine Fahrkarte für (monatlich) 200€ erwerben um zu einem Job zu fahren wo man 250€ verdient.

Ich glaube das neue Experiment der Finnen sieht vor, das man für das Geld eine gewisse Anzahl Pflichtstunden im Monat arbeiten muss.

Und bevor das BGE kommt fahren U-Bahnen autonom :slight_smile:

Ich will kurz verifizieren, ob ich die Aussage richtig verstanden habe, oder ob ich da etwas rein interpretiere:
Du setzt also voraus, dass sich erst Arbeitsmarkt und Gesellschaft anpassen müssen und dann erst ein BGE eingeführt wird? Sprich, bevor diese beiden Voraussetzungen nicht erfüllt sind - also das z.B. die U-Bahn autonom fährt und die Menschen selbst ihren Müll zur automatisierten Müllsammelstelle bringen usw., also quasi kritische Infrastruktur, wie Mobilität, Müll, Lebensmittel, Straßen et cetera, nicht mehr von menschlicher Arbeit abhängen - hältst du das Konzept für nicht zielführend?

Nein, ich habe gesagt das die Einführung eines BGE ein schrittweiser Prozess ist der vermutlich mindestens 50 Jahre dauern wird. Er geht einher mit einem Paradigmenwechsel von einer Wachstumswirtschaft zu einer Nachhaltigen Wirtschaft und einer Änderung des Arbeitsbegriffes. Daraus ergeben sich natürlich auch gesellschaftliche Veränderungen.

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Generell am Konzept BGE hängt viel mehr, als nur das Geld. Damit das funktioniert brauchen wir in einem gewissen Rahmen die Automatisierung und Abschaffung von Arbeitsplätzen, das Konzept Rente muss auslaufen, Steuern reformiert werden uvm.
Und letztendlich müssen sich auch die Bürger drauf einstellen.
Es ist nicht eben schnell der Ersatz für Sozialleistungen, sondern eben ein Wandel vom System, welcher das Hintersichlassen von Kapitalismus und Leistungsgesellschaft erfordert.

Arbeiten wird man dann nämlich eher, weil es einem Spaß macht und man eine Beschäftigung sucht und nicht, weil es um das blanke Überleben geht, aber auch um sich Luxus leisten zu können.

Fürs BGE ist z.B. wirklich kostenloser (nicht fahrscheinfrei) Nahverkehr, also die Garantie zur Mobilität, mehr als hilfreich.
Viele Dinge am BGE sind sehr schwer vorstellbar, weil wir an Konzepte und Lebensweisen gewöhnt sind.

In meinen Augen ist die Aufgabe der Politik das Leiten der Bevölkerung in die Richtung “BGE-Leben” um eben dieses langfristige Ziel zu erreichen. Aber von jetzt auf gleich wird es kein BGE geben.

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Inflation ist sicher ein Thema das im Zusammenhang mit dem BGE überlegt werden muss. Ist mehr Kaufkraft gibt es für die Anbieter von Waren und Dienstleistungen ein Anreiz Preiserhöhungen zu versuchen. Die These, das dies automatisch zu einer “Hyper”- Inflation führt, halte ich für übertriebene subjektive Schätzungen und unwissenschaftlich. Allerdings denke auch ich, das die Inflationsgefahr einer der besseren Einwände zum BGE ist.
Die Alternative unternehmerische Strategiezur Preiserhöhung ist es mehr Leute einzustellen oder mehr Maschinen zu kaufen und mehr Waren zu produzieren und damit den Umsatz und den Gewinn zu erhöhen.
Und am Ende ist da noch “der Markt” der entscheidet.

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Wie wird Inflation definiert?

Wird die Geldmenge im Verhältnis zu angebotenen Waren und Dienstleistungen zu groß, verliert das Geld an Wert (Kaufkraft). Diesen Vorgang nennt man Inflation.
Sinkt die Geldmenge im Vergleich zu angebotenen Waren und Dienstleistungen, so steigt die Kaufkraft der verringerten Geldmenge an. Diesen Vorgang nennt man Deflation.

Wie entsteht Geld?
=> siehe das Bankgeheimnis

Somit ist klar: Die Geldmenge kann und wird nicht durch das BGE steigen, sondern durch die Kreditvergabe der Banken und den Tilgungsplänen der jeweiligen Kredite reguliert. Eine geringe Menge Geld entsteht ohne Kredit. Das geschieht, wenn sich eine Geschäftsbank ein Gebäude, neue Limousinen für die Geschäftsleitung oder Designerbüromöbel “kauft”. Die Quote liegt aber bei wenigen Prozent und das so geschaffene Geld ist zwar kaufkräftig wirksam aber auch dieses Geld wird - wie jedes Geld - durch Abschreibung oder Tilgung wieder vernichtet.

Das Bürger (und Politiker) über diesen Vorgang nur unzureichend informiert sind ist “das Bankgeheimnis” .

Weder durch “steigende Löhne” noch durch BGE kann und wird Inflation entstehen. Aber - dieses “Framing” wird gerne benutzt, denn die Menschen haben und hatten vor Inflation sehr viel Angst. Diese Inflationsangst lässt sich auf den infantilen Reflex zurückführen, das die Menschen Angst davor haben, sie können zwar viel Geld auf der Arbeit verdienen, sich aber hinterher mit diesem “vielen Geld” nicht mal mehr genügend Nahrungsmittel kaufen, um satt zu werden.

Faktencheck: Die offizielle Inflationsrate ist von 1999 - 2019 in Deutschland um weniger als 20% gestiegen. Deshalb stiegen die Renten ebenso gering an. Die Preise für Brötchen, Brot und Wohnungsmieten aber sind um mindestens 100% gestiegen. Warum wird das nicht als “Inflation” bezeichnet? Eine Preissteigerung per se ist keine Inflation. Die Preissteigerungen entstehen dadurch, dass “der Markt” höhere Preise ermöglicht. => Wer keinen Kredit für ein Haus oder eine Eigentumswohnung bekommt der muss zur Miete wohnen oder ist obdachlos/wohnungslos. Da immer weniger Menschen einen Kredit für Wohneigentum bekommen müssen sich immer mehr mieter um die wenigen Wohnungen “bemühen” und die die steigenden Mieten spiegeln das wider.
Gleiches gilt für Energiekosten wie Strom, Gas und Teibstoffe. Oder es gilt eben für Lebensmittel. Die letzte “offizielle Inflation” in Deutschland gab es zwischen 1921 und 1923, wo durch “Reparationszahlungen” aus dem ersten Weltkrieg große Auslandsschulden (Verbindlichkeiten aus den Siegerländern) von der deutschen Bevölkerung gezahlt werden sollten. Das Geld war zu der Zeit noch an Gold gebunden. Letztendlich wechselte zu der Zeit eine größere Menge Gold die Tresore / Standorte der Tresore. Seitdem ist Deutschland eigentlich mittellos und die Währung nur durch das Vertrauen in die sehr starke Wirtschaft gedeckt. Mittlerweile haften die Bürger für die neue Währung (seit Oktober 2008) . Die Bürger bürgen für etwas. Das sagt ja schon das Wort Bürger.

Nochmals zur Inflation zwischen 1921-1923: Die Bevölkerung zu der Zeit lebte und arbeitete weitgehend als Selbstversorger mit Schrebergärten und kleinteiliger Landwirtschaft. Es gab keine ernsthafte Hungersnot und nur die Geld Vermögen wurden in der Inflation vernichtet und nach der Währungsreform war ein Haus so viel wert wie vor der Währungsreform.

Noch etwas: Die derzeitige “Austeritätspolitik” hat stark deflationäre Wirkung. Mit der Rückzahlung jedes Kredits wird Geld vernichtet. Wer nicht mehr Geld ausgibt - oder ausgeben darf - als er einnehmen kann, der macht keine neuen Schulden. Ohne neue Schulden gibt es kein neues Geld.

Darum wird es in dem Augenblick, wo alle Schulden zurückgezahlt worden sind kein Geld mehr geben. Diese Situation ist für den Bürger viel gefährlicher als das BGE oder Inflation. Da durch das BGE aber keine Inflation entstehen kann, die nicht schon z.B. bei Mieten, Brötchen oder Energiekosten auch ohne BGE entstanden sind - kann man abschließend sagen:

Das Argument es könnte Inflation entstehen im Zusammenhang mit dem BGE
ist ein niederträchtiges Argument. Es wird gebraucht von Menschen die den Zusammenhang eigentlich kennen und erklären müssten (so wie ich es oben getan habe) - oder die Niedertracht besteht darin, dass uninformierten Menschen eine Inflationsangst mit dem BGE verbinden sollen. Es ist dann auch ein unsachliches Argument von BGE Gegnern.

Cui Bono?

Wer empfindet BGE als schädlich oder wem schadet ein existenzsicherndes Grundeinkommen?

Sicher nicht der arbeitenden Bevölkerung oder der immer größeren Gruppe, die ihre Arbeit bereits verloren hat, sondern den Menschen, die 1 Euro Jobber beschäftigen, möglichst wenig Lohnkosten bezahlen wollen um höhere Profite zu erwirtschaften oder Vermieter, die letzte Bruchbude für SGB2 Bezieher im Rahmen der KDU (also meistens mehr als 300 Euro kalt) vermieten können.

Wichtig zu wissen:

  • Inflation bedeutet nicht zwangsläufig höhere Preise
  • nicht jede Preissteigerung ist Inflation
  • Inflation entsteht keineswegs durch höhere Löhne.

Die These vertreten stets diejenigen, die das System BGE nicht verstanden haben und unser Sozialsystem auch nicht verstehen wollen.
Wenn Menschen durch das Sozialsystem fallen, dann entstehen gigantische Kosten für den Staat.
Zum Teil kann dieser Personenkreis anschließend gar nicht mehr in die Arbeitswelt integriert werden.
Kinder von Alleinerziehenden wachsen in sozialer Not auf, dies schlägt auf die Ausbildung und die Qualifikation dieser Kinder durch.
Es kann sich in dieser Gesellschaft niemand leisten, 6 oder 12 Monate aus dem Erwerbsleben auszusteigen, um sich weiterzubilden.
All dem liegt auch ein Arbeitszeitmodell zugrunde, bei dem Menschen 40 Jahre von 9 Uhr bis 17 Uhr dem Erwerbsleben nachgehen.
Wir haben aber inzwischen andere Arbeitswelt, andere Arbeitszeiten und auch andere Tätigkeiten.
Jemand der jeden Tag faul auf der grünen Wiese liegt und einmal eine gute Idee, kann volkswirtschaftlich nützlicher sein, als jemand, der jeden Tag von 8 bis 17 Uhr Regale einräumt.
Die Vorstellung, jemand sei nützlich, da er nach Stechuhr eine bestimmte Zeit am Arbeitsplatz heruntergerissen hat, ist altmodisch.
Es ist auch festzustellen, dass die Integration von Frauen immer noch nicht funktioniert.
Viele gutausgebildete Frauen möchten auch Familie haben.
Wir haben ältere Arbeitnehmer, die aufgrund des Tarifsystems im Alter mehr verdienen, je älter sie werden.
Irgendwann fallen sie raus aus dem System, da ihre Leistungsfähigkeit nachlässt, sie werden dann krank und verursachen ebenfalls hohe Kosten.

Das BGE ist nicht irgendeine Spinnerei, die dazu führt, dass der Staat mit Geld um sich wirft, sondern die Idee besteht darin Existenzängste zu beseitigen.
Menschen in Existenznöten unterliegen einem hohen Erpressungspotential, werden zu Bittstellern und können sich aus diesen Strudel nicht oder nur sehr schwer befreien.

Es geht beim BGE nicht um die Vorstellung der Neoliberalen, blind Geld an Arbeitsscheue zu verteilen, sondern um die Anpassung der Sozialsysteme an die veränderte Arbeitswelt.
Die bestehenden Regelungen sind in einer Zeit entstanden, in der niemand seinen Arbeitsplatz gewechselt hat, Firmen immer das Gleiche herstellten und Innovationen und Veränderungen viel langsamer abliefen.
Wer Flexibilität und Veränderungen will, der muß auch seine Sozialssysteme der Realität und den damit verbundenen Risiken anpassen.
Das sichert den Einzelnen ab und schützt den Staat vor schweren Wirtschaftskrisen.
Die jetzige Ausbildung ist so, dass viele eine gute und breite Ausbildung bekommen, aber am Ende in ein spezialisiertes Schmalspurberufsbild gepresst werden, aus dem sie auch gar nicht herauskommen, weil sie jeden Tag sich um ihre Existenz kümmern müssen.
Es gilt aber die Lust auf den eigenen oder einen neuen Beruf zu steigern und das geht nur mit existentieller Absicherung.
Kein Mensch mag auf die Dauer auf der grüne Wiese liegen, wenn er auch etwas tun kann, dass seinen Neigungen und seinem Lebenskonzept entspricht.
Jeden Tag begegnest Du irgendwo Menschen, die ihre Arbeitszeit totschlagen und bei denen Du erkennst, dass ihnen ihre eigene Arbeit keine Freude macht.
Sie arbeiten, um Kohle zu verdienen, statt volkswirtschaftlichen Nutzen zu schaffen.

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Es geht nicht darum, ob Du für oder gegen BGE bist. Dafür gibt es einen eigenen Thread (sogar mehrere)

Ich vermisse in deinem gesamten Beitrag das Wort “Inflation”.

Mit Volkswirtschaftsstudenten, Profs, Dozenten, oder anderen VWL-Kommilitonen muß ich mich doch nicht auf der Sandkastenebene bewegen.
Jenseits der von Dir korrekt wiedergegebenen Definition kann man gleich dazu übergehen und mutmaßen, die Theoretiker würden davon ausgehen, der Staat würde einfach Geld in die Wirtschaft pumpen, ohne daß dem eine entsprechende Erweiterung des Angebot von Waren und Dienstleistungen gegenüber stünde.

Meine Ausführungen wollen aufzeigen, daß bei einer Neuausrichtung der Sozialsysteme Richtung BGE, mehr Dienstleistungen und Waren zur Verfügung stehen, die auch höhere Ausgaben des Staates rechtfertigen würden.
Funktioniert natürlich nicht bei Erbsenzählerei, wie oft ein Wort im Beitrag erwähnt wird, denn dann zählt auch nur die Ausgabe und nicht die Einsparungen und zusätzlichen Erträge, die ein BGE bringen würde.

Kann ich alles, ohne das Wort zwingend verwenden zu müssen.

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Bitte diskutier dieses Geldzeug woanders, hier ist es offtopic

Dein Beitrag ist überflüssig und kann gelöscht werden. Es geht um BGE und Inflation.

Verstehen ist Voraussetzung um zu diskutieren.

Erstens, habe ich nirgends behauptet, der Staat würde Geld schaffen.

Der Staat leiht sich das Geld, mit er um sich wirft, manchmal soviel, daß es obige Behauptung erfüllt.

Zweitens ist Dein mangelndes Vertrauen in Eliteuniversitäten nicht gerechtfertigt.

Dann sollte die Bank, die dem Staat das Geld dafür leiht (per Kredit - was die Geldmenge erhöht)
darauf achtgeben, das der Staat das geliehene Geld zurückzahlt oder den Kredit wieder abschreiben und somit das entstandene Geld wieder vernichten. So entsteht keine Inflation.

Muß ich Dir jetzt erklären, wer über den Haushalt entscheidet und darüber abstimmt?

Oh, gehen Dir bereits die Argumente aus?

  • über meinen Haushalt entscheide ich
  • über den Kommunalen Haushalt entscheiden die Kommunen
  • über den Landeshaushalt entscheidet die Landesregierung
  • über den Bundeshaushalt entscheidet die Bundesregierung

Keiner von uns kann Geld erschaffen. “Leiht” sich einer von den o.a. Teilnehmern Geld, so muss er (oder die Bürgen) bei einer Geschäftsbank dafür einen Kredit aufnehmen.

Du bekamst schon einen Hinweis, deswegen führen wir jetzt deine Geldzeugs-Diskussion nicht. Kein Interesse, kein Bock, da unbelehrbar.

Was wollt ihr zum Thema Inflation und BGE beitragen wenn ihr nicht über Geld diskutieren wollt?

Ihr seid Couch Politiker deren Konzepte an der Finanzierung scheitern müssen.