Im Mai 2013 sah ich einer Partei beim Sterben zu

Die Piraten, die sich an jenem Wochenende im abseitigen Neumarkt in der Oberpfalz versammelten, waren in den Umfragen eh schon abgerutscht, nun begruben sie auch ihre beste Idee: online Politik zu machen. In Neumarkt fehlten nach stundenlangem und einigermaßen rücksichtslosem Streit ein paar Stimmen zur Einführung der “ständigen Mitgliederversammlung”, die es den Mitgliedern ermöglicht hätte, jederzeit die Position ihrer Partei zu einem Thema per Onlineabstimmung festzulegen. “In anderen Worten: ein Onlineparteitag”, so steht es noch heute im Wiki der längst verschwundenen Partei.

Frohes Fest und passt auf euch auf

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Innerparteiliche Kritik ist immer gut, wenn der Umgang damit stimmt. Dieser “Zerstritten-Stempel”, den “unsere” Medien dann oft schäbig zuteilen, ist einfach nur pauschal, dumm und populistisch. Dieser Stempel wird übrigens vorzugsweise junger Konkurrenz verliehen im Sinne einer sehr fragwürdigen “Stabilität”.

Lasst uns also redlich streiten um immer die beste Lösung zu finden! Nach einer guten Diskussion wird die Mehrheit dann auch richtig entscheiden.

Zum Glück haben wir damals in Neumarkt so abgestimmt.

Zur Diskussion stand nur der Hybrid nach dem Verbrenner.
Die Basis sollte das alte lineare System bleiben.

Es sollte nur Strukturwandel statt Transformation werden.

Die Umstellung auf digitale Abstimmung wird den Möglichkeiten der Partizipation an politischer Meinungsbildung nicht gerecht.
Es wäre sogar ein Rückschritt statt einem Fortschritt.

???
Ja, wirklich?
Es wird aber nicht zu verhindern sein, - deshalb lieber überlegen wie man es möglich machen kann und Probleme vermeidet.
Augen schließen hilft da wenig.

Eigentlich stimme ich den Journalisten im wesentlichen bei, an dem Tag ist die Piratenpartei “tödlich verletzt worden” und stirbt seitdem.

Statt in der Pandemiezeit das leuchtende Vorbild zu sein, lässt man sich digital von der CDU abhängen.

Das Problem war, dass man sich im Vorfeld unter mind. 5 Gruppen nicht auf einen gemeinsamen Antrag einigen konnte, und jeder der eingereichten Anträge etwas enthielt, dass die genügend Mitglieder nicht wollten. Namentliche Abstimmung mit Vorratsdatenspeicherung, Superdelegierte die alleine entscheiden können, …

7 Jahre später haben die Vorstände immer noch erfolgreich BEO verhindert.

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Im Forum wurde schon mindestens 100 mal festgestellt wurde, dass in der Partei etwas falsch läuft. Verändert wurde trotzdem nichts. Ich glaube da passiert bis zum 10 jährigen Jubiläum 2023 nichts (Wahrscheinlich hat dann auch schon die CDU eine “ständige Mitgliederversammlung”).

Im Prinzip versiegt jeder Fortschritt korrelativ mit der Zunahme an Juristen in der Partei. Da wird dann erst geschaut, was die Gesetze “vorschreiben”. Gesetze die irgendwann von Juristen “geschrieben” wurden. Da muss man sich schon oft an den Kopf fassen.

Ich schreibe hier auch mal eine Gesetz (vllt verstehen, dass dann die Juristen von der PP)

Gesetz über eine ständige Mitgliederversammlung der Piratenpartei

§1 Zulässigkeit einer ständigen Mtgliederversammlung
1. Hiermit ist eine ständige Mitgliederversammlung zulässig.
2. Eine Mitgliedversammlung setzt sich aus mindestens 1/8 der Mitglieder zusammen.

§2 Durchführung einer Mitgliederversammlung
1.Liebe Juristen gehen Sie bitte ins Netz und schauen sie sich das Beo-Tool der PP an. Dort wird alles einfach, intuitiv und übersichtlich beschrieben und verschwenden Sie nicht ihre Zeit damit irgendwelche komischen Gesetze, Satzungen, Richtlinien etc. zu lesen, die sie selbst geschrieben haben. Falls Sie das Beo-Tool nicht auf Anhieb verstehen, dann schauen Sie sich bitte die YouTube-Videos an oder die Wiki-To-Does oder Wik-Hows an. Anschließend nutzen Sie bitte einfach das Tool und schreiben nicht!!! wieder irgendwelche schwer inzifferbaren Gesetze, Satzung, Richtlinien, die nur Sie selbst verstehen können oder überhaupt lesen.

Jetzt muss man den Juristen der PP nur noch weiß machen, dass sie das Gesetz selbst geschrieben haben und schon geht es vorwärts :wink:

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Beschreibt man Organisation auf einer linearen Komplexitätsskala von 0-10 (die vermutlich logarithmisch ist) ist eine Partei vermutlich so bei 7-8.
Die meisten mittelständischen Unternehmen so bei 3-5.
Abteilungsleitungen sind so bei 2.
Der überwiegende Teil der Piraten inklusive ihrer Vorstände haben Erfahrung so im Bereich 0-3.
Sie versuchen ihre Lösungsstrategien und Werkzeuge auf Probleme der Komplexität 0-3 auf Probleme der Komplexität 8 anzuwenden und erreichen damit Teilerfolge. Führung wird in Deutschland gerne mit Weisungsbefugnis verwechselt und letztere gibt es in der Piratenpartei nicht, was die Komplexität erhöht.
Was bleibt sind Piraten mit Teilerfolgen, die nicht mal das Problem verstehen und sich Veränderungen widersetzen.

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Das beschreibt das eigentliche Problem, das Liquid Feedback nicht lösen konnte.
Das war bei dem Antrag so, und bei sogut wie allen anderen Problemen auch.

Mit Abstimmen kann man den politischen Dialog nicht übergehen.
Demokratie funktioniert nicht, wenn man stets abstimmt, das Ergebnis durchzieht und dann behauptet, die Mehrheit hätte ja so abgestimmt.

Schönstes Beispiel ist Brexit.
Oft ist Mehrheit gar nicht vernünftig, sondern die Vernunft ist in Persönlichkeiten begründet.
Wenn man dann diesen Persönlichkeiten die Möglichkeit nimmt, mit Vernunft auf die Entscheidung einzuwirken, kann das Ergebnis unbefriedigend werden.

Im Prinzip sind diese Mehrheitsbeschlüsse ein theoretisches Modell, das voraussetzt, dass die Entscheider alle Informationen haben.
In der Praxis ist das aber gar nicht gegeben,
da die Entscheider sich oft nur mangelhaft informieren oder ihnen der gesellschaftlich kulturelle Hintergrund fehlt.

Das Problem ist auch nicht mit Delegationen zu lösen, da es die Aufgabe der Spezialisten ist, andere zu überzeugen, anstatt selbst die Entscheidung zu treffen.
Diejenigen, die delegieren fühlen sich ansonsten für die Entscheidung nicht verantwortlich.
Derjenige, der abstimmt, ist aber auch immer verantwortlich, gleichgültig, ob er seine Stimme delegiert oder dagegen gestimmt hat.
Es ist eine kollektive Entscheidung und für kollektiven Murks sind auch alle kollektiv verantwortlich und müssen kollegtiv die Verantwortung tragen.
Dieses “die anderen sind doof” und “ich bin klug” funktioniert bei kollegtiv getroffenen Entscheidungen nicht.

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Am Besten wäre es eigentlich, wenn eine Abstimmung sowohl implizit erfolgen würde als auch expizit. D.h. es wird per Algorithmus aus Aussagen der einzelnen Personen ihre Meinung herausgefildert. Und aus diesen herausgefilderten Meinungen werden, dann Mehrheiten und daraus Handlungen entwickelt. Natürlich gibt es dann auch noch expiliziten Abstimmungen, aber meiner Meinung nach sollte es als weiteres Tool, neben der expiziten Abstimmung und der Delegation (die finde ich nähmlich auch gut), die implizite Abstimmung geben.

Die implizite Abstimmung hat den Vorteil, dass die schnell eine Übereinstimmung hergestellt werden kann. Selbst wenn sich die Leute ständig widersprechen. Da einfach das herausgefildert wird, was mehrheitlich auch durchsetzbar ist.

Die expilizite Abstimmung zeigt die Bedeutung einer Abstimmung an und zwingt den Einzelnen dazu. sich über die Sache zu informieren.

Die Delegation ermöglicht es Zeit zu sparen und sich spezialisieren zu können, sodass nicht über alles abgestimmt werden muss, sondern nur über die jeweiligen Spezialgebiete.

PS: Implizite Abstimmung heißt NICHT informale Abstimmung. Es muss transparent sein, wie eine implizite Abstimmung zustande kam!!! D.h. auch implizite Abstimmungen müssen formal und funktional nachvollziehbar sein.

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Ja, hier hätte ein Konsensierungsprozeß stattfinden müssen. Das ist natürlich schwierig, wenn entsprechende Strukturen noch gar nicht vorhanden sind. Und möglichwerweise wäre das Ergebnis dessen immer noch, daß es keine allseits akzeptable Entscheidungsfindungsalternative gegeben hätte.

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Der entscheidende Punkt ist aber, dass ich gar nicht für andere abstimmen möchte, solange ich deren Intention nicht kenne.

Für eine gute Entscheidung ist es eben irrelevant meine Meinung durchzusetzen, sondern mich interessiert auch deren Expertise und diese Expertise gewichte ich aufgrund der persönlichen Einschätzung, wer sagt was.

Das ist ein komplexer Vorgang und deshalb sollte man die klassische Entscheidungsfindung der Parteien nicht verteufeln, solange man kein besseres System hat.
Ob die Art und Weise, wie die SPD ihre Parteivorsitzenden bestimmt hat, sollte man nicht nicht einfach so hinnehmen, da es modern ist, sondern ist zu diskutieren.
Ist das Ergebnis besser bzw. könnte man das Ergebnis wie verbessern?

Was dabei helfen könnte ist, jede Entscheidung abstrakt einordnen zu können. Also eine spezialisierte Meinung von Experten zu einem Sachverhalt zunächst zu einem Bereich und dann zu einem Gesetz und dann zu einer Richtung und das ganze noch anschaulich (möglichst grafisch) dargestellt. Das müsste über einen programmierten Algorithmus laufen. Ich denke für ein gutes Abstimmungstool braucht man auf jedenfall Leute die sehr sehr gut programmieren können, d.h. zahlreiche Algorithmen einbauen, die Inhalte kondensieren und anschaulich darstellen. Und deswegen bin ich ja bei der Piratenpartei, weil ich denke, dass hier solche Leute sind.

Aber da es so schwierig (bzw. eigentlich so gut wie unmöglich) ist von jetzt auf nachher ein gutes Abstimmungstool zu entwickeln MUSS das nach und nach laufen. D.h. der erste Schritt muss wieder getan werden und bei diesem Schritt muss völlig klar sein, dass er unsicher ist und nicht perfekt ist.

Ganz genau. Vor allem kann man dann sogar zu dem Ergebnis kommen, daß man selber anders abstimmen möchte, als für denjenigen, der auf einen delegiert hat. Und “Enthalten” ist auch oft keine akzeptable Lösung.

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Und vorher die Information und die Debatte!

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Abstimmungstools sind leicht.

Das Problem ist:
Information, Transparenz, Debatte

Dann kristallisiert sich eine Richtung und Meinung heraus

mit der dann eine Konsensbildung möglich ist.

und erst danach kommt eine Legitimation durch

Abstimmung

Piraten haben versucht das ganze zu Abstimmen zu vereinfachen und sind daran gescheitert.

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Dann präzisiere ich eben: Gute bis sehr gute Abstimmungstools von jetzt auf nachher zu entwickeln ist unmöglich. Gute Abstimmungstools müssen nach und nach, Schritt für Schritt entwickelt werden. Das setzt aber vorraus, dass die Schritte gemacht werden und es nicht bereits am ersten Schritt scheitert.

Ein gutes Abstimmungstool bildet sich aus einem (oder mehreren) Abstimmungstool(s) heraus und nicht aus dem Nichts.

Wenn jeder Erfinder so gehandelt hätte wie die Piratenpartei, also seine komplette Idee über Board werfen, wenn es irgendwo hakt, dann säßen wir heute noch in Höhlen.

Segel funktioniert nicht mehr, da ein Loch drin ist, als werfen wir es über Board.
Ruder funktioniert nicht mehr, da es gebrochen ist, als werfen wir es über Board.
Schiff sinkt, da es ein Leck gibt, also lassen wir es sinken.

Das hat sicherlich System, sichert Juristen die Posten und verhindert parteiliche Konkurrenz für die Etablierten.

Ähmmm
Die österreichischen Piraten hatten ein LQFB Full-Version - Warum sind die gescheitert?
Eigentlich noch derber als die deutschen Piraten?

Wo wurde dies versucht?
Genau dies wäre die Lösung für einen Beginn gewesen!

Dann hätte “nachgebessert” werden können. Nicht anders herum! - denn dass versuchen Piraten seit Jahren.
Wer nicht informiert werden will, sollte trotzdem abstimmen dürfen. Dies ist immer noch das Wesen der Demokratie!
Ja, damit wird es auch “falsche” Abstimmungen geben. Aber die Menschen die dies dann nicht wollen werden sich informieren müssen .
Und Delegation kann ja durch Netzwerk ersetzt werden - dann kann aber immer noch jeder Abstimmen wie er möchte.

NICHT das einfache, sondern die immer schwierigere Ausarbeitung (vielleicht sogar gedanklich richtig) (siehe diese Diskussion) haben die Probleme gebracht.
Und wozu haben die geführt?

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Konsenszwang macht die Sache noch schwieriger und erzeugt aberwitzige Kompromisse. Nach ausführlicher Diskussion darf imho abgestimmt werden und die Minderheit kann es akzeptieren (lernen).

Minderheiten dürfen natürlich nicht drangsaliert werden.

Der zwischenzeitl. Misserfolg der Piraten hat sicherlich andere Ursachen.

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Meist war es andersherum… :wink:

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