Impfpflicht?

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Nabend zusammen,

da ich bisher noch nie sonderlich viele Forenbeiträge geschrieben habe, möge man mir eventuelle Formfehler nachsehen ^^"
Habe gestern kurz meine Hoffnung auf Twitter geäußert, ob ihr eure Einstellung zu dem Thema vllt nochmal überdenken könntet, als mir jemand sagte, “ich werde auf dem nächsten Parteitag einen Antrag dazu stellen, falls es sonst keiner macht”, was ich schon sehr freundlich fand :slight_smile:
Außerdem meinte er, ich könnt Ideen für Anträge ja auch im Forum anbringen.
Also möchte ich versuchen, das Thema kurz zu umreißen :slight_smile: Wobei ich wohlbemerkt kein Arzt bin oder die jeweiligen Impfungen pro Lebensjahr genau kenne.

Bis vor 2 oder 3 Jahren, wusste ich nicht mal, dass es so viele Impfgegner gibt. Als ich dann davon erfuhr, dachte ich mir nichts weiter dabei. Kann doch jeder für sich selbst entscheiden. Allerdings fand ich es nicht gut, dass viele dieser Menschen als Eltern eben auch ihren Kindern die Impfungen verbieten.
Aber durch einen Fall im Freundeskreis bekam ich mit, dass man sich erst recht mehr mit dem Thema auseinandersetzen sollte. Das man weiter denken sollte als nur bis zu den direkten Kindern der Impfgegner.

Ich dachte nur an die Kinder der Impfgegner. Dass diese vllt krank werden könnten und je nach Krankheit und Alter des Kindes kann sowas auch tödlich enden. Mir war nicht klar, dass die Menschen damit auch andere Kinder gefährden! Denn wieso auch, andere Familien können ihre Kinder doch impfen lassen und sind dann “sicher”? Leider nein und da liegt das Problem. Genau DAS wissen die Wenigsten. Weil man eben einfach nicht darüber nachdenkt.

Einige Impfungen kann man erst ab einem bestimmten Alter verabreichen. Sagen wir Kind A ist noch zu jung zum Impfen, es hat keine Wahl. Kind B ist alt genug, hat aber Impfgegner als Eltern. Und wird krank, steckt sich mit einer Krankheit an. Kind A kann sich nun leider anstecken! Und je nach Krankheit und Alter des Kindes kann es lebensgefährlich werden. Und das konnten die Eltern nicht verhindern.
Desweiteren gibt es wohl gewisse Krankheiten, wo bestimmte Impfungen schlicht nicht möglich sind. Selbes Schema, Kind kann keine Impfung bekommen und steckt sich an einem Kind an, dessen Eltern Impfgegner sind. Und im Schlimmsten Fall hat die Familie dann den Tod des Kindes zu beklagen.

Es gab auch oft genug Fälle, in denen sich die Kinder sofort für eine Impfung entschieden haben, sobald sie 18 wurden. Weil sie sich vorher selbst informiert haben und zu einer anderen Entscheidung kamen als die Eltern. Aber bis zum 18. Lebensjahr warten müssen, damit man das darf? Und dann den Geschwistern, die sich vllt auch gern impfen lassen möchten, zusehen zu müssen, wie sie Angst davor haben, krank zu werden? Nur weil die Eltern ihr Einverständnis dazu nicht geben.

Klar ist jeder selbst in der Verantwortung für das eigene Leben. Und jeder kann selbst entscheiden, was für ihn/sie am besten ist. Aber die Kinder haben dieses Recht noch nicht. Und in diesem Fall ist es wichtig, was dagegen zu tun, finde ich.

Natürlich sollte man auch Aufklärung betreiben! Viele denken immernoch, dass eine Impfung eine Art “gegengift” ist, wobei es doch eher eine Art der Immunisierung ist (außer Passiv-Impfungen mWn). Viele denken auch, dass jede zweite Impfung zu Autismus führen kann. All sowas sollte man natürlich aufklären. Aber nichtsdestotrotz wird es immernoch genügend geben, die ihren Kindern die Impfungen verweigern, teilweise aus aberwitzigen Gründen.

Ich möchte nicht dabei zuschauen, wie eine Familie den Tod ihres Kindes beklagen muss, weil andere Eltern denken, Impfung sei Blödsinn, aus verschiedensten Gründen. Oder wie Kinder/Jugendliche um ihre Geschwister bangen, die keine Impfungen bekommen bis sie 18 sind. Ich möchte versuchen, etwas dagegen zu tun. Und hoffe einfach, ihr beschäftigt euch nochmal ausgiebig mit dem Thema, vllt ändert das ja eure Einstellung. Ich wollte es wenigstens versuchen :slight_smile:

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Hm, wären wir nicht für eine Impfpflicht? Da wir unsere Gesundheitspolitik nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten würde ein Antrag dafür auch leicht durchgehen, da wäre ich zuversichtlich.

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Durch Impfen hat man die Pocken ausgerottet.
Durch Impfen wurde die Kinderlähmung fast ausgerottet, es gibt sie noch weil in einigen Kriegsgebieten nicht geimpft wird.
Sind etwa 90% der Menschen geimpft kann sich eine Krankheit nicht mehr in Form einer Epidemie ausbreiten sondern es bleibt in der Regel bei vereinzelten Fällen. Dieser Gruppeneffekt schützt diejenigen die aufgrund besonderer Umstände nicht geimpft werden können.

Ich bin erschüttert, dass in einem Land in dem Bildung weitgehend kostenlos ist, solche elementaren Dinge offenbar nicht mehr unterrichtet werden. Einige der “Kinderkrankheiten” haben schwere Verläufe mit Todesfällen und bleibenden schweren Behinderungen. Daher halte ich eine Impfpflicht für sinnvoll.

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Impfen hilft nur gegen Dummheit und Armut. Kauft rechtzeitig eure Lebensberechtigungsscheine.

Schade, dass keiner von denen, die über mir schrieben den Organismus versteht oder zumindest so gut kennt, dass er solche Schritte wie den Impfzwang befürworten kann. Was ihr hier befürwortet, ist die Tyrannei der Angst. Das ist widerlich.

Du meinst keiner versteht den Organismus, ich kann das nicht bei Anderen beurteilen, aber ich weiss zumindest genug um das Wirkprinzip einer Impfung zu verstehen und die Erfolge der Impfungen z.B. bei Tetanus oder Tollwut zu erkennen.

Und leider muss ich dir widersprechen, es gibt keine Impfung gegen Dummheit. Die würde ich mir wirklich wünschen. Gegen Armut gibt es natürlich auch keine Impfung aber viele krankheitsbedingte Fälle von Armut könnten durch eine Impfung vermieden werden.

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Ja nee - und für Tetanus oder Tollwut willst Du die Impfpflicht einführen? Damit keine Tetanus oder Tollwut Epidemie ausbricht? Bei den guten Argumenten dafür, braucht man keine Impfpflicht.

Es geht hier um etwas anderes. Um Masern, Windpocken, Mumps, Keuchhusten und Angst - es geht vor allem um Angst und um das Geld, was man mit dieser Angst verdienen kann. Es geht um die Tyrannei der Angst. Und Du macht da mit?

Wo soll ich denn das geschrieben haben? Ich habe Beispiel für sehr erfolgreiche Impfungen aufgezählt.

Bei der Impfpflicht geht es wohl erstmal um Masern. Das ist sehr vernünftig.

Angst und Geld haben mit dem Thema wenig zu tun obwohl die natürlich bei jedem Thema eine Rolle spielen.

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listige Schlangenargumente bringst Du. Hinter Deinen “sehr erfolgreichen Impfungen” verbirgt sich Fake News.

  • gegen Tetanus braucht man nicht im voraus zu impfen
  • gegen Tollwut zu impfen ist für 39999:1 sinnfrei
  • weil es erfolgreiche aber sinnlose Impfungen gibt, willst Du Impfpflicht gegen Masern einführen? wegen 543 harmlose Fällen einer harmlosen Kinderkrankheit?

Ich bin froh, dass ich als Kind Masern, Windpocken, Mumps und Scharlach hatte. Darum ist mein Körper heute perfekt.

Warum bekommen immer mehr junge Menschen Krebs, Allergien und Depressionen?

Denk darüber mal nach.

Tja nur der Kopf…


Hier mal zu einem Machwerk der Seuchenliebhaber ein paar Gegenargumente.

Eine allgemeine Artikelsammlung
https://blog.gwup.net/?s=Impfen

Deswegen hatte auch die kapitalistische DDR eine Impfpflicht. Wegen dem Reibach, den die damit machen wollten.

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Schlimm wird es ja vorallem dann, wenn man weiss dass die Wirrköpfe womöglich auch noch für ihre Kinder mitentscheiden.

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Bevor hier nur noch alles auf “medizinisch ist das so!” verlegt wird:

Es ist einfach, pauschal alle zu zwingen. Das ist aber nicht der langfristig tragbare, demokratische Weg, der das Problem löst.

Der demokratische Weg ist anstrengend, aufwändig und dauert lange. Aber er hat zur Folge, dass wir aufhören, Eltern pauschal zu kriminalisieren (was nicht nur beim Thema Impfen der Fall ist!) und ihnen ihr Grundrecht und die vom Staat anerkannten Kompetenzen abzusprechen.
Der Weg bringt uns diese Menschen als Bürger und Mitglieder der Gesellschaft zurück, statt sie wie Objekte zu behandeln und zu entmündigen. Gleichzeitig zeigen wir der nachrückenden Generation, wie man mit Menschen umgeht. Wollen wir, dass die nächste Elterngeneration nur noch durch die Autorität Staat funktioniert? Wohl kaum.

Ja, es ist gängige Praxis. Es ist sehr vieles gängige Praxis, was nicht in Ordnung ist und auf Kosten von Menschen läuft, einfach weil es bequemer ist.

Um es klar zu stellen: Ich bin sehr wohl für Impfungen.
Aber ich bin auch für den Einsatz von Psychologie und Soziologie.

Wir wissen, dass Menschen dauerhaft erfolgreich mit Belohnung und Sachmotivation ihr Verhalten von unerwünscht zu erwünscht verändern. Strafe, autoritärer Führungsstil und permanenter Mangel an Erfolgserlebnissen führt bestenfalls zur Ablehnung der Autorität (Staat). Schlimmstenfalls jedoch zur Ablehnung des eigenen Selbst und damit auch des Kindes.

Was wir also brauchen: Befähigung der Eltern. Sie müssen spüren, dass sie ernst genommen und in ihrer Unsicherheit geführt werden. Sie müssen merken, dass sie von Tag zu Tag mehr ihre Kompetenz als Eltern sowohl praktisch als auch gesellschaftlich (!) zurück erlangen. Dazu gehört natürlich nicht nur das Thema Impfen.

Wir können permanent auf Eltern schimpfen. Machen wir ja auch. Alles was die machen, ist scheiße. Sterben ständig Kinder oder werden aus der Familie geholt…
Wir können aber auch mal drüber nachdenken, wie unsere Vorurteile gegenüber Eltern aussehen und welche Auswirkungen die haben. Wir können uns fragen, wie Phänomene wie die Helikopter, Hochsterilen und Veganer entstehen konnten und warum sie so dermaßen verunsichert sind, dass sie lieber den einfachen Antworten folgen als den richtigen. Denn das Problem ist hausgemacht.

Man muss viel früher ansetzen mit der Prävention. Sehr viel früher. Nicht erst, wenn jemand ein Kind bekommt. Sondern schon so, dass derjenige die notwendige Allgemeinbildung für sich selbst erlangt und mitnimmt. Da spielt auch eine Rolle, wie Informationen aufbereitet werden usw. Sobald das Kind einmal auf der Welt ist und die Eltern unsicher werden, weil sowieso jeder einen guten Erziehungsrat hat und sich alles darum dreht, was Eltern richtig oder falsch machen, sind Desinformation und einfache Antworten viel zu leicht an den Mann/die Frau zu bringen.

Nächster Punkt: Rechtslage.
Wir haben ein sehr, sehr gutes GG. Das BVerfG rügt regelmäßig, dass das Helfersystem und die Fachgerichte die Tragweite der GG nicht im Ansatz erkennen und oft viel zu vorschnell eingreifen und einschränken. Und das sogar nachdem ein Schaden festgestellt wurde. Und dabei geht es nicht um Ego oder Opfer, sondern um das Wohlergehen von Menschen jeden Alters.
Es werden viel zu selten niedrigschwelligere Lösungen gesucht und umgesetzt. Man haut lieber gleich mit der Keule dazwischen, dann kann nix mehr passieren. Aber genau das ist auch rechtlich hoch problematisch. Wenn wir also als Partei darüber debattieren, wie wir mit einer pauschalen Schadensverhinderung und damit massiven Einschränkung von Art. 6 GG umgehen, dann sollten wir das im Hinterkopf behalten.

Das war jetzt mal ein Beitrag aus dem Gesundheitswesen.

Jetzt kurz ein Einschub als Mutter.
Ich wollte immer nur alles richtig machen. Habe Bücher gewälzt, Fachleute gefragt, im Internet gesucht… Ich wollte einfach nur die beste Entscheidung treffen. Dieser Druck ist unbeschreiblich. Es geht in der Erziehung aber nicht um die beste Entscheidung. Es geht auch nicht darum, das Kind bestmöglich zu fördern. Denn das ist schlicht unmöglich. Man kann sehr wohl eine gute Entscheidung treffen, wenn man dazu befähigt ist, sowohl was Bildung als auch Reife angeht. Aber dafür muss auch die Gesellschaft aufhören, Kinder wie Objekte zu behandeln, die man in Zahlen messen und mit Schemata zurecht schieben kann. Denn genau diesen Eindruck vermittelt die Gesellschaft den Eltern - die spiegeln das natürlich zurück. So wird das nichts.

Hm, grundsätzlich würde ich deinem letzten Satz zustimmen.

Dem Rest aber nicht. Denn: Schon heute gibt es im Gesundheitsbereich Einschränkungen wenn es z.B. um den Seuchenschutz geht. Für verschiedene Krankheiten gibt es z.B. eine Meldepflicht und bei bestimmten Krankheiten gilt auch eine Isolationspflicht.

Es bräuchte keine Überlegungen über eine Impfpflicht, wenn nicht immer mehr Eltern auf Scharlatane hereinfallen würden. Gerne würde ich auch warten, bis der Staat oder die Gesellschaft das mit den Fake News in den Griff bekommen.
Nur sinkt im Moment die Durchimpfung in manchen Gegenden so stark, dass nicht nur die Kinder der ignoranten Eltern in Gefahr geraten sondern auch andere Kinder und Erwachsene.
Hier mal möglich Folgen einer Komplikation bei Masern, die bei 10-20% der Erkrankungen vorkommen: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/masern/auswirkungen/

Da sind Überlegungen über eine Impfpflicht schon berechtigt.

Gruß
Andi

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Danke für den Link, der ist auf jeden Fall hilfreich.

Mir geht es um den Aspekt, wie man mit Eltern und dem Schutz der Familien umgeht. Das hat wie beschrieben den Grund, dass ich das in vielen alltäglichen Dingen schon seit Jahren beobachte und natürlich auch fachlich damit konfrontiert bin. Jetzt wo das Thema grade so emotional hochgeschaukelt wird, kann man auch schön sehen, welche Auswirkungen die bisherigen gesellschaftlichen Entwicklungen haben.

Die Überlegungen sind auf jeden Fall berechtigt. Mir begegnet einfach nur sehr viel dieses Vorurteil-Verhalten, das logischerweise zu Ablehnung führt.
Ich halte es rational einfach für strategischer, die Leute dafür zu belohnen und anzuerkennen, wenn die Kinder durchgeimpft sind, weil sie dann viel lieber dran bleiben. Abschreckung ist auch aus fachlicher Sicht unzureichend und hat bestenfalls eine sehr kurze Wirkung. Idealerweise klärt man auf, ohne zu predigen. Letzteres tun ja grade die Scharlatane.

Ein Kompromiss wäre auch zu diskutieren, in wie weit man jetzt aktuell zügig auf das Problem reagiert, ohne das langfristig in Stein zu meißeln. Klar muss man handeln. Nur denke ich, dass eine Kurzschlussreaktion auch nur kurze Reaktionen nach sich ziehen kann.

Das wäre mir auch lieber. Aber mir fällt ums verrecken nicht ein, wie man das machen soll.
Bei Menschen die Globuli selbst bei lebensbedrohlichen oder schweren Erkrankungen echter Medizin vorziehen; Menschen die selbst bei “tausenden” von Argumenten immer noch auf die eine meist schon längst widerlegten Studie beharren, wie möchtest du die mit Belohnung überzeugen?

Gruß
Andi

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Da beziehst du dich auf Leute, die schon im “Sumpf” stecken. Klar sind die nicht mehr zu kriegen. Deshalb schrieb ich ja, man muss viel früher ansetzen, sonst ist es ein Don Quijote. Und ja, das dauert. Da braucht es auch mehr als nur ein paar Kampagnen in der Schule oder einen Flyer beim Kinderarzt. Kampagnen - hab ich mir sagen lassen - sind ohnehin in Schulen sehr ungern gesehen und werden eigentlich nur zur Beschäftigung am Schuljahresende mal eingebaut. Das ist zumindest eine Erfahrung aus der Drogen-Prävention.

Wie man zum Ziel kommt, bliebe zu diskutieren.
Mein Vorschlag: Eine Bedürfnisbefriedigung in Aussicht stellen und logischerweise auch erfüllen. Das gibt Belohnung und Erfolg in einem. Was brauchen solche Eltern? Sicherheit und Wertschätzung, würde ich mal sagen. Entlastung vom ständigen Leistungsdruck.
Leistungsdruck kann positiv und aktivierend wirken. Wenn er zu viel wird und nicht mehr zu bewältigen ist, ist er kontraproduktiv und führt zur Resignation. Also muss man auch eine Plattform bieten, die Wertschätzung, Sicherheit, Entlastung vermittelt, weil der aktivierende Druck ja schon aus anderen Bereichen auf Erwachsene einprasselt.
Das ist jetzt schon bei den Freien Schulen oft der Fall oder bei Waldkindergärten - und die bekommen immer mehr Zulauf. Dort werden z.T. Hochstapler zum Predigen geholt, einfach weil die Eltern sich dann besser fühlen (sage nur Hüther). Man guckt sich an und sagt: Du willst das beste für dein Kind und ich für meins und unsere Kinder sind wunderbar und wir sind gute Eltern und wir vertrauen alle einander. Es schwebt nicht mehr dieses “dein Kind ist schlecht, falsch, unpassend, hier gibt’s Medikamente/Therapie” im Raum. Es ist auch dieses Versprechen: Du darfst Fehler machen, so lange du daraus lernst. Das mögen Menschen. Jeder braucht diese Anerkennung als Person unabhängig vom Verhalten. So werden Kinder erzogen und so möchten Erwachsene bewertet werden.

Mit Argumenten überzeugt man jemanden, der noch nicht emotional gefestigt ist, der also rational zwischen A und B steht und sich gerne für eins entscheiden würde. Mit Gefühlen überzeugst du jemanden, der nicht weiß, ob er sich überhaupt entscheiden soll. Je öfter du ihm eine Antwort ins Ohr flüsterst, desto mehr wird er darüber nachdenken, sie für sich anzunehmen.
(Geklaut aus der Werbepsychologie.)

Es gibt ja z.B. das Bonusheft beim Zahnarzt. Ich empfinde das aber als ziemlich abstrakt, dass man sagt, du könntest evtl eine Wegnahme von negativen Konsequenzen erreichen (Geld), wenn du tust, was wir möchten, aber auch erst nach etlichen Jahren. Es muss direkte Auswirkungen haben, das erhöht nicht nur die Auftretenswahrscheinlichkeit des erwünschten Verhaltens, es stellt auch direkt eine angenehmere Atmosphäre her. Die meisten Leute wissen ja auch so, dass es gut für sie ist, wenn sie sich pflegen und kommen idealerweise gar nicht erst in die Situation, in der die Belohnung beim Zahnarzt eintritt.

Warum kann man nicht analog über ein Belohnungssystem nachdenken, das unmittelbar wirkt und den Eltern ihre Bedürfnisse erfüllt?
Ich überlege grade, wie so ein System aussehen kann, das Eltern in diversen Situationen mitnimmt und nicht wieder Ausnahmen schafft. Dazu würde ich mich dann morgen zurück melden, spätestens am WE.

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MMn sollte es keine gesetzliche Impfpflicht geben. Das wäre schwer vermittelbar, vor allem wenn man Freiheit und Würde propagiert.
Dann müsste man im gleichen Atemzug das Rauchen in Autos verbieten, Anschnall- und Helmpflicht im Strassenverkehr strikter verfolgen und eine Schwimmhilfenpflicht oder ein Schwimmverbot für Nicht-Schwimmer einführen.

Impfen ist grundsätzlich richtig. Ich habe selbst zwei Kinder und sie werden auch gegen die meiner Meinung nach wichtigsten und gefährlichsten Bakterien/Viren geimpft. Aber nicht gegen alles. Influenzaviren oder andere Impfungen sind nicht 100%ig wirksam, daher haben wir uns dagegen entschieden, außerdem ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung, wenn man aufmerksam und hygienisch durch leben läuft gering.

Statt Verbote sollten andere Anreize geschaffen werden, die ja mit einem “Belohnungssystem” bereits angesprochen wurden. Beispielsweise könnte man den Zugang von ungeimpften Kindern (z.B. gg Masern/Polio) zu Kitas oder anderen Gruppeneinrichtungen verwehren (habe den Vorschlag letztens im Info-Radio gehört). Oder Krankenkassen könnten zusatzbeiträge verlangen, wenn gewisse Impfungen nicht durchgeführt werden.

Die Debatte taucht ja immer wieder auf und einige sind der Meinung sind, dass Impfgegner grundsätzlich dumm sind. Aber das ist zu populistisch. Ich bin auch gegen Influenzaimpfungen für normal gesunde Menschen. Die Impfung ist zu unsicher, hat uU starke Nebenwirkungen und kann nur bei Virustämmen helfen die schon bekannt sind (das Influenzavirus verändert sich schnell und gern). Die Bedenken sollte man schon ernst nehmen, aber differenzieren und nicht jmd die Verantwortung oder das Denkvermögen absprechen…

Die Piratenpartei sollte keine allgemeine Pflicht einführen, sondern lieber debattieren wie man zögernde Eltern dazu bringt ihre Kinder gegen potenziell schwere Infektionskrankeiten (z.B. Masern / Polio) zu Impfen (Aufklärung / Anreize / Belohnung).
Sollte es eine gesundheitspolitische Arbeitsgruppe geben, können sie ja eine Programmvorlage liefern über die debattiert und abgestimmt werden kann.

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Darielle, ich glaube, du übertreibst. Warum sollten Eltern ihr Kind und sich selbst ablehnen, nur weil es eine Impfpflicht gibt? Es widerspricht völlig meiner Erfahrung, und ich bin mit Impfpflicht aufgewachsen. Erstaunlicherweise erfreut die sich im Osten des Landes zumindest bei den älteren Leuten einer ziemlichen Beliebtheit, weil wir ohne Masern, Scharlach, Polio usw. aufgewachsen sind. Es gibt sehr wenig Verständnis für Leute, die ihre Kinder nicht impfen lassen.
Wir schimpfen nicht permanent auf alle Eltern. Aber ich glaube, man muss Kinder vor der Dummheit ihrer Eltern schützen, wenn sie dumme Eltern haben. Ich habe einen Polio-Fall (in der Generation meiner Eltern) in der Familie. Lebenslange Behinderung. Das kann man seinen Kindern unmöglich wünschen. Und die eigentlich eher harmlosen Röteln (die ich selbst in sehr unangenehmer Erinnerung habe) können bei ungeborenen Kindern schwere Schädigungen verursachen. Wenn eine Schwangere zufällig mit einem Erkrankten in Kontakt kommt, dann ist ihr Kind gefährdet - völlig unnötig.

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Das seh ich eben auch so.
Vorallem aber finde ich, dass Problem sind nicht unaufgeklärte Eltern, die sich vllt nicht ganz sicher sind. Diese lassen sich auch vom Kinderarzt etc überzeugen und sind an der Zahl nicht sooo viele.
Ich finde eher die Anti-Impf-Bewegung schlimm, die teilweise denken, dahinter steckt die Regierung und will uns alle krank machen. Oder die denken, Impfungen sind giftig. Oder die eben denken, sie führen sofort zu Autismus und die das eben schlimmer finden, als wenn ihr Kind stirbt. Ja, solche Menschen gibt es leider wirklich. Und es werden die letzten Jahre erschreckend schnell mehr.
Und dagegen sollte man mMn was tun. Denn sie gefährden eben nicht nur sich selbst, was vertretbar wäre. Sondern sie gefährden eben sich UND andere Kinder UND andere Eltern. Und das ist einfach zu viel. Und diese Kategorie der Impfgegner ist nicht mehr mit Aufklärung umzustimmen.

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Erstmal danke für das Thema hier, ich habe @Vio_Violacea eingeladen.

Wir haben das Problem, dass weniger geimpft wird als früher. Liegt das daran, dass es weniger Aufklärung gibt? Kann ich mir nicht vorstellen.
Ich habe schon unzählige Diskussionen mit Leuten hinter mir, die es nicht so mit wissenschaftlicher Medizin haben, vor allem Homöopathie-Fans. Wie soll man die Leute aufklären? Gegenargumente werden immer als Angriff gewertet, wissenschaftliche Fakten werden komplett ausgeblendet oder in die “Pharmalobby”-Ecke gestellt. Interessante Diskussionsübung, aber die Chancen, die Leute umzustimmen ist extrem überschaubar. Impfgegner sind eher noch schlimmer als reine Pseudomedizin-Anhänger.

Ich denke, dass Aufklärung wichtig, aber nicht ausreichend ist. Mit Aufklärung kann man noch die Wahrscheinlichkeit senken, dass sich jemand auf den falschen Weg begibt, aber die Hardcore-Impfgegner bringt man nicht mehr zur Vernunft. Ich weiß nicht, wie viele das wirklich sind, aber ein paar Prozent sind schon eine reale Gefahr für Menschen, die (noch) nicht geimpft werden können.

Sehe nicht wirklich eine wirksame Alternative zu einer Impfpflicht für bestimmte Krankheiten wie Masern. Für weniger kritische Impfungen sollte man wenigstens positive Anreize setzen.

Die Grünen vertreten die Meinung: keine Impfpflicht, mehr Aufklärung. Das könnte durchaus damit zu tun haben, dass es eine recht große Überschneidung zwischen der Gruppe der “Impfgegner” (ich sage ja lieber Seuchenbefürworter) und Grünen-Wählern gibt…

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