Ideologie Kritik

Ideologien sind doch immer so Vereinfachungen. Da wird ein kleiner Ausschnitt aus etwas sehr komplexen genommen und als die einzige Wahrheit verkauft.

Ein mögliches Beispiel:

Liberalismus: Wir brauchen die unregulierte freie Marktwirtschaft um uns vor Staatlicher Bevormundung zu schützen und die Freiheit der einzelnen Bürger zu sichern.

Links: Wir brauchen strikte Staatliche Regulierung oder Planung um faire Löhne, Sichere Arbeitsbedingungen und Soziale Absicherung aller sicher zu stellen.

Beide Ideologien betrachten jedoch im Grunde nur einen Teilaspekt des großen und ganzen. Innerhalb dieses Teilaspekts sind ihre Argumente in sich logisch und haben ihre Berechtigung, können aber nur bestehen indem das große ganze oder die anderen Sichtweisen ausblenden. Ideologien sind somit Verinfachungen welche den Blick auf das ganze verbauen. Sie suggerieren einfache Lösungen wo es einfache Lösungen schlichtweg nicht gibt. Sie wollen Widersprüche auflösen indem Sie das was ihrer Ideologie widerspricht abschaffen (Was aber nicht funktioniert da man die Realität nicht überwinden kann, daran ist bisher jede Utopie gescheitert).

Wenn Piraten sich mal wieder zoffen, um die Frage sind wir nun eine Linke oder Liberale Partei. Hm, wenn beide Seiten recht und unrecht zugleich haben. Im Grunde bringt uns das nirgends weiter. Wie wäre es da mehr Postideologische Sichtweise zu entwickeln und bei Sachfragen zu versuchen das große ganze zu sehen anstatt nur die kleinen Inseln in denen sich die Ideologien bewegen.

Jaja, ich weiß schon das das schwer ist. Die Welt ist komplex und so weiter und so fort ja es gibt Interessenskonflikte und so weiter. Aber wenn man es versucht dann kommt man der Realität am Ende Stück für Stück doch näher als mit sturer Rechthaberei und Politik die auf breiteren Erkenntnissen basiert ist am Ende doch wohl besser als jene die sich nur den einen ideologisch korrekten Standpunkt raus sucht. Da es die eine universelle Wahrheit also nicht gibt kann man sich da nur annäherungsweise von verschiedenen Richtungen heranarbeiten um ein möglichst genaues Bild zu bekommen.

Linke und Liberale Weltsicht sehen zwar aus wie Widersprüche, sind am Ende doch nur verschiedentliche Perspektiven aus denen die Welt angesehen werden kann. Natürlich gibt es da unendlich viele weitere Perspektiven die aufgegriffen werden könnten. Aber es ist am Ende immer noch die gleiche Welt. Daher lasst die Ideologischen Standpunkte einfach mal stecken und versucht die Welt von so vielen Standpunkten aus wie möglich zu betrachten um Sie auf möglichst vielschichtige Weise zu erfahren. Ihr werdet sehen, da kommt man auf ganz neue Ideen und Herangehensweisen die man von einem fixen Standpunkt aus betrachtet gar nicht erst entdecken würde.

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Wer ist ihr? Wen sprichtst Du gerade an?

Wirtschaftsliberalismus (“Neoliberalismus”) ist nicht deckungsgleich mit Liberalismus ist nicht deckungsgleich mit Libertarismus.

WOW-mögen deine Worte nicht auf taube Ohren treffen.
Ich geh’ noch ein Stück weiter: Ideologie ist für mich eine ganz besondere Form der Dummheit.

Ich würde sagen Ideologien sind was Parteien den Zusammenhalt gibt, denn sie sind das was dazu führt das sie nicht nur eine Ansammlung von Mitglieder sind, welche einfach nur Anträgen zustimmen.
Und was wir Piraten machen müssen ist noch ein bisschen besser werden an unserer Synthese von Linker und Liberaler Ideologie, denn eigentlich denke ich sind wir mit unserer pirating Ideologie schon relativ fest, das Wahlprogramm hat sich ja Inhaltlich nicht so sehr geändert, es gab ein paar Updates, aber alles was ne große Änderung gewesen wäre und nicht nur eine Weiterentwicklung hat eine große Diskussion und keine Änderung verursacht.

Da widerspreche ich dir nicht. Genau deshalb werde ich mich künftig von Parteien fern halten.

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Äh, was ist denn damit gemeint?

Gruß
Andi

Nun - ich habe ein generelles Problem mit Ideologie und deren Trägern. Als da wären (Liste nicht vollständig):

  • Kirchen und Glaubensgemeinschaften
  • Anbeter des sogenannten “freien Marktes” oder der längst nicht mehr vorhandenen “sozialen Marktwirtschaft”
  • Kosmologen, die die Supersymmetrie zum Glaubensgrundsatz erhoben haben und alternative Ansätze unterdrücken

und eben auch und vor allem Parteien.

@Lydia hat das so gut auf den Punkt gebracht, dass ich mir erlaube, sie nochmals mit den gleichen Worten zu zitieren:

Nur funktioniert das mit dem Zusammenhalt bei allen Parteien auch nur so mittel und bei euch eher schlecht. Immerhin gibt es jetzt im Forum ein paar Stimmen, die die richtigen Fragen stellen.
Deshalb funktioniert das mit dem Fernhalten bei mir im Moment schlecht. Tut mir leid. :wink:

Dazu müsste a priori etwas Negatives in jeder “Institution” bzw “Gemeinschaft” vorausgesetzt werden.

Eine “Glaubens Gemeinschaft” ist aber nicht in jedem Fall ein Ideologie Träger, der andersdenkende ausschließt (=> Funktionaler Faschismus )

Man kriegt aber sehr schnell mit, wie eine Gemeinschaft “tickt” und ob dort destruktive Ideologie (Hexenjagd) gefördert wird oder nicht.

… Ein Ideal an sich ist ein Leitbild … ein Ideal ist eine Zieldefinition.
Die ~logie sollte helfen das Ziel zu erreichen.
Der Logos an sich ist weder negativ noch positiv.

Aber sowohl in einer Idee
als auch an der Art diese (eine) Idee gegen andere Ideen durchzusetzen
können sich mannigfaltig menschliche Schwächen zeigen und tun das in der Regel auch.

Wir sind das Problem ( Siehe auch: Paul Watzlawick - Wenn die Loesung das Problem ist (1987)

Ich kann mit der Begrifflichkeit nicht umgehen. Ich halte diese Verwendung des Ideologiebegriffes nicht für sinnvoll und zielführend

Gemäss Duden gibt es zwei Verwendungen des Begriffes Ideologie:

  1. an eine soziale Gruppe, eine Kultur o. Ä. gebundenes System von Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen

  2. politische Theorie, in der Ideen der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele dienen (besonders in totalitären Systemen)

Im Sinne von 1.gibt es keinen Menschen ohne Ideologie; Im Sinne von 2. gibt es keine politische Gruppe ohne Ideen.

Die Ideologie der Ideologiefreiheit ist eine Ideologie unter vielen Anderen die um Ideologische Vorherrschaft streitet. Leider in den vielen neuen linksliberalten Parteien recht beliebt.

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Nein - ich kenne durchaus ein paar Gemeinschaften, die positiv, weil ideologiefrei agieren. Mein Statement war also eine Allaussage gegen Ideologie, gleich welcher Art, nicht gegen Gemeinschaften.

Genau da habe ich meine Zweifel. Das mag kurz nach Bildung der Gemeinschaft so sein, aber je mehr sich Ideologien verfestigen, desto intensiver tobt der Kampf unterschiedlicher Ideologien; Ausschluss Andersdenkender bishin zu deren Vernichtung eingeschlossen.

Bevor ich’s vergesse: Grüße an Jana.

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Hm, aber bei den Piraten sehe ich keine einheitliche Ideologie bzw. erkenne diese nicht so recht. (Wenn man mal von den Internet Themen absieht). Hier gibt es doch so viele verschiedene Ideen davon was Piraten sein sollten das es darum immer ewige Diskussionen gibt.

Bei der CDU/SPD wird es auch schwierig, welches klar zu fassende historische Ziel strebt die CDU denn an ? (Lobbyismus und Karriere machen sind für mich keine Ideologie).

Und was stellt dann deiner Meinung nach die Basis dieser Gemeinschaften dar ?

Zunächst einmal die Anerkennung von Fakten der Kategorie 2+2=4. Bezüglich der anderen “Sorten” von Fakten landen wir nämlich ganz schnell wieder bei Ideologien, wie schon die Begriffsbildung “alternative Fakten” als nette Umschreibung für Lügen zeigt.

Ich empfehle Slavoj Zizeks Film “A perverts guide to ideology” mit dem legendären Intro: “I am already eating from the trash can all the time. The name of this trash can is ideology.”

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Interessante These, der ich trotzdem nicht zustimme.
Exakt und ehrlich arbeitende Wissenschaftler werden - zumindest was ihr Fach angeht - vehement bestreiten, dass sie irgendeiner Ideologie anhängen, auch nicht der von dir postulierten ersten Ableitung des Ideologiebegriffs.

Dann anders gesagt:

Ich halte nicht das Ideal an sich für schlecht sondern das Missbrauchen der “Ideologie” um abweichendes Denken / andere Gedanken zum Thema schlecht zu machen

Am Ende geht es doch immer um das individuelle Erlangen von Macht. Stalin hat ja nicht aus Ideologischen Gründen die Ideologie vorangetrieben sondern um “Abweichler” eliminieren zu können und somit seine eigene Macht zu stärken und unangreifbar zu werden. Leute die eine Ideologische Linie mit aller Macht erzwingen wollen sind meistens entweder Fanatiker oder schlicht Pragmatiker die Machtgeil sind. Oder Narzisten die Ideologische Propaganda zur Selbstdarstellung nutzen (Gerade bei Verschwörungsideologen oft zu beobachten).
Die Erzwungene Durchsetzung einer einheitlichen Ideologie hat denke ich in der Weltgeschichte noch nie etwas gutes bewirkt. Zumindest fällt mir da kein Beispiel ein.

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